04.08.2026 | 05:45
Rohstoffunternehmen in Lauerstellung – BHP, Rio Tinto, Zefiro Methane
Megatrends wie die Energiewende und der Ausbau von KI-Rechenzentren dominieren nach wie vor das Börsengeschehen. Dieser Wandel erfordert massive Investitionen in kritische Rohstoffe und den Aufbau von Infrastruktur. Der folgende Bericht analysiert drei profitversprechende Unternehmen, die genau an diesen strukturellen Engpässen ansetzen. Ob als globaler Basisversorger für essenzielle Metalle mit ordentlicher Dividende oder als spezialisierter Problemlöser beim Sanieren alter und dem Bau neuer Energienetze – diese Aktien bieten Anlegern strategische Einstiegschancen in stark wachsende Milliardenmärkte. Lesen Sie jetzt, welche Werte langfristiges Potenzial versprechen.
Lesezeit: ca.
8 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
US7672041008 , CA98926D1069 , AU000000BHP4
Rio-Tinto-Aktie im Aufwind: Der Bergbauriese wird breiter und profitabler
Die Rio-Tinto-Aktie (WKN: 868009 | ISIN: US7672041008 | Ticker: RIO) zählt derzeit zu den stärkeren großen Rohstoffwerten. Seit Jahresbeginn liegt sie rund 19 % im Plus, auf 52-Wochen-Sicht sogar etwa 62 %. Die Marktkapitalisierung liegt zur Einordnung bei rund 164 Mrd. USD. Nach den am 28. Juli veröffentlichten Halbjahreszahlen legte der Kurs gegenüber dem vorherigen Schlusskurs nochmals mehr als 6 % zu. Die Aktie notiert zudem über ihrer 200-Tage-Linie, die bei ca. 68,20 USD verläuft.
Rio Tinto gehört zu den größten Bergbaukonzernen der Welt. Das Unternehmen fördert vor allem Eisenerz, Kupfer und Bauxit und verarbeitet daraus unter anderem Aluminium. Durch die 2025 abgeschlossene Übernahme von Arcadium Lithium ist der Konzern außerdem zu einem bedeutenden Lithiumanbieter geworden. Eisenerz wird hauptsächlich für die Stahlproduktion benötigt, während Kupfer und Aluminium für Stromnetze, Rechenzentren, Fahrzeuge und die Energiewende unverzichtbar sind. Lithium wiederum ist ein zentraler Rohstoff für Batterien.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 15 % auf 31,03 Mrd. USD. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 28 % auf 14,83 Mrd. USD zu. Der Nettogewinn erhöhte sich sogar um 47 % auf 6,66 Mrd. USD. Besonders überzeugend entwickelte sich der Cashflow. Aus dem laufenden Geschäft flossen 9,17 Mrd. USD zu, der freie Cashflow sprang um 75 % auf 3,83 Mrd. USD. Die Zwischendividende steigt deshalb um 43 % auf 2,11 USD je Aktie. Ein konzernweites Produktivitätsprogramm brachte nach Unternehmensangaben bereits Verbesserungen von 870 Mio. USD. Die Nettoverschuldung ging leicht auf 14,06 Mrd. USD zurück.
Der wichtigste Wachstumstreiber war Kupfer. Das operative Ergebnis dieses Bereichs kletterte um 84 % auf 5,71 Mrd. USD. Höhere Kupfer- und Goldpreise sowie der Ausbau der Mine Oyu Tolgoi in der Mongolei sorgten für Rückenwind. Kupfer, Aluminium und Lithium lieferten zusammen inzwischen mehr als die Hälfte des operativen Konzernergebnisses. Dadurch wird Rio Tinto etwas unabhängiger vom traditionellen Eisenerzgeschäft.
Auch dort lief es operativ ordentlich: Die Eisenerzproduktion in der australischen Pilbara-Region stieg um 6 % und erreichte den höchsten Halbjahreswert seit 2018. Dennoch sank das operative Ergebnis des gesamten Eisenerzbereichs leicht um 1 %. Höhere Dieselpreise, Inflation, der stärkere australische Dollar und steigende Investitionen belasteten. Bei der Iron Ore Company of Canada gingen die Verkäufe zudem um 19 % zurück. Auch die Bauxitproduktion sank um 7 %, während niedrigere Fördermengen bei Kennecott und Escondida das starke Kupferbild etwas eintrübten.
Für 2026 bestätigte Rio Tinto seine Produktionsziele. Wachstum sollen vor allem der weitere Hochlauf von Oyu Tolgoi, das neue Eisenerzprojekt Simandou in Guinea und mehrere Lithiumprojekte bringen. Die Chancen sind groß, allerdings sind hohe Investitionen, Projektrisiken und schwankende Rohstoffpreise wichtige Unsicherheitsfaktoren. Nach dem Kursanstieg sind die Erwartungen bereits gestiegen. Solange die Aktie über der 200-Tage-Linie bleibt und Rio Tinto seine Projekte planmäßig umsetzt, bleibt das Gesamtbild aber klar positiv, wenngleich im volatilen Rohstoffmarkt auch immer wieder Kursrücksetzer einzukalkulieren sind.
