30.10.2026 | 08:49
Spannungsfeld Börse: Zwischen Margendruck, Rohstoffboom und Prognosesprüngen – Cancom, Deutsche Rohstoff, Power Metallic Mines
Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von Power Metallic Mines.
Die internationalen Kapitalmärkte bewegen sich aktuell in einem Spannungsfeld zwischen makroökonomischem Gegenwind durch deutlich angestiegene Zinsen und lukrativen Sonderchancen. Während die Zurückhaltung bei Unternehmensinvestitionen etablierte Anbieter zu strategischer Kostendisziplin zwingt, treibt die weltweite Jagd nach kritischen Rohstoffen und Schlüsselmetallen Explorationsprojekte mit hohem Tempo voran. Parallel dazu sorgen ein gesteigertes Energiepreisumfeld sowie strategische Beteiligungsgewinne bei Rohstoffproduzenten für überraschend dynamische Gewinnanpassungen nach oben. Anleger stehen nun einmal wieder vor der Herausforderung, nur temporär anhaltende Sondereffekte von nachhaltiger operativer Ertragskraft zu trennen.
Lesezeit: ca. 7 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA73929R1055 , DE0005419105 , DE000A0XYG76
CANCOM: Umsatzprognose gekappt – hält die wichtige Unterstützung?
Bei CANCOM (WKN: 541910 | ISIN: DE0005419105 | Ticker: COK) geraten die Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung unter Druck. Die Aktie des Münchner IT-Dienstleisters steht bei rund 21,60 EUR und damit wieder nahe den Tiefständen des Spätsommers bei 21 EUR. Auslöser ist eine am Montagabend veröffentlichte Anpassung des Jahresausblicks, auf die Anleger im Anschluss mit Verkäufen reagierten. Der Vorstand erwartet für 2026 nur noch Umsätze von 1,65 bis 1,75 Mrd. EUR. Zuvor waren 1,75 bis 1,85 Mrd. EUR vorgesehen. Die EBITDA-Prognose von 110 bis 130 Mio. EUR bleibt ebenso bestehen wie das EBITA-Ziel von 55 bis 75 Mio. EUR. Als Belastungen nennt CANCOM längere Entscheidungsprozesse und verschobene Projekte, insbesondere bei digitalen Arbeitsplätzen.
Die vorläufigen Quartalszahlen zeigen den Gegenwind: Der Umsatz sank von 423,9 auf rund 412 Mio. EUR, das EBITDA von 27,1 auf 24,1 Mio. EUR. Damit ging das operative Ergebnis stärker zurück als der Erlös. Eine positive Beschleunigung des Geschäfts lässt sich daraus jedenfalls nicht ableiten. Dabei hatte CANCOM im ersten Halbjahr durchaus Fortschritte vorzuweisen. Das EBITDA stieg trotz rückläufiger Umsätze um 34 % auf 49,2 Mio. EUR. Kostendisziplin und Effizienzmaßnahmen verbesserten die Profitabilität. Der Rohertrag erhöhte sich auf 343,3 Mio. EUR, die entsprechende Marge auf 44,2 %. Diese Entwicklung erklärt, weshalb ein schwächerer Umsatz nicht automatisch eine gleich große Ergebnisbelastung bedeuten muss.
Aus den veröffentlichten Zahlen ergibt sich allerdings eine anspruchsvolle Aufgabe für das Schlussquartal. Nach 49,2 Mio. EUR EBITDA im ersten Halbjahr und vorläufig 24,1 Mio. EUR im dritten Quartal stehen rechnerisch 73,3 Mio. EUR nach neun Monaten in den Büchern. Um die bestätigte Jahresbandbreite zu erreichen, wären im vierten Quartal etwa 36,7 bis 56,7 Mio. EUR nötig. Das untere Ende verlangt damit bereits deutlich mehr als das jüngste Quartal. Zusätzlich verdient die Liquiditätsentwicklung Aufmerksamkeit. Im Halbjahresbericht hatte CANCOM einen operativen Cashflow von minus 109,6 Mio. EUR ausgewiesen und dies mit Investitionen ins Working Capital erklärt. Anleger sollten deshalb die Ergebnisrechnung verfolgen, ob gebundenes Betriebskapital wieder freigesetzt wird. Steigende Margen überzeugen stärker, wenn daraus auch Zahlungsmittelzuflüsse entstehen.
Der Chart liefert bislang wenig Entwarnung. Seit dem Hoch im Juni bei 29,40 EUR dominieren fallende Kurse. Die jüngste Seitwärtsbewegung zwischen ungefähr 22 und 23 EUR brachte keine dauerhafte Trendwende. Mit dem erneuten Rücksetzer steht nun die Unterstützungszone zwischen 20 und 21 EUR wieder im Mittelpunkt. Bereits im Oktober 2023, November 2024, August 2025 sowie im März und August 2026 hatte die Aktie diesen Bereich getestet. Ende Oktober 2026 folgt nun der nächste Anlauf. Die wiederholten Tests unterstreichen die Bedeutung dieser Unterstützung, garantieren jedoch keinen erneuten Halt. Sollte die Zone nachhaltig unterschritten werden, würde sich das Chartbild weiter verschlechtern und das Risiko neuer Tiefstände steigen. Entscheidend ist deshalb, ob die Käufer den Bereich zwischen 20 und 21 EUR auch diesmal verteidigen können.
