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Donnerstag, 03. September 2009
Liebe Leser,
der DAX geht weiter auf Tauchstation und musste am Mittwoch um die Marke bei 5300 Punkten zittern. Ist das der Beginn einer größeren Korrektur? In einigen Tagen wissen wir mehr.
Dennoch stehen noch immer auf der Watchlist vieler Privatanleger die Solartitel. Die Hoffnung auf ein Comeback der einstigen Boombranche ist weiterhin groß. Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe die interessante Analyse zu Q-Cells.
In der letzten Ausgabe beschäftigten wir uns mit der Aktie des Baukonzerns Hochtief. Daran möchten wir in dieser Ausgabe anknüpfen, indem wir heute Bilfinger Berger - ein weiteres Unternehmen aus dem Bausektor - vorstellen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Lesevergnügen mit dieser Ausgabe.
Beste Grüße,
Hans-Joachim Bischoff
Geschäftsführer der Apaton Media GmbH
UnternehmenBilfinger Berger |
ISIN:DE0005909006 |
Kurs vom 03.09.2009:41,47 EURO |
Homepage:www.bilfingerberger.de |
WKN:590900 |
Kurspotenzial:+10 % |
Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe mit der Aktie des Baukonzerns Hochtief beschäftigt haben, möchten wir Ihnen heute mit Bilfinger Berger ein weiteres Unternehmen aus dem Bausektor vorstellen. Bilfinger Berger zählt zu den größten Bauunternehmen in Europa. Mit einem erwarteten Jahresumsatz von rund 10 Mrd. Euro ist das Unternehmen umsatzseitig etwa halb so groß wie Hochtief.
Bilfinger Berger hat am 13. August die Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Diese sind vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise positiv zu beurteilen. Trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeldes konnte das MDAX-Unternehmen den Umsatz leicht ausweiten (+3% auf 5,1 Mrd. Euro). Gleiches gilt für den Auftragseingang (+2%). Durch einen Auftragsbestand in Höhe von knapp 11 Mrd. Euro erscheint die Umsatzentwicklung der nächsten Monate trotz der schwierigen Marktbedingungen sehr visibel. Die Aussichten sind folglich positiv einzuordnen. Ergebnisseitig konnte Bilfinger Berger mit den kürzlich vorgelegte Zahlen ebenfalls überzeugen: Das operative Ergebnis stieg gegenüber dem Vorjahreswert überproportional auf 119 Mio. Euro (+ 125%). Begründet wird der starke Anstieg hauptsächlich durch negative Einmaleffekte im Vorjahreszeitraum.
Wegen der positiven Geschäftsentwicklung in den ersten sechs Monaten und einem Auftragsbestand auf Rekordniveau hat Bilfinger Berger kürzlich den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigt: Der Vorstand geht von einem Umsatz in Höhe von rund 10 Mrd. Euro aus, das Konzernergebnis soll bei 140 Mio. Euro liegen. Allerdings wirkt die Guidance auf Grundlage der gemeldeten Zahlen sehr konservativ, zumal das Unternehmen neue Projekte akquirieren konnte, die zu einer weiteren Ausweitung der Umsätze führen dürften. Zudem spürt Bilfinger Berger die aktuelle Krise kaum. Der Grund: in Australien wirken sich die staatlichen Konjunkturprogramme bereits positiv aus. In Deutschland laufen zahlreiche Ausschreibungsverfahren, die entsprechenden Aufträge sollten in 2010 folgen. Gleiches gilt für das europäische Ausland. Insgesamt erwirtschaftet das Unternehmen über 85% seiner Umsatze in Europa und Australien. Auf Aktivit äten in China verzichtet das Unternehmen aufgrund der Diskriminierung ausländischer Unternehmen bewusst.
Fazit:
Auf der anderen Seite ist das Engagement des MDAX Unternehmens bei Infrastrukturbauten sehr gering und kann daher von Konjunkturmaßnahmen nur begrenzt profitieren. Bilfinger Berger sieht sich zusehends als Dienstleister und weniger als Bauunternehmen. Aus diesem Grund relativiert das Unternehmen die Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf einen durch die Konjunkturprogramme hervorgerufenen Umsatzsprung. Die Infrastrukturprojekte werden lediglich 5% des Gesamtumsatzes ausmachen und dementsprechend nur geringes Upside-Potenzial bieten.
Seit der Ankündigung im letzten Newsletter (19. August) ist der Aktienkurs von Bilfinger Berger stark gestiegen. Auf dem aktuellen Niveau (42 Euro) ist das Unternehmen fair bewertet. Auch eine konstante Dividendenrendite von über 4% täuscht hierüber nicht hinweg. Kurzrücksetzer auf ein Niveau von ca. 38 Euro könnten zum Einstieg genutzt werden.
