31.07.2026 | 05:40
Vom robusten Dividenden-Giganten über Cleantech bis zum KI-getriebenen Turnaround - dynaCERT, McDonald's, ServiceNow, TeamViewer
Die Börse bietet vielfältige Chancen und dieser Bericht analysiert drei spannende Werte aus unterschiedlichen Branchen. Entdecken Sie das hochprofitable Franchise-Modell eines globalen Fast-Food-Giganten und verlässlichen Dividendenzahlers. Erfahren Sie außerdem, wie ein innovatives Cleantech-Unternehmen mit genialer Emissionsreduktion den Logistikmarkt transformiert. Zuletzt beleuchten wir die charttechnische Erholung eines etablierten Softwareanbieters, der dank neuer KI-Integrationen ein starkes Comeback anpeilt. Lesen Sie alle Daten und Fakten im ausführlichen Bericht hier:
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7 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA26780A1084 , US5801351017 , US81762P1021 , DE000A2YN900
McDonald’s-Aktie: Wie verdient der Burger-Gigant eigentlich sein Geld?
Die McDonald’s-Aktie (WKN: 856958 | ISIN: US5801351017 | Ticker: MCD) notiert aktuell bei rund 271 USD und liegt seit Jahresbeginn sowie auf 52-Wochen-Sicht knapp 10 % im Minus. Mit einer Marktkapitalisierung von fast 193 Mrd. USD gehört McDonald’s trotzdem zu den 100 wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Zuletzt stieg die Aktie wieder über den 20-Tage-Durchschnitt, der größere Abwärtstrend ist aber noch nicht überwunden. Um McDonald’s zu verstehen, muss man zwischen Systemumsatz und Konzernumsatz unterscheiden. Der Systemumsatz erreichte 2025 beeindruckende 139,4 Mrd. USD. Das ist der Gesamtumsatz aller mehr als 45.000 McDonald’s-Restaurants weltweit. Rund 95 % davon gehören jedoch selbstständigen Franchisenehmern. Kauft ein Kunde dort beispielsweise für 10 USD ein Menü, verbucht zunächst der Franchisenehmer diese 10 USD. McDonald’s erhält davon nur einen vertraglich festgelegten Anteil über Mieten, Lizenzgebühren und weitere Gebühren.
Deshalb standen in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Konzerns 2025 lediglich 26,89 Mrd. USD Umsatz. Davon kamen 16,55 Mrd. USD aus dem Franchisegeschäft – hauptsächlich aus 10,44 Mrd. USD an Mieteinnahmen und 6,02 Mrd. USD an Lizenzgebühren. Die konzerneigenen Restaurants erwirtschafteten 9,69 Mrd. USD, weitere 647 Mio. USD kamen aus sonstigen Erlösen. Gerade dieses Modell macht McDonald’s so profitabel. Die Franchise-Marge lag bei 84,2 %, die Marge der selbst betriebenen Restaurants dagegen nur bei 14,7 %. Eine klassische Bruttomarge weist McDonald’s nicht gesondert aus. Zieht man die direkt zurechenbaren Restaurantkosten ab, ergibt sich rechnerisch eine Marge von rund 57 %. Die operative Marge erreichte 46,1 %, die Nettomarge sogar 31,9 %. Von 100 USD bilanziertem Umsatz blieben somit fast 32 USD Nettogewinn übrig. Insgesamt verdiente McDonald’s 2025 rund 8,56 Mrd. USD nach 8,22 Mrd. USD im Vorjahr.
Auch beim Cashflow hilft eine einfache Aufteilung. Das laufende Geschäft erzeugte 2025 einen operativen Cashflow von 10,55 Mrd. USD. Nach Abzug der Sachinvestitionen von 3,37 Mrd. USD verblieb ein freier Cashflow von 7,19 Mrd. USD. Dieser Betrag stand anschließend beispielsweise für Dividenden, Aktienrückkäufe oder den Schuldenabbau zur Verfügung. McDonald’s verwendete davon 5,12 Mrd. USD für Dividenden und rund 2,06 Mrd. USD für Aktienrückkäufe – und gab damit praktisch den gesamten freien Cashflow an seine Aktionäre zurück. Weitere Investitionen und Finanzierungsvorgänge führten dazu, dass der Bargeldbestand 2025 insgesamt um rund 310 Mio. USD sank.
Gut laufen das margenstarke Franchisegeschäft, die internationale Expansion und das Kundenbindungsprogramm mit fast 210 Millionen aktiven Nutzern. Risiken bleiben die schwächere Nachfrage einkommensärmerer Kunden, steigende Kosten und die hohe Bewertung. Im ersten Quartal 2026 setzte sich das Wachstum fort: Der Umsatz stieg um 9 % auf 6,52 Mrd. USD und der Nettogewinn um 6 % auf 1,98 Mrd. USD.
