23.10.2026 | 05:24
Kurssprünge und neue Aufträge: Wie belastbar ist die Wende? dynaCERT, Gerresheimer, Steyr Motors
Ein Übernahmeangebot, internationale Vertriebsfortschritte und ein Konzernumbau bringen Bewegung in die folgenden drei Börsenwerte. Während Anleger auf neue Wachstumsimpulse und finanzielle Entlastung setzen, bleiben entscheidende Fragen bei den Werten offen: Werden aus Pilotprojekten und Erstaufträgen belastbare Folgeumsätze, gelingt der Schuldenabbau und hält die jüngste Kurserholung? Der Bericht ordnet die jeweiligen Marktmeldungen ein und zeigt, welche operativen und charttechnischen Hürden über eine nachhaltige Neubewertung entscheiden können.
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Autor: Stefan Bode
ISIN: DE000A0LD6E6 , AT0000A3FW25 , CA26780A1084
Steyr Motors: Übernahmeangebot löst Kurssprung aus – 200-Tage-Linie zurückerobert
Mit einem Kurssprung von mehr als 20 % rückte die Aktie von Steyr Motors AG (WKN: A40TC4 | ISIN: AT0000A3FW25 | Ticker: 4X0) zu Wochenbeginn in den Mittelpunkt. Gegenüber dem Freitagsschluss von letzter Woche legten die Papiere deutlich zu und übersprangen dabei wichtige gleitende Durchschnitte. Den entscheidenden Impuls lieferte ein angekündigtes Übernahmeangebot aus den USA. Damit bekam die zuvor angeschlagene Aktie plötzlich neuen Rückenwind.
Der amerikanische Drohnen- und Robotikspezialist Red Cat Holdings will über seine Tochtergesellschaft SMOT Acquisition sämtliche Aktien des österreichischen Motorenherstellers erwerben. Vorgesehen ist ein freiwilliges öffentliches Barangebot zu 39 EUR je Aktie. Gegenüber dem Schlusskurs von letzter Woche entspricht dies einer Prämie von knapp 29 %. Auf Grundlage der ausstehenden Aktien ergibt sich ein Transaktionsvolumen von rund 205 Mio. EUR. Die Börse nahm damit bereits einen erheblichen Teil des angekündigten Aufschlags vorweg.
Strategisch richtet sich der Blick vor allem auf unbemannte Wasserfahrzeuge. Red Cat möchte die Antriebstechnologie von Steyr Motors mit seinem Geschäft rund um autonome maritime Systeme verbinden. Die Österreicher entwickeln Spezialmotoren für anspruchsvolle militärische und zivile Anwendungen. Nach den Plänen des Interessenten sollen Hauptsitz, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung in Österreich erhalten bleiben. Zugleich stellt Red Cat weitere Investitionen und Wachstumschancen in Aussicht.
Rückenwind erhält das Vorhaben vom Ankeraktionär B&C Holding Österreich, der rund 15 % der Aktien hält und sich zur Annahme des Angebots verpflichtet hat. Dennoch ist die Transaktion nicht abgeschlossen. Zu den vorgesehenen Bedingungen gehören regulatorische Freigaben sowie eine Mindestannahmequote von 50 % plus einer Aktie. Der Vollzug wird vorbehaltlich dieser Voraussetzungen im ersten Halbjahr 2027 erwartet.
Charttechnisch brachte der Kurssprung eine deutliche Verbesserung. Am Freitag hatte die Aktie noch unter der 100- und der 200-Tage-Linie notiert. Mit dem Sprung in den Bereich zwischen 36 und 37 EUR wurden beide Durchschnitte erstmalig wieder überwunden. Besonders interessant ist die langfristige 200-Tage-Linie bei 36,21 EUR, die aktuell noch ein Widerstand ist. Die 100-Tage-Linie verläuft bei 31,74 EUR, während die Durchschnitte der vergangenen 20 und 50 Handelstage bei 30,18 beziehungsweise 29,51 EUR liegen und ebenfalls unterstützend wirken. Damit steht der Wert nach dem kräftigen Sprung wieder oberhalb von drei der vier im Chart betrachteten gleitenden Durchschnitte.
