27.07.2026 | 05:45
Magnificent Seven wanken und reißen S&P 500 mit, Öl über 90 USD, VIX springt an – Barrick Mining, Deutsche Börse, DRC Gold, Alphabet, Tesla
Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla bilden die „Magnificent Seven“ und stellen ungefähr ein Drittel des S&P 500. Fallen mit Alphabet und Tesla die Aktien zweier Schwergewichte, belastet das den Gesamtmarkt. Der S&P 500 verliert durch die Kurseinbrüche der beiden Großunternehmen rund 0,6 %, während der VIX zeitweise um knapp 17 % steigt. WTI-Öl verteuert sich um fast 5 % auf mehr als 90 USD je Barrel und daher zeigen Energiewerte wie Chevron und Exxon Mobil relative Stärke, aber auch Industriewerte wie Caterpillar und Deere legten zu. Auch der Gold- und Silberpreis stabilisierte sich wieder, während Staatsanleihen im Allgemeinen wegen anziehender Inflationserwartungen wieder abverkauft werden.
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6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
US02079K1079 , CA06849F1080 , DE0005810055 , CA23347H1064 , US88160R1014
Starke Q2-Zahlen und höhere Prognose: Steht die Deutsche-Börse-Aktie vor dem Ausbruch?
Die Deutsche Börse AG (WKN: 581005 | ISIN: DE0005810055 | Ticker: DB1) hat am 22. Juli ihre Zahlen für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht und dabei die Erwartungen übertroffen. Trotz eines ruhigeren Marktumfelds setzte der Börsenbetreiber sein Wachstum fort. Die Aktie reagierte dennoch kaum und notiert aktuell bei rund 258 EUR. Die Nettoerlöse ohne das sogenannte Treasury-Ergebnis stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 9 % auf 1,41 Mrd. EUR. Das Treasury-Ergebnis, das hauptsächlich aus der Verzinsung von Kundengeldern und hinterlegten Sicherheiten entsteht, erreichte 205 Mio. EUR. Insgesamt erhöhten sich die Nettoerlöse dadurch um 7 % auf 1,61 Mrd. EUR.
Das EBITDA legte um 10 % auf 980 Mio. EUR zu. Ohne Treasury-Ergebnis fiel das Wachstum mit 13 % auf 775 Mio. EUR noch stärker aus. Der den Aktionären zurechenbare Gewinn verbesserte sich um 12 % auf 569 Mio. EUR. Das Ergebnis je Aktie stieg von 2,77 auf 3,15 EUR, während das um Übernahmeeffekte bereinigte Cash-Ergebnis je Aktie 3,33 EUR erreichte.
Damit schnitt die Deutsche Börse besser ab als erwartet. Analysten hatten durchschnittlich mit Nettoerlösen von 1,58 Mrd. EUR, einem EBITDA von 953 Mio. EUR und einem Ergebnis je Aktie von 3,03 EUR gerechnet. Besonders stark entwickelten sich die Wertpapierverwahrung und -abwicklung sowie das Geschäft mit Zinsderivaten. Schwächer verlief dagegen der Rohstoffhandel, nachdem sich die zuvor hohe Volatilität an den Energiemärkten wieder normalisiert hatte. Im gesamten ersten Halbjahr erreichten die Nettoerlöse 3,25 Mrd. EUR und das EBITDA 1,98 Mrd. EUR. Der zurechenbare Gewinn stieg um 12 % auf 1,15 Mrd. EUR. Bemerkenswert ist, dass die operativen Kosten im zweiten Quartal lediglich um 4 % zunahmen, während der Gewinn deutlich stärker wuchs.
Für 2026 bestätigt das Management seine operative Prognose von 5,7 Mrd. EUR Nettoerlösen und 3,1 Mrd. EUR EBITDA – jeweils ohne Treasury-Ergebnis. Aufgrund veränderter Zinserwartungen und höherer Kundeneinlagen wurde der Gesamtausblick jedoch angehoben. Die Nettoerlöse sollen nun mehr als 6,4 Mrd. EUR und das EBITDA mehr als 3,8 Mrd. EUR erreichen.
