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Donnerstag, 03. Dezember 2009
Liebe Leser,
in der vergangenen Woche schockierten die Nachrichten aus Dubai zur dortigen Finanzlage die Börsianer an den Kapitalmärkten rund um den Globus. Lange Zeit galt die Wüstenregion als Wachstumszone mit schier unendlich wirkenden Kapitalreserven. Nun scheint es zumindest in Dubai damit vorbei zu sein. In diesem Zusammenhang möchten wir Ihnen den Gast-Kommentar vom Kapitalmarktexperten Andreas Männicke empfehlen, der am Ende dieser Ausgabe zu lesen ist.
Des Weiteren möchten wir Ihnen in unserer heutigen Ausgabe zwei Unternehmen vorstellen, die in einem Interessanten Markt tätig sind und sich bereits in den vergangenen Jahren etablieren konnten. Wie sich die Zukunft dieser beiden Gesellschaften entwickeln könnte, das erfahren Sie in den jeweiligen Artikeln.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Lesevergnügen mit dieser Ausgabe.
Beste Grüße,
Hans-Joachim Bischoff
Geschäftsführer der Apaton Media GmbH
UnternehmenBechtle |
ISIN:DE0005158703 |
Kurs vom 03.12.2009:16,36 EURO |
Homepage:www.bechtle.com |
WKN:515870 |
Kurspotenzial:+20% |
Bechtle zählt zu den größten unabhängigen IT-Systemhäusern in Deutschland. Unterteilt ist das Geschäftsmodell in zwei Segmente. Das Segment IT-Systemhaus unterstützt Kunden bei der Planung, Aufbau und Betrieb der IT-Infrastruktur. Im Segment IT-eCommerce werden ca. 33.000 IT-Produkte über die zwei Online-Marken Bechtle direkt und ARP Datacon vertrieben.
Die Wettbewerbsqualität spiegelt sich neben dem flächendeckenden Netz von 54 Systemhäusern und der hohen Produktanzahl auch in den umfangreichen Serviceleistungen des Unternehmens (z.B. der Lieferung innerhalb von 24 Stunden) wider. Zudem kann Bechtle durch seine hohe Kundenanzahl (über 50.000) und ein Lieferantennetzwerk von über 300 Herstellern sein Klumpenrisiko reduzieren. Dabei profitiert Bechtle vom Einkaufsvolumen und der Einkaufsmacht und spielt diese Faktoren gezielt gegenüber den einzelnen, kleineren Lieferanten aus. Zu den Wettbewerbern von Bechtle zählen überwiegend regional tätige Systemhäuser.
Bechtle nimmt aktiv an Marktkonsolidierung teil
Stetig sinkende Produktpreise könnten gegen ein Engagement bei Bechtle sprechen, da fallende Produktpreise gegen eine gute Marktqualität sprechen. Jedoch wandelt Bechtle genau diesen Punkt zu seinen Gunsten um. Kleinere finanzschwache Systemhäuser, die dem Preisdruck nicht standhalten können, werden von Bechtle aufgekauft und in das Unternehmen integriert. Durch das Heben von Synergien gelingt es dem Unternehmen so, konsequent die operative Profitabilität zu steigern und den Kapitalumschlag zu erhöhen.
Diese Strategie wurde auch im dritten Quartal fortgesetzt, sodass Bechtle mit guten Ergebniszahlen aufwarten konnte. Zwar musste das Unternehmen bedingt durch die von der Finanzkrise hervorgerufene Rezession einen Umsatzrückgang hinnehmen, jedoch konnte die Ergebnismarge trotz des schwierigen Marktumfeldes die Markterwartungen übertreffen. Dabei lag die operative Marge mit 3,6% nur leicht unter dem Rekordwert des Vorjahrs. Auf Gesamtjahressicht könnte das Unternehmen positiv überraschen und Margen nur leicht unter dem Vorjahresniveau erreichen (3,4%).
