05.08.2026 | 05:45
Zwischen Allzeithoch und M&A-Fieber: Adidas, Commerzbank, Desert Gold
Die aktuelle Börsenwoche mit neuen Allzeithochs an den Indizes bietet Anlegern auch ein Spannungsfeld aus operativen Transformationen, M&A-Fantasien und der Ausnutzung temporärer Kursturbulenzen. Während im Konsumgütersektor trotz starker Rekordumsätze kurzfristige Margensorgen zu drastischen Ausverkäufen führen, profitieren Rohstoffwerte von robuster internationaler Nachfrage. Parallel rückt der Bankensektor durch Rekordgewinne und einen sich zuspitzenden Übernahmekampf in Deutschland in den Fokus. Lesen Sie hier, welche drei hochspannenden Investment-Storys jetzt die Marktteilnehmer bewegen dürften:
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6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE000CBK1001 , IT0005239360 , CA25039N4084 , DE000A1EWWW0
Adidas-Aktie nach dem Kurssturz: Ist der Ausverkauf übertrieben?
Bei Adidas (WKN: A1EWWW | ISIN: DE000A1EWWW0 | Ticker: ADS) ist nach den jüngsten Quartalszahlen kräftig Bewegung in die Aktie gekommen. Am 30. Juli brach der Kurs gegenüber dem vorherigen Schlusskurs zweistellig auf 147,05 EUR ein und verlor im Tagesverlauf zeitweise rund 19 %. Obwohl sich die Aktie anschließend etwas erholen konnte, notiert sie aktuell nur bei ungefähr 160 EUR. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von rund 1,5 % zu Buche und auf zwölf Monate gesehen beträgt der Rückgang mit 1,2 % nur leicht weniger. Der Börsenwert des deutschen Sportartikelherstellers liegt bei ungefähr 28,5 Mrd. EUR. Der starke Kursrückgang wirkt zunächst überraschend, denn Adidas präsentierte keineswegs ein schwaches Quartal.
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal währungsbereinigt um 14 % auf den Rekordwert von 6,74 Mrd. EUR. Damit übertraf Adidas sogar die durchschnittliche Analystenschätzung von 6,63 Mrd. EUR. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 5 % auf 574 Mio. EUR. Analysten hatten allerdings mit rund 623 Mio. EUR gerechnet und genau diese verfehlte Gewinnerwartung wurde zum Auslöser des Kurssturzes. Verantwortlich waren vor allem deutlich höhere Marketingausgaben rund um die Fußball-Weltmeisterschaft. Diese stiegen im Quartal um etwa 30 %. Adidas investierte mehr als 200 Mio. EUR zusätzlich in Werbung und stattete insgesamt 14 Nationalmannschaften aus, darunter die beiden Finalisten Spanien und Argentinien. Die Strategie brachte hohe Aufmerksamkeit und starke Verkäufe, belastete kurzfristig jedoch die Gewinnmarge.
Adidas erhöhte seine Umsatzprognose für 2026. Statt eines Wachstums im hohen einstelligen Bereich erwartet das Unternehmen nun ein währungsbereinigtes Plus von 9 bis 10 %. Die Prognose für das operative Ergebnis blieb jedoch unverändert bei rund 2,3 Mrd. EUR. Anleger hatten offenbar mit einer gleichzeitigen Erhöhung des Gewinnziels gerechnet. Zudem deutet der Ausblick auf ein langsameres Wachstum in der zweiten Jahreshälfte hin. Operativ besitzt Adidas weiterhin gute Chancen. Der Konzern verkauft Sport- und Freizeitbekleidung, Schuhe sowie Zubehör weltweit und konnte zuletzt in fast allen Regionen zweistellig wachsen. Gleichzeitig nimmt die frühere Dynamik bei bekannten Lifestyle-Modellen wie Samba und Gazelle langsam ab. In Europa sorgten hohe Rabatte im Einzelhandel zusätzlich für Druck. Deshalb muss Adidas neue Modelle erfolgreich aufbauen, um sich gegen Nike, Puma, On und Hoka zu behaupten.
