13.10.2026 | 05:29
Chancen und Risiken – die entscheidenden Marken: Deutsche Telekom, MS Industrie, HPQ Silicon
Kursbewegungen, Übernahmen, neue Technologien und drohende Konkurrenz verändern derzeit die Perspektiven mehrerer börsennotierter Unternehmen. Während ein Industriewert mit einem deutlichen Kurssprung aufhorchen lässt, setzt ein nordamerikanischer Technologietitel auf kritische Materialien und Batterien. Gleichzeitig gerät ein DAX-Schwergewicht durch neue Wettbewerber im US-Mobilfunkmarkt unter Druck. Im folgenden Bericht wird aufgezeigt, welche Aspekte nun über die weitere Entwicklung der Unternehmen entscheiden können.
Lesezeit: ca. 6 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA40444L1031 , DE0005855183 , DE0005557508 , US8725901040
MS Industrie springt um 20 %: Startet die Trendwende?
Die Aktie von MS Industrie (WKN: 585518 | ISIN: DE0005855183 | Ticker: MSAG) setzte letzte Woche ein deutliches Ausrufezeichen. Im Xetra-Handel erreichte das Papier in der Spitze 1,57 EUR, ehe Gewinnmitnahmen den Kurs wieder auf 1,49 EUR drückten. Dennoch legte der Wert damit binnen einer Woche um über 20 % zu. Nach monatelangem Druck kommt Bewegung in den kleinen Industriewert. Die jüngste Übernahme in Serbien und ein angehobenes Analystenkursziel liefern dafür einen interessanten Hintergrund. Ein gesicherter einzelner Auslöser für den heutigen Sprung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Die strategische Erweiterung wurde bereits am 30. September bekannt gegeben. Über die vollständig gehaltene Tochter MS XTEC übernimmt die Gruppe 51 % an IDAS aus Mol in Serbien. Die übrigen Anteile verbleiben zunächst beim bisherigen Eigentümer. Der Präzisionsfertiger erzielte 2025 rund 8,5 Mio. EUR Umsatz und beschäftigt etwa 190 Mitarbeiter. Seit Anfang Oktober wird das Unternehmen in den Konzernabschluss einbezogen. Für MS XTEC entsteht damit ein dritter Fertigungsstandort, der das bisherige Produktionsnetz ergänzt.
Der wirtschaftliche Nutzen liegt vor allem in der Erweiterung des Geschäfts. MS XTEC ist bislang stark auf automatisierte Serienfertigung und die Nutzfahrzeugindustrie ausgerichtet. IDAS bringt dagegen Erfahrung mit kundenspezifischer Präzisionsfertigung und kleineren Stückzahlen mit. Hinzu kommen Kunden aus der pharmazeutischen Verpackungs- und Prozessindustrie. Damit kann die Gruppe weitere Schritte von den Prototypen über die Kleinserie bis zur Großserie abdecken. Eine breitere Branchenaufstellung könnte die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Nutzfahrzeuggeschäft reduzieren. Die neuen Möglichkeiten müssen sich nun in profitablen Aufträgen niederschlagen.
Die Halbjahreszahlen zeigen bereits eine Verbesserung der Ertragskraft. Bei einem weitgehend stabilen Umsatz von 75,8 Mio. EUR stieg das EBITDA um 22,3 % auf 5,2 Mio. EUR. Das EBIT erhöhte sich von 0,5 Mio. EUR auf 2,0 Mio. EUR. Besonders auffällig ist der operative Cashflow, der von 3,2 Mio. EUR auf 8,3 Mio. EUR zulegte. Das spricht für Fortschritte im laufenden Geschäft. Der Nachsteuergewinn von lediglich 0,1 Mio. EUR zeigt jedoch, dass die Profitabilität unter dem Strich noch niedrig ist.
GBC bestätigte am 6. Oktober die Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 2,50 EUR auf 2,60 EUR an. Der Bewertungshorizont reicht bis Ende 2027. Die Analysten beurteilen den IDAS-Erwerb als wertschaffend. Da der Kaufpreis nicht veröffentlicht wurde, arbeitet das Bewertungsmodell allerdings mit einer entsprechenden Annahme. Zudem handelt es sich um vom Emittenten beauftragtes Research. Für die weitere Entwicklung wird deshalb entscheidend sein, ob die Integration und das operative Geschäft die zugrunde gelegten Erwartungen erfüllen.
