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08.07.2026 | 05:45

Rohstoffwette, fallendes Messer und Widerstandszone - Almonty Industries, Lang & Schwarz, TUI, Trade Republic Bank

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Bildquelle: Pixabay

Heute werden drei Branchen mit völlig unterschiedlichen Marktdynamiken beleuchtet. Dabei geht es darum, wie schnell ein profitables Modell ins Wanken geraten und zu einem 35-prozentigen Kurssturz eines etablierten Unternehmens führen kann. Ein starker Kontrast dazu zeigt ein Produzent von kritischen Metallen auf. Mit einer prall gefüllten „Kriegskasse“ von 800 Millionen USD profitiert dieser direkt vom geopolitischen Wandel. Gleichzeitig ringt ein global agierender Konzern trotz Milliardenumsätzen mit harten charttechnischen Widerständen. Die analytische Bestandsaufnahme lesen Sie kostenfrei hier:

Lesezeit: ca. 6 Minuten. Autor: Stefan Bode
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Lang-&-Schwarz-Aktie: Trade-Republic-Technologie trifft den Market Maker hart

Die Lang & Schwarz-Aktie (WKN: LS1LUS | ISIN: DE000LS1LUS9 | Ticker: LUS1) ist nach der Prognoseanpassung von letzter Woche Mittwoch massiv eingebrochen. In nur fünf Handelstagen verlor der Titel fast 35 % und fiel dabei auch unter die psychologisch wichtige 20-EUR-Marke. Der aktuelle Börsenwert liegt bei einem Kurs von 18,30 EUR nur noch bei rund 172 Mio. EUR. Seit Jahresanfang steht die Aktie nun mit etwa 18 % im Minus, auf 52-Wochen-Sicht beträgt das Minus rund 23 %. Damit notiert Lang & Schwarz auf neuem Jahrestief und deutlich unter wichtigen gleitenden Durchschnitten.

Auslöser ist die neue Handelstechnologie von Trade Republic (WKN: 5216 | ISIN: DE00TRADERE0). Der Neobroker will Kundenorders künftig automatisch zum besten verfügbaren Preis unter mehreren relevanten Börsen und Handelsplätzen ausführen. Für Kunden klingt das erst einmal positiv: Die Order soll dort landen, wo der beste Preis verfügbar ist. Für Lang & Schwarz ist diese Änderung aber brisant, weil ein Teil des bisherigen Orderflows damit nicht mehr automatisch und in gleichem Umfang beim TradeCenter von Lang & Schwarz landen könnte.

Lang & Schwarz verdient derzeit als Market Maker daran, dass viele Privatanleger über angeschlossene Partnerbanken handeln. Die Tochter Lang & Schwarz TradeCenter AG & Co. KG stellt dafür die Kurse, bietet Liquidität und wickelt die Handelsgeschäfte ab. Je mehr Orders über diese Plattform laufen, desto größer ist die Handelsaktivität – und desto höher kann das Ergebnis aus der Handelstätigkeit ausfallen. Wenn Trade Republic den Orderflow nun stärker auf verschiedene Börsen verteilt, könnte bei Lang & Schwarz weniger Handelsvolumen ankommen. Weniger Orderflow bedeutet potenziell weniger Ertrag.

Genau deshalb liest der Markt die Mitteilung praktisch als Gewinnwarnung. Lang & Schwarz rechnet auf Konzernebene für 2026 aber nur mit einem leichten bis allenfalls moderaten Rückgang des Ergebnisses aus der Handelstätigkeit gegenüber dem Vorjahr. Positiv bleibt allerdings: Das Ergebnis soll nach aktueller Einschätzung weiterhin über dem Niveau von 2024 liegen. Im zweiten Quartal 2026 lag das Ergebnis aus der Handelstätigkeit noch bei rund 32 Mio. EUR, nach 25 Mio. EUR im Vorjahresquartal.