Nun kommt es darauf an, ob der Kurs sich als Nächstes nachhaltig oberhalb der 200-Tage-Linie etablieren kann. Gelingt dies, wäre der technische Ausbruch bestätigt. Auf der Oberseite bildet der angekündigte Angebotspreis von 39 EUR den naheliegenden Orientierungspunkt. Bei einer stärkeren Korrektur rücken anschließend die 100-Tage-Linie und der Bereich zwischen 30 und 32 EUR wieder stärker in den Fokus.
dynaCERT: Vom Pilotprojekt zur internationalen Auftragsbasis
Das kanadische Cleantech-Unternehmen dynaCERT (WKN: A1KBAV | ISIN: CA26780A1084 | Ticker: DMJ) rückt zuletzt wieder stärker in den Fokus der Anleger. Die Investmentstory verschiebt sich zunehmend von der reinen Technologieentwicklung hin zur internationalen Produktvermarktung. Mit der patentierten HydraGEN-Technologie sollen der Dieselverbrauch und die Emissionen bestehender Nutzfahrzeug- und Industrieflotten gesenkt werden, ohne dass Betreiber ihre gesamte Fahrzeugflotte durch Neufahrzeuge ersetzen müssen.
Dieser Nachrüstansatz passt in ein Umfeld, in dem die Dekarbonisierung politisch international forciert wird und steigende Energiekosten die Investitionsbudgets der Unternehmen belasten. Für viele Flottenbetreiber ist eine Aufrüstung ihrer Flotten wirtschaftlich leichter darstellbar als der komplette Umstieg auf neue Antriebssysteme. Das neue Management unter CEO Kevin Unrath hat das Unternehmen dabei sichtbar auf Vertrieb, Abschlussstärke und internationale Umsetzung ausgerichtet. Dieser Strategiewechsel fällt genau in die aktuelle Phase steigender Dieselpreise und jede Effizienzsteigerung pro gefahrenem Kilometer erhöht den wirtschaftlichen Nutzen der Kunden sukzessive.
Die jüngste Entwicklung unterstreicht diese Neuausrichtung. Über den Vertriebspartner IPMD treibt dynaCERT die Marktdurchdringung in Frankreich voran. Bei laufenden Pilotprojekten konnte im September der Eingang eines Folgeauftrags eines Bestandskunden verzeichnet werden. Ebenfalls wurde gemeinsam bei der Messe „24 Heures Camions" in Le Mans die Technologie direkt vor Berufskraftfahrern und Flottenbetreibern demonstriert.
Parallel setzte das Unternehmen seit dem zweiten Halbjahr 2026 auf eine internationale Vertriebsinitiative mit Fokus auf Schwerlastverkehr, Hafenbetrieb und stationäre Stromerzeugung. Dabei wurde bereits Präsenz auf der IAA Transportation und bis gestern auf der TOC Americas gezeigt, während die Messen Breakbulk Asia im November und die POWERGEN International im Januar 2027 noch anstehen. Ergänzt wird das Hardwaregeschäft mit HydraGEN durch die Softwareebene HydraLytica, die Verbrauchs- und Betriebsdaten der Motoren in Echtzeit erfasst. Gleichzeitig bildet das die Grundlage für eine datenbasierte Monetarisierung der Emissionsminderungen über zertifizierte Emissionszertifikate.
Für den Kapitalmarkt wird in den kommenden Monaten neben den zentralen Umsatz- und Gewinnkennzahlen vor allem auch die Umwandlungsquote der Messekontakte in Erst- und Folgeaufträge relevant. Die geplante Laufzeitverlängerung der ausstehenden Wandelanleihe über 1 Mio. USD bis Oktober 2027 – vorbehaltlich der Zustimmung der Toronto Stock Exchange – verschafft dem Unternehmen die nötige finanzielle Flexibilität dafür. Baut sich der Auftragsbestand quartalsweise auf und läuft die kanadische Produktion entsprechend hoch, dürfte die seit Ende 2025 laufende Bodenbildungsphase der Aktie endlich abgeschlossen sein. Daher ist das Chancen-Risiko-Verhältnis in der aktuellen Marktsituation besonders attraktiv.
