22.10.2026 | 05:33
Was jetzt entscheidend wird bei Desert Gold, Draegerwerk und Verbio
Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von Desert Gold Ventures Inc.
Starke Kursbewegungen, operative Meilensteine und veränderte Gewinnperspektiven prägen derzeit das Bild bei drei sehr unterschiedlichen Börsenwerten. Während ein etablierter Technologiekonzern seine bisherigen Margen stärker verteidigen muss, steht ein Rohstoffexplorer vor dem Übergang zur ersten Goldproduktion. Ein Biokraftstoffproduzent wiederum profitiert von gesteigerten Ertragserwartungen, trifft charttechnisch jedoch auf eine wichtige Widerstandszone. Der Bericht ordnet Kennzahlen, Risiken und mögliche Kurstreiber ein.
Lesezeit: ca. 6 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA25039N4084 , DE0005550602 , DE000A0JL9W6
Drägerwerk: Wachstum mit schwacher Gewinnqualität
Die Stammaktie der Drägerwerk AG & Co. KGaA (WKN: 555060 | ISIN: DE0005550602 | Ticker: DRW8) geriet bereits letzte Woche Donnerstag massiv unter Verkaufsdruck. Das Papier verlor innerhalb eines Tages in der Spitze 18,26 % und ging mit 73,40 EUR aus dem Handel. Der Abverkauf setzte sich bis zum gestrigen Mittwoch fort, wo das Tief 69,40 EUR erreicht wurde, ehe erste Zukäufe den Kurs wieder Richtung 72,20 EUR trieben. Damit wurden die Anleger nach dem seit Mai laufenden kräftigen Kursanstieg auf dem falschen Fuß erwischt. Auslöser waren vorläufige Quartalszahlen, bei denen insbesondere die Ergebnisqualität Fragen aufwarf.
Der Lübecker Konzern entwickelt Medizin- und Sicherheitstechnik. Zum Angebot gehören Beatmungs- und Narkosegeräte, Patientenmonitore sowie Atemschutz- und Gasmesstechnik. Krankenhäuser, Feuerwehren und Industriebetriebe zählen zu den Kunden. Dieses breite Geschäft bietet unterschiedliche Nachfragequellen. Für die Börse bleibt allerdings entscheidend, welcher Gewinn nach Produktions-, Personal- und Entwicklungskosten tatsächlich übrig bleibt.
Im dritten Quartal erhöhte sich der Umsatz nominal um 2,1 % auf rund 851 Mio. EUR. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank dagegen von 56,7 Mio. EUR auf etwa 48 Mio. EUR. Die EBIT-Marge fiel von 6,8 auf 5,6 %. Besonders auffällig waren enthaltene Zollrückerstattungen von 20,1 Mio. EUR. Trotz dieser Unterstützung blieb das Ergebnis unter dem Vorjahreswert. Dräger verwies auf einen überproportionalen Anstieg der Funktionskosten bei gleichzeitig geringerem Umsatzwachstum. Damit ergab sich ein deutlicher Unterschied zum ersten Halbjahr. Damals war der Umsatz nach vorläufigen Berechnungen währungsbereinigt um 7,7 % auf rund 1.603 Mio. EUR gestiegen. Das EBIT hatte sich auf etwa 64 Mio. EUR mehr als verdreifacht. Der Kostenanstieg war zugleich deutlich hinter dem Umsatzwachstum zurückgeblieben. Gerade dieser Vergleich verdeutlicht, weshalb das jüngste Quartal die zuvor gestiegenen Erwartungen enttäuschen konnte.
Die Auftragsentwicklung lieferte dennoch positive Anhaltspunkte. Im dritten Quartal stiegen die Bestellungen währungsbereinigt um 7 % auf rund 926 Mio. EUR. Während die Sicherheitstechnik kräftig zulegte, verzeichnete die Medizintechnik einen Rückgang. Der Konzern bestätigte seine Jahresprognose mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 2 bis 6 % und einer EBIT-Marge zwischen 6 und 8 %. Der vollständige Quartalsbericht ist für den 29. Oktober vorgesehen.
