05.11.2026 | 05:38
Wenn Wachstum nicht genügt – dynaCERT, TeamViewer, Zalando
An der Börse entscheidet nicht allein, ob Umsätze und Gewinne steigen oder Technologien überzeugen. Ebenso entscheidend ist, ob die gesetzten Erwartungen erfüllt, das angestrebte Wachstum glaubhaft nachgewiesen wird und die eingeschlagenen Strategien auch finanzierbar bleiben. Drei aktuelle Beispiele zeigen, wie schnell einstige Kursphantasie in herbe Enttäuschung umschlagen kann, aber auch, wo sich trotz Rückschlägen neue Chancen für Anleger und Investoren eröffnen.
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Autor: Stefan Bode
ISIN: CA26780A1084 , DE000A2YN900 , DE000ZAL1111
TeamViewer: Fast 27 % Absturz – die Erholung ist schwer beschädigt
Ein Handelstag hat gereicht, um die mühsame Erholung der Aktie von TeamViewer (WKN: A2YN90 | ISIN: DE000A2YN900 | Ticker-Symbol: TMV) empfindlich zu treffen. Nach den Zahlen zum dritten Quartal brach das Papier am Dienstag, dem 3. November, auf Xetra um 29 % auf 5,13 EUR im Tief ein. Am Vortag hatte der Schlusskurs noch 7,23 EUR betragen. Damit fiel die Aktie deutlich unter ihre 200-Tage-Linie bei rund 5,70 EUR und zurück in eine Preisregion, in der sie zuletzt im Juli gehandelt hatte.
Der Auslöser liegt im Geschäftsausblick: TeamViewer erwartet für 2026 keinen währungsbereinigten Umsatzanstieg mehr. Statt der bisher angekündigten Spanne von null bis 3 % Wachstum rechnet der Softwareanbieter nun mit einem Rückgang um 1 bis 2 %. Verzögerte Vertragsabschlüsse mit Großkunden und erneute wirtschaftliche Unsicherheit in Europa belasten nach Unternehmensangaben die Erwartungen für das Schlussquartal. Auch die Quartalszahlen liefern wenig Rückenwind für Wachstumshoffnungen. Der Umsatz sank währungsbereinigt um 2,2 % auf 184,5 Mio. EUR. Die annualisierten wiederkehrenden Umsätze lagen mit 736,9 Mio. EUR währungsbereinigt 0,6 % unter dem Vorjahreswert. Damit fehlt ausgerechnet bei einer Kennzahl, die für die künftige Geschäftsentwicklung wichtig ist, bislang der erhoffte Schwung.
Allerdings wäre es zu einfach, TeamViewer eine umfassende Ertragsschwäche zu bescheinigen. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte im dritten Quartal 42,8 %. Am Jahresziel von rund 43 % hält das Management fest. Die Profitabilität bleibt somit hoch. Die Börsenreaktion lässt sich vielmehr als deutlicher Vertrauensverlust in die Wachstumsperspektiven lesen: Eine hohe Marge allein reicht offenbar nicht, wenn die Umsatzentwicklung hinter den Hoffnungen zurückbleibt. Besonders bitter wirkt der Absturz vor dem Hintergrund des Charts. Seit dem Frühjahr hatte sich das Bild schrittweise aufgehellt. Auf Erholungsversuche im April und Mai folgten zwar erneute Rückschläge im Juni, doch im Juli gewann die Aktie wieder an Stärke und überwand die 200-Tage-Linie. Nach einer Korrektur im September brachte der Oktober nochmals deutlichen Auftrieb. Zeitweise erreichte das Papier 7,74 EUR.
Von dieser Zuversicht ist nach dem jüngsten Einbruch viel verloren gegangen. Seit Jahresbeginn steht die Aktie rund 13 % im Minus, auf Jahressicht beträgt der Rückgang etwa 15 %. Über fünf Jahre beläuft sich das Minus auf rund 64 %. Die früheren Hochs aus den Jahren 2020 und 2021 bleiben damit weit entfernt.
