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Freitag, 26. November 2010
Liebe Leser,
in den vergangenen Wochen war ich viel unterwegs und hatte zahlreiche Gespräche mit Unternehmensvertretern. Unter anderem besuchte ich auch in diesem Jahr wieder das Eigenkapitalforum in Frankfurt – die Pflichtveranstaltung für professionelle Anleger in Europa. Die Stimmung war wieder deutlich besser, als in den beiden Vorjahren.
In der heutigen Ausgabe möchte ich Ihnen ein Unternehmen vorstellen, das ich mir im Rahmen der oben genannten Veranstaltung genauer angeschaut habe. Die Gesellschaft ist in einer Branche tätig, die derzeit stark unter Druck steht. Warum ich die Firma dennoch als interessant erachte, erfahren Sie im folgenden Beitrag.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen schönen ersten Advent und gute Unterhaltung beim Lesen dieser Ausgabe.
Mit freundlichen Grüßen
Mario Hose
Geschäftsführer der Apaton Finance GmbH
UnternehmenRoth + Rau AG |
ISIN:DE000A0JCZ51 |
Kurs vom 26.11.2010:11,50 EURO |
Homepage:www.roth-rau.de |
WKN:A0JCZ5 |
Kurspotenzial:+20% |
In den vergangenen rund sechs Jahren erlebten besonders wir Deutsche einen nahezu fanatischen Run auf alles, was mit erneuerbaren Energien zu tun hatte. Es ist keine Übertreibung von einem Boom zu sprechen - vor allem trifft diese Beschreibung auf die Solarbranche zu. Titel wie Q-Cells und Solon notierten nach langen Kursanstiegen auf dem Niveau von rund 100 Euro. Mittlerweile hat sich die Stimmung ins Gegenteil gedreht und es herrscht Endzeitstimmung – zu recht.
Die Photovoltaik Industrie funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Die Produzenten von Solarzellen kaufen ihre Produktionsanlagen für rund 100 Mio. Euro von einem Anlagenbauer und benötigen dann noch Mitarbeiter und Rohstoffe sowie einen Vertriebskanal. Über mehrere Jahre hinweg sorgte die deutsche Bundesregierung mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für einen subventionierten Absatz, sodass es sich für private Haushalte unter Renditegesichtspunkte lohnte, eine Photovoltaikanlage anzuschaffen. Gleichzeitig schossen die Produzenten von Solarzellen aus dem Boden, weil es ja durch den Kauf einer kompletten Produktionsstraße so einfach war und der Staat für eine sichere Nachfrage sorgte.
Die Subventionsexzesse trugen dazu bei, dass sich die Solarproduzenten in Sicherheit wiegten und leichtsinnige Entscheidungen trafen. So verschuldeten sich viele Solarproduzenten so sehr, dass sie mittlerweile vor dem Aus stehen. Verursacht wurde diese Situation zum einen durch die Reduzierung von Subventionen sowie dem starken Wettbewerb aus dem Ausland - allen voran China. Mittlerweile sind Banken zu Großaktionären bei deutschen Solarproduzenten mutiert, z.B. die Commerzbank bei Conergy. Die Vorstände, welche die Misere im Kampf um Marktanteile verzapft haben, wurden bereits ersetzt. Die Vorstände von deutschen Solarproduzenten müssen derzeitig wahrscheinlich über mehr Ahnung von Insolvenzrecht verfügen, als vom Photovoltaik-Geschäft.
Wer jedoch glaubt, dass der Solarmarkt gänzlich abzuschreiben ist, kann sich irren. Letztlich findet nun eine Marktbereinigung statt, die dazu führen wird, dass die effizientesten Unternehmen überleben werden. Die Kursverluste der Aktionäre und der gestiegen Umlagen für die deutschen Energiekonsumenten sollte man mental als monetären Umweltschutzbeitrag verbuchen - wer weiß, ob der weltweite Solarmarkt sich so prächtig entwickelt hätte, wenn wir Deutsche ihn nicht mit aller Gewalt angeschoben hätten?
