01.05.2026 | 05:45
Zinsen bleiben konstant, aber - Bayer, SAP, Zefiro Methane
Die Börsen beschäftigten sich gestern mit den Nachwirkungen der jüngsten FED-Zinssignale sowie dem EZB-Entscheid, die Zinsen konstant zu halten. Am Euro-Geldmarkt soll es keine Zinserhöhung geben, obwohl die Inflationsdaten von über 3 % auf kommende Zinsschritte hindeuten und so die Stimmung etwas belasten. Die starken Tech-Quartalszahlen aus den USA sorgten aber dennoch für positive Impulse und konnten die Unsicherheit rund um Zins- und Konjunkturerwartungen etwas übertünchen. Neues gibt es auch von diesen Unternehmen:
Lesezeit: ca.
5 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
DE000BAY0017 , DE0007164600 , CA98926D1069
Zefiro Methane – Strukturelles Wachstum in einer Nische
Das Treibhausgas Methan wird dabei von Klimaforschern als bis zu 80-mal klimaschädlicher angesehen als Kohlendioxid (CO2). Allein in den USA mit schätzungsweise 2,2 Millionen ungenutzten Bohrlöchern hat dies erhebliche Ausmaße angenommen. Auf das dauerhafte Verschließen verlassener Öl- und Gasbohrlöcher sowie die Messung von Methanemissionen hat sich das Unternehmen Zefiro Methane (WKN: A3DVHU | ISIN: CA98926D1069 | Ticker-Symbol: Y6B) spezialisiert. Das adressierbare Marktvolumen beläuft sich laut Unternehmensangaben auf 400 bis 600 Mrd. USD. Die US-Regierung hat über verschiedene US-Bundesstaaten bereits 4,7 Mrd. USD bereitgestellt, um diese alten Öl- & Erdgasquellen zu schließen. In den letzten Quartalen hat sich Zefiro so gut bei den Ausschreibungen positioniert, dass es rund 25 % der staatlich geförderten Aufträge in seinen Kernregionen gewinnen konnte.
Operativ läuft es derzeit rund bei dem Unternehmen und die klaren Fortschritte lassen sich auch zeigen. In den vergangenen 12 Monaten wurden insgesamt 413 Bohrlöcher versiegelt. In den letzten zwei Quartalen generierte Zefiro über 22 Mio. USD Umsatz und erzielte daraus ein bereinigtes EBITDA von 3,8 Mio. USD. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr erscheinen Erlöse von rund 44 Mio. USD mehr als realistisch. Ergänzend erschließt das Tochterunternehmen Plants & Goodwin (P & G) über das patentierte REED-Gerät eine neue, margenstärkere Einnahmequelle. Die patentierte Technologie wird zur Erweiterung von Bohrlochverrohrungen, den sogenannten Radial-Elastomer-Expansion-Devices (REED) verwendet. Dieses Methan-Überwachungsgeschäft verspricht laut Unternehmen doppelt so hohe Margen wie das eigentliche Kerngeschäft.
Die Bewertung erscheint bei einem Kurs von rund 0,38 USD und einer Marktkapitalisierung von ca. 36 Mio. USD vergleichsweise niedrig. Den Break-even im Geschäft erwartet Zefiro Methane bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026. Mit einem konservativen Umsatzmultiplikator von 3 ließe sich ein fairer Unternehmenswert von etwa 120 Mio. USD ableiten, was einem erheblichen Aufwärtspotenzial von der aktuellen Marktkapitalisierung entsprechen würde. Zwei europäische Institutionelle haben sich zuletzt mit ca. 3,3 Mio. USD per Kapitalerhöhung beteiligt, um so das weitere Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen.
SAP: Starke Q.1-Zahlen, aber Aktie bleibt schwach
SAP (WKN: 716460 | ISIN: DE0007164600 | Ticker: SAP) gehört weiterhin zu den wertvollsten börsengelisteten Unternehmen Deutschlands. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 174 Mrd. EUR liegt SAP aktuell auf Platz zwei der größten deutschen Unternehmen hinter Siemens und vor Siemens Energy, Allianz und der Deutschen Telekom. SAP hat mit den finalen Q1-Zahlen 2026 gut abgeliefert. Der Umsatz lag im ersten Quartal bei 9,56 Mrd. EUR nach 9,01 Mrd. EUR im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Wachstum von 6 %. Besonders wichtig war dabei der Cloud-Bereich, der weiterhin der Wachstumstreiber des Unternehmens ist. Der Cloud-Umsatz stieg auf 5,96 Mrd. EUR und lag damit 19 % über dem Vorjahreswert.
Auch beim Bruttogewinn legte das Softwareunternehmen zu und erzielte 6,97 Mrd. EUR, nach 6,61 Mrd. EUR in Q1 2025. Die Bruttomarge lag mit 73 % weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, auch wenn sie im Vergleich zum Vorjahr leicht niedriger ausfiel. Noch stärker sieht es beim operativen Ergebnis aus. Dieser stieg von 2,33 Mrd. EUR auf 2,74 Mrd. EUR, was ein Plus von 17 % entspricht. Auch der Gewinn nach Steuern verbesserte sich von 1,80 Mrd. EUR auf 1,95 Mrd. EUR. Ein negativer Punkt findet sich aber beim operativen Cashflow. Obwohl der Gewinn gestiegen ist, lag der operative Cashflow mit 3,51 Mrd. EUR unter dem Vorjahreswert von 3,78 Mrd. EUR. Auch der freie Cashflow ging von 3,58 Mrd. EUR auf 3,25 Mrd. EUR zurück. SAP erklärt, dass der operative wie auch der freie Cashflow durch eine Zahlung von 408 Mio. EUR wegen dem Teradata-Rechtsstreit belastet wurde.
