14.08.2026 | 05:45
Drei Industrie- und Tech-Aktien vor dem Durchbruch? dynaCERT, TKMS, Viscom
Die Börsen werden aktuell von drei Megatrends dominiert: technologische Innovation, grüne Transformation und geopolitische Sicherheit. Genau in diesen Marktgegebenheiten agieren drei spannende Industrie- und Tech-Werte, die vor entscheidenden Wendepunkten stehen. Ob prall gefüllte Auftragsbücher im Rüstungsbereich, Cleantech-Lösungen für den Schwerlastverkehr oder Turnaround-Potenzial in der Inspektionstechnik für KI-Hardware – diese Aktien vereinen enorme Chancen mit spezifischen Risiken. Ein analytischer Blick auf die aktuellen Zahlen lohnt sich.
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA26780A1084 , DE000TKMS001 , DE0007846867
Viscom-Aktie zwischen Auftragsboom und Halbjahresverlust: Gelingt jetzt der Turnaround?
Die Aktie von Viscom (WKN: 784686 | ISIN: DE0007846867 | Ticker: V6C) notiert aktuell bei rund 5,46 EUR und hat einen Börsenwert von knapp 50 Mio. EUR. Seit Jahresbeginn liegt das Papier etwa 24 % im Plus, auf 52-Wochen-Basis beträgt der Kursgewinn rund 21 %. Damit gehört Viscom allerdings zu den kleinsten börsennotierten Technologieunternehmen in Deutschland. Viscom entwickelt automatische optische und röntgentechnische Inspektionssysteme für die Elektronikindustrie. Diese Anlagen überprüfen beispielsweise Leiterplatten, Halbleiter, Batteriezellen und elektronische Baugruppen auf Produktionsfehler. Zu den wichtigen Zukunftsmärkten gehören KI-Hardware, Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt sowie Sicherheitstechnik.
Die am 12. August veröffentlichten Halbjahreszahlen zeigen ein gemischtes Bild. Der Auftragseingang stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30,2 % auf 55,7 Mio. EUR. Der Auftragsbestand erhöhte sich sogar um 62,2 % auf 38 Mio. EUR und hat sich gegenüber dem Jahresende 2025 nahezu verdoppelt. Ein entscheidender Treiber war ein Großauftrag für die Inspektion von Batteriezellen, der allerdings überwiegend erst 2027 umsatzwirksam wird. Beim Umsatz ist die Erholung bisher noch nicht vollständig angekommen. Die Erlöse sanken im ersten Halbjahr um 6 % auf 36,9 Mio. EUR. Positiv entwickelte sich jedoch das zweite Quartal: Der Quartalsumsatz erreichte 22,6 Mio. EUR und lag damit 15,8 % über dem Vorjahreswert sowie 57,3 % über dem schwachen ersten Quartal.
Das Halbjahres-EBIT verschlechterte sich von leicht positiven 52.000 EUR auf minus 2,5 Mio. EUR. Dies entspricht einer EBIT-Marge von minus 6,9 %. Im zweiten Quartal kehrte Viscom mit einem operativen Gewinn von 1,46 Mio. EUR jedoch bereits in die Gewinnzone zurück. Das könnte ein erstes Signal für eine operative Wende sein. Für 2026 erwartet das Management weiterhin einen Umsatz von 80 bis 90 Mio. EUR und einen Auftragseingang von 90 bis 100 Mio. EUR. Die EBIT-Marge soll zwischen 2 und 5 % liegen. Daraus würde sich ein operativer Gewinn zwischen 1,6 und 4,5 Mio. EUR ergeben. Besonders dynamisch entwickelt sich die Nachfrage in Nordamerika und Asien, während Kunden in Europa weiterhin zurückhaltend investieren.
