05.05.2026 | 05:45
Pharmasektor wieder interessant? Eli Lilly, Novartis, Vidac Pharma
Der Pharmasektor ist von stetigen Höhen und Tiefen gekennzeichnet und während es bei dem einen Unternehmen nicht besser laufen kann, werden bei dem nächsten Unternehmen nur leichte Verfehlungen der Erwartungen mit massiven Abverkäufen bestraft. So hob Eli Lilly zuletzt die Jahresprognose an, während Schott Pharma wegen zunehmenden Marktunsicherheiten seinen Ausblick nach unten revidierte. Insgesamt belastet den Sektor derzeit die Frage, wie sich die US-Handelspolitik und die ständigen Veränderungen der Zollsätze auf die globale Lieferkette im Allgemeinen und für den Pharmasektor im Speziellen auswirken.
Lesezeit: ca.
3 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
US5324571083 , CH0012005267 , GB00BM9XQ619
Vidac Pharma – bekämpft effektiv Krebszellen
Bei der Erforschung neuer Krebsbehandlungen ist das biopharmazeutische Onkologieunternehmen Vidac Pharma (WKN: A3DTUQ | ISIN: GB00BM9XQ619 | Ticker-Symbol: T9G) einer der innovativen Pioniere. Mit neuartigen Krebstherapien befindet sich das Unternehmen u. a. mit den Wirkstoffkandidaten VDA 1102 (Tuvatexib) und VDA 1275 in der klinischen Phase. Seit 2024 besteht für beide Wirkstoffkandidaten ein erweiterter Patentschutz in den USA beim dortigen US-Patent- und Markenamt (USPTO). Der Patentschutz umfasst die Anwendung der Wirkstoffe u. a. für Metastasen bei Dickdarm-, Gebärmutterhals- und Lungenkrebs, schließt aber auch Prostata- und Bauspeicheldrüsenkrebs mit ein.
Im Vergleich zu vielen Forschungsunternehmen im Pharmasektor setzt Vidac Pharma bei der Bekämpfung von Krebszellen auf deren Zellstoffwechsel. Konkret greifen die Wirkstoffkandidaten über den Glukosestoffwechsel (Glykolyse) via des Enzyms Hexokinase 2 (HK2) in den Stoffwechsel der Krebszelle ein. Diese testet das Unternehmen um CEO Prof. Dr. Herzberg in einer Phase-2b Studie an Patienten mit gefährlichen Hauterkrankungen in Deutschland. Positiv abgeschlossen werden konnte diese Studie bereits bei Patienten mit einem seltenen Lymphdrüsenkrebs. Ebenfalls erfolgreich verlief die Anwendung bei einem vierjährigen Mädchen mit Hirntumor, bei dem die Stoffwechselmarker stabilisiert werden konnten und das Mädchen seit über 12 Monaten keinerlei kognitive Beeinträchtigungen mehr hat.
Derzeit läuft auch eine vorklinische Studie zur Schuppenflechte, der meistens ein entgleister Zuckerstoffwechsel bei den Betroffenen vorausgeht. Aufgrund des bisherigen Fortschritts und der zunehmenden Reifephase bei den klinischen Studien der Wirkstoffkandidaten, käme eine spätere Auslizensierung der Patente für die Pharmaindustrie genau zur richtigen Zeit. Dies liegt daran, dass viele ältere Patente der großen Pharmaunternehmen in den kommenden zwei bis drei Jahren auslaufen und diese entsprechenden Ersatz benötigen. Das dürfte für mittelfristig orientierte Investoren der Kurstreiber sein, denn aktuell kann sich die Aktie noch zu 0,52 EUR eingekauft werden.
Eli Lilly - Prognose erneut angehoben
Der Pharmakonzern Eli Lilly (WKN: 858560 | ISIN: US5324571083 | Ticker-Symbol: LLY) hat das erste Quartal 2026 mit beeindruckenden Zahlen abgeschlossen. Der Umsatz kletterte zum Vorjahresquartal um 56 % auf einen neuen Rekordwert von 19,8 Mrd. USD, der primär durch das explosionsartige Umsatzwachstum bei den GLP-1-Präparaten Mounjaro (Diabetes) und Zepbound (Adipositas) getragen worden ist. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 8,55 USD und übertraf die Analystenerwartung von 6,97 USD um deutliche 22 %. Die Nachfrage nach Tirzepatid-basierten Produkten bleibt ebenfalls hoch, wenngleich sinkende Durchschnittspreise drückend auf die Gewinnmarge wirken.
Das Management reagierte prompt und hob die Jahresprognose 2026 an. Der Umsatz wird nun bei 82 – 85 Mrd. USD erwartet (zuvor: 80 – 83 Mrd. USD), der bereinigte Gewinn je Aktie bei 35,50 – 37,00 USD (zuvor: 33,50 – 35,00 USD). Für 2027 erwartet Eli Lilly weiteres Wachstum durch die Expansion der Produktpipeline im GLP-1-Segment sowie Indikationen für neue Anwendungsfelder. Die Quartalsdividende beträgt 1,73 USD je Aktie für Aktionäre des Unternehmens mit Stichtag 15. Mai und der anschließenden Dividendenausschüttung am 10. Juni. Die quartalsweise ausgeschüttete Dividende kumuliert sich auf Jahresbasis zu einer Dividendenrendite von rund 0,7 % p. a.
Novartis – Dividendenstark
Das Pharmaunternehmen Novartis (WKN: 904278 | ISIN: CH0012005267 | Ticker-Symbol: NOT) präsentiert sich in 2026 bisher als verlässlicher Stabilitätsanker im europäischen Pharmasektor. Der Schweizer Konzern profitiert weiterhin von seinen etablierten Blockbustern Entresto (Herzinsuffizienz), Cosentyx (Autoimmunerkrankungen) und Kesimpta (Multiple Sklerose). Alle drei Medikamente lieferten ein organisches Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich ab. Die operative Marge des Unternehmens bleibt auf hohem Niveau, die durch Kostendisziplin des Managements und den strategischen Fokus auf innovative Medizinprodukte trotz des Sandoz-Spin-off erreicht werden konnte.
Besonders hervorzuheben ist Novartis im Vergleich zu Eli Lilly durch eine vergleichsweise hohe Dividendenrendite. Der Schweizer Pharmakonzern hat bei einem aktuellen Aktienkurs von ca. 124,00 EUR eine Dividendenrendite von rund 3,4 % p. a. Das macht ein Investment besonders für einkommensorientierte Investoren besonders attraktiv. Auch wenn das Unternehmen laut Management in 2026 und 2027 nur moderat wachsen soll, ist dieses Umsatzwachstum als nachhaltig einzustufen.

Fazit
Der Pharmasektor bietet für jeden Investorentypen unterschiedliche Investitionsmöglichkeiten. Während Vidac Pharma ein spekulativer Pionier mit innovativem Krebstheraphieansatz ist, punktet Eli Lilly mit starkem Wachstum bei seinen GLP-1-Präparaten. Nicht ganz so stark, aber mit einer starken Dividende überzeugt Novartis eher die einkommensorientierten Dividendenjäger.