Strategisch bleibt die geplante Übernahme des Fondsplattformbetreibers Allfunds für rund 5,3 Mrd. EUR im Fokus. Zusätzlich investierte die Deutsche Börse 200 Mio. USD in die Kryptobörse Kraken und schloss ein Aktienrückkaufprogramm über 500 Mio. EUR ab. Die Aktie steht seit Jahresbeginn rund 17 % im Plus, liegt auf 52-Wochen-Sicht aber noch 0,7 % zurück. Mit einem Börsenwert von etwa 46,4 Mrd. EUR zählt die Deutsche Börse zu den wertvollsten deutschen Unternehmen.
DRC Gold: Optionsdeals im Kongo als Hebel auf den Goldzyklus
DRC Gold (WKN: A4205L | ISIN: CA23347H1064 | Ticker-Symbol: 5AT0) hat sich nach der Umbenennung von AJN Resources strategisch klar auf Afrika und insbesondere die Demokratische Republik Kongo ausgerichtet. Die Konsolidierung der vergangenen Monate spiegelt weniger operative Meilensteine als vielmehr die Zurückhaltung der Goldinvestoren im Sektor der Explorers wider. Doch im geopolitisch stetig weiter eskalierenden Umfeld ist der nächste Goldpreisanstieg nur eine Frage des Wann und nicht mehr des Ob. Makroökonomisch bleibt daher Gold trotz zwischenzeitlicher Korrekturen ein Profiteur von Inflationsrisiken, hoher Staatsverschuldung und geopolitischen Unsicherheiten. Vor diesem Hintergrund wird auch das Momentum bei der Aktie von DRC Gold wieder zulegen, wenngleich der Markt nach belastbaren Ressourcen- und Bohrdaten Ausschau halten wird.
Operativ liegt der Fokus auf zwei per Optionsvertrag gesicherten Projekten: Giro und Nizi, an denen DRC Gold jeweils bis zu 65 % indirekt erwerben kann. Giro umfasst rund 497 km² und liegt etwa 35 km westlich der Kibali-Mine von Barrick Mining (WKN: A417GQ | ISIN: CA06849F1080 | Ticker-Symbol: ABR0), die mit rund 600.000 Unzen Jahresproduktion als Referenzasset in der Region gilt. Einst war CEO Klaus Eckhof mit Moto Goldmines einer der Strippenzieher hinter der Kibali-Entdeckung und -Entwicklung und will den damaligen Erfolg nun mit DRC Gold wiederholen. Da Barrick Mining stetig auf der Suche nach neuen Goldprojekten ist, wie die letzte Investition über 20,9 Mio. CAD bei Kingfisher Metals zeigte, dürfte auch DRC Gold bei weiteren Goldfunden und entsprechenden Gutachten in den Fokus des Konzerns rücken, zumal die Unternehmen im Kongo quasi Nachbarn sind.
Für das Giro-Projekt wurde bereits ein zeitnahes Update einer Ressourcenschätzung nach NI 43-101 in Aussicht gestellt. Beim weiter entfernt gelegenen Nizi-Projekt existiert historische Bergbauaktivität durch die ehemalige König-Leopold-Mine. Diese produzierte zwischen 1913 und 1931 Gold mit Spitzengehalten von bis zu 15 g/t, was geologisch und unter Berücksichtigung damaliger Abbaumethoden ein starkes Indiz dafür ist, dass sich dort noch wirtschaftlich abbaubares Gold befindet. Entscheidend in den kommenden Monaten wird aber sein, ob durch die Explorationsarbeiten die Datenqualität verbessert werden kann und weitere Goldfunde das Interesse des Marktes und der größeren Produzenten ansteigen lassen.
Finanziell und kapitalmarkttechnisch ist relevant, dass DRC Gold im Zuge der Vertragsänderung zur Option auf Giro und Nizi zunächst 25 Mio. Aktien zu einem rechnerischen Preis von 0,195 CAD je Aktie an Vertex Wealth Limited ausgegeben hat. Diese Aktien unterliegen noch bis zum 15. September 2026 einer Handelssperre. Interessant wird in diesem Zuge sein, ob Vertex Wealth diese Aktien als Investor behält oder diese ggf. über die Börse wieder abstößt. Sollten diese Aktien nicht auf dem Markt kommen, wäre der Weg für wieder steigende Kurse frei.
