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29.06.2026 | 05:45

Optimismus, verpufftes Goldman-Sachs-Signal und gebremste Erwartungen – Gerresheimer, Freenet, Volatus Aerospace

  • Gerresheimer
  • Freenet
  • Volatus Aerospace
Bildquelle: Pixabay

Eine erneute Eskalation zwischen USA und Iran mit Angriffen auf Ziele am Golf sowie Gegenschlägen wird die Risikoprämien am Montag an den Märkten erhöhen und stützt „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen und Gold. Aktienindizes reagieren oft mit kurzfristigen Rücksetzern, während Energiepreise bei Sorge um Lieferketten und die Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder anziehen dürften. Parallel dürfte die Lage in Israel/Libanon den defensiven Sektoren relative Stärke verleihen. Welche Unternehmen in diesem Umfeld wachsen und welche kritischer zu sehen sind, lesen Sie hier:

Lesezeit: ca. 5 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: DE000A0LD6E6 , CA92865M1023 , DE000A0Z2ZZ5


 

Gerresheimer-Aktie: Goldman-Signal verpufft – bleibt die 28-EUR-Marke der Schlüssel?

Die Gerresheimer-Aktie (WKN: A0LD6E | ISIN: DE000A0LD6E6 | Ticker: GXI) bleibt nach den jüngsten Kursbewegungen weiter unter Beobachtung. Das Unternehmen aus Düsseldorf ist Spezialist für Pharma- und Healthcare-Verpackungen. Zum Portfolio gehören unter anderem Glas- und Kunststoffbehälter, Injektionsfläschchen, Ampullen, Tablettenbehälter, Spritzen, Pens und Autoinjektoren. Aktuell kommt Gerresheimer auf eine Marktkapitalisierung von rund 900 Mio. EUR. Seit Jahresanfang liegt die Aktie knapp 5,5 % im Minus, auf 52-Wochen-Sicht sogar rund 45 %. Vom früheren Allzeithoch bei etwa 122 EUR ist der Titel jedoch weit entfernt und hat seit dem Hoch im September 2024 mehr als 76 % an Wert verloren.

Kurzfristig sorgte zuletzt eine Stimmrechtsmeldung für Phantasie. Goldman Sachs kontrolliert inzwischen 21,24 % an Gerresheimer, allerdings nicht nur über direkte Aktien, sondern zu größeren Teilen über Finanzinstrumente. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein starkes Vertrauenssignal. Ganz so eindeutig ist es jedoch nicht. Goldman Sachs erklärte, dass die Position im Rahmen normaler Kundenbetreuung und Absicherungsgeschäfte aufgebaut wurde. Ein strategischer Einstieg mit aktivem Einfluss auf Vorstand, Aufsichtsrat oder Kapitalstruktur ist damit nicht das erklärte Ziel.

Wichtig ist außerdem die besondere Berichtslogik bei Gerresheimer. Das Geschäftsjahr endet nicht wie bei vielen Unternehmen am 31. Dezember, sondern bereits am 30. November. Der vollständig geprüfte Geschäftsbericht 2024 deckt daher den Zeitraum vom 1. Dezember 2023 bis 30. November 2024 ab. Für 2025 liegen bislang nur Zwischenberichte vor, zuletzt die Q3-Mitteilung für den Zeitraum vom 1. Juni 2025 bis 31. August 2025. Anleger müssen also beachten, dass die endgültigen Jahreszahlen für 2025 nach wie vor noch nicht vollständig vorliegen. Zudem belastet die BaFin-Sonderprüfung die Bewertungs- und Planungssicherheit und erhöht das Unsicherheitsniveau am Aktienmarkt.

