29.05.2026 | 05:45
Wandel durch Handel - First Hydrogen, Schaeffler, Ströer
Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verweilt derzeit mit einer Wirtschaftsdelegation zu politischen Gesprächen in der chinesischen Hauptstadt Peking und fliegt anschließend in die südchinesische Industriemetropole Guangzhou. Sie fordert für deutsche Unternehmen faire Wettbewerbsbedingungen vor Ort, denn China subventioniert z. B. chinesische Unternehmen in Branchen wie Stahl, Chemieprodukte und Solarpaneelen. Das führt zu massiven Wettbewerbsverzerrungen, die seitens der Delegation mit dem chinesischen Wirtschaftsminister besprochen werden sollen. Ob es hier zu Veränderungen kommen wird, ist mehr als fraglich, aber bei diesen Unternehmen hat der Wandel schon stattgefunden:
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE0007493991 , CA32057N1042 , DE000SHA0100
Ströer - Chartbild verbessert sich aber
Die Aktie von Ströer SE & Co. KGaA (WKN: 749399 | ISIN: DE0007493991 | Ticker: SAX) konnte seit dem 23. März 2026 wieder deutlich zulegen und stieg um mehr als 32 % an. Damit rückt der Kölner Medien- und Außenwerbekonzern wieder stärker in den Fokus der Anleger. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen wieder bei über 2,1 Mrd. EUR. Charttechnisch hat sich das Bild nach der impulsiven Aufwärtsbewegung wieder spürbar verbessert. Nach einem seit Mai 2024 andauernden Abwärtstrend konnte sich die Aktie wieder erholen und schloss die letzten Tage oberhalb der wichtigen 200-Tage-Linie. Aktuell notiert die Aktie im Bereich von rund 38 EUR. Wirklich bullisher würde das Bild aber erst aussehen, wenn der Kurs nachhaltig über die Widerstandsmarke von 40,30 EUR steigen und sich darüber auch halten könnte. Dann wäre der jüngste Anstieg nicht nur eine kurze technische Gegenbewegung, sondern möglicherweise der Beginn einer stärkeren Trendwende. Genau das muss die Aktie aber erst beweisen.
Fundamental zeigt sich bei Ströer ein solides, aber nicht besonders dynamisches Bild. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 2,08 Mrd. EUR nach 2,05 Mrd. EUR im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag mit 625,9 Mio. EUR nahezu auf dem Niveau von 2024. Gleichzeitig ging das Konzernergebnis von 147,5 Mio. EUR auf 140,0 Mio. EUR zurück. Auch der freie Cashflow vor M&A fiel von 360,8 Mio. EUR auf 317,8 Mio. EUR. Ströer ist damit weiterhin profitabel und cashflow-stark, aber ein klarer Gewinnsprung war 2025 nicht zu sehen.
Auch die Bilanz wirkt stabiler, aber nicht spektakulär. Das Eigenkapital stieg leicht von 476,6 Mio. EUR auf 491,5 Mio. EUR. Positiv ist außerdem, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten deutlich von 856,6 Mio. EUR auf 711,9 Mio. EUR zurückgingen. Die langfristigen Verbindlichkeiten stiegen dagegen von 1,55 Mrd. EUR auf 1,60 Mrd. EUR. Im ersten Quartal 2026 zeigte Ströer beim Umsatz wieder Wachstum. Die Erlöse stiegen von 475,5 Mio. EUR auf 495,6 Mio. EUR. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich leicht von 117,4 Mio. EUR auf 119,3 Mio. EUR. Das berichtete Konzernergebnis fiel jedoch von 12,7 Mio. EUR auf 8,8 Mio. EUR. Der freie Cashflow vor M&A verbesserte sich dagegen deutlich von 21,4 Mio. EUR auf 47,4 Mio. EUR.