Fun Fact: Jeder achte Amerikaner hat laut McDonald’s schon einmal in einem Restaurant des Konzerns gearbeitet. Ein eigenes McDonald’s zu eröffnen ist dagegen schwierig: In den USA werden gewöhnlich mindestens 750.000 USD unbelastetes Eigenkapital und eine sechs- bis zwölfmonatige Ausbildung verlangt. Aktuell beträgt die annualisierte Dividende 7,44 USD je Aktie, was rund 2,7 % Dividendenrendite entspricht. Am 4. August werden die Q2-Zahlen erwartet.
dynaCERT: HydraGEN™ als Brückentechnologie im zyklischen Logistikmarkt
Der globale Logistiksektor steht angesichts schärferer Klimarichtlinien und geopolitischer Versorgungsrisiken unter erheblichem Kosten- und Emissionsdruck. Die monatelange Blockade der Straße von Hormus verschärft die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen und erhöht den politischen Druck, Verbrauch und CO₂-Ausstoß dauerhaft zu senken. In diesem Umfeld setzt das kanadische Cleantech-Unternehmen dynaCERT (WKN: A1KBAV | ISIN: CA26780A1084 | Ticker-Symbol: DMJ) auf eine Kombination aus Hardware-Lösung und Telematik-Software. Hierbei wird HydraGEN™ als nachrüstbares Einspritzungssystem eines Wasserstoff-Sauerstoff-Gemischs in Dieselmotoren verwendet, während HydraLytica die Einsparungen telematisch erfasst und die CO₂-Einsparungen via Emissionsrechtezertifikat verkaufbar macht. Bereits geringe Effizienzsteigerungen in bestehenden Flotten eröffnen damit unmittelbare Kostenersparnisse und Erträge durch den CO₂-Zertifikatehandel. Diese Kombination findet derzeit insbesondere in wachstumsstarken Märkten wie Südostasien deutlichen Anklang.
Finanziell hat die jüngste Kapitaleinwerbung des Unternehmens die operative Flexibilität gestärkt. Ende Juni 2026 kam eine brokerfreie Privatplatzierung über 5 Mio. CAD in die Bücher. Strukturiert wurde dies durch eine 6%ige Wandelanleihe mit einem Wandlungspreis von 0,15 CAD, was einem Aufschlag von 25 % auf das letzte Kursniveau entsprechen würde. Analysten bewerten die Transaktion als Zeichen für Investorenvertrauen und begrüßen die operative Neuausrichtung unter CEO Kevin Unrath. Die Finanzierung zielt darauf, die globale Vertriebsstruktur in Schlüsselregionen auszubauen und Pilotprojekte in Vietnam in Serienaufträge zu überführen. Aus heutiger Sicht ist das Umsatzprofil von dynaCERT fast ausschließlich projektgetrieben. Nun muss der Übergang von Pilot- zum Serienverkauf geschafft werden, um wiederkehrende Umsatzerlöse zu generieren.
Ein Schwerpunkt der Wachstumsstrategie liegt in Vietnam. Auf diesem stark importabhängigen Markt sind mehr als 3,5 Mio. Diesel-Nutzfahrzeuge zugelassen. Die vietnamesische Politik unterstützt Treibstoff- und Emissionsreduktionen, und erste kommerzielle Serienaufträge regional bedeutender Logistikunternehmen untermauern die technologische Robustheit der HydraGEN-Systeme auch unter tropischen Bedingungen. Die Inbetriebnahme dieser Systeme bei einem Hafenbetrieb und auf der ersten Lkw-Flotte stärkt die Akzeptanz in Südostasien und dient als strategischer Brückenkopf des kanadischen Unternehmens. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen mit deutschen Behörden an der regulären Zulassung (ABE) für den Vertrieb (bisher nur MAN-Fahrzeugtypen), was den hohen Aufwand der Einzelzulassung vermindern würde. Dennoch ist der zeitliche Horizont im bürokratiegetriebenen Deutschland bis zu einer möglichen breiten Marktdurchdringung in der EU derzeit noch nicht abschätzbar.
Der Turnaround von dynaCERT ist daher eng verknüpft mit der Nachfrage aus dem logistischen Schwerlastverkehr, von staatlichen Förderprogrammen für die Emissionsreduktion sowie dem Preisniveau für CO₂-Zertifikate. Die Kombination aus kurzfristigen Kosteneinsparungen und langfristigen Erträgen aus dem Emissionshandel könnte den Namen des Unternehmens aus Toronto im nächsten Wachstumszyklus wieder stärker in den Fokus der Anleger rücken.