Operativ ist das Bild gemischt. In den ersten neun Monaten 2025 stieg der Umsatz zwar auf 1,68 Mrd. EUR, organisch lag der Umsatz jedoch leicht unter dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA stieg ausgewiesen auf 313,9 Mio. EUR, organisch ging es aber zurück. Besonders kritisch bleibt die Bilanz. Ende August 2025 lagen die Nettofinanzschulden bei rund 2,02 Mrd. EUR, der Verschuldungsgrad beim 4,15-Fachen des bereinigten EBITDA. Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 28 - 29 EUR entscheidend. Seit Mitte April konnte sich die Aktie zwar erholen, doch an diesem Widerstand scheiterte sie mehrfach – bereits im Dezember, Januar, Mai und nun erneut im Juni. Aktuell notiert die Aktie bei 26 EUR. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 29 EUR würde das Chartbild spürbar verbessern.

Volatus Aerospace: Systemanbieter im 160-Mrd.-USD-Drohnenmarkt

Geopolitische Spannungen und der Fokus auf autonome Flugsysteme lenken viel institutionelles Kapital in den globalen Drohnensektor. Bis zum Jahr 2034 wird ein Marktwachstum auf rund 160 Mrd. USD erwartet, signifikant getrieben durch steigende Budgets für den Infrastrukturschutz und militärische Anwendungen. In diesem Umfeld etabliert sich Volatus Aerospace (WKN: A2JEQU | ISIN: CA92865M1023 | Ticker-Symbol: ABB) als essenzieller Anbieter aus Kanada, der den Umbau der autonomen Luftfahrt zur echten Systemindustrie maßgeblich mitgestaltet. Über eine konsequente Dual-Use-Strategie verknüpft das kanadische Unternehmen zivile Anwendungsfelder wirtschaftlich intelligent mit lukrativen militärischen Regierungsaufträgen.

Ein wesentlicher Meilenstein dieser Expansion ist die neu eröffnete Produktionsstätte im kanadischen Mirabel, die auf 53.000 qm eine inländische Fertigungsbasis für autonome Verteidigungssysteme schafft. Diese Investition bedient direkt die strategische Absicht westlicher Staaten, technologische Hardware-Abhängigkeiten von asiatischen Lieferanten schnell und nachhaltig abzubauen. Unterstützt wird diese hardwareseitige Autarkie durch Kooperationen wie die im Mai 2026 geschlossene Allianz mit dem ukrainisch-kanadischen Unternehmen UCan Brave Tech für den gezielten Wissenstransfer. Dank vorliegender sicherheitstechnischer Zertifizierungen hat sich Volatus mittlerweile als verlässlicher Rüstungspartner für die ersten Auftragnehmer aus dem NATO-Segment erwiesen.

Neben der reinen Hardwareproduktion fungiert die unternehmenseigene Softwarelösung SKYDRA als starker Margentreiber, die allein im ersten Quartal 2026 bereits eine Gewinnmarge von 35 % erzielte. Zur Optimierung staatlicher Vergabeverfahren verstärkt die erfahrene Politikexpertin Catherine Loubier seit Juni 2026 den Verwaltungsrat mit ihrem weitreichenden Netzwerk. Durch bereits verbuchte NATO-Trainingsmandate im Wert von über 9 Mio. CAD baut das Unternehmen zudem signifikante Markteintrittsbarrieren gegenüber potenziellen Wettbewerbern auf. Bei aktuellen fundamentalen Analystenzielen, die zwischen 0,90 und 1,25 CAD liegen, bietet die fundamentale Bewertung Investoren ein datengetriebenes Wachstumspotenzial bei gleichzeitig überaus attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis (CRV).

Freenet-Aktie: Barclays bremst Erwartungen – rückt jetzt die 24-EUR-Zone in den Fokus?

