16.10.2026 | 05:24
Turnaround oder Bullenfalle? ABO Energy, Pferdewetten, Lahontan Gold
Ob spektakuläre Kurssprünge nach Großaufträgen, die heikle Aufarbeitung von behördlich angeordneten Bilanzprüfungen oder die Erschließung lukrativer Rohstoffvorkommen. An den Kapitalmärkten trennt sich immer, wenn auch nach und nach, die Spreu vom Weizen. Während operative Fortschritte und strategische Zukäufe neues Vertrauen stiften, mahnen die schwebenden Sanierungsverfahren und die bilanziellen Altlasten bei einem anderen Unternehmen zur Vorsicht. Dieser Bericht betrachtet drei grundverschiedene Börsentitel, die zwischen Neubewertungspotenzial und existenziellen Risiken alles aufweisen, und zeigt zudem auf, wo sich jetzt ein Einstieg oder der Ausstieg noch lohnen könnte.
Lesezeit: ca. 6 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA50732M1014 , DE0005760029 , DE000A2YN777
Pferdewetten.de: Neue Bilanzkorrektur – Stabilisierung der Aktie in Gefahr?
Die Aktie von pferdewetten.de (WKN: A2YN77 | ISIN: DE000A2YN777 | Ticker: EMH) ringt nach einem sehr langen Abverkauf um Stabilität. Bei rund 2,20 EUR bewegt sich der Wettanbieter weiterhin deutlich unter früheren Kursniveaus. Eine am Montagabend veröffentlichte Ad-hoc-Mitteilung rückt nun die Rechnungslegung in den Mittelpunkt. Trotz operativer Fortschritte bleiben damit wichtige Fragen für Anleger offen.
Am 12. Oktober beschloss der Vorstand, den bereits festgestellten Jahresabschluss 2024 zu ändern und neu aufzustellen. Hintergrund ist das laufende Bilanzkontrollverfahren der Finanzaufsicht BaFin. Konkret geht es um die Bewertung von Ausleihungen und Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen. Im damaligen Einzelabschluss standen Finanzanlagen von 40,49 Mio. EUR, darunter 38,70 Mio. EUR Ausleihungen an Konzerngesellschaften. Bisherige Analysen deuten auf Korrekturbedarf hin.
Wie hoch die erforderlichen Wertanpassungen ausfallen und welchen Zeiträumen sie zugeordnet werden, steht noch nicht fest. Dies sollen weitere Werthaltigkeitsanalysen und die Nachtragsprüfung des Abschlussprüfers klären. Dabei werden auch mögliche Auswirkungen auf Eigenkapital und Jahresergebnis untersucht. Die Zahlen des IFRS-Konzernabschlusses 2024 bleiben laut Unternehmen von dieser Änderung unberührt, weil konzerninterne Ausleihungen dort eliminiert werden. Weitere mögliche Folgeeffekte werden gesondert geprüft. Für Anleger bleibt entscheidend, wann belastbare Ergebnisse vorliegen.
Operativ hatte pferdewetten.de zuletzt bessere Nachrichten geliefert. Im August berichtete das Unternehmen für das erste Halbjahr 2026 über einen Umsatzanstieg um 25,4 % auf rund 35 Mio. EUR. Das EBITDA verbesserte sich von minus 0,20 Mio. EUR auf plus 3,03 Mio. EUR. Kostensenkungen und die strategische Neuausrichtung zeigten damit erste Wirkung. Die damals bestätigte Jahresprognose sah Umsätze von 70 bis 80 Mio. EUR und ein EBITDA von 5 bis 10 Mio. EUR vor. Die jüngsten operativen Verbesserungen sind ein wichtiger Lichtblick, ersetzen aber keine Klarheit über die noch ausstehenden Korrekturen der früheren Rechnungslegung.
Charttechnisch reicht das bislang nicht für einen überzeugenden Trendwechsel. Nach erneuten Verlusten von Mai bis Ende Juli hat sich die Aktie seit August etwas gefangen. Bei 2,20 EUR liegt sie ungefähr an der 20-Tage-Linie und knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 2,13 EUR. Die längerfristige Ausgangslage bleibt jedoch angeschlagen. Für eine Verbesserung müsste der Kurs die Widerstandszone zwischen 2,20 und 2,30 EUR nachhaltig überwinden. Dort verläuft auch die 100-Tage-Linie bei rund 2,28 EUR. Anschließend wartet bei etwa 2,50 EUR die nächste wichtige Hürde, flankiert vom 200-Tage-Durchschnitt bei 2,48 EUR. Erst oberhalb dieser Zone würde eine Erholung Richtung 3,00 EUR charttechnisch plausibler. Ein Rückfall unter 2,00 EUR würde die jüngste Stabilisierung dagegen schwächen.