TeamViewer-Aktie startet durch: Geht es jetzt zurück in Richtung 8 EUR?
Die TeamViewer-Aktie (WKN: A2YN90 | ISIN: DE000A2YN900 | Ticker: TMV) hat in den vergangenen Handelstagen kräftig zugelegt und notiert aktuell bei rund 6,20 EUR. Damit ist das Unternehmen an der Börse wieder etwa 1,05 Mrd. EUR wert. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie ungefähr 3 % im Plus, auf 52-Wochen-Sicht aber weiterhin rund 35 % im Minus. Auslöser für den neuen Optimismus waren neben einer wichtigen Partnerschaft auch die am Dienstag veröffentlichten Quartalszahlen. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 % auf 182,7 Mio. EUR. Ohne Währungseffekte fiel der Rückgang mit 1,4 % kleiner aus. Die wiederkehrenden Umsätze – also vor allem Einnahmen aus laufenden Abonnements – blieben mit 736,8 Mio. EUR nahezu stabil.
Der bereinigte operative Gewinn ging zwar um 6 % auf 78,9 Mio. EUR zurück. Die dazugehörige Gewinnmarge blieb mit 43,2 % aber auf einem hohen Niveau. Unter dem Strich stieg der Nettogewinn sogar um 33 % auf 30,1 Mio. EUR. Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft mit größeren Unternehmen. Dort erhöhten sich die wiederkehrenden Umsätze ohne Währungseffekte um 8,3 % auf 235,5 Mio. EUR. Gleichzeitig stabilisierte sich die Kundenbindung im Laufe des Quartals. Probleme gibt es dagegen weiterhin im Geschäft mit kleineren und mittleren Unternehmen. Dort gingen die wiederkehrenden Umsätze um 3,6 % zurück. Insgesamt sank die Kundenzahl um 7 % auf knapp 612.000.
Hoffnung macht außerdem die neue Plattform TeamViewer ONE. Rund 49.000 Kunden haben inzwischen mindestens eine KI-Funktion genutzt. Im ersten Quartal waren es erst 26.000. Zusätzlich erhält TeamViewer Rückenwind durch eine neue mehrjährige Partnerschaft mit dem US-Softwarekonzern ServiceNow (WKN: A1JX4P | ISIN: US81762P1021 | Ticker-Symbol: 4S0). TeamViewers Fernwartungs- und IT-Lösungen sollen in die KI-Plattform von ServiceNow integriert und weltweit als Zusatzangebot vermarktet werden. Konkrete Umsatzziele wurden bisher allerdings nicht genannt. Für das Gesamtjahr erwartet TeamViewer weiterhin ein Umsatzwachstum von 0 bis 3 % ohne Währungseffekte und eine bereinigte Gewinnmarge von rund 43 %. Das Unternehmen rechnet mit einer besseren Entwicklung im zweiten Halbjahr. Ein Risiko bleibt die hohe Nettoverschuldung von 832,8 Mio. EUR. Zudem fiel der freie Cashflow im zweiten Quartal um 31 % auf 40,8 Mio. EUR.
Charttechnisch hat sich das Bild deutlich verbessert. Die Aktie liegt wieder über allen wichtigen Durchschnittslinien. Besonders wichtig ist die Marke von 7 EUR. Wird sie dauerhaft überwunden, könnte der Kurs in Richtung 8 EUR laufen. Am 21. und 22. Oktober 2025 entstand beim Absturz eine große Kurslücke, ein sogenanntes Gap. Diese wurde bis heute nicht geschlossen. Oberhalb von 8 EUR könnte deshalb der Bereich zwischen ungefähr 8,50 und 8,80 EUR zum nächsten größeren Ziel werden.
Fazit
Mit einem KGV von rund 22,5 ist McDonald’s kein Schnäppchen, bleibt aber eine hochprofitable Qualitäts- und Dividendenaktie.
In einem Markt, der durch geopolitische Spannungen und volatile Energiepreise geprägt ist, fungiert dynaCERT als pragmatische Brückentechnologie. Dies ist kein Allheilmittel, aber kann potenziell ein wesentlicher Baustein für eine emissionsärmere Logistik in den kommenden Jahren sein.
Die Erholung bei TeamViewer gewinnt an Kraft – für eine echte Trendwende muss das Unternehmen nun aber auch beim Umsatz wieder wachsen.