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27.08.2026 | 05:45

Profitabler Wandel: Renditechancen in Krypto und Cleantech - Coinbase, RE Royalties, Strategy, Solaris Energy

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Bildquelle: Pixabay

Die globalen Kapitalmärkte werden derzeit von zwei dominierenden Makro-Trends getrieben. Dem regulatorisch gestützten Wiedererwachen des Krypto-Sektors und dem massiven, durch KI-Rechenzentren befeuerten Ausbau erneuerbarer Energien. Diese strukturellen Verschiebungen bieten Investoren enorme Renditechancen. Gleichzeitig erfordern anziehende Zentralbankzinsen und zunehmende Volatilität eine genaue Risikoanalyse. Wir betrachten drei börsennotierte Akteure, die mit lukrativen Lizenzmodellen und hochspekulativen Wetten die aktuellen Marktdynamiken gezielt hebeln wollen.

Lesezeit: ca. 6 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: US19260Q1076 , CA75527Q1081 , US83418M1036 , US5949724083


 

Coinbase-Aktie: Weckt die Bitcoin-Rally den schlafenden Krypto-Riesen?

Die Aktie von Coinbase (WKN: A2QP7J | ISIN: US19260Q1076 | Ticker: COIN) ist plötzlich wieder gefragt. Seit dem 19. August legte die Aktie rund 25 % zu und notierte zuletzt bei 185,00 USD. Trotzdem liegt sie seit Jahresbeginn 20 % und auf Sicht eines Jahres ca. 40 % im Minus, während die Marktkapitalisierung rund 49,4 Mrd. USD beträgt. Der wichtigste Kurstreiber der letzten Tage ist der Bitcoin. Die Kryptowährung stieg innerhalb weniger Tage um rund 25 % und erreichte zeitweise mehr als 80.000 USD. Rückenwind lieferten ein schwächerer USD, Anleiherückkäufe des US-Finanzministeriums und neue Hoffnungen auf klarere Kryptoregeln. Präsident Donald Trump drängt den Kongress auf die Verabschiedung des Clarity Act. Dieser soll festlegen, welche Digitalwerte als Wertpapiere oder Rohstoffe gelten und welche Behörde zuständig ist. Für Coinbase wäre mehr Rechtssicherheit ein wichtiger Vorteil.

Coinbase wurde 2012 gegründet und betreibt die größte regulierte Kryptobörse der USA. Das Unternehmen verdient vor allem an Handelsgebühren. Hinzu kommen Einnahmen aus der Verwahrung von Kryptowährungen, Staking, Stablecoins, Coinbase-One-Abonnements, Derivaten und Prognosemärkten. Langfristig will sich Coinbase zur „Everything Exchange“ entwickeln, auf der Kunden neben Kryptowährungen auch Aktien, Futures und weitere Finanzprodukte handeln können.

Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Gesamtumsatz um 9 % auf 7,18 Mrd. USD. Die Transaktionserlöse erreichten 4,06 Mrd. USD, während Abonnements und Dienstleistungen 2,83 Mrd. USD beisteuerten. Unter dem Strich verdiente Coinbase 1,26 Mrd. USD. Das bereinigte EBITDA lag bei 2,81 Mrd. USD. Das erste Halbjahr 2026 verlief dagegen schwächer. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 25 % auf 2,63 Mrd. USD. Gleichzeitig entstand ein Nettoverlust von 754 Mio. USD. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz gegenüber Q1 um 14 % auf 1,22 Mrd. USD. Die Transaktionserlöse gingen um 21 % auf 599 Mio. USD zurück. Dagegen sanken die Einnahmen aus Abonnements und Dienstleistungen nur um 5 % auf 555 Mio. USD und machten 48 % des Nettoumsatzes aus. Der Nettoverlust betrug 360 Mio. USD, das bereinigte EBITDA 208 Mio. USD.

Trotz der schwachen Zahlen gibt es Lichtblicke. Coinbase steigerte seinen Anteil am Kryptohandelsvolumen von 9,1 % auf den Rekordwert von 10,3 %. Die Erlöse und Kontrakte der Prognosemärkte wuchsen um 106 %. Zudem erreichte der durchschnittliche USDC-Bestand auf der Plattform mit 20 Mrd. USD einen Höchststand. Fundamental bleibt die Bewertung anspruchsvoll, denn bezogen auf den Umsatz von 2025 wird Coinbase mit knapp dem Siebenfachen des Jahresumsatzes bewertet.