Der stärkste Bereich bleibt weiterhin das Außenwerbegeschäft. Im Segment OoH Media stieg der Umsatz im ersten Quartal um 5,4 % auf 221,0 Mio. EUR. Besonders stark entwickelte sich die digitale Außenwerbung. DooH legte um 12,0 % zu. Auch das bereinigte EBITDA in diesem Segment stieg um 11,9 % auf 96,6 Mio. EUR, so dass sich die Marge auf 43,7 % verbesserte. Genau hier liegt die wichtigste Wachstumsstory von Ströer. Schwächer sieht es dagegen in anderen Bereichen aus. Digital & Dialog wuchs zwar beim Umsatz, die Marge ging aber zurück. DaaS & E-Commerce stand noch deutlicher unter Druck. Der Umsatz fiel hier um 13,5 % und das bereinigte EBITDA halbierte sich fast. Insgesamt bleibt Ströer ein profitables Unternehmen mit starkem Cashflow und einem interessanten digitalen Außenwerbegeschäft. Der Kurssprung der letzten Tage verbessert das Chartbild deutlich, aber entscheidend wird jetzt, ob die Aktie die 40-EUR-Marke nachhaltig zurückerobern kann.
First Hydrogen mit strategischer Neuausrichtung
Das kanadische Unternehmen First Hydrogen (WKN: A3C40W | ISIN: CA32057N1042 | Ticker-Symbol: FIT) hat im Mai 2026 maßgebliche strategische Schritte unternommen, um sich im rasant wachsenden Sektor der unbemannten Bodenfahrzeuge (Unmanned Ground Vehicles - UGV) und der zugehörigen Robotik zu positionieren. Allein der Robotikmarkt soll laut Mordor Intelligence von 88,3 Mrd. USD in 2026 auf 218,6 Mrd. USD bis 2032 ansteigen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von über 16 %. Wie das Unternehmen Anfang des Monats bekannt gab, wurde für das neue Marktsegment ein hochspezialisiertes Entwicklerteam zusammengestellt, das sich auf die Konstruktion und die Perfektionierung mobiler, KI-gesteuerter Bodendrohnen konzentriert. Durch die Neuausrichtung setzt das Management auf den nächsten zukunftsorientierten und wachstumsstarken Sektor. Um in diesem dynamischen Markt bestehen zu können, will das Unternehmen die notwendigen strukturellen Voraussetzungen inkl. Kapazitätsaufbau zeitnah weiter umsetzen.
Damit erweitert das Unternehmen sein bisher angestammtes Kerngeschäft der leichten Nutzfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb um einen margenträchtigen und skalierbaren neuen Markt. Die Integration von künstlicher Intelligenz in die Steuerungssysteme der UGVs verspricht eine deutliche Steigerung der Autonomie innerhalb der am Boden und/oder in Industriehallen operierenden Drohnen. Diese sollen insbesondere für sicherheitskritische und komplexe industrielle Anwendungen eingesetzt werden. Besonders in Arbeitsbereichen, bei denen Präzision und Ausfallsicherheit oberste Priorität haben, soll der Entwicklungsfokus liegen. Nur wenige Wochen nach der Formierung des neuen Robotik-Teams hat First Hydrogen Mitte Mai einen weiteren Meilenstein vermelden können.
Das Unternehmen konnte nicht nur den erfolgreichen Abschluss der finalen Konzeption verkünden, sondern auch die umfassende Sicherung der geistigen Eigentumsrechte für die gesamte Bodendrohnen-Mobilitätsplattform. Aus dem Blickwinkel der langfristigen Betrachtung ist dieser formelle Schritt essenziell, um die neu entwickelten Kerntechnologien vor potenzieller Nachahmung zu schützen. Gleichzeitig baut das Unternehmen mit dem erteilten Patentschutz einen wirtschaftlichen Burggraben gegenüber den globalen Mitbewerbern auf. Die geschützten Designs umfassen u. a. technologische Optimierungen, die sich insbesondere durch neuartige amphibische Fähigkeiten und den Einsatz von achtgelenkigen Beinstrukturen auszeichnen. Diese spezifischen Konstruktionsmerkmale ermöglichen eine bis dato unerreichte Geländegängigkeit. Damit wären die Bodendrohnen prädestiniert für äußerst anspruchsvolle Einsatzszenarien in extremen oder schwer zugänglichen Umgebungen.