Die freenet Aktie (WKN: A0Z2ZZ | ISIN: DE000A0Z2ZZ5 | Ticker: FNTN) steht kurz vor den nächsten Quartalszahlen wieder stärker unter Druck. Nachdem Barclays die Erwartungen angepasst und das Kursziel von 30,00 auf 28,50 EUR gesenkt hat, bleibt die Einstufung zwar bei „Equal Weight“, doch der Markt reagiert zunehmend vorsichtig. Die Aktie hat in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben. Allein innerhalb von rund 14 Handelstagen verlor das Papier mehr als 9 % und markierte ein neues 52-Wochen-Tief. Aktuell notiert freenet entsprechend unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Charttechnisch ist das ein klares Warnsignal, denn der kurzfristige Trend ist angeschlagen.

Auch die Performance spricht aktuell nicht für große Zuversicht. Seit Jahresanfang liegt die Freenet-Aktie knapp 20 % im Minus, auf Sicht von 52 Wochen beträgt der Rückgang etwa 13 %. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 2,8 Mrd. EUR. Damit ist freenet zwar weiterhin ein etablierter Dividenden- und Telekommunikationswert, doch die Bewertung wird derzeit stärker durch Ergebnisrisiken als durch die Ausschüttungsfantasie von 8,7 % Dividende geprägt.

Operativ ist das Bild gemischt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte freenet Umsatzerlöse von 2,44 Mrd. EUR, nach 2,48 Mrd. EUR im Vorjahr. Das angepasstes EBITDA blieb mit 515,4 Mio. EUR nahezu stabil, während das Konzernergebnis auf 274,5 Mio. EUR zurückging. Der freie Cashflow lag mit 292,1 Mio. EUR ebenfalls fast unverändert zum Vorjahr. Positiv bleibt aber, dass freenet weiterhin solide Cashflows generiert und grundsätzlich dividendenstark bleibt.

Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz deutlich um 26,1 % auf 761,9 Mio. EUR. Der Zuwachs kam vor allem durch die Integration von mobilezone Deutschland. Das angepasste EBITDA sank jedoch um 3,6 % auf 122,0 Mio. EUR. Auch das EBIT ging auf 82,2 Mio. EUR zurück, das Ergebnis je Aktie fiel auf 0,41 EUR. Positiv war dagegen der bereinigte Free Cashflow, der um 10,4 % auf 85,7 Mio. EUR zulegte. Der zentrale Belastungsfaktor bleibt das Mobilfunkgeschäft. Zwar wachsen die Kundenzahlen weiter, doch Margendruck und ein negativer Effekt aus einer Vereinbarung mit einem Netzbetreiber bremsen die Ergebnisentwicklung. Hoffnung liefert dagegen waipu.tv: Das IPTV-Segment wächst weiter und steigerte im ersten Quartal sein angepasste EBITDA deutlich.

Zusammenfassung

Die Goldman-Sachs-Meldung bei Gerresheimer bringt zwar Aufmerksamkeit zurück, ist aber noch kein Befreiungsschlag. Gerresheimer bleibt optisch günstig, aber fundamental angeschlagen. Solange organisches Wachstum, Margen und Verschuldung nicht überzeugender werden, bleibt die Aktie eher eine spekulative Erholungschance als ein klarer Kauf.
Auf einem starken Wachstumsmarkt für unbemannte Drohnen schneidet sich Volatus Aerospace einen Teil des zu verteilenden Kuchens heraus. Mit seinem Werk in Mirabel, Kanada, liegt der Fokus derzeit klar in Nordamerika, profitiert aber durch die NATO-Zertifizierung auch von Aufträgen aus Europa. Die Aktie bleibt als Wachstumstitel mit attraktivem CRV interessant für Investoren, die Volatilität lieben.
Freenet bleibt fundamental kein Krisenwert, aber die Aktie steckt charttechnisch in einer schwierigen Phase. Erst eine Rückeroberung wichtiger Durchschnittslinien würde das Bild aufhellen. Bis dahin dürfte die Frage lauten, ob die Zone zwischen 23 - 24 EUR hält – oder ob Barclays’ vorsichtigerer Blick erst der Anfang weiterer Zurückhaltung war.



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