02.10.2026 | 05:45
Zwischen Kurstiefs, Zuversicht und Förderstart - CTS Eventim, Desert Gold, Hypoport
Plötzliche Führungswechsel, historisch niedrige Notierungen und risikoreiche Expansionsprojekte fordern das Vertrauen der Investoren an den Kapitalmärkten heraus. Während etablierte Wachstumsmodelle trotz solider operativer Kennzahlen herbe Kursverluste erleiden, setzen Analysten auf drastische Erholungsszenarien mit erheblichem Aufwärtspotenzial. Parallel treiben rohstoffnahe Akteure ihren Wandel vom Entwickler zum Förderer voran, um von weltweiten Preisrallys zu profitieren. Dieser Marktbericht analysiert drei spannende Fälle zwischen kurzfristigen Kursrückschlägen und langfristigen Turnaround-Chancen.
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Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE0005493365 , DE0005470306 , CA25039N4084
CTS Eventim-Aktie verliert 6,2 %: CFO-Abgang erschüttert Vertrauen – Analysten bleiben optimistisch
Ausverkaufte Festivals und wachsende Gewinne reichen derzeit nicht, um Anleger zu beruhigen. Die Aktie von CTS Eventim (WKN: 547030 | ISIN: DE0005470306 | Ticker: EVD) verlor am Mittwoch 6,2 % und schloss auf Xetra bei knapp 53,0 EUR. Auslöser war der überraschende Abschied von Finanzvorstand William Willms. Während der Markt das Vertrauen in den Ticketingkonzern erneut herabstuft, halten Analysten an deutlich höheren Kurszielen fest. Was steckt hinter dieser unterschiedlichen Einschätzung?
Willms scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand der Eventim Management AG aus, der persönlich haftenden Gesellschafterin des börsennotierten Konzerns. Die Aufgaben übernimmt vorläufig Philipp Knigge, der seit rund neun Jahren verschiedene Finanzpositionen bei Eventim bekleidet. Zu den Gründen äußert sich das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht. Gerade diese Informationslücke erschwert die Bewertung: Ein abrupter Wechsel im Finanzressort wirft Fragen zur Führung auf, belegt für sich genommen aber keine Verschlechterung des Geschäfts.
Die zuletzt veröffentlichten Zahlen zeigen vielmehr Wachstum. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte CTS Eventim den Umsatz um 16,9 % auf 1,513 Mrd. EUR. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 12,4 % auf 225,4 Mio. EUR. Allerdings blieb das Ergebniswachstum hinter dem Umsatzanstieg zurück. Das macht die Profitabilität zum entscheidenden Prüfstein: Mehr verkaufte Tickets und zusätzliche Veranstaltungen müssen sich auch in entsprechend höheren Gewinnen niederschlagen. Besonders deutlich wird das im Ticketing. Dort legte der Halbjahresumsatz um 13,9 % auf 473,3 Mio. EUR zu, das bereinigte EBITDA jedoch nur um 3,4 % auf 172,5 Mio. EUR. Eventim verweist auf vorübergehende Veränderungen im Geschäftsmix und Kosten seines Effizienzprogramms. Im Veranstaltungsgeschäft wuchs das bereinigte EBITDA dagegen um 57,1 % auf 52,9 Mio. EUR. Ausverkaufte Festivals wie Rock am Ring und Rock im Park stützten die Entwicklung. Dennoch war die Marge hier mit 5,0 % deutlich niedriger als die 36,4 % im Ticketing.
Die Analysten sehen trotz der Personalnachricht erhebliches Erholungspotenzial. Jefferies bestätigte am Mittwoch die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 100 EUR. JPMorgan blieb bei „Overweight“ und 95 EUR. Gegenüber dem ungerundeten Schlusskurs entsprechen diese Ziele rechnerisch rund 89 % beziehungsweise 79 % Aufwärtspotenzial. Das sind Erwartungen, keine zugesicherten Renditen. JPMorgan deutet die Entscheidung als Hinweis, dass Konzernchef Klaus-Peter Schulenberg und der Aufsichtsrat die Geschäftsdynamik beschleunigen wollen. Ob diese Interpretation trägt, müssen die nächsten Ergebnisse zeigen.