Charttechnisch rückt nun zunächst das letzte Tagestief bei 5,13 EUR in den Blick. Darunter wäre die runde Marke von 5 EUR eine weitere Orientierungsgröße. Auf der Oberseite müsste TeamViewer zunächst die Zone um 5,70 EUR zurückerobern, um den Bruch der langfristigen Durchschnittslinie zu entschärfen. Entscheidend bleibt jedoch das operative Geschäft: Erst wenn aus verschobenen Großaufträgen tatsächliche Abschlüsse werden und die wiederkehrenden Umsätze wieder wachsen, erhält die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung ein belastbares Fundament. Der nächste Vertrauensbeweis muss deshalb vor allem aus den kommenden Geschäftszahlen kommen.
dynaCERT: Nachrüstung statt Neukauf im Dekarbonisierungszyklus
Der kanadische Cleantech-Spezialist dynaCERT (WKN: A1KBAV | ISIN: CA26780A1084) vollzieht derzeit einen sichtbaren Wandel vom Technologieentwickler zum internationalen Vertriebsunternehmen. Im Zentrum steht die patentierte HydraGEN™ -Plattform, mit der sich Dieselverbrauch und Emissionen bestehender Nutzfahrzeug- und Industrieflotten reduzieren lassen, ohne dass Betreiber ihre Fahrzeuge komplett ersetzen müssen. Dieser Nachrüstansatz trifft auf ein makroökonomisches Umfeld, in dem Dekarbonisierungsvorgaben weltweit verschärft werden und zugleich steigende Energiekosten die Budgets belasten. Für Flottenbetreiber ist daher eine Aufrüstung häufig wirtschaftlicher als der Umstieg auf neue Antriebe und Zugmaschinen.
Die Unternehmensführung um CEO Kevin Unrath hat die Organisation in den letzten Quartalen konsequent auf Abschlussstärke und den internationalen Vertrieb ausgerichtet. Diese dürfte die richtige Entscheidung gewesen sein, denn als Folge hoher Dieselpreise senkt jede Effizienzsteigerung pro Kilometer unmittelbar die laufenden Kosten der Motoren. Die jüngsten Fortschritte belegen, dass diese Neuausrichtung bereits greift. Über den Vertriebspartner IPMD intensiviert dynaCERT die Marktdurchdringung in Frankreich; im September ging aus laufenden Pilotprojekten ein Folgeauftrag eines Bestandskunden ein. Parallel präsentierte das Unternehmen die Technologie bei den „24 Heures Camions“ in Le Mans direkt vor Berufskraftfahrern und Flottenbetreibern.
Seit dem zweiten Halbjahr 2026 läuft zudem eine internationale Vertriebsinitiative mit Fokus auf Schwerlastverkehr, Hafenbetrieb und stationäre Stromerzeugung. Präsenz zeigte dynaCERT bereits auf der IAA Transportation und der TOC Americas, während die Breakbulk Asia vom 18.–19. November und die POWERGEN International im Januar 2027 bevorstehen. Ergänzung findet das Hardwaregeschäft durch die Softwareebene HydraLytica. Diese misst Betriebs- und Verbrauchsdaten der Motoren in Echtzeit, erfasst und schafft damit die Basis für eine datenbasierte Monetarisierung über zertifizierte Emissionszertifikate.
Für Anleger rücken daher neben den klassischen Umsatz- und Gewinnkennzahlen vor allem die Umwandlungsquote der Messekontakte in Aufträge ins Zentrum. Die geplante Verlängerung der ausstehenden Wandelanleihe über 1,0 Mio. USD bis Oktober 2027 – vorbehaltlich der Zustimmung der Toronto Stock Exchange – verschafft zudem die nötige finanzielle Flexibilität für das Unternehmen. Sofern sich der Auftragsbestand quartalsweise weiter aufbaut und die kanadische Produktion zunehmend auslastet, könnte die seit Ende 2025 andauernde Bodenbildungsphase der Aktie abgeschlossen sein.