Zefiro Methane: Eine Lösung für den Infrastruktur-Engpass der KI-Ära
Zefiro Methane (WKN: A3DVHU | ISIN: CA98926D1069 | Ticker-Symbol: Y6B) hat sich in einem Markt positioniert, der weniger von Konjunkturzyklen, aber dafür mehr von Regulierung in der Energiepolitik geprägt ist. Zusätzlich wächst die Nachfrage nach der Unternehmensdienstleistung durch einen signifikanten infrastrukturellen Investitionsstau. Der Kern des Unternehmens liegt auf der fachmännischen Versiegelung von stillgelegten und verwaisten Öl- und Gasbohrungen in den USA. Dieser vermeintliche Nischenmarkt ist dabei größer, als viele annehmen. Allein in den USA werden rund 2 Mio. nicht ordnungsgemäß verschlossene Onshore-Bohrlöcher vermutet und die nötigen Sanierungskosten werden auf etwa 280 Mrd. USD geschätzt.
Hinzu kommen laut dem Analysehaus GBC weitere rund 1,2 Mio. undokumentierte Bohrungen, die den Bedarf noch weiter erhöhen dürften. Damit ist eins klar: Auch wenn der Staat der USA und einzelne Bundesstaaten die Verschließung von aufgegebenen Bohrlöchern fördern, ist dies nicht mehr als eine Anschubfinanzierung. Für Investoren ist daher entscheidend, ob Zefiro Methane sich in diesem Wachstumsmarkt als Platzhirsch etablieren und nach den ersten Unternehmenszukäufen dieses Wachstum in nachhaltige Cashflows entwickeln kann.
Operativ setzt das Unternehmen auf eine integrierte Plattform über Tochtergesellschaften wie Plants & Goodwin und Appalachian Well Surveys, die von der Methanmessung über die Planung bis zur Zementierung, Stilllegung und Rekultivierung wesentliche Schritte der nachhaltigen Verschließung von Bohrlöchern abdeckt. Diese vertikale Integration ist in einem derzeit noch stark fragmentierten Dienstleistungsmarkt ein Wettbewerbsvorteil, weil sie Schnittstellenrisiken und Projektlaufzeiten für die Auftraggeber reduzieren kann. Um das Unternehmenswachstum weiter zu forcieren, wurde zuletzt der Kapazitätsausbau über den Erwerb von fünf Bohranlagen samt Equipment (Viking Well Service) umgesetzt. Damit soll die jährliche Umsatzkapazität nach Unternehmensangaben um rund 10 Mio. USD erhöht werden und unterstützt zudem die Expansion auf nunmehr 13 US-Bundesstaaten. Parallel gewinnt das Thema Methanreduktion an politischem Gewicht, was den Bedarf an mess- und nachweisbaren Emissionsminderungen erhöht.
Finanziell verweisen die jüngsten Unternehmenskennzahlen auf eine Trendwende, die der Markt nun langsam anfängt einzupreisen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz laut GBC um 35,8 % auf 33,19 Mio. USD, während sich das EBITDA auf 3,10 Mio. USD nach -5,52 Mio. USD verbesserte. Auch wurde ein positiver operativer Cashflow von 4,12 Mio. USD ausgewiesen und die bisherige Verschuldungshöhe reduziert. Für 2025/26 erwartet GBC 45,18 Mio. USD Umsatz und 3,73 Mio. USD EBITDA, für 2026/27 57,92 Mio. USD Umsatz und 10,02 Mio. USD EBITDA – Zahlen, die eine deutliche operative Hebelwirkung unterstellen, sobald die neuen Produktionsmittel und das Personal voll ausgelastet sind.
Makroökonomisch kommt ein zweiter Treiber hinzu, der Zefiro von einem „Umweltdienstleister“ zu einem Vorreiter für den Infrastrukturausbau macht. So müssen die Energieversorger an Standorten für KI-Rechenzentren die Stromversorgungen ausbauen und sicherstellen. Bevor neue Kraftwerke, Netzanbindungen oder Hyperscale-Projekte realisiert werden, müssen erst einmal Altlasten auf Flächen beseitigt werden. Das betrifft auch verwaiste Bohrungen, die sonst zu Genehmigungsverzögerungen führen und damit ein Bauzeitenrisiko auslösen. Zefiro nennt hierfür bereits operative Referenzen, etwa die Sanierung von neun Bohrlöchern in Pennsylvania. Dies dient zur Vorbereitung der Umrüstung eines Kohlekraftwerks auf Gas für die Energienachfrage eines Rechenzentrums. Ebenso verweist das Unternehmen auf ein ähnlich gelagertes Projekt in Louisiana über 5 Mio. USD, das sogar drei Wochen vor Plan abgeschlossen werden konnte.