Charttechnisch hinterließ der Kurssturz deutliche Spuren. Mit dem Rückgang auf 72,20 EUR rutschte die Aktie unter sämtliche wichtigen gleitenden Durchschnitte. Besonders schwer wiegt der Bruch der 200-Tage-Linie bei rund 75,20 EUR. Diese Marke bildet nun eine erste Rückeroberungshürde. Darüber folgen die 100-Tage-Linie bei 79,80 EUR und die psychologisch wichtige Schwelle von 80 EUR. Eine Erholung müsste diese Zone nachhaltig überwinden, um das angeschlagene Chartbild zu verbessern. Noch höher verläuft die 50-Tage-Linie bei etwa 84,80 EUR. Auf der Unterseite rücken die früheren Tiefbereiche um 68 bis 70 EUR als Unterstützungszone in den Vordergrund, die zumindest im gestrigen Börsenhandel ihre Funktion erfüllte. Eine schnelle Gegenbewegung wie am Mittwoch allein wäre daher noch kein überzeugender Beleg für eine nachhaltige Trendwende.
Desert Gold: Vom Explorer zum Goldproduzenten
Desert Gold Ventures (WKN: A14X09 | ISIN: CA25039N4084 | Ticker: QXR2) treibt den Wandel vom reinen Rohstoffsucher (Explorer) zum Rohstoffproduzenten voran. Für das Flaggschiffprojekt SMSZ im Westen Malis, nahe der Grenze zum Senegal, bleibt der Zeitplan ambitioniert: Die operative Inbetriebnahme der Anlage soll noch bis Ende Oktober erfolgen. Im Anschluss soll im November bereits mit der ersten Erzaufbereitung gestartet werden, um noch zum Ende des vierten Quartals 2026 den ersten kommerziellen Goldguss zu feiern.
Dafür sind bereits eine schwerkraftbasierte Aufbereitungsanlage mit 200 t Tageskapazität sowie ein 650-kVA-Aggregat am Standort Barani eingetroffen. Zuvor hatten Seefracht, regionale Treibstoffengpässe und die Regenzeit den Zeitplan um drei bis vier Monate verzögert. Die dadurch verzögerte Endmontage der mechanischen und elektrischen Komponenten steht nun aber unmittelbar bevor und wird das Unternehmen sicherlich in den nächsten zwei Wochen mit einer Ad-hoc-Mitteilung vermelden.
Der Auftaktbetrieb am Barani-Ost-Tagebau ist bewusst schlank finanziert, ohne Schulden, Lizenzzahlungen oder Vorausverkäufe, wie Unternehmenschef Jared Scharf betont. Die kleine Tagebau-Lizenz begrenzt den aktuell erlaubten maximalen Durchsatz auf 1.200 t täglich. Für eine spätere Erweiterung um eine Kohlenstofflaugung (Carbon-in-Leach, CIL) veranschlagt das Management rund 15 Mio. USD und prüft dafür Vorausverkäufe, Abnahmeverträge oder eine Fremdfinanzierung, um die Verwässerung der Aktionäre so gering wie möglich zu halten.
Für die Neubewertung der Aktie zählen nun der kommende tägliche Durchsatz und die tatsächliche Goldausbeute aus dem auszulaugenden erzhaltigen Material. Die Analysten Greiffenberger und Filker von GBC stufen die Aktie jedenfalls mit „Kaufen“ ein und nennen ein Kursziel von 0,93 CAD bzw. 0,59 EUR, wenn die Unternehmenspläne so umgesetzt werden können. Bei einem aktuellen Kurs von rund 0,083 EUR (0,125 CAD) beträgt das Anstiegspotenzial weit über 700 % in den nächsten Quartalen.
Verbio: Kurssprung nach Kaufempfehlung – entscheidende Widerstandszone voraus
Die Aktie der Verbio SE (WKN: A0JL9W | ISIN: DE000A0JL9W6 | Ticker: VBK) gehörte am vergangenen Freitag zu den auffälligsten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt. Ausgehend vom Vortagesschluss bei 25,60 EUR stieg das Papier auf 29,84 EUR. Das entsprach einem Tagesgewinn von 16,56 %. Auslöser war eine optimistischere Einschätzung durch Jefferies. Nach dem kräftigen Anstieg rückte allerdings eine charttechnische Zone in Reichweite, die für die weitere Entwicklung entscheidend werden könnte, aber kurzfristig für Gewinnmitnahmen sorgte.