Das Überraschungspotenzial wird durch die Tatsache unterstützt, dass das vierte Quartal traditionell das Beste in einem Geschäftsjahr ist. Zudem könnte sich der Investitionsstau der vergangen Quartale mit den leicht verbesserten Konjunkturerwartungen lösen und zu einem stärkeren Umsatzbeitrag in Schlussquartal führen.
Fazit : Bechtle sollte im Jahr 2009 ein Gewinn je Aktie im Bereich von 1,40 Euro erreichen können. Auf Basis eines 10er KGVs und unter Berücksichtigung der hohen Nettocashposition sowie einer sich im Zuge der Konjunkturerholung verbessernden Marge liegt der faire Wert der Aktie bei 20 Euro. Damit bietet die Aktie von Bechtle auf dem aktuellen Niveau ein Upside Potenzial von rund 20%.
UnternehmenXING AG |
ISIN:DE000XNG8888 |
Kurs vom 03.12.2009:32,86 EURO |
Homepage:corporate.xing.com |
WKN:XNG888 |
Kurspotenzial:0% |
Social Media ist in aller Munde. XING ist das bislang einzige, reine Web 2.0 Unternehmen mit einer Börsennotierung. Zudem ist der Hamburger Anbieter von Business-Netzwerken profitabel und grenzt sich damit von den zahlreichen Internetgeschäftsmodellen, die abgesehen von einer Werbevermarktung kein Wertschöpfungsmodell aufweisen, deutlich ab.
XING wurde im August 2003 gegründet, damals noch unter dem Namen OpenBC. Damit zählt das Unternehmen zu den Pionieren der Social Media-Bewegung. Heute weist die Plattform über 8 Mio. Nutzer auf und ist in 16 Sprachen verfügbar. Zunächst finanzierte sich XING über die kostenpflichtigen Mitgliedschaften. Erst später kam die Werbevermarktung hinzu. Heute erzielt das Unternehmen neben diesen beiden Einnahmequellen auch Umsätze aus der Anzeigenschaltung (Jobs, Unternehmenspräsentation). Die Entwicklung ist dementsprechend dynamisch. Lag der Umsatz in 2007 noch bei 19,6 Mio. Euro, konnte XING im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits einen Umsatz in Höhe von 35,3 Mio. Euro ausweisen. Dabei verlief das Wachstum stets profitabel. 2008 konnte ein Gewinn von 7,3 Mio. Euro ausgewiesen werden. Auch im Krisenjahr 2009 hat es XING geschafft, profitabel zu arbeiten. Trotz eines deutlichen Rückgangs konnte in den ersten neun Monaten ein positives Ergebnis in Höhe von 2,5 Mio. Euro ausgewiesen werden.
Einstieg von Burda Media
Schon seit längerem gab es Übernahmephantasien bei XING. Der große Konkurrent LinkedIn, der beim Markteintritt in Europa nicht so richtig voran kommt, wurde als möglicher Käufer gesehen. Das Ausscheiden von XING-Gründer Lars Hinrichs und die Ungewissheit über die Verwendung seines 27,7%igen Aktienpaketes heizten diese Spekulationen über Wochen hinweg an. Der Wunsch vieler Aktionäre nach einem kurstreibenden Übernahmeversuch wurde allerdings vor kurzem zerstört. XING gab bekannt, dass man Hubert Burda Media als neuen Großinvestor begrüßt. Burda hatte 25,1% der Aktien von Lars Hinrichs zu einem Preis von 36,50 Euro je Aktie übernommen. Damit dürften nun alle Gerüchte um einen Einstieg von Konkurrent LinkedIn aus der Welt sein.
Strategisch sinnvolle Allianz
Der Einstieg von Burda bei XING macht aus strategischen Gesichtspunkten durchaus Sinn. Das Investment ist ein wichtiger Schritt im Zuge des Ausbaus der digitalen Aktivitäten, schließlich verfügt XING über mehr als 8 Mio. Nutzer. Die Vermarktung von eigenen Inhalten über das Netzwerk von XING bietet sich hier geradezu an. Auch XING dürfte profitieren. Schließlich hat XING mit Hubert Burda einen starken Partner für die Umsetzung der Wachstumspläne gefunden.