An der Börse überwiegt bislang die Skepsis. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 31,9 % verloren, innerhalb eines Jahres etwa 36,5 %. Damit fällt der CFO-Abgang in eine ohnehin schwache Kursphase. Bei der Halbjahresvorlage im August hatte der Vorstand die Jahresprognose bestätigt; die heutige Personalmitteilung enthält keine Prognoseänderung. Für eine nachhaltige Erholung braucht Eventim nun Klarheit über die Finanzführung und überzeugende Fortschritte bei der Profitabilität. Die hohen Analystenziele machen die Aktie interessant. Den Vertrauensverlust können sie allein jedoch nicht beheben.
Desert Gold SMSZ-Projekt: Barani-Mine vor erstem Goldguss im vierten Quartal
Das kanadische Explorationsunternehmen Desert Gold Ventures (WKN: A14X09 | ISIN: CA25039N4084 | Ticker: QXR2) forciert den Übergang vom reinen Rohstoffsucher zum aktiven Produzenten auf seinem Flaggschiffprojekt SMSZ im Westen Malis nahe der Grenze zum Senegal. Vor dem Hintergrund anhaltend starker Notierungen am Weltmarkt für Gold über 4.000 USD je Feinunze gewinnt der geplante Produktionsanlauf strategisch immer stärker Relevanz für den Kapitalmarkt.
Am Standort Barani wurden eine schwerkraftbasierte Gravitationsanlage mit einer nominalen Durchsatzkapazität von 200 Tonnen pro Tag sowie ein 650-kVA-Stromaggregat erfolgreich angeliefert. Nach logistischen Herausforderungen bei Seefracht, regionaler Kraftstoffversorgung und witterungsbedingten Verzögerungen durch die afrikanische Regenzeit steht die Endmontage der mechanischen sowie elektrischen Komponenten unmittelbar bevor. Die operative Inbetriebnahme soll bis Ende Oktober 2026 erfolgen, gefolgt von der ersten Erzaufbereitung im November 2026.
Der kurzfristige Unternehmensplan fokussiert sich auf die Fertigstellung der verbleibenden Fundamente und Tiefbauarbeiten sowie die standortbezogene Infrastruktur. Umfangreiche hydrogeologische Messungen mit 15 Messlinien und 688 Messpunkten führten zu vier Erkundungsbohrungen, wovon drei Wasserdurchflussraten von bis zu 24 Kubikmetern pro Stunde lieferten. Gleichzeitig wurden die Transportwege vom Nachbarort Bourdala zur Lagerstätte saniert, um eine wetterfeste Logistikkette zwischen den Camps und dem Tagebau abzusichern. Das Management um Unternehmenschef Jared Scharf hält unverändert am Ziel fest, den ersten kommerziellen Goldguss im vierten Quartal 2026 zu vollziehen. Arbeits- und umweltschutzrelevante Vorfälle wurden während der bisherigen Bauphasen im laufenden Kalenderjahr nicht verzeichnet. Das deutet auf eine professionelle Projektsteuerung trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen in der zu Ende gehenden Regenzeit vor Ort hin.
Aus kapitalmarktanalytischer Perspektive müssen Marktteilnehmer das spezifische Risikoprofil dieses Junior-Minenbetreibers aber im Auge behalten. Die Errichtung der Aufbereitungsanlage hat sich, wie so oft im Rohstoffsektor, verzögert und noch liegt keine bankfähige Machbarkeitsstudie vor. Der beschleunigte Ansatz zum Abbau der Goldvorkommen im Tagebau senkt zwar die Vorabinvestitionen, aber die gängigen Studien müssen dann mit den kommenden Einnahmen nachgeholt werden, um die Planbarkeit für die nächsten Jahre zu erhöhen. Anleger sollten daher die anstehende Hochlaufphase im vierten Quartal aufmerksam beobachten, denn die Durchsatzmenge an goldhaltigem Erz sowie die tatsächliche Ausbeute an Gold sind entscheidend für eine Neubewertung der Aktie. Kursziele sehen die Analysten Greiffenberger und Filker von GBC dann bei 0,58 EUR bzw. 0,93 CAD.
Hypoport-Aktie stürzt auf Jahrestief: Warum Berenberg trotzdem 185 EUR sieht
Fast die Hälfte des Börsenwerts seit Jahresbeginn verloren, trotzdem ein Analystenziel weit über dem aktuellen Kurs: Bei Hypoport (WKN: 549336 | ISIN: DE0005493365 | Ticker: HYQ) gehen Erwartungen und Börsenrealität weit auseinander. Am Mittwoch fiel die Aktie um rund 9,0 % auf 67,0 EUR und markierte ein neues 52-Wochen-Tief. Eine neue Gewinnwarnung ist als Auslöser bislang nicht belegt. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie belastbar ist die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Baufinanzierung?