Gerresheimer: Kräftiger Kurssprung – gelingt jetzt der nachhaltige Ausbruch?
Die Aktie von Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E | ISIN: DE000A0LD6E6 | Ticker: GXI) setzte ihre Erholung zu Wochenbeginn mit einem kräftigen Kurssprung fort. Der Kurs erreichte in der Spitze sogar 33,28 EUR und überwand damit die zuletzt mehrfach umkämpfte Marke von 30 EUR deutlich. Nach monatelangen Schwankungen eröffnet sich dadurch eine neue technische Perspektive. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob die operative Entwicklung den zunehmenden Optimismus rechtfertigt.
Im Hintergrund stehen Fortschritte beim Konzernumbau und eine Verbesserung gegenüber dem enttäuschenden Jahresauftakt. Bereits Ende September hatte der Hersteller von Pharmaverpackungen und Systemen zur Medikamentenverabreichung vorläufige Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Der Umsatz erreichte 578 Mio. EUR und lag damit um 55 Mio. EUR über dem Vorquartal. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 35 Mio. EUR auf insgesamt 102 Mio. EUR.
Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich gegenüber dem ersten Quartal um 5 % auf 17,6 %. Eine vollständige Rückkehr zur früheren Ertragskraft lässt sich daraus allerdings bisher nicht ableiten. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte Gerresheimer bei 614 Mio. EUR Umsatz ein bereinigtes EBITDA von 126 Mio. EUR erzielt. Die jüngsten Zahlen zeigen somit eine Erholung im Quartalsvergleich, während im Jahresvergleich weiterhin Rückgänge bestehen.
Ein weiterer Baustein ist der Schuldenabbau. Anfang Oktober meldete Gerresheimer den Abschluss des Verkaufs seiner US-Tochter Centor an eine Gesellschaft von Apax-Fonds. Die zufließenden Mittel sollen zur Rückführung von Verbindlichkeiten dienen. Zusammen mit dem ebenfalls vereinbarten Verkauf des Geschäftsbereichs Primary Packaging Plastics basiert die Transaktion auf einem kombinierten Unternehmenswert von rund 1.500 Mio. EUR. Der Abschluss des zweiten Verkaufs wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Diese Fortschritte waren bereits vor dem jüngsten Kurssprung bekannt.
Charttechnisch fällt besonders der Ausbruch über die Zone zwischen 30 und 32 EUR auf. Dort waren vorherige Erholungsversuche wiederholt ins Stocken geraten. Mit 32,06 EUR steht die Aktie nun oberhalb aller vier betrachteten gleitenden Durchschnitte. Die 20-Tage-Linie verläuft bei 28,34 EUR, die 50-Tage-Linie bei 27,87 EUR und die 100-Tage-Linie bei 27,45 EUR. Die langfristige 200-Tage-Linie liegt bei 25,02 EUR.
Für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung sollte sich die Aktie zunächst oberhalb der überwundenen Zone behaupten. Gelingt dies, könnte anschließend der Bereich um 35 EUR als nächste technische Zielregion in den Blick rücken. Ein Rückfall unter 30 EUR würde den Ausbruch dagegen infrage stellen. Darunter bildet das Bündel der kurzfristigen und mittelfristigen Durchschnitte zwischen rund 27,50 und 28,50 EUR eine mögliche Auffangzone.
Zusammenfassung
Steyr Motors gewinnt durch das Übernahmeangebot zu 39 EUR je Aktie kräftig an Wert, doch regulatorische Freigaben und die Mindestannahmequote bleiben entscheidend.
dynaCERT baut den internationalen Vertrieb aus und meldet einen Folgeauftrag in Frankreich. Für den sich charttechnisch bereits andeutenden Turnaround müssen die Umsätze aus Folgeaufträgen in den kommenden Monaten weiter zulegen.
Gerresheimer verbessert seine Quartalsergebnisse und treibt den Schuldenabbau voran. Der letzte Kursausbruch braucht jedoch eine nachhaltige operative Stabilisierung der Umsätze und Gewinnmargen.