19.05.2026 | 05:45
Kommt hier Momentum auf? Delivery Hero, Deutz, Strategic Resources
Der gestrige Montag stand an den US-Börsen weiter ganz im Zeichen des KI-Booms. Der Dow Jones eröffnete freundlich, konnte aber die 50.000-Punkte-Marke noch nicht wieder zurückerobern. Die Aktien von Salesforce und 3M legten mit über 3 % Kursgewinn am deutlichsten zu, während Caterpillar und UnitedHealth mit über 2 % Kursrückgang am stärksten verloren. Im Nasdaq dominierten Zscaler, Cognizant Tech und Verisk Analytics bei den Bullen, während die Bären Regeneron Pharma mit über 10 % Kursverlust regelrecht zerlegten Welche Aktien in Deutschland, aber auch Nordamerika noch interessant sein könnten, lesen Sie hier:
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA86277X4093 , DE000A2E4K43 , DE0006305006
Strategic Resources ein Vanadium Geheimtipp?
Das Explorationsunternehmen Strategic Resources (WKN: A3D7HW | ISIN: CA86277X4093 | Ticker Frankfurt: UI8) ist auf die Erschließung kritischer Mineralien spezialisiert und konkret auf hochreines Eisen, Vanadium und Titan (VTM). Die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 16 Mio. CAD erscheint angesichts der Projektqualität deutlich zu niedrig. Das Herzstück der Kanadier ist das vollständig genehmigte Bergbauprojekt BlackRock in Quebec, das bei Projektumsetzung die künftig erste VTM-Mine Nordamerikas wäre.
Am Tiefseehafen Port Saguenay entsteht bereits eine vollständig genehmigte Pelletieranlage mit einer Kapazität von 4 Mio. Tonnen pro Jahr, dem direkten Zugang zum Sankt-Lorenz-Seeweg und Stromkosten von nur 0,04 CAD pro Kilowattstunde aus Wasserkraft . Die geschätzten Betriebskosten bei Produktionsaufnahme liegen bei rund 16 CAD pro Tonne, was bei aktuellen Marktpreisen von ca. 54 CAD eine mehr als ordentliche Marge wäre. Der kommende Absatz ist zudem durch einen zehnjährigen Abnahmevertrag mit Javelin Global Commodities gesichert. In Finnland reaktivieren die Kanadier zudem die historische Mustavaara-Mine, die einst für rund 10 % der globalen Vanadiumproduktion verantwortlich war. Die Vanadium-Ressourcenbasis von über 100 Mio. Tonnen in den Kategorien nachgewiesen und angedeutet bietet dort das Potenzial, Europa weitgehend autark von außereuropäischen Importen zu machen.
Ein wichtiger Meilenstein war zuletzt die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit Tyfast Energy aus San Diego. Gemeinsam soll eine vollständig integrierte kanadische Lieferkette entstehen. Diese soll vom Vanadium-Erz bis zur fertigen Lithium-Vanadium-Oxid-Anode (LVO) für Hochleistungsbatterien im Schwerlastbereich, Bergbau und der Verteidigung aufgebaut werden. Ein klassischer „von der Mine bis zur Batterie“-Ansatz, der die Wertschöpfungskette erheblich verlängert und staatliche Förderungen im Rahmen der kanadischen Rohstoffstrategie wahrscheinlicher macht.
Finanziert wird der nächste Schritt über ein kombiniertes Angebot aus einer LIFE-Finanzierung und Privatplatzierung. Hier werden 10 Mio. CAD zu je 0,25 CAD pro Aktie eingeworben und den Neuaktionären ein dreijähriger Optionsschein zu 0,40 CAD gewährt. Für europäische Investoren ist durch die jüngste Zweitnotierung in Frankfurt auch der direkte Einstieg über diese Deutsche Börse möglich, wenn gleich hier auf den Spread vor der Öffnung der kanadischen Börse geachtet werden sollte.
Delivery Hero: Plötzlich wieder Momentum in der Aktie
Delivery Hero (WKN: A2E4K4 | ISIN: DE000A2E4K43 | Ticker: DHER) war lange Zeit eher ein Beispiel dafür, wie schnell aus einer Wachstumsstory eine Problemaktie werden kann. Hohe Verluste, Schulden, komplizierte Konzernstruktur und immer wieder Zweifel an der Profitabilität haben die Aktie über Jahre belastet. Doch seit Anfang Mai kommt wieder Bewegung auf. Seit dem 8. Mai stieg die Aktie bereits um sensationelle 50 % an und notiert nun bei 30,00 EUR. Seit dem Allzeittief von März 2026 bei 14,80 EUR konnte sich die Aktie bereits verdoppeln! Von den früheren Allzeithochs aus den Jahren 2021 ist Delivery Hero aber weiterhin weit entfernt.
Charttechnisch ist das trotzdem ein klares Signal. Die Aktie ist inzwischen wieder über die wichtigen gleitenden Durchschnitte gestiegen und das sieht nicht mehr nur nach einer kleinen Gegenbewegung aus, sondern eher nach einem Stimmungswechsel. Nach so einem langen Abwärtstrend reicht aber ein guter Monat natürlich nicht aus, um von einer komplett neuen Story zu sprechen. Operativ ist Delivery Hero heute deutlich breiter aufgestellt als zu Allzeithochzeiten von vor neun Jahren. Das Unternehmen ist nicht mehr nur ein klassischer Essenslieferdienst, sondern geht immer stärker in Richtung „Everyday App“. Kunden sollen über die Plattform Essen, Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs bestellen. Besonders Quick Commerce bleibt dabei ein zentraler Wachstumstreiber. Im ersten Quartal 2026 stieg der Bruttowarenumsatz (GMV) der Gruppe auf 12,5 Mrd. EUR an, was einem Plus von 8,8 % zum Vorjahresquartal entspricht. Der Segmentumsatz legte sogar um 17,8 % auf 3,7 Mrd. EUR zu. Quick Commerce wuchs um 30 % und macht inzwischen 18 % des gesamten GMV aus.
