17.08.2026 | 05:45
Goldgräberstimmung 2.0: Zwischen Rekord-Cashflows, Genehmigungs-Boosts und massiven Hebelchancen – Agnico Eagle, B2Gold, Desert Gold
Der Goldpreis hat sich stabil oberhalb der 4.000 USD-Marke etabliert und sorgt im Bergbausektor für starke Bewegungen. Während etablierte Branchenriesen dank des hohen Preisniveaus historische Cashflow-Rekorde verzeichnen oder durch neue Abbaugenehmigungen erhebliche Kurssprünge auslösen, rücken auch immer wieder kleinere Explorer in den Vordergrund. Besonders Unternehmen, die kurz vor dem Sprung vom reinen Explorer zum margenstarken Produzenten stehen, weisen derzeit noch eklatante Bewertungsabschläge auf. Ein Blick auf drei aktuelle Branchenbeispiele zeigt, wo derzeit die großen Chancen und Risiken liegen.
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA0084741085 , CA11777Q2099 , CA25039N4084
B2Gold-Aktie springt 22 %: Mali ebnet den Weg für neues Wachstum
Die Aktie von B2Gold (WKN: A0M889 | ISIN: CA11777Q2099 | Ticker: BTO) notiert an der Toronto Stock Exchange aktuell bei rund 7,11 CAD und der Börsenwert liegt bei etwa 9,4 Mrd. CAD. Seit Jahresbeginn liegt das Papier rund 17 % im Plus, auf 52-Wochen-Basis beträgt der Kursgewinn etwa 36 %. Besonders wichtig für B2Gold ist der Fekola-Komplex in Mali. Am 6. August veröffentlichte der Konzern seine Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der Umsatz stieg um 14 % auf 789 Mio. USD. Der Nettogewinn erhöhte sich von 161 auf 420 Mio. USD. Bereinigt verdiente B2Gold allerdings nur 41 Mio. USD beziehungsweise 0,03 USD je Aktie. Der hohe Gewinn enthielt einen Buchgewinn von 292 Mio. USD aus dem Verkauf der Fingold-Beteiligung und positive Bewertungseffekte bei Derivaten.
Operativ fiel das Quartal gemischt aus. Die Goldproduktion sank von 229.454 auf 203.648 Unzen. Gleichzeitig stiegen die AISC von 1.519 auf 2.356 USD je verkaufter Goldunze. AISC sind die gesamten Kosten, die notwendig sind, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Dazu zählen neben der Förderung auch Verwaltung, Instandhaltung und regelmäßige Investitionen. Belastend wirkten höhere Produktionskosten, Steuern und Förderabgaben. Die Goose-Mine wurde zudem durch einen Brand in der Brecheranlage gebremst. B2Gold senkte deshalb das obere Ende seiner Produktionsprognose von 970.000 auf 920.000 Unzen.
Auch der Cashflow zeigte Schwächen. Vor Veränderungen im Working Capital erwirtschaftete das operative Geschäft zwar 94 Mio. USD. Nach allen Bewegungen flossen jedoch 79 Mio. USD ab, während im Vorjahr 255 Mio. USD zugeflossen waren. Der freie Cashflow lag bei minus 258 Mio. USD. Gründe waren höhere Steuerzahlungen, gestiegene Kosten und die letzten Lieferungen aus früheren Gold-Vorausverkäufen. Diese Vorausverkäufe sind inzwischen beendet, so dass zukünftiges Gold wieder zum Marktpreis verkauft werden kann. Das Management erwartet daher in der zweiten Jahreshälfte 2026 und 2027 einen stärkeren freien Cashflow.
Der Investitions-Cashflow lag bei plus 157 Mio. USD, hauptsächlich wegen der Einnahmen von 325 Mio. USD aus dem Fingold-Verkauf. Der Finanzierungs-Cashflow betrug minus 268 Mio. USD. B2Gold tilgte 75 Mio. USD Schulden, kaufte für 92 Mio. USD etwa 19 Mio. eigene Aktien zurück und verzeichnete 71 Mio. USD Verluste aus Gold-Collars. Diese Verträge schützten B2Gold vor einem Goldpreis unter 2.450 USD je Unze, begrenzten den erzielbaren Preis aber auf 3.294 USD. Wegen des höheren Goldpreises musste B2Gold die Differenz ausgleichen.