Charttechnisch hat der Kurssprung die Ausgangslage deutlich verbessert. Die Aktie liegt nun oberhalb der gleitenden 20-, 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnitte, die zwischen etwa 1,24 und 1,27 EUR verlaufen. Außerdem wurde die Marke von 1,40 EUR nach oben durchbrochen, die in den vergangenen Monaten mehrfach als Widerstand gedient hatte. Als nächste Hürde rückt die Zone um 1,50 EUR in den Vordergrund. Wird sie nachhaltig überschritten, könnte sich die Erholung fortsetzen. Ein Rückfall unter 1,40 EUR würde den Ausbruch dagegen infrage stellen. Für einen dauerhaften Trendwechsel braucht MS Industrie neben dem frischen Kursimpuls vor allem weitere Fortschritte bei Ergebnis und Cashflow.
HPQ Silicon: Technologieplattform im Energiesektor
HPQ Silicon (WKN: A3DQZ3 | ISIN: CA40444L1031 | Ticker: O08) hat sich in einem Umfeld, in dem Europa und Nordamerika unabhängiger in ihren Lieferketten für kritische Materialien werden wollen, strategisch positioniert. Das kanadische Unternehmen entwickelt Verfahren für hochreines Silizium, pyrogene Kieselsäure sowie Siliziumanoden für Lithium-Ionen-Batterien. Treiber im Sektor sind die Elektrifizierung, wachsende Verteidigungsausgaben und der politische Wunsch vom Aufbau regionaler Wertschöpfung. HPQ will nun den Sprung vom Technologieentwickler zum Materialproduzenten gestalten und umsetzen.
Ein Fortschritt wurde bei dem Tochterunternehmen HPQ Silica Polvere, an dem HPQ und PyroGenesis seit September jeweils 50 % halten, kürzlich erzielt. Die Gesellschaft besitzt die Rechte am Reaktor für pyrogene Kieselsäure, der Quarz direkt und ohne chlorhaltige Vorprodukte in pyrogene Kieselsäure umwandeln soll. Damit könnten Energiebedarf, CO₂-Emissionen, Logistikaufwand und der Umgang mit gefährlichen Chemikalien gegenüber konventionellen Verfahren sinken. Der Pilotbetrieb lieferte laut Unternehmen Material in kommerzieller Qualität. Um nun die nächsten Schritte vorzubereiten, laufen bereits erste Gespräche über Anlagen mit 1.000 bis rund 10.000 t Jahreskapazität.
Für mehr Batterietechnologiephantasie ist die 36,8-%-Beteiligung an Novacium relevant. Diese entwickelt Siliziumanoden und Batteriezellen der Generationen GEN3 und GEN4. Im September erhielt Novacium einen Erstauftrag über mehr als 100 AA-NOVA-Batteriepacks für die Abfangdrohne X-Lock des europäischen Unternehmens Alta Ares. Zudem folgte ein Auftrag der technischen Sektion der französischen Armee für Prototypbatterien für taktische Funkgeräte. Solche Projekte untermauern die technische Erprobung mit anspruchsvollem Anwendungsumfeld und sind ein wichtiger Schritt hin zu einer späteren industriellen Zellproduktion.
Patente, Pilotdaten und erste Kundenaufträge mindern das Entwicklungsrisiko und sind wichtige Meilensteine hin zur späteren skalierbaren Fertigung mit planbaren Margen. Makroökonomisch sprechen höhere Anforderungen an Energiespeicher für die strategische Relevanz solch eines Projektes. Entscheidend werden jedoch Finanzierung, der Reaktor-Hochlauf, unabhängige Leistungsnachweise und verbindliche Abnahmeverträge sein, um den Durchbruch zu schaffen.
Deutsche Telekom Aktie bricht ein: Musk-Schock – hält die 24-EUR-Marke?
Die Aktie der Deutschen Telekom (WKN: 555750 | ISIN: DE0005557508 | Ticker: DTE) geriet zum Wochenausklang massiv unter Druck. Am Freitag, dem 9. Oktober, verlor das Papier im laufenden Handel fast 8 % und ging mit 24,70 EUR ins Wochenende. Am Montag setzte sich die Talfahrt weiter fort und der Wert kostete zuletzt 24,60 EUR. Damit nähert sich der DAX-Konzern erneut den Tiefständen vom Sommer, die bei 23,53 EUR lagen. Auslöser sind Sorgen über eine Mobilfunk-Offensive von Elon Musks SpaceX. Für Anleger stellt sich die Frage, ob der bisherige Wachstumsmotor USA künftig stärker unter Konkurrenzdruck gerät.