Charttechnisch liegt die Aktie über der 20-Tage-Linie bei 157,36 USD, der 50-Tage-Linie bei 159,43 USD und der 100-Tage-Linie bei 172,61 USD. Die 200-Tage-Linie bei 197,23 USD bleibt jedoch eine wichtige Hürde für die weitere Aufwärtsbewegung. Coinbase ist damit eine spekulative Wette auf steigende Kryptokurse, höhere Handelsvolumen und mehr regulatorische Klarheit. Hält die Bitcoin-Rally an, könnte die Aktie wieder aus der Versenkung kommen.

RE Royalties: Hochprofitables Nischenmodell im Energiesektor

Der globale Energiebedarf erfährt durch KI-Rechenzentren und die fortlaufende Elektrifizierung der Welt einen anhaltenden Nachfrageschub. Gemäß der U.S. Energy Information Administration entfallen in diesem Jahr rund 93 % der neuen US-Stromkapazitäten auf erneuerbare Energien. In diesem Markt positioniert sich RE Royalties (WKN: A2PN0F | ISIN: CA75527Q1081 | Ticker-Symbol: Y2V) mit einem innovativen Finanzierungsansatz. Die Kanadier adaptieren das Royalty-Modell aus dem Bergbau, indem sie Entwicklern Kapital bereitstellen und im Gegenzug Umsatzbeteiligungen erhalten. Dadurch meidet der Konzern operative Risiken und erzielt langfristig gesicherte Rückflüsse.

Die Skalierbarkeit dieser Strategie beweist die jüngst erweiterte Kooperation mit dem amerikanischen Projektentwickler Solaris Energy (WKN: A2DHUS | ISIN: US83418M1036 | Ticker-Symbol: 68S). Mit einer neuen Tranche in Höhe von 1 Mio. USD stockte der Finanzierer sein bestehendes Engagement auf 4,8 Mio. USD auf. Gleichzeitig avisiert eine Absichtserklärung den Ausbau der Finanzierungen auf ein Volumen von bis zu 67,5 Mio. USD. Diese Pipeline umfasst 96 Solarprojekte mit einer Leistung von 190 Megawatt. Hierdurch sichert sich das Unternehmen über 25 Jahre sowie für die restliche Betriebsdauer hochgradig planbare Zahlungsströme ab.

Bislang flossen mehr als 82 Mio. CAD in ein diversifiziertes Portfolio aus über 130 Anlagen in den Bereichen Solar, Wind und Speicher. Abzüglich abgeschlossener Projekte erzielen derzeit 121 regelmäßige Rückflüsse via Royalties. Durch strukturierte Lizenzkäufe und besicherte Brückenfinanzierungen erwirtschaftet das eingesetzte Kapital eine Durchschnittsrendite von etwa 19 %. Anleger partizipieren an diesen attraktiven Einnahmen durch eine jährliche Dividende von 0,04 CAD, was beim aktuellen Kurs von 0,39 CAD (0,24 EUR) je Aktie einer Rendite von über 10 % im Jahr entspricht. Da die Einnahmen an den Bruttoumsatz der Betreiber gekoppelt sind, bleiben die eigenen Margen von Baukostensteigerungen verschont. Diese stetigen Cashflows werden hocheffizient reinvestiert und treiben das organische Wachstum weiter voran.

Die Marktkapitalisierung von ca. 17 Mio. CAD spiegelt den Wert des Portfolios kaum wider, daher prüft das Management zusammen mit PricewaterhouseCoopers die strategischen Optionen des Unternehmens. Die Szenarien reichen von neuen Partnerschaften bis hin zum Unternehmensverkauf. Letzteres könnte den Investoren eine lukrative Übernahmeprämie bescheren. Charttechnisch findet die Aktie durch die 200-Tage-Linie im Bereich von 0,34 CAD eine solide Unterstützung. Für ein prozyklisches Kaufsignal bedarf es eines nachhaltigen Ausbruchs über die Marke von 0,45 CAD. Bis dahin bietet der Titel risikobereiten Investoren ein fundamental untermauertes Chance-Risiko-Profil.

Strategy-Aktie: Wird die Bitcoin-Finanzierungswette zum Problem oder zum Hebel?

