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04.03.2020 | 05:45

Schlimmer als Finanzkrise 2008/2009 - Massivster Einbruch von China’s Wirtschaft

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In China sind sowohl der PMI (Einkaufsmanagerindex) für das nichtverarbeitenden Gewerbe als auch der PMI für das verarbeitende Gewerbe auf historische Tiefststände zusammengebrochen, was zeigt, in welchem Ausmaß die Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronaviruses die Wirtschaft zum Erliegen gebracht haben. Die Auswirkungen für den Welthandel sind noch nicht abzuschätzen aber die Katastrophe fassen diese Kennzahlen zusammen:

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Stefan Bode


 

Einkaufsmanagerindizes brechen ein

Der Einkaufsmanagerindizes (PMI – Purchasing Manager Index) ist ein Indikator dafür, wie Führungskräfte ihr eigenes Unternehmen sehen - ob die Geschäftstätigkeit in ihrem Unternehmen im Vergleich zum Vormonat gestiegen oder gefallen ist, ob die Auftragseingänge gestiegen oder gefallen sind, ob sie Personal aufgenommen oder abgebaut haben usw.. Die dabei befragten Führungskräfte und ihre Unternehmen bleiben ungenannt. Ein Wert über 50 bedeutet Expansion (Ausweitung); ein Wert unter 50 bedeutet Kontraktion (Schrumpfung). Die PMIs sind daher ein frühes Anzeichen für die Geschäftslage - und damit auch für die jeweilige Wirtschaft. (Hinweis: In Deutschland beauftragt z.B. das bekannte Münchner IFO-Institut diese Befragung für die deutsche Wirtschaft). Die PMI für China‘s nicht-verarbeitende und verarbeitende Gewerbe zeigen, in welch unergründlichem Ausmaß die Wirtschaft zusammengebrochen ist.

NICHTPRODUZIERENDE TÄTIGKEIT BRICHT ZUSAMMEN

Der offizielle PMI für das nichtproduzierende Gewerbe, der vom Nationalen Statistikamt von China veröffentlicht wurde, brach von 54,1 im Januar 2020 (immer noch im Expansionsmodus) auf einen zuvor unvorstellbaren Tiefstand von 29,6 im Februar ein. Die horizontale schwarze Linie bei 50 in der Grafik zeigt die Grenzlinie und damit Stagnation an. Unterhalb von 50 bedeutet Kontraktion. Die Veröffentlichung der Statistischen Daten erfolgt seit 2007 und seitdem ist Chinas nicht-verarbeitender Sektor jeden einzelnen Monat gewachsen. Bis zum Februar 2020 und den Eindämmungsmaßnahmen des Coronavirus:

Der PMI des nichtverarbeitenden Gewerbes umfasst neben dem Dienstleistungssektor auch den Einzelhandel und das Baugewerbe. Hier sind einige weitere Besonderheiten:

Die Auftragseingänge sind von 50,6 auf 26,5 Prozent und die Exportaufträge von 48,4 auf 26,8 Prozent gesunken. Der Beschäftigungsindex fiel von 48,6 auf 37,9 Prozent und die Erwartungen an die zukünftigen Geschäftsentwicklung ging von 59,6 Prozent im Januar auf 40 Prozent im Februar zurück.

Zusammenbruch der Produktion – schlimmer als erwartet

Der PMI für des verarbeitenden Gewerbe schwankt bereits seit Nov. 2018 um die Stagnationslinie von 50 Prozent war in den letzten 16 Monaten nur 4 Monate leicht oberhalb dieser Linie. Im Januar 2020 lag der Wert bei 50 und bedeutet Stagnation in der chinesischen Produktion. Im Februar brach dieser Wert jedoch auf unvorstellbaren 35,7 Prozent ein:

Aber es ist noch schlimmer, als es aussieht, denn der Index wurde nach oben verzerrt, weil ein Subindex, die "Lieferzeiten der Lieferanten", in die Berechnung des PMI aufgenommen wurde.

Der Haupt-PMI basiert dabei auf einer Reihe von Subindizes. Einer davon ist die "Lieferzeit der Lieferanten", der ca. 15% des PMI ausmacht. Wenn die Lieferzeiten der Lieferanten steigen, ist das normalerweise ein Zeichen für die Stärkung der Bedingungen im Fertigungssektor: Es besteht eine große Nachfrage, und die Lieferanten haben Mühe, diese Nachfrage zu befriedigen. Längere Lieferzeiten tragen also zum Wert des PMI-Schlagwortindex bei.

Aber diesmal stiegen die Lieferzeiten der Zulieferer, weil das Transportsystem teilweise stillgelegt wurde, Reiseverbote verhängt wurden, ganze Städte gesperrt wurden und damit viele Zulieferbetriebe stillgelegt wurden. Da die Lieferketten der Hersteller unterbrochen wurden, hatten folglich die Fabriken Schwierigkeiten, Komponenten und Zubehör zu bekommen.

Ohne diese Verzerrungen wäre der PMI-Index für das verarbeitende Gewerbe auf ca. 33 gesunken, wenn der Index der Lieferzeiten der Zulieferer nicht angestiegen, sondern auf dem Stand vom Januar geblieben wäre.

Katastrophe für den Welthandel

Auch der Subindex für Exportaufträge des produzierenden/verarbeitenden Gewerbes brach von 48,7 auf 28,7 Prozent ein:
Dieser Einbruch des PMI für das nichtverarbeitende Gewerbe und des PMI für das verarbeitende Gewerbe zeigt das verwirrende Ausmaß, in dem Chinas Wirtschaft im Februar durch die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gestört wurde.
Doch wenn die Werkbank der Welt nicht produziert, so wird der Nachschub innerhalb des Welthandels deutlich gestört werden, deren Auswirkungen durch Lieferengpässe auch in der westlichen Welt zu spüren sein werden.


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