Durch diesen Patentschutz sichert sich First Hydrogen die exklusiven globalen Vermarktungsrechte und schafft gleichzeitig die Voraussetzung für zukünftige Lizenzierungsmodelle oder mögliche Kooperationsvereinbarungen. Mit Fokus auf die globale Verteidigungsindustrie, die industrielle Automatisierung und Spezialsektoren wie den Katastrophenschutz setzt das Unternehmen auf die Wachstumsmärkte der nächsten Jahre.
Schaeffler-Aktie nimmt Fahrt auf – 10-EUR-Marke übersprungen
Die Aktie der Schaeffler AG (WKN: SHA010 | ISIN: DE000SHA0100 | Ticker: SHA0) zeigt sich weiterhin stark. Am Dienstag, den 26.05.2026, konnte die 10-EUR-Marke übersprungen werden, und das führt am Mittwoch zu starken Anschlusskäufen. Im Zuge dessen stieg die Aktie in der Spitze um weitere 16 % und erreichte kurzzeitig die 11,62 EUR, ehe erste Gewinnmitnahmen den Kurs wieder Richtung 11 EUR drückten.
Der Börsenwert des deutschen Automobil- und Industriezulieferers stieg zuletzt wieder auf 9,5 Mrd. Euro an. Seit Jahresanfang steht die Aktie rund 31 % im Plus, auf Sicht von 52 Wochen sogar rund 161 %. Das zeigt, wie stark die Erholung bereits ausgefallen ist. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass die Aktie zuvor fast acht lange Jahre unterhalb der 10-EUR-Marke notierte und zeitweise sogar zu 3,16 EUR zu kaufen war. Befeuert wurde der letzte Anstieg auch von der Unternehmensneuigkeit, mit dem Satellitenunternehmen Sphire Global ein Subsystem für Raumfahrthardware, Satellitenplattformen sowie fortschrittliche Hochfrequenz- und Umweltsensorik zu entwickeln. Das bietet Investoren die Phantasie eines neuen Wachstumsmarktes für die Herzogenauracher, nachdem die Automobilbranche in einer tiefgreifenden Absatzkrise steckt. Ob im Zuge dessen die alten Hochs im Bereich von rund 16 EUR gleich erreicht werden können, bleibt abzuwarten.
Fundamental ist das Bild zurzeit noch gemischt. Im ersten Quartal 2026 erzielte Schaeffler einen Umsatz von 5,76 Mrd. EUR, nach 5,92 Mrd. EUR im Vorjahresquartal. Das entspricht einem Rückgang von 2,7 %. Währungsbereinigt lag der Umsatz jedoch leicht im Plus. Das EBIT verbesserte sich leicht von 263 Mio. EUR auf 270 Mio. EUR, während das Nettoergebnis von 83 Mio. EUR auf 60 Mio. EUR fiel. Die operative Marge vor Sondereffekten lag bei 5,0 % und damit etwas über dem Vorjahreswert von 4,7 %.
Beim Cashflow sieht man jedoch, dass bisher nicht alles rundläuft. Der operative Cashflow sank im ersten Quartal von 124 Mio. EUR auf 60 Mio. EUR. Gleichzeitig blieb der freie Cashflow vor M&A-Effekten mit minus 209 Mio. EUR negativ, was das Unternehmen selbst auch mit saisonalen Faktoren erklärt. Positiv sieht es bei den liquiden Mitteln aus, denn diese lagen Ende März 2026 bei 2,17 Mrd. EUR und damit deutlich über den 1,09 Mrd. EUR ein Jahr zuvor. Auch die Bilanz wirkt kurzfristig deutlich solider. Die kurzfristigen Vermögenswerte lagen Ende März 2026 bei 11,12 Mrd. EUR, während die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit 8,39 Mrd. EUR insgesamt 2,73 Mrd. EUR niedriger lagen.
Fazit
Ströer erholt sich charttechnisch stark und bleibt sehr profitabel. Wichtigster Wachstumstreiber ist die renditestarke digitale Außenwerbung. First Hydrogen expandiert in den Zukunftsmarkt für KI-Bodendrohnen. Umfassende Patente für die neue Plattform sollen einen Burggraben gegen den Wettbewerb aufbauen. Schaeffler erobert die 10-EUR-Marke am Markt eindrucksvoll zurück. Trotz gemischter Q1-Zahlen weckt die Raumfahrt-Kooperation mit Sphire Global neue Phantasie.