Die Bilanz bietet dennoch einen Puffer. Den kurzfristigen Vermögenswerten von 1,10 Mrd. USD standen kurzfristige Verbindlichkeiten von 697 Mio. USD gegenüber. Der entscheidende Kurstreiber folgte am 7. August: Mali erteilte die lange erwartete Menankoto-Abbaugenehmigung. Damit kann B2Gold die Mine Fekola mit Fekola Regional weiterentwickeln. Ab 2028 sollen dort jährlich mehr als 150.000 Unzen Gold produziert werden, was ein Wachstumspotenzial zur diesjährigen Goldproduktion von allein 16 % liefert.
Charttechnisch hat die Aktie die Reaktionszone zwischen 6,00 und 7,00 CAD überwunden und notiert wieder über allen wichtigen Durchschnittslinien. Die nächste Hürde liegt zwischen 7,50 und 8 CAD. Danach könnte das Hoch bei rund 8,60 CAD wieder in den Fokus rücken, wobei bei 8,63 CAD gleich der nächste Widerstandsbereich wartet. Wird dieser jedoch im Zuge neuer Jahreshochs übersprungen, rückt das Allzeithoch aus 2020 bei 9,99 CAD in den Fokus der Bullen. Dafür sollten aber Kursrücksetzer unter 5,90 CAD vermieden werden.
Desert Gold: Goldproduktion in greifbarer Nähe
Die Aktie von Desert Gold (WKN: A14X09 | ISIN: CA25039N4084 | Ticker: QXR2) notiert aktuell bei rund 0,07 EUR (0,11 CAD). Das Explorationsunternehmen kommt derzeit auf einen Börsenwert von lediglich etwa 24,6 Mio. EUR beziehungsweise 39,7 Mio. CAD. Der Explorer befindet sich mit seinem westafrikanischen SMSZ-Projekt ebenfalls in Mali und vollzieht derzeit den strategischen Wandel vom reinen Explorationsunternehmen zum Goldproduzenten. Zusätzlich wurde mit dem Tieba-Projekt in der Elfenbeinküste das Ressourcenprofil erweitert, um in den kommenden Jahren noch stärker organisch wachsen zu können.
Operativ steht das Unternehmen nun vor einem entscheidenden Meilenstein. Für das dritte Quartal 2026 ist der Start der Oxid-Goldproduktion geplant. Die logistischen Vorbereitungen sind bereits getroffen und werden derzeit umgesetzt. Die bestellte Schwerkraftanlage ist im Hafen von Dakar eingetroffen und dort auf LKW verfrachtet. Der Landtransport zur SMSZ-Liegenschaft kommt wegen der Regenzeit abschnittsweise nur langsam voran. Aktuell sollen aber die Hälfte der Bauteile auf dem vorbereiteten Baugrundstück bereits angekommen sein.
Finanziell wurde diese dynamische Entwicklung durch eine im Frühjahr 2026 überzeichnete Kapitalerhöhung in Höhe von 7,18 Mio. CAD ermöglicht. Diese frischen Mittel nutzte Desert Gold, um den Übergang in die erste Cashflow-Phase zu schaffen. Die künftige Ertragskraft aus den Goldverkäufen soll anschließend für den weiteren Minenausbau genutzt werden.
Bewertungstechnisch weist das Unternehmen aktuell eine massive Diskrepanz zu seinen Fundamentaldaten auf. Eine aktuelle Wirtschaftlichkeitsstudie weist bei einem angenommenen Goldpreis von 4.100 USD einen Nachsteuer-Kapitalwert von 124 Mio. USD. Der ausgegebene interne Zinsfuß von 101 % zeigt zudem die hohe Rentabilität des Vorhabens. Mit einer derzeitigen Bewertung von knapp 9 USD pro Unze Gold im Boden notiert das Papier deutlich unter den branchenüblichen Übernahmeprämien, die historisch im Korridor zwischen 66 und 100 USD je Bodenunze Gold lagen.
Da sich der Goldpreis stabil oberhalb der Marke von 4.000 USD je Unze etabliert hat, dürfte sich die Bewertungsdiskrepanz mit der ersten Goldproduktion und den anziehenden Quartalsergebnissen nach und nach auflösen. So sehen es zumindest die Analysten von GBC Research und vergeben eine klare Kaufempfehlung. Das ausgegebene Kursziel von 0,59 EUR je Aktie signalisiert, ausgehend vom aktuellen Kursniveau, ein beträchtliches Aufwärtspotenzial von rund 842 %.