Charttechnisch ist das Bild gemischt. Die Aktie notiert weiterhin über der 100- und 200-Tage-Linie, liegt aber unter der kurzfristigen 20- und 50-Tage-Linie. Positiv ist, dass der Bereich zwischen 150 und 155 EUR bisher gehalten hat und die Aktie während der vergangenen drei Handelstage wieder aufgekauft wurde. Für eine deutlichere Erholung müsste der Kurs zunächst in Richtung 175 EUR und anschließend über 180 EUR steigen. Dann würde sich das kurzfristige Chartbild wieder aufhellen. Fällt die Aktie dagegen erneut in Richtung 150 EUR, könnte die Stimmung schnell wieder negativer werden und das Jahrestief bei ca. 130 EUR angesteuert werden.
Desert Gold: Vom Explorer zum margenstarken Goldproduzenten
Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen hat sich der Goldpreis im aktuellen Marktumfeld stabil oberhalb der Marke von 4.000 USD je Unze etabliert. In diesem robusten Makroumfeld vollzieht Desert Gold (WKN: A14X09 | ISIN: CA25039N4084 | Ticker-Symbol: QXR2) auf seinem westafrikanischen SMSZ-Projekt den strategischen Wandel vom reinen Explorationsunternehmen zum Goldproduzenten. Der für das dritte Quartal terminierte Start der Oxid-Goldproduktion markiert dabei einen entscheidenden operativen Meilenstein. Die logistische Basis ist mit der Ankunft der bestellten Schwerkraftanlage im Hafen von Dakar und dem laufenden Landtransport zur SMSZ-Liegenschaft bereits organisiert. Die Hälfte der Bauteile der Schwerkraftanlage soll laut Zeitplan schon auf dem vorbereiteten Baugrundstück angekommen sein.
Eingeleitet wurde diese dynamische Unternehmensentwicklung durch eine im Frühjahr 2026 überzeichnete Kapitalerhöhung in Höhe von 7,18 Mio. CAD, welche den anstehenden Übergang in die kommende Cashflow-Phase erst ermöglicht hat. Trotz dieser fundamentalen und messbaren Fortschritte weist das Unternehmen derzeit eine Marktkapitalisierung von lediglich 24 Mio. EUR bzw. 40 Mio. CAD auf. Eine aktuelle Wirtschaftlichkeitsstudie belegt jedoch bei einem angenommenen Goldpreis von 4.100 USD einen beeindruckenden Nachsteuer-Kapitalwert von 124 Mio. USD. Ein ausgewiesener interner Zinsfuß von 101 % unterstreicht die hohe Rentabilität des Vorhabens und verdeutlicht die massive analytische Diskrepanz zur gegenwärtigen Börsenbewertung.
Mit einer derzeitigen Bewertung von knapp 9 USD pro Unze Gold im Boden notiert das Papier deutlich unter den branchenüblichen Übernahmeprämien. Diese lagen historisch betrachtet meist im Korridor zwischen 66 USD und 100 USD je Bodenunze. Um die künftige Ertragskraft für den weiteren Minenausbau zu optimieren, hat das Management strikte Kostensenkungsmaßnahmen implementiert, wozu auch die effizienzsteigernde Umstellung auf eine halbjährliche Berichterstattung zählt.
Flankierend zur künftigen Erstproduktion treibt das Unternehmen sein organisches Wachstum durch ein gezieltes Bohrprogramm über 4.250 Meter konsequent voran. Erste Resultate untermauern das geologische Potenzial der Liegenschaft eindrucksvoll. Diese zeigten exzellente Abschnitte von 12,41 Gramm Gold pro Tonne über eine Länge von 45 Metern. Zusätzlich hat sich Desert Gold mit dem Tieba-Projekt in der Elfenbeinküste breiter aufgestellt, welches das Ressourcenprofil in den nächsten Jahren erweitern dürfte. Die Analysten von GBC Research betrachten den aktuellen Bewertungsabschlag im Branchenvergleich als ungerechtfertigt und vergeben basierend auf den Fundamentaldaten eine klare Empfehlung zum „Kauf“. Das ausgegebene Kursziel von 0,59 EUR je Aktie signalisiert, ausgehend vom aktuellen Niveau von rund 0,07 EUR, ein beträchtliches Aufwärtspotenzial von 842 %.