Die sehr geringe Marktkapitalisierung eröffnet zwar überdurchschnittliches Kurspotenzial, erhöht aber gleichzeitig das Risiko. Schon kleinere Aufträge oder enttäuschende Ergebnisse können starke Kursbewegungen auslösen. Außerdem ist das Handelsvolumen niedrig, wodurch größere Orders den Kurs deutlich beeinflussen können. Charttechnisch hat sich das langfristige Bild verbessert. Bei 5,52 EUR notiert die Aktie deutlich über der 200-Tage-Linie bei rund 4,80 EUR. Die Zone zwischen 5 und 5,20 EUR bildet eine erste Unterstützung. Darunter würde die 200-Tage-Linie wieder in den Fokus rücken. Auf der Oberseite liegen Widerstände bei rund 5,80 bis 6 EUR sowie am bisherigen Jahreshoch zwischen 6,70 und 6,80 EUR. Der hohe Auftragsbestand spricht für eine weitere Erholung, der nachhaltige Turnaround muss sich jedoch erst bei Umsatz und Gewinn bestätigen.
dynaCERT treibt Emissionsreduktion im Schwerlastverkehr in Südostasien voran
Die Aktie des kanadischen Cleantech-Unternehmens dynaCERT (WKN: A1KBAV | ISIN: CA26780A1084 | Ticker-Symbol: DMJ) notiert aktuell bei 0,07 EUR (0,105 CAD) und weist einen Börsenwert von gut 36 Mio. EUR (53,4 Mio. CAD) auf. Auf Sicht der letzten sechs Monate verzeichnet das Papier ein Plus von rund 27 %, während auf 52-Wochen-Basis noch ein Kursverlust von knapp 17 % zu Buche steht. Vor erheblichem Kosten- und Regulierungsdruck steht der globale Logistikmarkt. Dies ergibt sich aus schärferen Klimavorgaben und geopolitischen Risiken. In diesem Umfeld setzen die Kanadier auf eine zweigleisige Strategie: Hardware-Lösungen kombiniert mit telematischer Software. HydraGEN™, ein nachrüstbares Einspritzsystem für Dieselmotoren, sowie HydraLytica, eine Telemetrie- und Emissionsmonitoring-Plattform, ermöglichen laut Unternehmensdarstellung klare Kraftstoff- und CO₂-Einsparungen. Erste Piloteinbauten in wachstumsstarken Regionen wie Vietnam verdeutlichen, dass erste Effizienzsteigerungen in der Praxis zu Kostenvorteilen und potenziellen Erträgen aus Emissionsrechten führen. Diese Pilotprojekte dienen als Basis für wiederkehrende Aufträge und das Weiterempfehlungsgeschäft.
So soll laut Unternehmensmitteilung von letzter Woche der nächste Pilotkunde bereits bedient werden. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen aus der Abfall- und Recyclingbranche in der Region Hanoi mit eigener LKW-Flotte. Die Installation der HydraGEN-Geräte soll in der kommenden Woche bereits abgeschlossen sein. Gleich im Anschluss sollen die Installateure bei einem führenden Öl- und Erdgasunternehmen von Vietnam die nächsten HydraGEN-Geräte in einer Auswahl an Feuerwehrfahrzeugen, Gabelstaplern und Mobilkränen einbauen. Bei einem der weltweit führenden Logistikunternehmen wurde in dessen Hafenbetrieb HydraLytica eingesetzt und zur Anwendung gebracht. Ziel ist es, die motorbezogenen Daten zu empfangen und auszuwerten, um so einen detaillierten Überblick über den Kraftstoffverbrauch, aber auch die Emissionswerte der gesamten Flotte des Kunden zu erhalten.
Die Marktentwicklung in Vietnam geht derzeit für dynaCERT rasant vonstatten und der vietnamesische Markt entwickelt sich zu einem der wichtigsten Märkte des Unternehmens. Durch die Präsenz in verschiedenen Industriezweigen erhöht sich der Bekanntheitsgrad vor Ort, aber auch in anderen Ländern Asiens wie Indonesien, Kambodscha oder auch Japan werden bereits Gespräche geführt. Allein der vietnamesische Markt mit mehr als 3,5 Mio. Diesel-Nutzfahrzeugen ist für dynaCERT sehr interessant.