Der Schock fällt auch deshalb so stark aus, weil 2025 ein Rekordjahr war. Das Handelsvolumen im TradeCenter stieg auf 331,7 Mrd. EUR, die Zahl der Geschäfte auf 107,8 Mio. Abwicklungen, und das Ergebnis aus der Handelstätigkeit erreichte 145,5 Mio. EUR. Gleichzeitig hatte Lang & Schwarz im Geschäftsbericht selbst auf die hohe Bedeutung von Trade Republic für den Orderflow hingewiesen. Genau dieses Risiko steht jetzt im Mittelpunkt. Strategisch versucht Lang & Schwarz daher gegenzusteuern. Das Unternehmen arbeitet an einem zusätzlichen Handelsmodell mit mehreren Market Makern, um neue Liquidität zu erschließen und die Abhängigkeit von einzelnen Orderflow-Quellen zu reduzieren.

Charttechnisch bleibt die Lage jetzt aber angeschlagen. Die Zone zwischen 16 und 17 EUR muss jetzt halten. Gelingt das, wäre nach dem Abverkauf eine technische Gegenbewegung möglich. Fällt die Aktie aber nachhaltig darunter, könnten Stop-Loss-Orders zu einer weiteren Abverkaufswelle führen und sich der günstige Einstieg als ein Griff ins fallende Messer erweisen.

Almonty Industries: Sangdong produziert – Rohstoffwette mit Hebel

Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1) positioniert sich weiterhin als geopolitisch relevanter Rohstoffakteur, bei dem die Wolframproduktion in Portugal und Südkorea bereits an internationaler Bedeutung gewonnen hat. Die neue Sangdong-Mine in Südkorea hat die Rohstoff- und Produktionsbasis des Unternehmens massiv erweitert und das Portfolio soll nun weiter diversifiziert werden. Insbesondere die Expansion in die USA, aber auch die kommende Molybdän-Produktion in Südkorea rückt dabei in den Fokus des Unternehmens.

In Zeiten geopolitischer Spannungen und Lieferkettenproblematiken sind Produzenten von als kritisch eingestuften Metallen längst im Investmentradar strategischer Investoren aufgetaucht. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen wie z. B. steigende Infrastrukturinvestitionen und höhere Nachfrage aus den Elektronik- und Verteidigungssektoren unterstützen die Rohstoffunternehmen, besonders wenn diese außerhalb Chinas liegen und produzieren.

Operativ hat Sangdong Anfang Juli 2026 den Durchsatzbetrieb aufgenommen. Zwischengelagertes Run-of-Mine-Erz wird nun in der aufgebauten Anlage verarbeitet, wodurch der Übergang von der Minenentwicklung zur Umsatzgenerierung in Südkorea erfolgt ist. Vor der Inbetriebnahme standen etwa 139,7 Mio. t Erz mit einem durchschnittlichen Gehalt von rund 0,25 % WO₃ bereit, während in der Hochlaufphase weitere Erzabschnitte mit leicht steigenden Wolframgehalten hinzukamen. Der aktuellen Einschätzung zufolge deckt der Haldenbestand Materialwerte von rund 68 Mio. USD ab, was eine grobe Orientierung für den kurzfristigen Erlös liefert. Diese Zwischenwerte zeigen, dass eine stabile Prozessführung bei planmäßiger Produktqualität für die weitere Profitabilität wichtig ist.

Finanziell nutzt das Unternehmen eine im Juni 2026 platzierte Wandelanleihe über 800 Mio. USD, wovon ein Nettoerlös von 772,7 Mio. USD realisiert werden konnte. Der Wandelanleihe ist ein Kupon von 2,25 % p. a. bis 2031 und ein Wandlungspreis von 27,40 USD hinterlegt. Das ist ein Aufschlag von ca. 32,5 % zum damaligen Referenzkurs. Dadurch werden bisherige Darlehen durch die niedriger verzinste Wandelanleihe umgeschuldet. Gleichzeitig können nicht nur der Ausbau der Sangdong-Mine in Südkorea und die Gentung-Mine in den USA beschleunigt, sondern auch mögliche Zukäufe getätigt werden.

TUI-Aktie: 7-Euro-Ausbruch gelungen – jetzt 7,50-EUR-Widerstand?