Fazit: Eine Zusammenarbeit mit Burda sollte das zukünftige Wachstum positiv beeinflussen. Zunächst dürfte der Newsflow aber von einer Abschwächung des Wachstums und den Schwierigkeiten des Werbemarktes geprägt sein. Aktuell notiert die Aktie von XING bei ca. 33 Euro. Damit ist das Unternehmen mit dem 30fachen Gewinn des Jahres 2009 bewertet. Da die Ergebnisentwicklung auch in 2010 keine große Dynamik aufweisen dürfte, halten wir die Aktie auf dem derzeitigen Kursniveau für fair bewertet.
Gast-Kommentar von Andreas Männicke
Der Dubai World Fonds, die größte staatliche Investment-Holding der Vereinigten Arabischen Emirate aus Dubai, sorgte mit dem technische Default einer Anleihe am 26. November für helle Aufregung rund um den Globus. Dubai World bat um Zahlungsaufschub für die Rückzahlung einer Anleihe, konkret des Nakheel Bonds im Volumen von 3,52 Mrd. USD, der am 14. Dezember fällig wird. Insgesamt hat Dubai World Schulden in Höhe von 60 Mrd. USD, die aber nicht alle Default sind.
Dabei teilte Dubai World noch im Oktober mit, dass die Um- und Restrukturierung schon fast abgeschlossen sei. Es sollten 800 Mio. Euro an Betriebskosten eingespart werden und die Zahl der Mitarbeiter sollte um 15% auf 70.000 gekürzt werden. Der technische Default kam also überraschend. Die Kurse purzelten beim DAX über 3%, Nikkei über 3% und beim Hang Seng und RTS sogar um fast 5%, während die Wall Street am 26. November den „Thanksgiving day“ (Erntedankfest) feierte und am Folgetag, am sogenannten „schwarzen Freitag“ mit einem Minus von 1,8% sehr besonnen reagierte.
Ein Staatsbankrot des Emirats Dubai hätte sicherlich erhebliche Folgwirkungen auch psychologischer Natur. Dubai hatte sein rasantes Wachstum seit 2004 überwiegend auf Pump finanziert. Aber ebenso hängen immer noch einige Länder wie Ukraine und Lettland am Tropf des IWF. Nur hängt Dubai mit seinen 80 Mrd. USD Schulden (noch) nicht am Tropf des IWF, sondern am Tropf von Abu Dhabi. Auch die Zentralbank der Arabischen Emirate hat Anfang des Jahres eine 10 Mrd. Anleihe von einem 20 Mrd. USD-Bond der Arabischen Emirate aufgekauft, also in etwa das gleiche Spiel gemacht, was im Moment die FED treibt, die schon 300 Mrd. USD aufgekauft hat. Einen Staatsbankrott wird es also so schnell nicht geben, es wird nur mehr Geld gedruckt. Die Notenbank bleibt also „lender of last resort“. Durch den stark gestiegenen Ölpreis haben die Vereinigten Arabischen Emirate wieder Haushaltsbilanzüberschüsse.
Fazit:
Das große Problem ist der mögliche Vertrauensverlust in der gesamten Golf-Region, also auch für Katar, Abu Dhabi und Saudi-Arabien. Ich empfehle aber eine differenzierte Betrachtung, da die Staaten in einer unterschiedlichen Ausgangslage sind. Dubai hat sich offensichtlich mit gewagten und waghalsigen Immobilienprojekten übernommen, was aber nicht für die gesamte Golf-Region zutrifft, die zudem durch den höheren Ölpreis jetzt auch wieder höhere Einnahmen hat und sich gegenseitig helfen können nach dem Motto: „Scheichs aller Länder vereinigt Euch“!
Hinweis:
Eine wesentlich ausführlichere Analyse über die Auswirkungen der Dubai-Krise und die aktuellen Markteinschätzungen können Sie sich runterladen, wenn Sie jetzt den kostenlosen Newsletter von Andreas Männicke unter www.andreas-maennicke.de
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