Ich habe nun etwas weit ausgeholt und komme nun zum Unternehmen, um das es in dieser Ausgabe eigentlich geht - die Roth & Rau AG. Wenn man den Solarboom mit dem Gold-Rush vergleicht, dann könnte man Roth & Rau durchaus als Schaufelverkäufer bezeichnen. Immerhin hat das Unternehmen mit der Serie „SiNA“ weltweit einen Anteil von rund 40% an allen aufgestellten Produktionsanlagen für Solarzellen und ist somit Marktführer. Die Gesellschaft aus Hohenstein-Ernstthal wurde im Jahr der Wiedervereinigung gegründet und ist seit Mai 2006 börsennotiert. Das TecDAX-Unternehmen beschäftigt weltweit 1.181 Mitarbeiter.
Zu den namhaften Kunden des Unternehmens zählen Schott, Yingli, Solarworld, Q-Cells, Conergy, REC Solar, oerlikon solar, General Electric, Würth Solar, BP, Hyundai, Suntech und viele mehr. Es liegt also nah, dass die Qualität der Solarzellen der jeweiligen Produzenten davon abhängt, welche Produktionsanlage sie von Roth & Rau erworben haben. Mit anderen Worten, da Solarzellen in Modulform keine Lifestyle Produkte sind, bei denen man großen Wert auf Marke und Image legt, achten die Käufer oder Installateure überwiegend auf Leistungsmerkmale und versuchen einzuschätzen, ob es den Hersteller aufgrund von Garantiefragen auch noch in 20 Jahren geben könnte. Letzteres ist natürlich unabsehbar, wer hätte es vor fünf Jahren für möglich gehalten, dass Conergy und Q-Cells heute so hemdsärmlig dastehen.
Roth & Rau wird hingegen seine Produktionsanlagen munter weiter verkaufen. Natürlich wird die Gesellschaft vom aktuellen Kampf um Marktanteile der Produzenten nicht verschont bleiben und auch bei ihnen droht ein Kampf um Margen, wenn sich die Abnehmer gegenseitig unterbieten. Wie lange diese Phase noch andauern wird, das weiß niemand. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Roth & Rau Marktanteile gegenüber anderen asiatischen Anlagenbauern verlieren wird. Letztlich wird sich die Gesellschaft zukünftig nur dann an Spitze halten können, wenn die Innovationen einen Preisaufschlag rechtfertigen und Geld verdient wird. In den kommenden fünf Jahren wird bei den installierten Kapazitäten im Photovoltaik-Markt mit jährlichen Wachstumsraten von 28 bis 35% gerechnet (Quelle: BCG Juli 2010).
In den ersten neun Monaten dieses Jahres erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 189,2 Mio. Euro (2009: 159,5; 2008: 197,5) und ein EBIT von 3,0 Mio. Euro (2009: 13,1; 2008: 20,9). Der deutliche Gewinneinbruch resultierte aus Abschreibungen und Ausfällen in Höhe von 8,5 Mio. Euro. Aufgrund dieser Entwicklung brach der Aktienkurs in diesem Monat von über 17 Euro auf unter 11 Euro ein. Mittlerweile scheint sich der Abgabedruck zu legen und der Kurs tendiert wieder in Richtung 12 Euro-Marke.
Fazit: Wer auf die nachhaltige Entwicklung von Solarenergie setzen möchte, der sollte die Entwicklung bei Roth & Rau zukünftig intensiv verfolgen. Aufgrund von Sippenhaft kann es jedoch zu irrationalen Kursentwicklungen kommen, z.B. infolge von weiteren Subventionskürzungen in verschiedenen Ländern. Das zukünftige Wachstum von Roth & Rau wird sicherlich auch in den Schwellenländern liegen, die bereits über entwickelte Absatzkanäle verfügen. Zuletzt verzeichnet das Unternehmen jedoch Schwierigkeiten bei der Realisation von Projekten in Indien, woraus u.a. auch die hohe Abschreibung entstand.
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