Wall Street unter Druck: Alphabet und Tesla brechen ein – Ölpreis und Zinsangst belasten
Die Alphabet-Aktie (WKN: A14Y6H | ISIN: US02079K1079 | Ticker: GOOG) fiel zum Ende der vergangenen Woche deutlich ab. Vom Mittwochsschluss bei 342,09 USD sank sie bis Freitagabend auf rund 320 USD – mehr als 6,5 % ab. Der Börsenwert liegt bei etwa 3,89 Bio. USD. Seit Jahresbeginn bleibt nur ein kleines Plus, auf 52-Wochen-Sicht sogar deutliche 67 %. Alphabet veröffentlichte am Mittwoch nach US-Börsenschluss seine Q2-Zahlen. Der Umsatz stieg um 24 % auf 119,8 Mrd. USD, das operative Ergebnis um 30 % auf 40,8 Mrd. USD. Die operative Marge erreichte 34 %. Die Einnahmen mit der Google-Suche legten um 17 % zu, die YouTube-Werbung um 13 %. Besonders stark entwickelte sich Google Cloud. Der Umsatz sprang um 82 % auf 24,8 Mrd. USD, der operative Gewinn von 2,8 auf 8,8 Mrd. USD. Der Auftragsbestand erreichte 514 Mrd. USD. Die Gemini-App zählt inzwischen 950 Mio. monatlich aktive Nutzer und fast 90 % der Fortune-100-Unternehmen verwenden Gemini Enterprise.
Warum fällt die Aktie trotzdem? Der ausgewiesene Nettogewinn von 112,1 Mrd. USD beziehungsweise 9,11 USD je Aktie wurde durch rund 99 Mrd. USD an nicht realisierten Beteiligungsgewinnen aufgebläht. Ohne diesen Effekt blieben grob 2,85 USD je Aktie. Noch schwerer wiegen die Investitionen. Alphabet gab im Quartal 44,9 Mrd. USD aus, doppelt so viel wie im Vorjahr. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf minus 5,9 Mrd. USD. Gleichzeitig erhöhte Alphabet seine Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Mrd. USD. Charttechnisch hat sich das Bild verschlechtert. GOOG notiert unter dem 20-, 50-, 100- und erstmals seit Juni 2025 wieder unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die 200-Tage-Linie liegt bei rund 323 USD und wurde damit auf Wochenbasis unterschritten.
Zusätzlicher Druck kommt von der Tesla-Aktie (WKN: A1CX3T | ISIN: US88160R1014 | Ticker: TSLA). Sie verliert rund 13 % auf 313 USD und notiert unter allen vier Durchschnitten. Die 200-Tage-Linie liegt bei 415,00 USD und Tesla müsste rund 32 % steigen, um sie wieder zu erreichen. Auch Tesla veröffentlichte am Mittwoch nach US-Börsenschluss seine Q2-Zahlen. Der Quartalsumsatz stieg zwar um 26 % auf 28,2 Mrd. USD, doch das operative Ergebnis brach um 57 % auf 398 Mio. USD ein.
Fazit
Der Analystenkonsens bei der Deutschen Börse sieht ein durchschnittliches Kursziel von 296 EUR. Ein Ausbruch über die Widerstandszone bei 267 bis 270 EUR könnte daher den Weg in Richtung 300 EUR öffnen.
DRC Gold bietet einen zyklischen Hebel auf Gold über die optionierten Kongo-Projekte. Kurzfristig dominiert noch die Goldkonsolidierung, mittelfristig entscheiden NI-43-101-Gutachten und Bohrergebnisse über die fundamentale Neubewertung der Aktie. Alphabet wächst zwar weiterhin stark mit einem Umsatzplus von 24 %, aber durch massive Investitionen generiert das Unternehmen zurzeit keinen freien Cashflow mehr. Der massive Gewinneinbruch bei Tesla schickte auch den zweiten Techwert der Magnificent Seven auf Talfahrt und damit wurde auch der breite S&P-500-Index entsprechend in der Gesamtbewertung gedrückt.