23.07.2026 | 05:45
Wertvollstes Unternehmen, Unterbewertung und Trendwende voraus? ASML, BASF, Desert Gold
Das aktuelle Börsenumfeld ist trotz des Krieges in der Ukraine und im Iran nach wie vor bullisch gestimmt und es finden sich immer wieder Unternehmen, die sich als aussichtsreiche Kandidaten für die nächste Investition präsentieren. Dieser Bericht analysiert drei aussichtsreiche Werte aus drei unterschiedlichen Sektoren. Zum einen ist das ein europäischer Technologiegigant, der durch seine Monopolstellung die Billionen-Bewertung anvisiert. Zum anderen ein stark unterbewerteter Gold-Explorer, der unmittelbar vor dem lukrativen Sprung zum Produzenten steht. Des Weiteren beleuchten wir einen Chemie-Weltmarktführer, dessen jüngste operative Gewinnsprünge eine echte Trendwende einläuten könnten. Entdecken Sie jetzt die Potenziale dieser Aktien:
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
NL0010273215 , CA25039N4084 , DE000BASF111
ASML-Aktie: Greift Europas wertvollster Konzern nach der Billionen-Bewertung?
Die ASML-Aktie (WKN: A1J4U4 | ISIN: NL0010273215 | Ticker: ASML) ist seit Jahresbeginn um rund 59 % gestiegen, auf 52-Wochen-Sicht beträgt das Plus sogar etwa 151 %. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 609 Mrd. EUR beziehungsweise knapp 700 Mrd. USD ist der niederländische Konzern das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas und zählt weltweit zu den Top 25. Damit reiht sich ASML unmittelbar hinter AMD und knapp vor Visa ein. Auch Konzerne wie Exxon Mobil und Johnson & Johnson weisen inzwischen einen niedrigeren Börsenwert auf.
Die Kursrallye wird durch starke operative Zahlen gestützt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 21 % auf 9,33 Mrd. EUR. Der Nettogewinn legte um rund 27 % auf 2,92 Mrd. EUR zu, während die Bruttomarge von 53,7 auf 54,0 % kletterte. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit der installierten Maschinenbasis: Der Umsatz erreichte 2,76 Mrd. EUR und lag damit rund 300 Mio. EUR über der eigenen Erwartung. Noch gewichtiger ist der deutlich optimistischere Ausblick. Für das Gesamtjahr erwartet ASML nun 43 bis 45 Mrd. EUR Umsatz und eine Bruttomarge von 54 bis 56 %. Nach dem ersten Quartal hatte der Konzern lediglich 36 bis 40 Mrd. EUR Umsatz sowie 51 bis 53 % Marge prognostiziert. Im dritten Quartal sollen bereits 11 bis 12 Mrd. EUR erlöst werden.
ASML profitiert von einer außergewöhnlichen Marktstellung. Das Unternehmen ist der einzige Anbieter von EUV-Lithografieanlagen, die für die Produktion modernster Logik- und Speicherchips unverzichtbar sind. 2026 will ASML rund 65 Low-NA-EUV-Systeme ausliefern; der EUV-Umsatz soll um etwa 45 % wachsen. Im Speichergeschäft rechnet das Management sogar mit 75 % Wachstum. Für 2027 ist eine Erhöhung der EUV-Kapazität um rund 30 % geplant, wobei die benötigten Bestellungen bereits nahezu vollständig vorliegen. Für 2028 wird ein weiterer Ausbau um 30 % geprüft. Zudem setzt Intel High-NA inzwischen in der Produktion ein – ein essenzieller technologischer Reifegradnachweis.
Die Billionen-Marke ist damit nicht unrealistisch. Beim aktuellen Wechselkurs müsste ASML dafür einen Börsenwert von rund 875 Mrd. EUR beziehungsweise einen Aktienkurs von etwa 2.260 EUR erreichen. Ausgehend vom aktuellen Kurs von rund 1.575 EUR wäre dafür ein Anstieg um knapp 44 % erforderlich. UBS liegt mit einem Kursziel von 2.250 EUR nahezu an dieser Schwelle, während JPMorgan mit 2.100 EUR weiterhin rund 33 % Kurspotenzial sieht. Kepler Cheuvreux nennt 2.300 EUR, Barclays 2.400 EUR und Bernstein sogar 2.500 EUR. Alle fünf Häuser empfehlen die ASML-Aktie zum Kauf.