Lahontan Gold: Wirtschaftlichkeitsstudie beflügelt Santa Fe
Trotz eines restriktiven Zinsumfelds stützen anhaltende geopolitische Risiken sowie steigende Inflationssorgen den Goldpreis. Dieser wird weiterhin stabil oberhalb von 4.000 USD je Feinunze gehandelt. Vor diesem vorteilhaften makroökonomischen Hintergrund vollzieht Lahontan Gold (WKN: A3DKKY | ISIN: CA50732M1014 | Ticker: Y2F) die planmäßige Weiterentwicklung vom Erkundungsunternehmen hin zum künftigen Edelmetallproduzenten. Im Zentrum des im bergbaufreundlichen US-Bundesstaat Nevada aktiven Unternehmens steht die operative Neuausrichtung der ehemals produzierenden Santa-Fe-Mine. Bis Ende 2027 soll diese wieder in Betrieb gehen. Neben einer etablierten Infrastruktur verfügt das Projekt über 1,195 Mio. Unzen Goldäquivalent an angezeigten sowie weitere 1,190 Mio. Unzen an abgeleiteten Ressourcen. Die kürzlich bekanntgegebene strategische Übernahme von Emergent Metals erweiterte das Areal auf über 93 Quadratkilometer. Gleichzeitig wurden die künftigen Lizenzzahlungen (Royalties) um 1,73 Mio. USD gesenkt und die Aktionärsstruktur bei einer Verwässerung von lediglich 4,7 % verändert.
Die diese Woche vorgelegte aktualisierte vorläufige Wirtschaftlichkeitsbewertung liefert den quantitativen Nachweis für die Rentabilität des Vorhabens und das über eine elfjährige Abbauphase hinweg. Im Basisszenario von 3.600 USD je Unze Gold und 49 USD je Unze Silber beziffert die Studie den Nettobarwert nach Steuern bei einem Diskontierungssatz von 5 % auf beachtliche 820 Mio. USD. Das entspricht einer internen Verzinsung von 40,1 %. Im aktuellen Kassapreis-Szenario von 4.166 USD je Feinunze klettert dieser Nettowert sogar auf 1,13 Mrd. USD und der interne Zinsfuß auf 50,4 %. Die prognostizierten Gesamterlöse über die Minenlaufzeit belaufen sich auf 3,68 Mrd. USD, aus denen ein freier Mittelzufluss nach Steuern von 1,32 Mrd. USD resultieren würde. Mit anfänglichen Investitionsausgaben von 172,0 Mio. USD und einer Amortisationszeit von 3,7 Jahren unterstreichen die Kennziffern eine solide Kapitaldisziplin bei geschätzten nachhaltigen Gesamtförderkosten von 2.250 USD je Unze.
Operativ profitiert das Vorhaben von einer durchschnittlichen Jahresproduktion von rund 91.900 Unzen Goldäquivalent in den ersten drei Jahren. Ab dem vierten Betriebsjahr soll diese auf mehr als 112.500 Unzen ansteigen. Zusätzliche Hebelwirkung versprechen die jüngsten Schallbohrungen auf den historischen Haldenflächen. Diese ergaben Goldgehalte von durchschnittlich 0,54 Gramm je Tonne, und das übertrifft die historischen Restwerte von 0,32 Gramm deutlich. Eine vorgezogene Zyanidlaugung dieses Materials eröffnet die Möglichkeit, vorzeitige operative Mittelzuflüsse zu generieren. Setzt CEO Kimberly Ann die Verwertung des alten Abraummaterials so um, würde sich der externe Finanzierungsbedarf vor der eigentlichen Bauphase bereits reduzieren. Die vollständige Einreichung des Minenbetriebsplans bei den US-Behörden sowie der Abschluss der Umweltbasisstudien halten das Genehmigungsverfahren im Zeitplan für das Jahr 2027. Flankierende Folgebohrungen auf den integrierten Zonen New York Canyon und West Santa Fe sollen zudem das Ressourceninventar erweitern.
