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Das Jahrtausendtief beim TSX-Venture Index

16.12.2014 16:21

Die Wahl der Überschrift kann im Laufe des Artikels schon mal geändert werden, je nach dem, in welche Richtung ich manchmal im Verlauf abdrifte. Bei diesem Artikel werde ich die Überschrift jedoch nicht mehr ändern, denn es geht um die Hauptaussage, dass der TSX-Venture Index seit 1998 noch nie so tief wie heute notierte - beim Stand von unter 640 Punkte.

Der TSX-Venture Index setzt sich überwiegend aus Wachstumsunternehmen aus der Rohstoffbranche zusammen, die in Toronto, Kanada, notieren. Aus diesem Grund gibt dieser Index auch die Stimmung der Explorationsbranche repräsentativ wieder. Exploration ist die Vorstufe von Entwicklung und Produktion. Mit anderen Worten, wenn die Stimmung für die Exploration schlecht ist, dann heißt das, dass wenig Geld in diesen Bereich fließt. Im Umkehrschluss wird es aufgrund dieser Investitionslücke auch später Probleme in den Bereichen Entwicklung und Produktion geben.

Während in den vergangenen zwei Jahren der Rückgang beim Gold- und Silber-Preis als Argument für den Rückgang des TSX-Venture Index herangezogen wurde, sind die Augen nun auf den Öl-Preis gerichtet. Der Rückgang des schwarzen Goldes drückt auf die Gemüter der Fracking-Unternehmen und deren Investoren. Der einzige Wehrmutstropfen für Menschen, die in den Regionen von Fracking-Aktivitäten leben, ist, dass der Öl-Preis das hinbekommt, was den Umweltschutz-Aktivisten nicht gelang - das Ende von Fracking auf unbestimmte Zeit einzuläuten.

Die Turbulenzen, die durch Fracking ausgelöst werden, erinnern an die Subprime-Krise aus den USA im Jahr 2008. Auch in diesem Fall handelt es sich um Milliarden an Finanzierungen, die den Banken und Investoren wieder um die Ohren fliegen können. Je nach Dauer des Preisverfalls, dürfte der Schaden entsprechend ausfallen. Bei Kosten von 70-77 US-Dollar pro Barrel ist die Fracking Branche beim aktuellen Stand von 54 US-Dollar pro Barrel WTI vom Break-even Punkt weit entfernt.

Die aktuelle weltpolitische Gemengelage befeuert momentan die Entwicklung im Öl-Sektor. So erkämpfte die US-Öl-Branche einen Marktanteil bei der Produktion, der sie vom Importeur zum Exporteur wachsen ließ. Ein Dorn im Auge der Saudis, die seit vielen Jahrzehnten als die Macht im Öl-Markt gesetzt sind. Kein Anbieter sieht es gerne, wenn sein Hauptkunde selbst zum Anbieter wird. Umso kurzsichtiger ist die Strategie, wenn zudem der Produktionspreis extrem hoch und zugleich ein K.O.-Kriterium ist.

Die Saudis und Emirate haben in den vergangenen Jahren genügend Devisen aufgebaut, um das eigene Überleben durch die totale Vernichtung der US-Fracking Industrie abzusichern. Die Gewinner dieser Schlacht sind die konventionellen Öl-Gebiete mit Kosten bei der Produktion von unter 30 US-Dollar. Auch wenn diese zunächst geringere Gewinne einfahren, so ist es mittel- bis langfristig jedoch gewiss, dass der Öl-Preis wieder in Richtung 100 US-Dollar steigen muss.

Spätestens wenn die Saudis und Emirate keine Devisen mehr haben, dass kann zwei bis vier Jahre dauern, dann muss der eigene Haushalt wieder durch Öl-Geschäfte finanziert werden und dafür muss der Preis bei rund 100 US-Dollar stehen. Auch die durchschnittliche Lautstärke der Amtsgespräche im russischen Kreml dürften beim aktuellen Rückgang der Staatseinnahmen aus dem Öl-Geschäft auf über 100 dB gestiegen sein.

Der TSX-Venture Index leidet neben den Turbulenzen am Rohstoffmarkt aber auch unter der sogenannten ‚Tax-Loss-Selling‘ Saison. Zum Jahresende verkaufen viele Kanadier ihre Aktien, um möglicherweise Geschenke zu kaufen, aber vor allem, um mögliche Verluste steuerlich geltend zu machen.

Hier liegt auch die Chance für Investoren. Nicht selten war in den vergangenen Jahren zu beobachten, dass sich die Aktienkurse vom Tiefststand im Dezember im Vergleich zum Höchststand im darauffolgenden Januar um einen signifikanten Prozentsatz erholten. Dezember kann also durchaus als Käufermonat bezeichnet werden. Abschließend kann der aktuelle Stand des TSX-Venture Index aber auch eine große Chance des 21. Jahrhundert sein, denn eines ist gewiss, Öl- und andere Rohstoff-Verbräuche werden bei wachsenden Ansprüchen der weltweit zunehmenden Bevölkerung bestehen bleiben.

© Der Finanzinvestor - Autor: Mario Hose

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