Commerzbank-Aktie vor den Zahlen: Übernahmephantasie trifft auf Rekordgewinne
Bei der Commerzbank (WKN: CBK100 | ISIN: DE000CBK1001 | Ticker: CBK) stehen entscheidende Tage bevor. Am 6. August veröffentlicht das Frankfurter Geldhaus seine Zahlen für das zweite Quartal 2026. Gleichzeitig spitzt sich der Übernahmekampf mit der italienischen Großbank UniCredit (WKN: A2DJV6 | ISIN: IT0005239360 | Ticker-Symbol: CRIN) weiter zu. Damit treffen solide Geschäftszahlen, politische Interessen und Übernahmephantasie aufeinander – eine Kombination, die bei der Aktie wieder für deutliche Bewegungen sorgen könnte.
Aktuell notiert die Commerzbank-Aktie bei rund 38,60 EUR. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus etwa 6 %, auf Sicht von zwölf Monaten rund 16 %. Der Börsenwert liegt bei ungefähr 43,6 Mrd. EUR. Die Commerzbank gehört zu den wichtigsten Geschäftsbanken Deutschlands. Sie betreut Privatkunden sowie kleine und mittelständische Unternehmen, finanziert aber auch größere Firmen und den deutschen Außenhandel. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die polnische Tochter mBank. Für Anleger sind vor allem der Zinsüberschuss, die Provisionserträge, die Kosten und mögliche Kreditausfälle entscheidend.
Die Ausgangslage vor den Quartalszahlen ist gut, denn im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis um 11 % auf den Rekordwert von 1,36 Mrd. EUR. Der Nettogewinn verbesserte sich um 9 % auf 913 Mio. EUR. Die Erträge legten um 5 % auf 3,2 Mrd. EUR zu. Besonders stark entwickelte sich das Firmenkundengeschäft: Das dortige Kreditvolumen wuchs um 16 % auf 120 Mrd. EUR. Nach diesem guten Jahresauftakt erhöhte die Bank ihr Gewinnziel für 2026 auf mindestens 3,4 Mrd. EUR. Auch der erwartete Zinsüberschuss wurde auf rund 8,6 Mrd. EUR angehoben. Am Donnerstag wird daher entscheidend sein, ob die Commerzbank diese Ziele bestätigt oder möglicherweise erneut erhöht. Anleger dürften außerdem genau auf Kosten, Kreditrisiken und weitere Aktienrückkäufe achten.
Noch mehr Aufmerksamkeit erhält jedoch der Übernahmeversuch von UniCredit. Die italienische Bank hat sich mittlerweile rund 47,6 % der Commerzbank-Aktien gesichert und steht damit kurz vor der Kontrolle. Der Bund hält noch etwa 12 %. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte zuletzt, die Regierung werde eine Übernahme nicht verhindern, kritisiere jedoch das Vorgehen von UniCredit. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp stellte inzwischen weitere Gespräche zwischen beiden Banken in Aussicht.
Auch bei der Bewertung ist bereits viel Optimismus eingepreist. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei rund 40 EUR und damit nur wenig über dem aktuellen Kurs. Die Schätzungen reichen von etwa 32 bis 45 EUR. Für deutlich höhere Kurse bräuchte es deshalb wahrscheinlich stärkere Geschäftszahlen, einen erhöhten Ausblick oder ein verbessertes Angebot von UniCredit. Charttechnisch bleibt das Bild positiv. Der Kurs liegt über der 100- und 200-Tage-Linie. Ein Ausbruch über 39,50 EUR könnte ein neues Kaufsignal auslösen. Fällt die Aktie dagegen wieder unter etwa 36 EUR, würde sich das kurzfristige Bild eintrüben.
Fazit
Fundamental wächst Adidas weiter – nach den hohen Erwartungen muss der Konzern jetzt aber zeigen, dass steigende Umsätze auch wieder zu stärker wachsenden Gewinnen führen.
Die Wandlung des Goldexplorers Desert Gold zum Produzenten im laufenden zweiten Halbjahr dürfte nach den ersten Goldverkäufen zu einer Neubewertung der Aktie führen. Entsprechend können Investoren die aktuell seitwärts gerichtete Phase zur Akkumulation der Aktie nutzen.
Die morgigen Quartalszahlen bei der Commerzbank sind entscheidend, ob die Aktie ihr letztes Hoch überwinden kann oder zunächst in eine Konsolidierungsphase übergeht.