Auch der Ausblick hilft der Aktie. Delivery Hero bestätigte für 2026 ein GMV-Wachstum von 8 bis 10 %. Es wird ein Umsatzwachstum von 14 bis 16 % prognostiziert. Das bereinigte EBITDA beträgt 910 bis 960 Mio. EUR und der freie Cashflow wird auf mehr als 200 Mio. EUR geschätzt. Genau das ist für den Markt wichtig. Nicht nur Wachstum, sondern endlich mehr Fokus auf Cashflow und Profitabilität. Ganz perfekt ist das Bild dann aber doch nicht. Im Jahresabschluss 2025 sieht man, dass Delivery Hero weiterhin eine komplexe und kapitalintensive Firma bleibt. Der Umsatz der Delivery Hero SE stieg zwar von 364,6 Mio. EUR auf 474,3 Mio. EUR. Unter dem Strich stand aber ein Nettoverlust von 860,9 Mio. EUR, nachdem 2024 noch ein Gewinn von 913,9 Mio. EUR ausgewiesen wurde. Hauptgrund waren Abschreibungen auf Finanzanlagen von 1,35 Mrd. EUR.
Deutz-Aktie fällt – Gewinnmitnahmen trotz starkem Jahresstart?
Die Aktie der Deutz AG (WKN: 630500 | ISIN: DE0006305006 | Ticker: DEZ) ist in den letzten Handelstagen deutlich unter die Räder gekommen und seit dem Zwischenhoch vom 8. Mai um 15 % gefallen. Dadurch sieht das Chartbild kurzfristig wieder etwas bearisher aus. Besonders entscheidend ist jetzt der Unterstützungsbereich von 9,75 EUR. Wenn die Aktie diese Zone nicht halten kann, würde sich das technische Bild weiter eintrüben. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt aktuell ungefähr bei 9,45 EUR und wäre damit eine wichtige Marke, auf die viele Anleger schauen dürften.
Fundamental hat sich die Lage bei Deutz in den letzten Jahren deutlich verbessert. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte der Konzern den Umsatz auf 2,04 Mrd. EUR. Das EBIT lag bei 112,3 Mio. EUR und damit rund 46 % über dem Vorjahr. Die EBIT-Marge verbesserte sich auf 5,5 % und das EBIT stieg deutlich auf 73,9 Mio. EUR an. Der durchgeführte Umbau des Konzerns bringt damit erste messbare Ergebnisse. Besonders wichtig ist dabei, dass Deutz nicht mehr nur als klassischer Motorenhersteller gesehen werden will, sondern sich breiter aufstellt – mit Motoren, Dienstleistungen, Energie, neue Technologien und Verteidigung.
Operativ besonders stark war der Start ins Jahr 2026. Im ersten Quartal stieg der Auftragseingang um 41,2 % auf 771,0 Mio. EUR. Der Umsatz legte um 8,4 % auf 530,0 Mio. EUR zu. Das EBIT verbesserte sich um 45,7 % auf 37,3 Mio. EUR, die EBIT-Marge lag bei 7,0 %. Unter dem Strich erzielte Deutz ein Konzernergebnis von positiven 21,8 Mio. EUR, nach einem Verlust von 10,0 Mio. EUR im Vorjahresquartal.
Besonders auffällig ist der starke Auftragseingang in der Energiesparte. Dort sprang der Auftragseingang im ersten Quartal von 68,4 Mio. EUR auf 206,7 Mio. EUR. Ein maßgeblicher Treiber war die Übernahme von Frerk Aggregatebau, einem Anbieter von Notstromsystemen, unter anderem für kritische Infrastruktur und Rechenzentren. Genau dieser Bereich macht Deutz für viele Anleger interessanter, weil hier Wachstum, Energieversorgung und Rechenzentren zusammenkommen.
Trotzdem gibt es auch Punkte, die man nicht ignorieren sollte. Der freie Cashflow lag im ersten Quartal bei minus 99,2 Mio. EUR. Außerdem verschlechterte sich die Nettofinanzposition auf minus 385,1 Mio. EUR. Das heißt nicht automatisch, dass Deutz finanziell schlecht dasteht, aber es zeigt, dass der eingeschlagene Wachstumskurs Kapital bindet. Für Anleger ist deshalb bedeutsam, ob die neuen Zukäufe in den nächsten Quartalen wirklich profitabel integriert werden können. Für 2026 erwartet Deutz einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Mrd. EUR und eine EBIT-Marge zwischen 6,5 % und 8,0 %. Das ist ambitioniert, aber nach dem starken ersten Quartal nicht unrealistisch.

Fazit
Strategic Resources ist eine Wette auf weiter wachsende Nachfrage im Rohstoffbereich und die zunehmende Sicherstellung der Lieferketten aus sicheren und befreundeten Staaten. Die Delivery Hero Aktie wirkt wieder spannender und ist eine klare Turnaround-Wette. Der Chart ist klar besser geworden, und die Q.1 Zahlen zeigen Wachstum mit mehr Fokus auf Profitabilität. Der Kursrückgang bei Deutz von über 15 % sieht nur nach einer kurzfristigen Korrektur aus, die ggf. zum Einstieg genutzt werden kann.