Der nächste Prüfstein folgt mit dem vollständigen Quartalsbericht am 12. November. Entscheidend werden Hinweise auf Nachfrage, Mittelzuflüsse und die Erreichbarkeit der Ergebnisziele. Bis dahin bleibt die bestätigte Gewinnspanne ein Versprechen, dessen Einlösung das Schlussquartal erst zeigen muss.
Kupfer-Hoffnung in Québec: Power Metallic forciert Lion-Studie
Der kanadische Rohstoffexplorer Power Metallic Mines (WKN: A40S32 | ISIN: CA73929R1055 | Ticker: IVVI) transformiert sein Flaggschiffprojekt Nisk in der kanadischen Provinz Québec mit Nachdruck in ein fortgeschrittenes Erschließungsvorhaben. Vor dem Hintergrund einer weltweit beschleunigten Elektrifizierung, expansiver Investitionen in Stromnetze und der Bestrebungen westlicher Staaten und Industrieunternehmen nach resilienten Lieferketten für strategische Schlüsselmetalle gewinnt Kupfer immer stärker an geostrategischer Relevanz. Um das ökonomische Fundament der polymetallischen Vorkommen Lion und Nisk Main abzubilden, beauftragte das Management von Power Metallic das renommierte Ingenieurbüro BBA Inc. mit der Ausarbeitung einer vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung (PEA). Die technische Studie soll Förder- und Aufbereitungsmethoden, Investitions- und Betriebsausgaben (Capex & Opex) sowie die Infrastrukturanbindung präzisieren. Mit der Fertigstellung und Publikation dieser Kennzahlen wird im ersten Halbjahr 2027 gerechnet.
Als quantitative Grundlage dient die im September vorgelegte erste Mineralressourcenschätzung (MRE) für den Erzkörper Lion. Dieser umfasst 4,75 Mio. Tonnen Erz mit einem signifikanten Metallgehalt von durchschnittlich 3,9 % Kupferäquivalenten (CuEq), was einem reinen Metallinhalt von rund 406 Mio. Pfund entspricht. Bemerkenswert ist dabei der hohe Reifegrad des Projektes, da bereits mehr als 85 % des Volumens als angezeigte Ressource ausgewiesen wurden, während der Rest als abgeleitete Ressource klassifiziert ist. Ergänzt wird diese Basis durch die Lagerstätte Nisk Main, welche weitere 4,72 Mio. Tonnen an Nickel-Kupfer-Ressourcen beisteuert. In einer zusammengefassten Betrachtung würden beide Lagerstätten im Verbund wahrscheinlich Synergien freisetzen. Das erfahrene Ingenieurteam um BBA sowie Geologen von SGS und GeoVector validieren nun die metallurgischen Prozesse, nachdem Tests im Labor bereits exzellente Kupferausbeuten von über 98 % belegen konnten.
Abseits der bestehenden Modellierung untermauern jüngste Tiefbohrungen ein beträchtliches Expansionspotenzial entlang des Streichens und in die Tiefe. Bohrung PML-26-125 durchteufte in rund 800 Metern vertikaler Tiefe einen hochgradigen Abschnitt von 5,7 Metern mit 14,0 % CuEq. Damit gehen die metallischen Mineralisierungen mehr als 25 % tiefer als in der aktuellen Ressource erfasst. Ein weiterer Kernabschnitt lieferte 7,7 Meter mit 3,28 % CuEq, während die Laborbefunde für eine Bohrung aus fast 900 Metern Tiefe noch ausstehen. Diese Tiefenerweiterungen spiegeln sich entsprechend bisher nicht in den bisherigen Tonnagezahlen wider. Geologisch betrachtet liefert dies aber Argumente für die substanzielle Hochstufung der Vorkommen bei künftigen Modellaktualisierungen. Das bis 2027 finanzierte und laufende Bohrprogramm nutzt fünf Kernbohrgeräte auf dem rund 330 km² umfassenden Projektareal, mit dem Ziel, die bekannten Erzvorkommen wie zuletzt mehrfach geschehen weiter zu vergrößern.