Hypoport betreibt digitale Plattformen für die Kredit-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft. Über Europace wickeln Banken und Vermittler Finanzierungen ab. Damit hängt die Geschäftsentwicklung wesentlich davon ab, wie viele Immobilienkäufer tatsächlich einen Kredit abschließen. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte das Europace-Volumen für Immobilienfinanzierungen 38,31 Mrd. EUR, nach 38,35 Mrd. EUR im Vorjahr. Die erhoffte Belebung blieb damit begrenzt. Nach vorgezogenen Abschlüssen im ersten Quartal verlangsamte sich der Markt im zweiten Quartal wieder.
Dennoch verdient der Konzern mehr. Der Halbjahresumsatz stieg um rund 5 % auf 319,4 Mio. EUR, der Rohertrag auf 137,5 Mio. EUR. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich um rund 20 % auf 19,3 Mio. EUR. Hinter dieser positiven Halbjahresbilanz steckt allerdings ein schwächeres zweites Quartal: Das EBIT lag dort mit 7,3 Mio. EUR leicht unter den 7,4 Mio. EUR des Vorjahres. Für Anleger zählt deshalb, ob die Ergebnisdynamik wieder anzieht. Bei der Halbjahresvorlage bestätigte Vorstandschef Ronald Slabke die Jahresprognose von mindestens 280 Mio. EUR Rohertrag und 40 bis 55 Mio. EUR EBIT. Nach den ersten sechs Monaten müsste Hypoport dafür im zweiten Halbjahr noch 20,7 bis 35,7 Mio. EUR EBIT erwirtschaften. Besonders das obere Ende verlangt damit eine kräftige Beschleunigung. Slabke verweist auf Marktanteilsgewinne, Verbesserungen bei bislang verlustreichen Gesellschaften und den traditionell hohen Ergebnisbeitrag des vierten Quartals. Die Gewinnplanung setzt also auf mehrere operative Fortschritte.
Berenberg bleibt optimistisch. In einer am 25. September veröffentlichten Einschätzung bestätigte die Privatbank ihre Kaufempfehlung und das Kursziel von 185 EUR. Analyst Chris Armstrong sieht Hypoport als möglichen Profiteur von Reformen am deutschen Wohnimmobilienmarkt. Vom Schlusskurs bei 67,0 EUR aus entspräche das rechnerisch rund 176 % Aufwärtspotenzial. Diese enorme Differenz zeigt, wie unterschiedlich die Zukunft bewertet wird. Damit das Ziel näher rückt, müssen sich die positiven Erwartungen auch in steigenden Finanzierungsvolumen und Gewinnen zeigen.
Der Kursverlauf mahnt bislang zur Vorsicht. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus rund 47,0 %, über zwölf Monate etwa 51,4 %. Vom 52-Wochen-Hoch bei 156,4 EUR ist die Aktie weit entfernt. Der starke Rückgang allein macht sie jedoch noch nicht günstig: Entscheidend ist, welche Gewinne künftig erreichbar sind. Die nächste Zwischenmitteilung ist für den 9. November angekündigt. Dann müssen insbesondere das Plattformvolumen und das operative Ergebnis zeigen, ob die Jahresziele weiterhin plausibel sind. Hypoport bietet eine nachvollziehbare Erholungsperspektive. Noch fehlt der Beleg, dass daraus wieder dauerhaftes Wachstum entsteht.
Zusammenfassung
Bei CTS Eventim belastet der überraschende Rücktritt des Finanzvorstands den Aktienkurs spürbar, obgleich das operative Ticket- und Live-Geschäft weiter wächst und Analysten sogar Verdopplungspotenzial sehen.
Desert Gold forciert den Übergang zum aktiven Goldproduzenten und peilt im vierten Quartal trotz noch fehlender Studien die erste Goldförderung mit der im Aufbau befindlichen Gravitationsanlage an.
Die Aktie von Hypoport markiert nach schwächerer Dynamik im Baufinanzierungssektor neue Jahrestiefs, bietet laut optimistischen Bankanalysten bei einer Markterholung jedoch enormes Kurspotenzial.