29.04.2026 | 05:45
Gewinnmitnahmen und Chancen – Aixtron, Avrupa Minerals, Nordex
Der DAX zeigte sich auch am gestrigen Handelstag träge und orientierungslos. Nach einem mauen Wochenauftakt treten Anleger weiter auf der Stelle – der Leitindex bewegte sich wie in den letzten Handelstagen auch um die 24.125-Punkte-Marke herum. Durch den starken Anstieg der Indizes in den letzten vier Wochen agieren die Investoren derzeit vorsichtig und verhalten sich bzgl. der bevorstehenden Zinsentscheidungen und US-Quartalszahlen eher zurück. Teilweise realisieren die Investoren auch ihre angelaufenen Gewinne und schichten diese in andere Assets um. Wo Gewinnmitnahmen gerade drücken und er davon profitieren könnte, lesen Sie hier:
Lesezeit: ca.
5 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
DE000A0WMPJ6 , CA05453A2074 , DE000A0D6554
Aixtron-Aktie - Gewinnmitnahmen nach 177 % Rally
Die Aixtron SE Aktie (WKN: A0WMPJ | ISIN: DE000A0WMPJ6 | Ticker: AIXA) ist am Montag um über 5 % abgefallen und konnte sich am gestrigen Handelstag leicht stabilisieren. Auf den ersten Blick wirkt die Bewegung negativ, aber dieser Kursrückgang sollte auch in Relation gesetzt werden. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie trotz erster Gewinnmitnahmen immer noch mehr als 154 % im Plus. Noch beeindruckender ist die Entwicklung seit Ende Oktober 2025. Seitdem ist die Aktie um über 278 % gestiegen. Nach so einer starken Rallye sind Gewinnmitnahmen mehr als verständlich. Mit Sitz in Nordrhein-Westfalen ist das Unternehmen im Bereich Maschinenbau und Halbleitertechnik tätig. Gerade Themen wie KI-Rechenzentren machte die Aixtron-Aktien für Anleger in den letzten sechs Monaten sehr interessant.
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei etwa 5 Mrd. EUR und damit ist schon viel Erwartung auf weiteres Wachstum im Kurs eingepreist worden. Der Umsatz lag in 2025 bei 556,6 Mio. EUR und damit unter dem Vorjahr, als Aixtron noch 633,2 Mio. EUR umgesetzt hatte. Der Rückgang zeigt, dass 2025 kein einfaches Jahr für das Unternehmen war. Trotzdem arbeitet das Unternehmen profitabel. Der Bruttogewinn lag bei rund 222 Mio. EUR und die Bruttomarge entsprechend bei ungefähr 40 %. Bei dem operativen Ergebnis konnten 100 Mio. EUR erzielt werden, was einer EBIT-Marge von knapp 18 % bedeutet. Der Nettogewinn von 85,2 Mio. EUR rundet die Nettomarge bei ungefähr 15 % ab.
Aixtron steht bilanziell sehr solide da und hat kein offensichtliches Problem mit zu hoher Verschuldung. Der operative Cashflow verbesserte sich 2025 deutlich auf 208,4 Mio. EUR, nach nur 26,2 Mio. EUR im Jahr 2024. Gleichzeitig investierte das Unternehmen mit rund 140,3 Mio. EUR auch deutlich mehr als im Vorjahr mit nur 15 Mio. EUR. Dennoch war der freie Cashflow 2025 mit 181,9 Mio. EUR klar im positiven Bereich und zeigt das Aixtron trotz Umsatzrückgang in der Lage ist, einen hohen Cashflow zu generieren. Kurzfristig belasten aber die vorläufigen Q.1-Zahlen 2026, denn der Umsatz lag im ersten Quartal nur bei rund 59 Mio. EUR, nach 112,5 Mio. EUR im Vorjahresquartal. Dafür lag der Auftragseingang im ersten Quartal 2026 mit rund 171 Mio. EUR und deutlich über den 132,2 Mio. EUR aus dem ersten Quartal 2025.
Avrupa Minerals – Europas Rohstoffe
Auf die Exploration von Rohstoffen in Europa hat sich das kanadische Unternehmen Avrupa Minerals (WKN: A2QJTH | ISIN: CA05453A2074 | Ticker-Symbol: 8AMA) konzentriert. Im abgelaufenen Jahr 2025 konnte von einem Tochterunternehmen von First Quantum Minerals eine Explorationslizenz südlich der Pyhäsalmi-Mine übernommen werden. Diese grenzt an das Projektgebiet Lippikyla in Zentralfinnland an. Durch diese Übernahme konnten die Kanadier ihr östlich der stillgelegten Kupfer-Zink-Mine Pyhäsalmi gelegenes Schürfgebiet um das südliche der Mine gelegene Projektgebiet erweitern.
Zum Unternehmen gehört neben dem finnischen Projektgebiet auch die Kupfer-Zink-Lagerstätte Sesmarias auf dem Alvalade Projekt im iberischen Pyritgürtel von Portugal. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein polymetallisches Erzvorkommen. Dieses Projekt möchte Avrupa Minerals aber nicht mit eigenem Geld entwickeln, sondern sucht dafür noch nach einem Partnerunternehmen, dem die Kanadier je nach Vereinbarung und Projektentwicklung Anteile des Lizenzgebietes übertragen. Um noch in diesem Jahr einen Projektpartner zu finden, lassen die Kanadier derzeit einen ersten technischen NI 43-101 Bericht erstellen. Dadurch soll mit den bestehenden Erzvorkommen das Projekt genauer bewertet werden können, was für Vereinbarung mit dem Partnerunternehmen wichtig ist. Ein letztes Bohrloch zeigte dort auf 10,85 m einen hochgradigen Kupfergehalt von 1,81 %, 2,57 % Blei und 4,38 % Zink.