Zalando: Mehr Umsatz, schwache Aktie – was Anleger jetzt verunsichert
Mehr Umsatz, mehr operativer Gewinn und trotzdem ein kräftiger Kursverlust: Zalando (WKN: ZAL111 | ISIN: DE000ZAL1111 | Ticker-Symbol: ZAL) hat Anleger am Dienstag, dem 3. November, mit seinen Zahlen zum dritten Quartal nicht überzeugt. Die Aktie verlor auf Xetra kurzzeitig 6,60 % auf 25,20 EUR. Damit erhielt die jüngste Erholung einen Zwischendämpfer. Nach dem kräftigen Oktober-Anstieg zeigt sich, wie hoch die Erwartungen vor der Veröffentlichung offenbar gewesen waren.
Auf den ersten Blick fällt die Bilanz jedoch erfreulich aus. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,1 % auf rund 3,2 Mrd. EUR. Das Bruttowarenvolumen legte um 7,5 % auf rund 4,5 Mrd. EUR zu. Gleichzeitig erhöhte sich das bereinigte operative Ergebnis um 10,6 % auf rund 107 Mio. EUR. Die entsprechende Marge verbesserte sich auf 3,4 Prozent. Der Knackpunkt liegt allerdings eine Stufe davor: Die Bruttomarge sank um 0,9 % auf 38,7 % und blieb hinter den Markterwartungen zurück. Belastend wirkten gezielte Preisangebote, insbesondere bei Sneakern. Jefferies zufolge konnten günstigere Abwicklungskosten die Margen-Enttäuschung auf operativer Ergebnisebene ausgleichen. Dennoch zeigt die Reaktion, dass Anleger genauer auf die Qualität des Wachstums schauen.
Zudem entwickelt sich das Geschäft unterschiedlich. Im Firmenkundensegment stieg der Umsatz um fast 28 Prozent auf rund 354 Mio. EUR. Das bereinigte EBIT hat sich auf rund 42 Mio. EUR mehr als verdoppelt. Im Endkundengeschäft ging das bereinigte EBIT dagegen von 76,6 auf 64,4 Mio. EUR zurück. Der starke Konzernwert verdeckt somit eine Schwäche im größeren Geschäftsbereich. Für zusätzliche Fantasie soll „Zalando Extended“ sorgen. Damit will Zalando Produkte anderer Onlineshops auf seine Plattform bringen. Ab 2027 soll ein eigener KI-Agent Bestellungen bei diesen Anbietern direkt aus der Zalando-App ermöglichen. Das eröffnet Chancen, muss seinen wirtschaftlichen Nutzen aber erst beweisen.
Die Jahresprognose bleibt unverändert: Zalando erwartet Umsatz- und Bruttowarenvolumenwachstum in der unteren Hälfte der Spanne von zwölf bis 17 % sowie ein bereinigtes EBIT zwischen 680 und 720 Mio. EUR. Eine Anhebung als zusätzlicher Kurstreiber blieb damit aus. Charttechnisch trifft der Rückschlag auf eine Aktie, die seit Anfang Oktober wieder deutlich zugelegt hatte. Zuvor waren auf die Sommerrally bis über 30 EUR kräftige Verluste im August und September gefolgt. Nun steht erneut die Frage im Raum, wie belastbar die jüngste Erholung tatsächlich ist. Die ersten Anleger haben sich jedenfalls entschieden und nutzten das gestrige Tief bei 25,08 EUR, um die Aktien aufzukaufen. Mit zuletzt 26,56 EUR liegt der Schlusskurs oberhalb der 100-Tage-Linie bei 24,85 EUR und der 200-Tage-Linie bei 23,32 EUR, die als nächste mögliche Unterstützung dienen. Der langfristige Durchschnitt wurde somit trotz des heftigen Tagesverlusts nicht unterschritten.
Zusammenfassung
TeamViewer senkt nach schwachen Q3-Zahlen und verschobenen Großaufträgen die Umsatzprognose für 2026, während die hohe EBITDA-Marge den Vertrauensverlust der Anleger bislang nicht auffängt.
dynaCERT setzt mit seiner HydraGEN™-Nachrüstung auf die kostengünstige Dekarbonisierung bestehender Flotten und will über internationalen Vertrieb, Softwaredaten und Folgeaufträge den Markthochlauf beschleunigen.
Zalando steigert Umsatz und operatives Ergebnis, doch die reduzierte Bruttomarge und rückläufige Erträge im Endkundengeschäft verunsicherten einige Anleger trotz unveränderter Jahresprognose.