Seit Januar 2026 setzt SAP das neue Rückkaufprogramm von bis zu 10 Mrd. EUR Aufkaufvolumen um. Bis Anfang April wurden bereits Aktien im Wert von rund 2,6 Mrd. EUR zu einem Durchschnittspreis von 161,16 EUR pro Aktie zurückgekauft. Trotz dieser Abflüsse stieg der Bestand an Cash und Cashäquivalenten von 8,2 Mrd. EUR zu Jahresbeginn auf 9,6 Mrd. EUR Ende März an. Ein Plus von rund 1,4 Mrd. EUR und zeigt die starke Liquiditätslage des Unternehmens an. Charttechnisch sieht das Bild aber nicht so stark aus wie fundamental. Die SAP-Aktie notiert aktuell ungefähr bei 147 EUR und damit weiterhin klar unter den maßgebenden gleitenden Durchschnitten wie der 50-, 100- und 200-Tage-Linie. Das spricht weiterhin für einen bestehenden Abwärtstrend. Positiv ist immerhin, dass sich die Aktie wieder leicht über dem kurzfristigen 20-Tage-Durchschnitt stabilisieren konnte.
Bayer-Aktien unter Druck: Glyphosat poppt wieder auf
Die Bayer Aktie (WKN: BAY001 | ISIN: DE000BAY0017 | Ticker: BAYN) ist in den vergangenen Tagen deutlich unter Druck geraten. Seit dem 21. April hat das Papier mehr als 10 % verloren. Besonders in dieser Woche, am 28. April, kam noch einmal ein kräftiger Rutsch dazu. Damit hat die Aktie einen großen Teil ihrer Erholung seit Jahresanfang wieder abgegeben und lag zwischenzeitlich sogar leicht im Minus. Der Grund für den Kursabschlag lag nicht in der Dividende von 0,11 EUR je Aktie, die am 29. April ausgezahlt wurde. Dieser Betrag ist zu gering, um so einen Kursrutsch zu erklären. Der eigentliche Belastungsfaktor ist mal wieder das alte Monsanto-Thema.
Im Zentrum steht der Fall „Durnell v. Monsanto”, der Bayer erneut vor den US Supreme Court bringt. Dabei geht es um die Frage, ob Klagen wegen fehlender Warnhinweise zu Glyphosat auf Ebene einzelner US-Bundesstaaten zulässig sind, obwohl die US-Umweltbehörde EPA das Produktlabel geprüft hat. Juristisch geht es um sogenannte Preemption, also den Vorrang von Bundesrecht gegenüber einzelstaatlichem Recht. Für Bayer ist das ein potenzieller Milliardenhebel. Reuters berichtete, dass die Richter nach der Anhörung gespalten wirkten. Es geht dabei nicht nur um einen einzelnen Kläger aus Missouri, dem 1,25 Mio. USD zugesprochen wurden, sondern vielmehr um die Signalwirkung für Tausende weitere Roundup-Klagen. Sollte der Supreme Court Bayer recht geben, könnte das bestehende und zukünftige Klagen deutlich erschweren. Sollte Bayer verlieren, bleibt Glyphosat weiterhin ein schwerer Belastungsfaktor für Bilanz, Cashflow und Vertrauen der Anleger.
Auch fundamental sieht Bayer nicht gerade rosig aus. Der Umsatz lag 2025 bei 45,6 Mrd. EUR, nach 46,6 Mrd. EUR im Vorjahr. Das EBIT verschlechterte sich von minus 71 Mio. EUR auf minus 1,07 Mrd. EUR. Noch deutlicher wird die Belastung beim Nettoergebnis: Nach bereits minus 2,55 Mrd. EUR im Jahr 2024 vergrößerte sich 2025 der Verlust auf minus 3,62 Mrd. EUR. Der Ausblick für 2026 zeigt auch, warum der Markt vorsichtig bleibt. Der Konzern rechnet mit einem negativen freien Cashflow zwischen minus 2,5 und minus 1,5 Mrd. EUR. Grund dafür sind vor allem Rechtszahlungen. Bayer kalkuliert für 2026 mit rund 5 Mrd. EUR an Rechtsstreitigkeiten bezogenen Auszahlungen.
Fazit
Trotz Steigerung des Umsatzes in Q1 2026 und des operativen Ergebnisses bleibt die Aktie von SAP charttechnisch unter Druck. Stark auf Wachstum setzt Zefiro Methane und ist mit dem Verschließen von verlassenen Bohrlöchern in den USA in einem sehr attraktiven Nischenmarkt aktiv, der durch ein 4,7 Mrd. USD schweres Förderprogramm gestützt wird. Für Aktionäre bleibt Bayer damit eine Wette auf juristische Entlastung und operative Stabilisierung. Solange das Glyphosat-Thema nicht endgültig gelöst ist, dürfte die Aktie jedoch anfällig für jede neue negative Schlagzeile bleiben.