An den Kapitalmärkten spiegelt sich die stetige Risikoreduzierung durch operative Erfolge bislang nicht wider. Mit einer Notierung von 0,34 CAD errechnet sich bei 432,5 Mio. ausgegebenen Aktien eine Marktkapitalisierung von lediglich rund 147 Mio. CAD. Dem steht ein nach Steuern ermittelter Barwert gegenüber, der die gegenwärtige Marktkapitalisierung um ein Vielfaches übertrifft. Für institutionelle wie auch private Anleger bietet das erhebliche Missverhältnis zwischen fundamentalem Projektwert und der Börsenbewertung ein sehr attraktives Chance-Risiko-Profil. Dafür müssen aber auch die anstehenden Bau- und Umweltgenehmigungen planmäßig erteilt werden, um das Risiko weiter zu senken. Mit dem Übergang von der aktuell noch genehmigungsintensiven Entwicklungsphase hin zum produzierenden Minenbetrieb dürfte sich der bestehende Bewertungsabschlag zu etablierten Vergleichsunternehmen schrittweise verringern.
ABO Energy: Über 290 % in sieben Handelstagen – bringt Windparkverkauf die Erholung?
Die Aktie von ABO Energy (WKN: 576002 | ISIN: DE0005760029 | Ticker: AB9) meldet sich mit einer kräftigen Erholung zurück. Am Montag, dem 12. Oktober, legte sie gegenüber dem Freitagsschluss um rund 23 % auf 3,20 EUR zu und notierte gestern nochmals bei 4,50 EUR deutlich höher. Seit dem Schlusskurs vom 6. Oktober bei rund 1,54 EUR hat sich der Kurs damit innerhalb von nur sieben Handelstagen knapp verdreifacht. Doch der Weg zu einer nachhaltigen Stabilisierung bleibt anspruchsvoll.
Einen konkreten Nachrichtenanlass liefert der Schweizer Energiekonzern BKW. Er gab am Montag den Erwerb des Windparks Öhringen-Karlsfurt in Baden-Württemberg von ABO Energy bekannt. Der Kaufvertrag wurde bereits Anfang Oktober unterzeichnet. ABO Energy hat das Projekt entwickelt und realisiert es schlüsselfertig. Die sieben Anlagen verfügen zusammen über 33,6 Megawatt Leistung. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Jährlich sollen mehr als 80 Gigawattstunden Strom erzeugt werden.
Für den Projektentwickler ist der Verkauf ein operativer Fortschritt. ABO Energy, früher ABO Wind, entwickelt und errichtet Wind- und Solarparks sowie Batteriespeicher und Wasserstoffprojekte. Ein gesicherter Käufer verbessert die Planbarkeit des betreffenden Projekts. Die BKW-Mitteilung nennt allerdings keinen Kaufpreis. Wie stark der Verkauf Liquidität und Ergebnis von ABO Energy beeinflusst, lässt sich daraus nicht beziffern. Ebenso wenig ist belegt, dass allein diese Nachricht die gesamte jüngste Kursrally erklärt.
Entscheidend bleibt die finanzielle Sanierung. Ende Juli vereinbarte ABO Energy mit seinen Finanzierungspartnern eine Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis zum 30. November 2026. Im Auftrag der Finanzierungspartner erarbeitet Rothschild & Co. Vorschläge für eine langfristige Finanzierungslösung. Bereits im Mai hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der Entwurf des Sanierungsgutachtens die Gesellschaft grundsätzlich als sanierungsfähig einstuft. Voraussetzung bleibt jedoch eine tragfähige Sanierungsfinanzierung. Für 2026 wird kein positives Konzernergebnis mehr erwartet, aber für 2027 wurde eine Rückkehr zu einem positiven EBITDA in Aussicht gestellt.
Charttechnisch hat der Kurssprung die kurzfristige Ausgangslage verbessert. Die Aktie liegt wieder über der 20-Tage-Linie bei rund 2,90 EUR und knapp oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts bei 3,25 EUR. Die nächste Bewährungsprobe wartet bei 4,90 EUR. Hier trifft der Kurs auf die 200-Tage-Linie. Darüber hinaus dürfte die Zone von 6,00 und 6,20 EUR als Deckel fungieren, da der Markt sich dort im Frühjahr längere Zeit aufgehalten hat, bevor der erste Einbruch im Juni stattfand.
Zusammenfassung
Pferdewetten.de verzeichnet zwar eine operative Erholung, doch eine angeordnete Bilanzkorrektur für 2024 bremst die charttechnische Stabilisierung der Aktie spürbar aus.
Lahontan Gold profitiert vom hohen Goldpreis, dem strategischen Zukauf sowie der vorläufigen Wirtschaftlichkeitsstudie und bietet erhebliches Neubewertungspotenzial.
ABO Energy verdoppelt ihren Aktienkurs nach einem Windparkverkauf rasant, bleibt vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen über eine Sanierungsfinanzierung jedoch hochriskant.