SpaceX hat am Donnerstag eine Vereinbarung zur Übernahme des landesweiten US-Frequenzportfolios von Grain Management im 800-MHz-Band angekündigt. Die Frequenzen sollen den Ausbau von Starlink Mobile unterstützen und Verbindungen über terrestrische Netze und Satelliten ermöglichen. Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die US-Regulierungsbehörde FCC. Besonders brisant: Grain hatte das Portfolio erst im August von T-Mobile übernommen. Nun könnte es einem potenziellen Wettbewerber zugutekommen.
Die Deutsche Telekom hält rund 54 % an T-Mobile US. Entsprechend empfindlich reagiert die Aktie auf mögliche Veränderungen im amerikanischen Mobilfunkmarkt. Ein zusätzlicher Anbieter könnte den Preisdruck erhöhen und höhere Investitionen erforderlich machen. Noch ist jedoch offen, wann SpaceX ein umfassendes Konkurrenzangebot aufbauen kann. ODDO-BHF-Analyst Stéphane Beyazian sieht laut Reuters keine unmittelbare Bedrohung und verweist auf einen möglicherweise mehrjährigen Aufbau.
Die bisherigen Geschäftszahlen liefern erste Argumente für Zuversicht. Laut den am 6. August veröffentlichten Zahlen erreichte der Konzernumsatz im zweiten Quartal 29,9 Mrd. EUR, ein organisches Plus von 3,3 %. Das bereinigte EBITDA AL stieg organisch um 7,3 % auf 11,8 Mrd. EUR. Den Jahresausblick für den Free Cashflow AL erhöhte der Vorstand auf rund 20,0 Mrd. EUR. Die heutige Kursreaktion zeigt allerdings, dass Anleger mögliche Belastungen der künftigen Ertragskraft bereits vor konkreten Auswirkungen einpreisen.
Charttechnisch verschärft der Einbruch eine ohnehin angeschlagene Ausgangslage. Nach dem Rücksetzer Ende Juni erholte sich die Aktie im Sommer deutlich. Im August und bis Mitte September gelang jedoch kein nachhaltiger Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 28,50 und 29,00 EUR. Auch die Quartalszahlen konnten keinen dauerhaften Aufwärtstrend etablieren. Der kräftige Rückgang am 18. September schwächte den Erholungsversuch bereits erheblich. Nun folgt der nächste Rückschlag.
Die Aktie notiert unter sämtlichen gleitenden Durchschnitten. Die 20-Tage-Linie verläuft bei rund 27,00 EUR, die 50-Tage-Linie bei 27,90 EUR und die 100-Tage-Linie bei 27,40 EUR. Auch die 200-Tage-Linie bei etwa 28,70 EUR liegt deutlich darüber. Für eine belastbare charttechnische Verbesserung müsste die Aktie diese Hürden schrittweise zurückerobern. Zunächst entscheidet jedoch die Zone um 24,00 EUR darüber, ob eine Stabilisierung gelingt. Darunter liegt das Juli-Tief bei ungefähr 23,50 EUR. Wird auch dieses unterschritten, rückt die psychologische Marke von 23,00 EUR in den Blick. Ein Halten der Unterstützung könnte eine Gegenbewegung ermöglichen. Für eine nachhaltige Trendwende braucht es jedoch mehr als eine kurzfristige Erholung: Entscheidend bleiben die Entwicklung des US-Geschäfts und eine erkennbare Rückkehr der Käufer.
Zusammenfassung
MS Industrie profitiert von einer Übernahme, besseren Halbjahreszahlen und einem charttechnischen Ausbruch, muss die Fortschritte bei Gewinn und Cashflow aber noch dauerhaft bestätigen.
HPQ Silicon treibt das Verfahren für hochreines Silizium, Kieselsäure und Batterien voran, doch Skalierung, Finanzierung und verbindliche Abnahmen bleiben in den nächsten Monaten für die weitere Kursentwicklung entscheidend.
Bei der Deutschen Telekom belastet die Sorge vor Starlink-Konkurrenz in den USA und nun rückt die Unterstützungszone bei 24 EUR in den Fokus der Investoren.
****