Analystenseitig erfährt dieser kontinuierliche Fortschritt eine spürbar positive Resonanz: Die Research-Gesellschaft GBC AG hob ihren Bewertungsansatz für die Projektteile Lion und Tiger kürzlich von 570 Mio. CAD auf 660 Mio. CAD an. Die Analysten bestätigen ihr Kursziel von 3,00 CAD (rund 1,86 EUR) und stufen die Aktie unverändert mit „Kaufen“ ein. Dank einer im Juni 2026 erfolgreich platzierten Eigenkapitalfinanzierung über 28,2 Mio. CAD verfügt das Unternehmen unter Führung von CEO Terry Lynch über ausreichende Barmittel, um sämtliche Ingenieur-, Bohr- und Umweltstudien planmäßig voranzutreiben. Parallel begleitet die Beratungsgesellschaft ethos stratégie den aktiven Dialog mit den indigenen Gemeinschaften und regionalen Interessengruppen. Für institutionelle wie private Anleger bleibt die schrittweise Risikoreduzierung im Vorfeld der Wirtschaftlichkeitsstudie 2027 die entscheidende Kennzahl, während die bekannteren Rohstoffmilliardäre wie Eric Sprott, Robert Friedland, Rob McEwen oder Gina Rinehart für die nötige Sicherheit auf der Investorenseite sorgen.
Deutsche Rohstoff: Nächste Prognoseanhebung – gelingt jetzt der Ausbruch?
Die Deutsche Rohstoff AG (WKN: A0XYG7 | ISIN: DE000A0XYG76 | Ticker: DR0) liefert neue Argumente für eine Fortsetzung ihrer Kurserholung. Der Mannheimer Rohstoffkonzern hat am Dienstag seine Jahresziele erneut angehoben. Die Aktie schloss am Donnerstag bei rund 90,8 EUR, ein Plus von knapp 4 % gegenüber dem Schlusskurs vom Montag. Aktuell bleibt es noch ungewiss, ob die Aktie die vorliegende Kurszone um 92 EUR nachhaltig überwinden kann. Seit Jahresbeginn liegt das Papier mit starken 84 % im Plus, auf 52-Wochen-Sicht beträgt der Kursgewinn sogar 88 %.
Für 2026 erwartet das Unternehmen jetzt Umsätze zwischen 340 und 360 Mio. EUR sowie ein EBITDA von 420 bis 440 Mio. EUR. Noch im August lagen die Basisszenarien bei 300 bis 320 Mio. EUR. Rückenwind liefern das Ölpreisumfeld und die Entwicklung der amerikanischen Förderaktivitäten. Für November und Dezember kalkuliert die neue Prognose mit einem WTI-Preis von 95 USD je Barrel. Erklärungsbedürftig bleibt das Verhältnis von Umsatz und Ergebnis. Am Mittelpunkt der EBITDA-Prognose entfallen rund 270 Mio. EUR auf Öl und Gas sowie rund 160 Mio. EUR auf Almonty-Verkäufe. Letztere sind Beteiligungserträge und keine gewöhnlichen Förderumsätze. Seit Mitte Juli wurden keine weiteren Almonty-Aktien verkauft.
Bereits die Halbjahreszahlen zeigten, wie stark solche Transaktionen das Gesamtbild prägen. Bei 110 Mio. EUR Umsatz erreichte das EBITDA 205,2 Mio. EUR, der Konzernüberschuss betrug 134,7 Mio. EUR. Darin enthalten waren rund 128 Mio. EUR Ertrag aus Almonty-Teilverkäufen. Gleichzeitig erhöhte sich das um Metallgeschäft und außerplanmäßige Abschreibungen bereinigte Ergebnis aus Öl und Gas um 47 % auf 23,2 Mio. EUR. Auch das Kerngeschäft hatte damit zugelegt.
Für die Bewertung des Unternehmens ist diese Unterscheidung notwendig. Ein anteiliger Beteiligungsverkauf schafft zwar finanziellen Spielraum, lässt sich aber nicht beliebig wiederholen. Nachhaltige Ertragskraft hängt davon ab, welche Mengen an Öl und Gas die neuen Bohrungen liefern, welche Verkaufspreise erzielt werden und wie viel Kapital neue Projekte verschlingen. Ein derzeit optisch niedriger Bewertungsmultiplikator auf das gesamte EBITDA könnte andernfalls ein zu günstiges Gesamtbild vermitteln.
Charttechnisch hat die Aktie nach dem steilen Anstieg im Frühjahr und der anschließenden Korrektur wieder Boden gewonnen. Im Sommer lag die markante Tiefzone ungefähr zwischen 73 und 80 EUR. Anfang Oktober stabilisierte sich der Kurs bereits um 79 bis 82 EUR. Diese höheren Tiefpunkte sprechen für eine verbesserte Ausgangslage. Sie dienen daher nun als potenzielle Unterstützungszonen für die Zukunft.
Zusammenfassung
CANCOM kämpft nach einer gekappten Umsatzprognose mit anhaltender Investitionszurückhaltung und muss nun im Schlussquartal eine charttechnisch kritische Unterstützungszone verteidigen.
Power Metallic Mines treibt sein kanadisches Polymetallprojekt über eine fundierte Wirtschaftlichkeitsstudie und beachtliche Bohrergebnisse zielgerichtet in Richtung Produktion voran.
Die Deutsche Rohstoff AG profitiert von starken US-Förderaktivitäten sowie Beteiligungsverkäufen und untermauert ihren jüngsten Kursaufschwung mit einer erneuten Anhebung der Jahresziele.