Zusätzlich kann das Carbon-Credit-Geschäft zur Margenstärkung zukünftig beitragen. GBC sieht hier ab der zweiten Hälfte 2026/27 einen möglichen Ergebnisimpuls. In Summe ist Zefiro eine Wette auf einen strukturell wachsenden Markt – der mit dem Rückenwind aus Regulierung und dem Investitionszyklus rund um Energienetze und Rechenzentren auch den typischen Skalierungs- und Finanzierungsrisiken eines Small Cap ausgesetzt ist.
BHP-Aktie in Lauerstellung: Kupfer wird zum neuen Gewinnmotor
Die BHP-Aktie (WKN: 850524 | ISIN: AU000000BHP4 | Ticker: BHP) hat ein starkes erstes Börsenhalbjahr hinter sich. Seit Jahresbeginn liegt sie rund 31 % im Plus, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 53 %. Bei einem Kurs von etwa 60,70 AUD erreicht der australische Bergbaukonzern einen Börsenwert von rund 306 Mrd. AUD beziehungsweise 213 Mrd. USD. Nach dem kräftigen Anstieg bewegt sich der Kurs seit knapp 80 Tagen seitwärts.
Das Geschäftsmodell von BHP ist grundsätzlich einfach: Der Konzern fördert Rohstoffe in großen Minen, bereitet sie auf und verkauft sie an Industrieunternehmen weltweit. Eisenerz und Kokskohle werden vor allem für die Stahlproduktion benötigt. Kupfer fließt unter anderem in Stromnetze, Fahrzeuge, Rechenzentren und erneuerbare Energien. Künftig soll außerdem Kali aus Kanada hinzukommen, das als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Wie viel BHP verdient, hängt deshalb stark von Fördermengen, Produktionskosten und den jeweiligen Rohstoffpreisen ab. Bei den Berichten ist eine Besonderheit wichtig: Das Geschäftsjahr von BHP läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Der am 16. Juli veröffentlichte operative Jahresbericht zeigte bereits, wie viel BHP im Geschäftsjahr 2026 produziert und zu welchen Preisen verkauft hat. Er enthielt aber noch keine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung. Die kompletten Finanzzahlen mit Umsatz, Gewinn und Cashflow folgen erst am 18. August.
Operativ verlief das abgeschlossene Geschäftsjahr solide. BHP produzierte 1,953 Mio. Tonnen Kupfer, 3 % weniger als im Vorjahr, aber das zweite Jahr in Folge annähernd 2 Mio. Tonnen. Die Eisenerzproduktion stieg um 1 % auf den Rekordwert von 264,7 Mio. Tonnen. Der durchschnittlich erzielte Kupferpreis erhöhte sich um 35 % auf 5,74 USD je Pfund, während der Eisenerzpreis um 3 % zulegte. Die bislang jüngsten vollständigen Finanzdaten sind daher die im Februar veröffentlichten Halbjahreszahlen. Sie betreffen den Zeitraum von Juli bis Dezember 2025, also die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2026. Der Umsatz stieg um 11 % auf 27,9 Mrd. USD, das bereinigte EBITDA um 25 % auf 15,5 Mrd. USD. Die Marge erreichte 58,4 %, der bereinigte Gewinn legte um 22 % auf 6,2 Mrd. USD zu. Erstmals steuerte Kupfer mit 51 % mehr als die Hälfte des operativen Ergebnisses bei. Der freie Cashflow betrug 2,9 Mrd. USD, die Zwischendividende 0,73 USD je Aktie.
Langfristig investiert BHP in weitere Kupferprojekte und das Kali-Projekt Jansen. Dieses war Ende Juni zu 84 % fertig und soll Mitte 2027 in Produktion gehen. Allerdings sind die Kosten der ersten Ausbaustufe auf 8,4 Mrd. USD gestiegen. BHP kündigte deshalb eine Wertminderung von rund 2,3 Mrd. USD an. Ein weiterer Schwachpunkt: Für 2027 erwartet BHP wegen niedrigerer Erzgehalte in der Escondida-Mine nur noch 1,65 bis 1,80 Mio. Tonnen Kupfer.
Charttechnisch liegt die Aktie über der 20-, 100- und 200-Tage-Linie, aber knapp unter der 50-Tage-Linie. Ein nachhaltiger Ausbruch über 61 bis 62 AUD könnte die Konsolidierung beenden. Zunächst dürften jedoch die vollständigen Geschäftszahlen am 18. August den nächsten wichtigen Impuls liefern. Dann wird sichtbar, wie stark die höheren Kupferpreise im Gesamtjahr durchgeschlagen haben.
Zusammenfassung
Rio Tinto steigert den freien Cashflow durch ein starkes Kupfergeschäft massiv um 75 %. Zefiro Methane erhöht den Umsatz deutlich, u. a. auch durch die Versiegelung alter Bohrlöcher für KI-Rechenzentren. BHP verzeichnete einen deutlichen Margenanstieg, wobei Kupfer inzwischen über die Hälfte des Konzerngewinns liefert.