Das Analysehaus stufte Verbio von „Hold“ auf „Buy“ hoch und erhöhte das Kursziel von 36 EUR auf 42 EUR. Analyst Constantin Hesse begründete seinen Optimismus insbesondere mit erfreulicheren Gewinnperspektiven im Biodieselgeschäft. Die Produktionsmargen lagen seiner Einschätzung zufolge über den bisherigen Erwartungen. Eine erwartete Verknappung des Marktes könnte die Profitabilität zusätzlich unterstützen. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag lag das neue Kursziel rechnerisch rund 41 % höher. Zugleich verwies Jefferies auf das nahezu abgeschlossene umfangreiche Investitionsprogramm. Damit verschob sich der Blick zunehmend auf die Frage, welche Erträge Verbio aus den aufgebauten Produktionskapazitäten erwirtschaften könnte. Nach Jahren des Ausbaus gewannen eine optimalere Auslastung, höhere Mittelzuflüsse und die wirtschaftliche Nutzung der bestehenden Anlagen an Bedeutung.
Die zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen lieferten dafür bereits eine verbesserte Ausgangsbasis. Im Geschäftsjahr 2025/26 steigerte Verbio den Umsatz um 18,5 % auf 1.872,7 Mio. EUR. Das EBITDA erhöhte sich von 14,2 Mio. EUR auf 193,9 Mio. EUR und übertraf damit die zuvor angehobene Prognose von 160 bis 180 Mio. EUR. Gleichzeitig sank die Nettofinanzverschuldung auf rund 92 Mio. EUR. Für 2026/27 stellte der Vorstand ein EBITDA zwischen 210 und 250 Mio. EUR in Aussicht. Höhere Produktionsmengen in Nordamerika, mehr Biomethan und zusätzliche Beiträge aus dem THG-Quotengeschäft sollten den Anstieg tragen.
Charttechnisch hat sich das kurzfristige Bild nach dem ersten Abpraller an der Widerstandszone von 29,70 bis 31,70 EUR noch nicht verbessert. Bei rund 29,70 EUR verläuft die 50-Tage-Linie, bei rund 30,30 EUR die 100-Tage-Linie, während die 200-Tage-Linie bei etwa 31,70 EUR die Widerstandsmarken bildet. Seit Mitte Juni hatte der Bereich zwischen ungefähr 30 und 34 EUR wiederholt als Handelszone gedient. Frühere Unterstützungen konnten nach ihrer Unterschreitung nun als Widerstände wirken. Für eine Fortsetzung der Erholung wäre deshalb entscheidend, die 30-EUR-Marke nachhaltig zurückzuerobern und bei anschließenden Rücksetzern zu verteidigen.
Oberhalb von 31,70 EUR könnte anschließend die obere Begrenzung der früheren Handelsspanne um 34 EUR in den Fokus rücken. Scheiterte die Aktie dagegen an der Widerstandszone, wären Gewinnmitnahmen nach dem starken Tagesanstieg nachvollziehbar. Die Marke von 27,00 EUR wäre als möglicher erster Auffangbereich wahrscheinlich. Die Kaufempfehlung lieferte somit einen kräftigen Impuls; die Bestätigung einer tragfähigen charttechnischen Wende steht jedoch noch aus.
Zusammenfassung
Drägerwerk verzeichnete im dritten Quartal Umsatzwachstum, doch EBIT und Marge sanken trotz Zollrückerstattungen. Nach dem Kursrutsch bleiben Kostenentwicklung und die 75-EUR-Marke entscheidend.
Desert Gold steht vor der ersten Goldgewinnung in Mali, so dass der tatsächliche Durchsatz, die Goldausbeute, aber auch die Erweiterungsfinanzierung des Hochlaufs zunehmend in den Fokus der Anleger rücken werden.
Verbio steigerte Umsatz und EBITDA deutlich und erhielt Rückenwind durch Jefferies. Für eine tragfähige Erholung muss aber die Widerstandszone zwischen 29,70 und 31,70 EUR überwunden werden.