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Freitag, 02. Juli 2010
Liebe Leser,
eine spannende Börsenwoche liegt zurück, die eigentlich nur eine Richtung kannte - nach unten. Interessant war in diesem Zusammenhang, dass nicht nur die Aktienindices gefallen sind, sondern neben dem Öl-Preis auch der Preis für das Edelmetall Gold. Zugleich verlor auch der US-Dollar gegenüber dem Euro wieder an Wert. Was schließen wir nun aus der gewonnen Erkenntnis? Es herrscht Korrelation von Anlageklassen, die darauf hindeutet, dass Marktteilnehmer sich zunehmend gestresst verhalten, d.h. irrationale Entscheidungen gefällt werden. Es entstehen also Chancen für entspannte Akteure.
In der heutigen Ausgabe berichte ich mal wieder über einen großen Titel aus den USA. Ob die aktuelle Sondersituation eine Einstiegschance bietet, dass weiß derzeit niemand, aber möglicherweise können Sie für sich ein eigenes Bild entwickeln.
Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung beim Lesen dieser Ausgabe und einen schönen Wochenausklang.
Beste Grüße,
Mario Hose
Geschäftsführer der Apaton Media GmbH
UnternehmenGoldman Sachs |
ISIN:US38141G1040 |
Kurs vom 02.07.2010:104,00 EURO |
Homepage:www.gs.com |
WKN:920332 |
Kurspotenzial:+20% |
Die US-amerikanische Bank Goldman Sachs galt lange Zeit als Garant für Erfolg und Stärke. Als im November 2008 das globale Finanzsystem vor der Zerreißprobe stand, rauschten die Anteilsscheine von Goldman Sachs unter die Marke von 50 US-Dollar. Rund ein Jahr zuvor wechselten die Aktien noch bei über 250 US-Dollar die Besitzer. Im Jahr 2009 verkündete das Unternehmen wieder Gewinne in Milliardenhöhe und läutete damit das Ende der Finanzkrise ein.
Geschäftsmodell mit Risiken
Das Unternehmen mit langjähriger Tradition ist im Bereich Investment Banking und Beratung für staatliche Einrichtungen sowie vermögende Privatpersonen und Unternehmen tätig. Das Spektrum der Tätigkeiten ist breit gefächert und somit ist es der Gesellschaft möglich, in vielen Ebenen und verschiedenen Prozessen Einnahmequellen zu erschließen. Diese Möglichkeit kann mitunter dazu führen, dass es zu Interessenskonflikten kommen kann. Bei der Qualität von Interessenskonflikten kann man meines Erachtens wohlwollend in zwei Kategorien unterscheiden. Die eine Art ist passiv und aufgrund der Große des Unternehmens unausweichlich, wenn z.B. die Analysten eine Aktie zum Kauf empfehlen und ein Fondsmanager ohne Absprache die Aktie aus dem verwalteten Portfolio verkauft.
Verlockung mit Folgen
Problematisch wird es hingegen, wenn Goldman Sachs den Wissensvorsprung aktiv ausnutzt und Finanzprodukte entwickelt, die nur einen Zweck erfüllen - den totalen Wertverlust und sich daran auch noch bereichert. Mit diesem Vorwurf beschäftigen sich seit Monaten Anwälte von z.B. der IKB Deutsche Industriebank AG sowie die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC). Der Vorwurf lautet, dass Goldman Sachs wissentlich wertlose Immobilien-Papiere in ein Finanzprodukt geparkt haben soll, um dann von dem bevorstehenden Totalverlust in Milliardenhöhe zu profitieren.
Schadensbegrenzung
Die Kunden von Goldman Sachs sind mittlerweile verunsichert und laut Medienberichten kehrten bereits einige von ihnen der Gesellschaft den Rücken. Dazu kommt noch, dass Mandate für lukrative Börsengänge an Wettbewerber vergeben werden. Unterm Strich tut dieser Skandal dem renommierten Geldhaus nicht gut. Letztlich ist Vertrauen die Basis jeder Bank. Ohne Vertrauen gibt es schließlich keine Kunden. Zur Zeit bemüht sich das Unternehmen um Schadensbegrenzung und kämpft um den Erhalt von Geschäftsbeziehungen durch persönliche Gespräche.
Gewinne sprudeln weiter
Die Gewinne des Unternehmens dürften aufgrund der zurückliegenden Börsensituation im zweiten Quartal niedriger, als in den vorangegangenen Quartalen ausgefallen sein. Salopp gesagt, wenn die Börse steigt, dann verdient Goldman Sachs mehr Geld, als wenn die Börse fällt. So schätzen die Analysten im Schnitt einen Gewinn im zweiten Quartal von 2,63 US-Dollar pro Aktie. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,93 US-Dollar pro Aktie. Auf Sicht des Gesamtjahres wird erwartet, dass unterm Strich 17,26 US-Dollar pro Aktie beim Unternehmen bleiben. In 2009 verdiente Goldman Sachs 22,13 US-Dollar pro Aktie. Am 20. Juli wissen wir wohin die Reise geht, denn dann verkündet das Unternehmen der Ergebnisse des zweiten Quartals 2010.
Fazit: Die Aktie von Goldman Sachs leidet derzeit deutlich unter dem Imageverlust im Zusammenhang mit den oben beschriebenen Betrugsvorwürfen. Möglicherweise werden in den kommenden Monaten weitere Vorfälle bekannt, sodass die Aktie nicht nur durch die allgemeine Volatilität des Marktes unter Druck geraten könnte, sondern durch neue Unsicherheiten im Zusammenhang mit drohendem Schadensersatz der Abwärtstrend wieder an Beschleunigung gewinnt. Bei einem gestrigen Schlusskurs von 131,14 US-Dollar und einer durchschnittlichen Gewinnerwartung von 17,26 US-Dollar pro Aktie, beträgt das aktuelle Kurs-/Gewinn-Verhältnis rund 7,6 - was nicht teuer ist. Neben den Kursrisiken dieses Titels müssen sich Anleger auch den Kursschwankungen von Euro/US-Dollar bewusst sein.
Hinweis nach § 34 WpHG zur Begründung möglicher Interessenskonflikte: Die Betreiberin oder ihr verbundene Unternehmen und jeweilige Autor kann Short- und/oder Long-Positionen in der/den behandelte(n) Aktie(n) halten. Bitte beachten Sie auch die Nutzungsbedingungen und Haftungsbeschränkungen.