Bernd Krüper, President und Direktor von dynaCERT, erklärt: „Wir haben derzeit mehrere Projekte in verschiedenen Branchen parallel am Laufen, die jeweils wertvolle Betriebsdaten liefern und die Vielseitigkeit der HydraGEN-Technologie unter realen Bedingungen unter Beweis stellen. Nachdem immer mehr unserer Geräte im Einsatz sind, steigt der Bekanntheitsgrad am Markt und damit auch das kommerzielle Interesse und Engagement von Organisationen sowohl in Vietnam als auch in den umliegenden Ländern. Aus unserer Sicht wird sich Vietnam zu einem wichtigen Referenzmarkt für die weitere Expansion von dynaCERT in Südostasien entwickeln.“
TKMS-Aktie zwischen Auftragsboom und hoher Bewertung: Gelingt jetzt der Ausbruch über 100 EUR?
Die TKMS-Aktie (WKN: TKMS00 | ISIN: DE000TKMS001 | Ticker: TKMS) notiert aktuell bei rund 102,00 EUR und hat einen Börsenwert von etwa 6 Mrd. EUR. Seit Jahresbeginn liegt das Papier rund 51 % im Plus. Die Aktie notiert noch unter ihrem bisherigen Höchststand von rund 106,60 EUR. TKMS ist Deutschlands führender Marineschiffbauer und produziert vor allem konventionelle U-Boote, Fregatten und Korvetten. Über die Tochter Atlas Elektronik bietet der Konzern außerdem Sonarsysteme, Sensoren, Torpedos und Technik zur Minenabwehr an. Die ehemalige Konzernmutter thyssenkrupp hält weiterhin 51 % der Aktien.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 steigerte TKMS den Umsatz um 19 % auf 1,89 Mrd. EUR. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 13 % auf 110 Mio. EUR und übertraf damit die Markterwartung von rund 101 Mio. EUR. Wegen höherer Verwaltungskosten sank die bereinigte EBIT-Marge dennoch leicht auf 5,8 %. Besonders positiv fiel die neue Jahresprognose aus. TKMS erwartet jetzt ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 %. Zuvor hatte das Management lediglich 2 bis 5 % in Aussicht gestellt. Die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 % erreichen. Wachstumstreiber sind vor allem das Geschäft mit Überwasserschiffen und Atlas Elektronik. Auch die steigenden europäischen Verteidigungsausgaben sorgen für Rückenwind.
Mit 20,1 Mrd. EUR bleibt der Auftragsbestand außergewöhnlich hoch. Ende März waren es allerdings noch 20,6 Mrd. EUR. Im September 2025 lag der Wert bei 18,2 Mrd. EUR. Damit bleibt die Auslastung über mehrere Jahre gesichert. Der Auftragseingang sank gegenüber dem starken Vorjahreszeitraum von 8,6 auf 3,6 Mrd. EUR. Das liegt hauptsächlich daran, dass im Vorjahr mehrere besonders große U-Boot-Aufträge verbucht wurden. Zusätzliche Chancen bieten mögliche Großprojekte in Kanada und Indien. Risiken bleiben die langen Projektlaufzeiten, mögliche Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. Auch politische Entscheidungen können den Zeitpunkt neuer Aufträge beeinflussen. Nach dem deutlichen Kursanstieg erscheint außerdem bereits viel zukünftiges Wachstum in der Bewertung berücksichtigt.
Charttechnisch befindet sich die Aktie weiterhin in einem klaren Aufwärtstrend. Der Kurs von 102,00 EUR liegt deutlich über der 200-Tage-Linie, die aktuell bei rund 81,60 EUR verläuft. Damit bleibt das langfristige Chartbild bullisch. Auf der Unterseite stellt die Zone zwischen 90 und 92 EUR eine erste Unterstützung dar. Fällt der Kurs darunter, würde die Marke von 85 EUR wichtiger werden. Spätestens die 200-Tage-Linie bei 81,60 EUR sollte aus langfristiger Sicht halten. Nach dem starken Kurssprung bleiben kurzfristige Gewinnmitnahmen möglich, fundamental spricht der hohe Auftragsbestand jedoch weiterhin für TKMS.
Zusammenfassung
Viscom zeigt dank eines Rekordauftragsbestands in Zukunftsmärkten starkes operatives Turnaround-Potenzial.
DynaCERT erschließt mit effizienzsteigernden Hardware- und Softwarelösungen für Dieselmotoren den wachstumsstarken vietnamesischen Markt.
TKMS verzeichnet durch hohe globale Verteidigungsausgaben bei langfristiger Vollauslastung ein zweistelliges profitables Umsatzwachstum.