UnternehmenQ-Cells SE |
ISIN:DE0005558662 |
Kurs vom 03.09.2009:10,15 EURO |
Homepage:www.q-cells.de |
WKN:555866 |
Kurspotenzial:+10% |
Solartitel stehen noch immer auf der Watchlist vieler Privatanleger. Die Hoffnung auf ein Comeback der einstigen Boombranche ist weiterhin groß. Verständlich, schließlich lag das durchschnittliche Kursziel der Analysten für die Aktie der Q-Cells SE vor fast genau einem Jahr noch bei rund 100 Euro. Heute raten einige Analysten zum Verkauf der Aktie. Hat sich die Welt innerhalb von zwölf Monaten denn komplett geändert? Oder bieten Titel wie Q-Cells auf dem aktuellen Kursniveau günstige Einstiegsmöglichkeiten? Zu klären bleibt die Frage: Welches sind die Solartechnologien der Zukunft und welche Unternehmen sind die für die Anforderungen der Zukunft am besten gerüstet.
Q-Cells zählt weltweit zu den größten Solarzellenproduzenten mit einem Marktanteil von ca. 8% (in 2008). Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte das TecDAX-Unternehmen erstmalig einen Umsatz von über einer Milliarde erzielen. Allerdings sind die Zeiten des Wachstums vorbei. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres brach der Umsatz um rund 37% auf 366 Mio. Euro ein. Das operative Ergebnis rutschte, nachdem es im ersten Halbjahr 2008 noch 119 Mio. Euro betragen hatte, tief in die roten Zahlen (EBIT H1/2009: -47,6 Mio. Euro). Einen Ausblick auf das zweite Halbjahr blieb das Unternehmen bisher schuldig.
Gründe für den Kursverfall
Ganz klar, die Finanzkrise hat der Boombranche Solarenergie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Finanzierung von Projekten war von einen Tag auf den anderen nicht mehr möglich. Viel gravierender und nicht nur temporär ist aber das Problem der Überkapazitäten. China und die USA wollen ein großes Stück vom "Solarkuchen". Getrieben durch Steuererleichterungen und Investitionsprogrammen baut die ausländische Konkurrenz die Kapazitäten aus, mit entsprechendem Einfluss auf das Preisniveau. Zudem verfügen vor allem die asiatischen Unternehmen über eine effizientere Kostenstruktur. Die deutschen Solarunternehmen geraten verstärkt unter Druck und werden in Zukunft die Produktionskosten deutlich reduzieren müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dafür müssen die Unternehmen in neue, kostengünstige Produktionsverfahren investieren und / oder die Produktion ins Ausland (Niedriglohnländer) verlagern.
Ist Q-Cells für die Anforderungen der Zukunft gut gerüstet?
Die Platzierung einer Wandelanleihe und der Verkauf von rund 85 Mio. REC-Aktien haben die Bilanzsituation von Q-Cells signifikant verbessert. Die liquiden Mittel lagen per Ende Juni bei 347 Mio. Euro. Das sichert die Handlungsfähigkeit. Die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten konnten fast komplett zurückgeführt werden.
Q-Cells will mit einem umfassenden Maßnahmenpaket auf die veränderten Marktbedingungen reagieren. Neben der Kapazitätsanpassung und Kostensenkung beinhaltet dies auch die Stärkung der Technologieposition sowie die Sicherung der mittelfristigen Liquiditätsreserven. Dabei schreckt das Unternehmen auch nicht vor Stilllegungen von Produktionsstandorten zurück. Q-Cells scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben.
Fazit:
Q-Cells hat die Bilanzqualität in den letzten Monaten deutlich verbessert. Zudem scheint das Unternehmen konsequent auf die neuen Marktbedingungen reagieren zu wollen. Dennoch dürfte der Preisverfall entlang der gesamten Wertschöpfungskette den Geschäftsverlauf belasten. Zudem verfügt Q-Cells über langfristige Lieferverträge, die erst 2010 an den Marktpreis angeglichen werden. Positiver Newsflow dürfte folglich erst wieder ab 2010 zu erwarten sein. Kurzfristige Impulse für den Aktienkurs fehlen. Trotz des guten Krisenmanagements ist Q-Cells ist auf dem aktuellen Kursniveau lediglich eine Halteposition.
Hinweis nach § 34 WpHG zur Begründung möglicher Interessenskonflikte: Die Betreiberin oder ihr verbundene Unternehmen und jeweilige Autor kann Short- und/oder Long-Positionen in der/den behandelte(n) Aktie(n) halten. Bitte beachten Sie auch die Nutzungsbedingungen und Haftungsbeschränkungen.