Die Strategy-Aktie (WKN: 722713 | ISIN: US5949724083 | Ticker: MSTR) ist seit Jahren keine gewöhnliche Software-Aktie mehr. Das Unternehmen hält Bitcoin und finanziert weitere Bitcoin-Käufe über die Ausgabe neuer Aktien, Wandelanleihen und hoch verzinste Vorzugsaktien. Der Erfolg hängt daher vom Bitcoin-Kurs und von günstiger Kapitalbeschaffung ab. 2025 funktionierte dieses Modell sehr stark. Strategy nahm 25,3 Mrd. USD auf und erreichte eine „BTC-Rendite“ von 22,8 %. Vereinfacht zeigt diese Kennzahl, wie stark der rechnerische Bitcoin-Bestand je vollständig verwässerter Aktie gestiegen ist. Mit Zinsen, Dividenden oder der tatsächlichen Aktienrendite hat sie nichts zu tun. Anfang Februar 2026 besaß Strategy 713.502 Bitcoin, die durchschnittlich 76.052 USD je Stück gekostet hatten.

Daneben betreibt Strategy weiterhin ein Geschäft mit Analyse-, Cloud- und KI-Software. Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz um 1,9 % auf 123 Mio. USD. Die wiederkehrenden Abonnementen-Erlöse legten sogar um 62,1 % zu. Allerdings sank die Bruttomarge von 71,7 % auf 66,1 %. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 11,9 % auf 124,3 Mio. USD. Wegen des fallenden Bitcoin-Kurses entstand dennoch ein Nettoverlust von 12,54 Mrd. USD. Bis Anfang Mai erhöhte Strategy seinen Bestand auf 818.334 Bitcoin. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 6,9 % auf 122,4 Mio. USD, während ein weiterer Nettoverlust von 8,22 Mrd. USD anfiel. Ende Juli lag der Marktwert der Bitcoin mit 54,77 Mrd. USD deutlich unter den Anschaffungskosten von 63,69 Mrd. USD. Positiv war die Reduzierung der Wandelanleihen um 18 % auf 6,7 Mrd. USD. Belastend sind dagegen die Vorzugsdividenden, die allein im zweiten Quartal 400,7 Mio. USD erreichten.

Ein zusätzliches Risiko sind die steigenden Zinsen am Anleihemarkt. Fünfjährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell mit rund 4,34 %, fünfjährige deutsche Bundesanleihen mit 2,93 %. Anleger erhalten damit bereits bei vergleichsweise sicheren Papieren attraktive Renditen und verlangen für riskantere Strategy-Wertpapiere einen höheren Aufschlag. Die EZB erhöhte ihre Leitzinsen im Juni bereits um 0,25 %, eine weitere Anhebung im September gilt als wahrscheinlich. Bei der Fed ist eine sofortige Erhöhung zwar nicht das Basisszenario, der Markt rechnet aber weiterhin mit mindestens einem Zinsschritt bis Jahresende. Das könnte neue Finanzierungen und spätere Refinanzierungen für Strategy verteuern.

Zuletzt verschob sich der Schwerpunkt deshalb stärker auf Liquidität. Strategy verkaufte erstmals Bitcoin, gab weitere MSTR-Aktien aus und erhöhte die USD-Reserve bis zum 24. August auf 5,10 Mrd. USD. Zusätzlich wurden 1,59 Mrd. USD als frei verfügbare Liquidität zurückgelegt und Vorzugsaktien für 136,4 Mio. USD zurückgekauft. Das Management will das Unternehmen wieder nahe an den Nennwert von 100 USD führen. Eine klassische Gewinnprognose für 2026 gibt es nicht.

Die Aktie des Unternehmens notiert bei rund 125 USD, was seit Jahresbeginn einem Minus von 21 % und auf Jahressicht von 65 % entspricht. Der Kurs liegt über der 20-Tage-Linie bei 101,30 USD und der 50-Tage-Linie bei 99,89 USD. Die nächsten Hürden liegen an der 100-Tage-Linie bei 127,34 USD und der 200-Tage-Linie bei 142,69 USD. Erst oberhalb beider Marken wäre der langfristige Abwärtstrend ernsthaft infrage gestellt.

Zusammenfassung

Coinbase profitiert als regulierte US-Kryptobörse von der Bitcoin-Rallye, bleibt jedoch aufgrund der Bewertung ein spekulatives Investment. RE Royalties generiert durch ein innovatives Lizenzmodell im Bereich der erneuerbaren Energien planbare Cashflows und eine zweistellige Dividendenrendite. Die kreditfinanzierte Bitcoin-Wette von Strategy bietet hohe Hebeleffekte, aber im aktuellen anziehenden Zinsumfeld dürfen Refinanzierungsrisiken nicht unterschlagen werden.



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