19.08.2026 | 05:40
Drei Börsenstories zwischen Hype, Turnaround und harter Bewährungsprobe - Bloom Energy, HPQ Silicon, Nel ASA
Zwischen KI-Strombedarf, Wasserstoff-Investitionsstau und neuer Batterietechnologie liefert der Markt derzeit ein Lehrstück darüber, wie schnell Erwartungen Kurse treiben – und wie hart die Kennzahlen diese Erwartungen wieder einfangen. In diesem Bericht treffen ein Wachstumswert nach einer Extrem-Rally, ein Turnaround-Kandidat mit Auftragssignalen und ein Early-Stage-Techplayer mit wichtigen Zulassungsfortschritten aufeinander. Wer Chancen und Risiken sauber trennt, erkennt Folgendes: Entscheidend sind jetzt weniger Visionen als Margen, Cash-Burn, Auftragsqualität und Chartmarken.
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
US0937121079 , CA40444L1031 , NO0010081235
Bloom Energy nach 400-%-Rally: Rekordquartal und der Kampf um 250 USD
Die Aktie von Bloom Energy (WKN: A2JQTG | ISIN: US0937121079 | Ticker: BE) notierte zuletzt bei rund 223 USD. Der Börsenwert liegt bei etwa 68 Mrd. USD. Seit Jahresbeginn hat die Aktie auf USD-Basis rund 140 % zugelegt. Auf 52-Wochen-Basis beträgt der Kursgewinn sogar rund 410 %. Vom Rekordhoch bei 351,28 USD hat die Aktie inzwischen allerdings etwa ein Drittel verloren. Bloom Energy entwickelt und verkauft sogenannte Energy Server. Dabei handelt es sich um modulare Festoxid-Brennstoffzellen, die Erdgas, Biogas oder Wasserstoff ohne klassische Verbrennung in Strom umwandeln. Die Anlagen werden direkt bei Rechenzentren, Fabriken, Krankenhäusern und anderen Großverbrauchern installiert. Bloom verdient hauptsächlich am Verkauf der Systeme sowie an Installation, Wartung und langfristigen Serviceverträgen. Teilweise werden die Anlagen auch über Managed-Service- und Stromliefermodelle angeboten.
Besonders interessant ist die Technologie für KI-Rechenzentren. Diese benötigen enorme Mengen an zuverlässigem Strom, während neue Netzanschlüsse oder Gasturbinen oft mehrere Jahre Vorlaufzeit haben. Die Energy-Server können wesentlich schneller und schrittweise installiert werden. Bloom ist deshalb inzwischen weniger eine klassische Wasserstoffaktie als vielmehr ein Stromlieferant für die wachsende KI-Infrastruktur. Die meisten Anlagen laufen derzeit allerdings noch mit Erdgas und erzeugen daher keinen vollständig emissionsfreien Strom.
Die Ende Juli veröffentlichten Quartalszahlen zeigen das enorme Wachstum. Im zweiten Quartal 2026 sprang der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 166 % auf den Rekordwert von 1,07 Mrd. USD. Der Produktumsatz erhöhte sich sogar um 215 % auf 935 Mio. USD. Gleichzeitig stieg die Bruttomarge von 26,7 auf 33,4 %. Aus einem operativen Verlust von 3,5 Mio. USD wurde ein Gewinn von 182 Mio. USD. Unter dem Strich verdiente Bloom 196 Mio. USD beziehungsweise 0,62 USD je Aktie. Für 2026 erhöhte das Management die Prognose deutlich. Erwartet werden nun 3,9 bis 4,2 Mrd. USD Umsatz, eine bereinigte Bruttomarge von rund 34 % und ein bereinigter Gewinn von 2,55 bis 2,85 USD je Aktie. Die Produktionskapazität soll bis Ende 2026 von einem auf zwei Gigawatt jährlich steigen. Langfristig könnte das bestehende Werk nach Angaben des Unternehmens auf bis zu fünf Gigawatt ausgebaut werden.
Für zusätzliche Fantasie sorgt die Partnerschaft mit Oracle. Zunächst wurden 1,2 Gigawatt fest vereinbart. Ein Rahmenvertrag ermöglicht eine Erweiterung auf bis zu 2,8 Gigawatt. Dazu kommt die auf 25 Mrd. USD ausgebaute Zusammenarbeit mit Brookfield. Dabei handelt es sich allerdings um einen Finanzierungsrahmen für mögliche Projekte und nicht um einen direkten Auftrag über 25 Mrd. USD.
Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 240 und 250 USD entscheidend. Dort liegen auch die 100- und 50-Tage-Linien. Im August scheiterten bereits mehrere Ausbruchsversuche in diesem Bereich. Erst ein nachhaltiger Anstieg über 250 USD würde das Chartbild wieder deutlich bullisher machen. Danach würde die psychologisch wichtige Marke von 300 USD in den Fokus rücken. Unterstützungen liegen bei 210 bis 220 USD sowie an der steigenden 200-Tage-Linie bei rund 185 bis 190 USD. Das starke Wachstum überzeugt – nach der enormen Rally bleiben die hohe Bewertung und die Erwartungen des Marktes jedoch die wichtigsten Risiken.
HPQ Silicon: UN-38.3-Zertifikat – Wachstumsmarkt Drohnen
HPQ Silicon (WKN: A3DQZ3 | ISIN: CA40444L1031 | Ticker-Symbol: O08) liefert derzeit einen operativen Meilenstein nach dem anderen. Was anfänglich den Aktienkurs befeuerte, schürt die Erwartungshaltung an steigenden Umsatzzahlen. Darauf scheint nun der Markt zu warten, während der Aktienkurs derzeit eine Bodenbildungsphase zu vollziehen versucht. Anfang August meldete das Unternehmen jedenfalls die UN-38.3-Transportzertifizierung für seine Endura+ Gen4 21700 Lithium-Ionen-Zelle, wodurch Musterlieferungen für internationale Qualifizierungstests überhaupt erst praktikabel werden. Das ist noch kein Selbstläufer für neue Erlösquellen, aber eine notwendige Vorstufe, um aus der langjährigen Entwicklungsarbeit in die kommerzielle Validierung bei den potenziellen Kunden zu kommen. HPQ wird zunächst Kundensegmente adressieren, in denen die neuen Leistungsparameter dringend benötigt und höher bezahlt werden.
Daher setzt HPQ stark auf Drohnen- und Defence-Anwendungen, wo Energiedichte, Gewicht und Robustheit unmittelbaren operativen Nutzen stiften. Das Unternehmen verweist auf eine Batterienachfrage aus dem Verteidigungssektor von über 4 GWh in 2025 und darauf, dass Drohnen rund 40 % dieser Nachfrage ausmachen. Zudem wird der militärische Drohnenmarkt auf etwa USD 35 Mrd. im Jahr 2026 geschätzt und soll auf über USD 109 Mrd. bis 2031 aufwachsen, wobei Nordamerika als bedeutendster Markt gilt. Makroökonomisch passt das in ein Umfeld steigender Verteidigungsbudgets und beschleunigter Beschaffungsmaßnahmen, gerade bei unbemannten Systemen. Das spielt Spezialanbietern wie HPQ in die Karten, wenngleich Qualifikations- und Beschaffungsprozesse oft lang sind und zwischen Testbestellungen und Serienabrufen nicht selten mehrere Iterationsschleifen.
Operativ verweist HPQ auf kundenspezifische Entwicklungsarbeit über Novacium, darunter ein AA Nova 6S3P-Batteriepack für einen europäischen Drohnenhersteller, der auf geringeres Gewicht bei höherer Energie abzielt. Entscheidend aus Investorensicht ist weniger die einzelne Produktmeldung als die Frage, ob aus den belastbaren Referenzen auch Folgeaufträge und wiederholbare Fertigungsprozesse entstehen. HPQ sollte daher auf Sicht der nächsten zwölf Monate entsprechende Aufträge über Stückzahlen mit auskömmlichen Margen und verlässlichen Lieferplänen liefern. Bis dahin bleibt der Aktienkurs stark ereignisgetrieben.
Finanziell zeigt die vorletzte Unternehmensmeldung von Ende Juli, dass das Unternehmen weiterhin aktiv an der Bilanzverbesserung arbeitet, denn es wurden Schulden in Eigenkapital zu einem Aktienkurs von 0,20 CAD umgewandelt. Bei einem Aktienkurs von 0,145 CAD spricht das für das Vertrauen des Darlehensgebers in zukünftig steigende Kursnotierungen bei der Aktie von HPQ.