Die TUI-Aktie (WKN: TUAG50 | ISIN: DE000TUAG505 | Ticker: TUI1) hat sich in den letzten Wochen wieder stabilisieren können. Aktuell notiert der Reisekonzern bei rund 7,26 EUR je Aktie und der Börsenwert liegt damit bei etwa 3,7 Mrd. EUR. Trotzdem bleibt die Bilanz am Kapitalmarkt gemischt. Seit Jahresanfang steht die Aktie knapp 20 % im Minus, wenngleich auf 52-Wochen-Sicht das Minus nur etwa 3 % beträgt.

Charttechnisch hat sich die Lage damit aufgehellt, ist aber noch nicht wirklich bullish. Positiv ist, dass die Aktie seit dem Kurssprung am 12. Juni 2026 wieder über der 7-Euro-Marke liegt und diese Zone nun seit rund 16 Handelstagen verteidigt. Auch die kurzfristigen gleitenden Durchschnitte der letzten 20, 50 und 100 Tage liegen wieder unterhalb des Kurses. Der entscheidende Haken bleibt jedoch die 200-Tage-Linie, die im Bereich von etwa 7,60 EUR verläuft. Genau dort wurde die Aktie zuletzt Ende Juni wieder abverkauft.

Damit bleibt die Zone zwischen 7,50 und 7,80 EUR der zentrale Widerstand. Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde das Bild deutlich aufhellen. Solange das nicht gelingt, bleibt TUI eher in der alten Seitwärtsphase gefangen. Seit 2023 bewegt sich die Aktie grob zwischen 5,00 und 9,50 EUR. Die früheren Hochs um 55 bis 57 EUR liegen rein charttechnisch weit entfernt und wegen der Kapitalmaßnahmen der vergangenen Jahre sind diese historischen Niveaus auch nur bedingt mit dem aktuellen Kursgeschehen vergleichbar.

Fundamental zeigt TUI aber durchaus Fortschritte. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 24,2 Mrd. EUR und ein bereinigtes EBIT von 1,413 Mrd. EUR. Besonders stark blieben Hotels, Resorts und Kreuzfahrten. Gleichzeitig will TUI wieder stärker auf Aktionärsrenditen achten: Für 2025 wurde eine Starter-Dividende von 0,10 EUR je Aktie angekündigt. Auch 2026 läuft operativ gut, aber nicht ohne Störfaktoren. Im ersten Quartal stieg das bereinigte EBIT auf 77 Mio. EUR, der Umsatz lag bei rund 4,9 Mrd. EUR. Zur Halbzeit meldete TUI einen Umsatz von etwa 8,6 Mrd. EUR, ein bereinigtes EBIT von minus 116 Mio. EUR und eine Nettoverschuldung von 3,0 Mrd. EUR. Belastend wirkten unter anderem der Iran-Krieg und Hurrikan-Effekte in Jamaika. Deshalb wurde die EBIT-Prognose für 2026 auf 1,1 bis 1,4 Mrd. EUR angepasst.

Zusammenfassung

Die Lang & Schwarz-Aktie rutscht nach der neuen Trade-Republic-Order-Strategie tief ins Minus. Die Marktkapitalisierung nähert sich den Tiefstwerten und der Aktienhandel wird weniger zentral über das TradeCenter abgewickelt. Als Market Maker bleibt der Ertrag stark abhängig vom Orderflow. Wenngleich das Unternehmen an einer Umsatzdiversifikation arbeitet, ist die bisherige Umsatzbasis erst einmal in Gefahr.
Die operative Inbetriebnahme von Sangdong-Mine markiert einen wichtigen Schritt für Almonty. In einem Umfeld wachsender geopolitischer Verwerfungen bleibt Almonty eine fokussierte Wette auf Wolfram, dessen Angebotspreis nach wie vor nahe dem Allzeithoch notiert.
Die TUI-Aktie bietet bisher noch keinen klaren Turnaround-Ausbruch, ist aber auch nicht mehr im klassischen Abwärtstrend gefangen. Entscheidend bleibt nun, ob die 7-EUR-Zone hält und ob der Kurs endlich über 7,50 EUR ausbrechen kann. Erst dann hätte die letzte Erholung wirklich Substanz.



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