Agnico Eagle zwischen Rekord-Cashflow und steigenden Kosten: Gelingt der Ausbruch über 260 CAD?
Die Aktie von Agnico Eagle (WKN: 860325 | ISIN: CA0084741085 | Ticker: AEM) notiert an der Toronto Stock Exchange aktuell bei rund 259 CAD (161,20 EUR). Der kanadische Goldproduzent kommt auf einen Börsenwert von etwa 132 Mrd. CAD. Seit Jahresbeginn liegt das Papier in kanadischen Dollar rund 10 % im Plus, auf 52-Wochen-Basis beträgt der Kursgewinn sogar etwa 40 %. Als größtes kanadisches Bergbauunternehmen, noch vor Barrick Mining, gehört Agnico auch zu den größten Goldproduzenten weltweit. Der Konzern betreibt Minen in Kanada, Australien, Finnland und Mexiko. Mit Projekten wie Hope Bay, Odyssey und dem geplanten Untertagebau bei Detour Lake soll die Produktion in den kommenden Jahren weiter wachsen.
Operativ profitiert Agnico Eagle erheblich vom hohen Goldpreis. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Konzern einen Umsatz von 3,80 Mrd. USD. Gegenüber den 2,82 Mrd. USD aus dem Vorjahresquartal entspricht das einem Anstieg von rund 35 %. Der Nettogewinn verbesserte sich von 1,07 auf 1,60 Mrd. USD. Besonders stark entwickelte sich der freie Cashflow, der mit 1,34 Mrd. USD einen neuen Quartalsrekord erreichte. Grundlage dafür war ein realisierter Goldpreis von durchschnittlich 4.483 USD je Feinunze. Die Quartalszahlen wurden am 29. Juli veröffentlicht.
Die Goldproduktion ging allerdings leicht von 866.029 auf 855.816 Unzen zurück. Gleichzeitig erhöhten sich die nachhaltigen Gesamtkosten, die sogenannten AISC, von 1.281 auf 1.459 USD je Unze. Höhere Lohn-, Energie- und Royalty-Kosten belasteten das Ergebnis. Wegen der notwendigen Überarbeitung des Barnat-Tagebaus erwartet Agnico Eagle für 2026 zudem nur noch eine Produktion am unteren Ende der bisherigen Prognose von 3,3 bis 3,5 Mio. Unzen. Die AISC-Prognose bleibt bei 1.400 bis 1.550 USD je Unze. Zum Quartalsende verfügte Agnico Eagle über eine Netto-Cashposition von rund 3,27 Mrd. USD. Gleichzeitig wurden im zweiten Quartal durch Dividenden und Aktienrückkäufe insgesamt 625 Mio. USD an die Aktionäre zurückgegeben.
Charttechnisch hat sich das Bild zuletzt deutlich verbessert. Seit Anfang August zog der Kurs kräftig an und stieg erstmals seit Mai 2026 wieder über die 200-Tage-Linie. Mittlerweile notiert die Aktie auch über den anderen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Die runde Marke von 260 CAD bildet nun die nächste kurzfristige Hürde. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte den Aufwärtstrend zusätzlich beschleunigen. Unterstützung kommt derzeit vom Goldpreis. Der fortlaufende Gold-Future an der COMEX ging bei rund 4.376 USD je Feinunze ins Wochenende und liegt damit nur noch knapp unter seiner 200-Tage-Linie bei etwa 4.500 USD. Die wichtige Unterstützungszone von 4.000 USD konnte jedoch mehrfach verteidigt werden. Gelingt Gold ebenfalls die Rückkehr über die 200-Tage-Linie, dürfte das nicht nur der Agnico-Eagle-Aktie zusätzlichen Rückenwind geben.
Zusammenfassung
B2Gold wächst dank einer entscheidenden neuen Abbaugenehmigung in Mali ab 2028 signifikant weiter. Desert Gold steht kurz vor der ersten Goldproduktion und bietet massives Aufwärtspotenzial von über 800 %. Agnico Eagle profitiert enorm vom hohen Goldpreis und erzielt trotz steigender Kosten neue Rekord-Cashflows.