Nel ASA-Aktie nach 40 % Kursverlust: Neue Aufträge und Hoffnung auf die PA-Serie
Die Aktie von Nel ASA (WKN: A0B733 | ISIN: NO0010081235 | Ticker: NEL) notiert aktuell bei rund 2,12 norwegischen Kronen (NOK) und der Börsenwert liegt bei etwa 3,9 Mrd. NOK. Seit Jahresbeginn steht die Aktie rund 4 % im Minus, auf 52-Wochen-Basis beträgt der Verlust etwa 10 %. Von April bis Ende Mai 2026 stieg der Kurs zunächst um mehr als 90 %, um bis dato alle Kursgewinne wieder abzugeben. Mit Hauptsitz in Oslo entwickelt das Unternehmen Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff. Das Unternehmen produziert nicht selbst Wasserstoff, sondern verkauft die dafür benötigten Anlagen. Nel bietet alkalische Systeme für umfangreiche Industrieprojekte sowie PEM-Elektrolyseure an. Seit der Abspaltung von Cavendish Hydrogen konzentriert sich Nel vollständig auf dieses Geschäft.
Die im Juli veröffentlichten Quartalszahlen zeigen, dass die operative Lage schwierig bleibt. Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz aus Kundenverträgen um 12 % auf 153 Mio. NOK. Das EBITDA verschlechterte sich von minus 86 auf minus 155 Mio. NOK. Darin enthalten waren einmalige Kosten von 70 Mio. NOK aus dem Vergleich mit Iwatani. Unter dem Strich entstand ein Nettoverlust von 189 Mio. NOK. Positiver entwickelte sich der Auftragseingang. Dieser stieg gegenüber dem schwachen Vorjahresquartal um 224 % auf 230 Mio. NOK. Allerdings kamen 96 % der neuen Bestellungen aus dem PEM-Geschäft. Der gesamte Auftragsbestand erreichte damit 1,21 Mrd. NOK, wovon der Alkaline-Sparte 224 Mio. NOK zuzuordnen sind.
Der größte Hoffnungsträger ist die neue druckbetriebene alkalische PA-Serie. Nel verspricht für ein schlüsselfertiges 25-Megawatt-System Kosten von weniger als 1.450 USD je Kilowatt. Vergleichbare Industrieprojekte erreichen laut Nel teilweise rund 3.000 USD. Durch die standardisierte Bauweise sollen die Systemkosten um 40 bis 60 % sinken. Die Produktionskapazität soll zunächst 1 Gigawatt jährlich erreichen und später auf 4 Gigawatt steigen. Der EU-Innovationsfonds unterstützt das Projekt mit bis zu 135 Mio. EUR. Ein großer kommerzieller PA-Auftrag fehlt bislang jedoch.
Ende Juni verfügte Nel über liquide Mittel von 1,33 Mrd. NOK, nach 1,93 Mrd. NOK im Vorjahr. Das Management reagiert mit Kostensenkungen und angepassten Produktionskapazitäten. Eine konkrete Umsatz- oder Gewinnprognose für 2026 gibt es bisher jedoch nicht. Zusätzliche Unsicherheit bringt der angekündigte Rücktritt von CEO Håkon Volldal. Laut Verwaltungsrat bleibt die Strategie unverändert.
Charttechnisch notiert die Aktie unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten. Die 200-Tage-Linie verläuft bei ungefähr 2,40 NOK. Zunächst müsste der Kurs die Zone zwischen 2,20 und 2,40 NOK zurückerobern. Oberhalb von 2,50 NOK würde sich das Bild wieder aufhellen. Unterstützungen liegen bei 2,10 NOK und am 52-Wochen-Tief von 1,92 NOK. Vom historischen Allzeithoch bei 35,15 NOK aus dem Jahr 2021 ist die Aktie rund 94 % entfernt. Die neue PA-Series bietet Turnaround-Potenzial – ohne größere Aufträge und sinkende Verluste bleibt Nel jedoch eine hochriskante Wasserstoffwette.
Zusammenfassung
Bloom Energy hat stark abgeliefert, doch nach der 400%-Rally entscheidet die Zone um 250 USD, ob das Wachstum auch die hohe Bewertung weiterrechtfertigt.
HPQ Silicon punktet mit der UN-38.3-Zertifizierung und Drohnenfokus, aber der Kurs hängt nun von der Umwandlung von Tests in Serienaufträge und entsprechender Umsatzgenerierung ab.
Nel ASA bleibt trotz besserem Auftragseingang und der PA-Serie nur ein potenzieller Turnaround-Kandidat, weil Verluste, Cash-Abfluss und fehlende Großaufträge weiterhin belastend wirken.