Für einen ernsthaften Investor dürfte auch die sich in nur 7 km entfernt des Projektgebietes befindliche, aber 1988 stillgelegte Lousal Mine sein, denn neben einer noch intakten Aufbereitungsanlage ist die nötige Minen-Infrastruktur vorhanden und muss nicht erst kostenintensiv aufgebaut werden. Noch nicht rund läuft es derzeit beim Slivova-Goldprojekt im Kosovo. Dort wird derzeit noch auf eine Lizenzverlängerung gewartet. Die Genehmigungsverzögerungen im Zuge der wiederholten Neuwahlen ziehen sich dort seit 2025 hin und daher ruht das dortige Projekt derzeit. Zu 51 % gehört das Projekt dem dortigen Projektpartner Western Tethyan Resources (WTR) und nur zu 49 % Avrupa Minerals. Die Lizenzerneuerung wird noch in 2026 erwartet und sobald diese vorliegt, wird WTR die nächste vertraglich vereinbarte eine Million CAD investieren. Davon soll u. a. eine Umweltverträglichkeitsstudie sowie eine NI 43-101 konforme Machbarkeitsstudie erstellt werden.
Nordex-Aktie springt auf Allzeithoch – starke Q.1-Zahlen treiben den Kurs
Durch den Iran-Krieg haben die Investoren die Aktien des erneuerbaren Energiesegmentes wiederentdeckt. Die Nordex SE Aktie (WKN: A0D655 | ISIN: DE000A0D6554 | Ticker: NDX1) legte kräftig zugelegt und konnte in den letzten beiden Handelstagen nochmals mehr als sieben Prozent ansteigen. Damit erreichte die Aktie ein neues Allzeithoch und setzte den starken Aufwärtstrend der letzten 16 Monate fort. Seit Jahresanfang liegt die Aktie bereits mehr als 65 % im Plus und seit Anfang 2025 sogar um über 320 %. Technisch betrachtet bleibt das Bild damit klar bullish, vor allem, nachdem die Aktie die wichtige Allzeithochmarke aus 2007 bei knapp 35 EUR überwinden konnte.
Der Grund für den Kurssprung der letzten beiden Handelstage liegt vor allem in den starken Q1-Zahlen für 2026. Nordex konnte den Umsatz im ersten Quartal auf rund 1,6 Mrd. EUR steigern, was einem Wachstum von etwa 10 bis 11 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das EBITDA stieg um 64,3 % auf 130,7 Mio. EUR. Die EBITDA-Marge verbesserte sich von 5,5 % im Vorjahresquartal auf 8,2 %. Genau diese Margenverbesserung ist die wohl wichtigste Nachricht, weil sie zeigt, dass Nordex nicht nur mehr Umsatz macht, sondern auch deutlich profitabler arbeitet.
Auch das Ergebnis sah deutlich besser aus. Das Nettoergebnis lag bei rund 53,6 Mio. EUR, nach nur 7,9 Mio. EUR im Q1 2025. Das ist ein massiver Anstieg und zeigt, dass sich die operative Verbesserung auch im Nettogewinn widerspiegelt. Der einzige kleine negative Punkt war der freie Cashflow, der im ersten Quartal 2026 negativ ausfiel, während er im Vorjahresquartal noch positiv war. Wenn ein Investor sich den Jahresabschluss 2025 anschaut, wird das Gesamtbild deutlicher. Nordex erzielte im Gesamtjahr 2025 einen Umsatz von rund 7,5 Mrd. EUR, nach knapp 7,3 Mrd. EUR im Jahr 2024. Das EBITDA lag 2025 bei 631 Mio. EUR, nach rund 296 Mio. EUR im Vorjahr. Damit konnte Nordex das operative Ergebnis mehr als verdoppelt. Besonders stark war auch der freie Cashflow: 2025 lag dieser bei 863 Mio. EUR, nach 270 Mio. EUR im Jahr 2024.
Trotzdem sollte bei der Aktie nicht vergessen werden, wie stark diese bereits gelaufen ist. Ein Kursanstieg von über 320 % seit Anfang 2025 ist außergewöhnlich. Solche Bewegungen können zwar durch starke Fundamentaldaten gerechtfertigt werden, erhöhen aber auch das Risiko für kurzfristige Gewinnmitnahmen. Eine Korrektur wäre deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Firma schlecht läuft, sondern könnte einfach eine normale Verschnaufpause nach einem starken Lauf sein.
Fazit
Die Nachfrage nach neuen Rohstoffprojekten hat in den letzten Jahren zugenommen, genauso wie die Rückbesinnung der Politik auf Rohstofflieferungen aus sicheren Drittstaaten. Die mangelnden Investitionen in neue Rohstoffvorkommen der vorangegangenen beiden Jahrzehnte soll nun durch hohe Explorationsausgaben nachgeholt werden. Das bietet Explorer mit Fokus auf Europa wie Avrupa Minerals die Chance, ihre Projekte zukünftig schneller zu entwickeln. Auch die erneuerbaren Energieunternehmen wie Nordex sind wieder gefragt und konnte in den letzten Monaten von stark steigenden Kursen profitieren. Ebenso ist die Nachfrage nach Halbleiterproduzenten außerhalb Chinas und Taiwan ungebrochen und sich in den Kursen von Aixtron und Co mit deutlichen Kursaufschlägen gezeigt, von denen einige Investoren derzeit Gewinne realisieren und in den steigenden Markt hineinverkauft haben.