Die Risiken bleiben dennoch erheblich. Mit einem erwarteten KGV von rund 38 für 2027 ist die ASML-Aktie bereits anspruchsvoll bewertet. Eine Abkühlung der KI-Investitionen, Probleme beim Kapazitätsausbau oder strengere Exportregeln könnten den Kurs daher empfindlich treffen. China dürfte 2026 rund 20 % des Umsatzes ausmachen. ASML besitzt einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil – doch auf dem Weg zur Billion muss der Konzern seine ambitionierten Erwartungen nahezu fehlerfrei erfüllen, denn nur die kleinsten Abweichungen werden vom Markt derzeit knallhart abgestraft, wie das Beispiel IBM zuletzt erst zeigte.
Desert Gold: Vom Explorer zum Produzenten im Goldbullenmarkt
Inmitten eines makroökonomischen Umfelds, in dem geopolitische Spannungen den Goldpreis nach wie vor über der 4.000-USD-pro-Unze-Marke gehalten haben, vollzieht der Goldexplorer Desert Gold (WKN: A14X09 | ISIN: CA25039N4084 | Ticker-Symbol: QXR2) einen fundamentalen Wandel. Das Unternehmen transformiert sich auf seinem westafrikanischen SMSZ-Projekt vom reinen Explorationsunternehmen zum aktiven Produzenten. Der geplante Start der Oxid-Goldproduktion im laufenden dritten Quartal markiert dabei den operativen Wendepunkt. Die logistischen Weichen für diesen Meilenstein sind längst gestellt. Die bestellte Schwerkraftanlage ist bereits im Hafen von Dakar angekommen und nun auf dem Landweg unterwegs zur Mine. Unterstützt wurde die Transformation durch eine überzeichnete Kapitalerhöhung im Frühjahr 2026 in Höhe von 7,18 Mio. CAD, welche den Sprung in die Cashflow-Generierung finanziell abgesichert hat.
Trotz der greifbaren Fortschritte spiegelt der aktuelle Börsenwert von lediglich 27 Mio. EUR respektive 43 Mio. CAD die kommende Ertragskraft des Unternehmens bisher nicht wider. Die jüngste Wirtschaftlichkeitsstudie des Unternehmens zeigt bei einem aktuellen Goldpreis von 4.100 USD einen attraktiven Nachsteuer-Kapitalwert von 124 Mio. USD. Der zugehörige interne Zinsfuß von 101 % lässt die massive Diskrepanz zur aktuellen Marktkapitalisierung erahnen. Aktuell wird das Unternehmen mit extrem niedrigen 9 USD pro Unze Gold im Boden bewertet, während branchenübliche Übernahmeprämien historisch zwischen 66 USD und über 100 USD lagen. Um die Effizienz der Produktion nach und nach zu steigern und den kommenden Cashflow größtmöglich in den Minenausbau fließen zu lassen, hat das Management zuletzt eine noch stringentere Kostendisziplin implementiert und auch das Reporting auf einen halbjährlichen Turnus umgestellt.
Neben der anstehenden Goldproduktion forciert das Management parallel das organische Wachstum durch ein 4.250-Meter-Bohrprogramm. Erste Ergebnisse zeigten bereits exzellente Abschnitte von 12,41 Gramm Gold pro Tonne über 45 Meter. Zusätzliche Phantasie bietet das vielversprechende Tiegba-Projekt in der Elfenbeinküste. Diese Liegenschaft soll langfristig das Ressourcenprofil des Unternehmens deutlich verbessern. Durch den unmittelbaren Übergang zur ersten Goldproduktion und die starke Projektpipeline sehen die Analysten von GBC Research einen ungerechtfertigten Bewertungsabschlag und vergeben ein klares Kaufsignal. Mit einem Kursziel von 0,59 EUR (0,93 CAD) könnten Investoren auf Sicht der nächsten Jahre vom aktuellen Kursniveau um 0,08 EUR (0,12 CAD) je Aktie mit einem massiven Aufwärtspotenzial von 786 % profitieren.
BASF-Aktie: Reicht der Ergebnissprung für die Trendwende?
Die BASF-Aktie (WKN: BASF11 | ISIN: DE000BASF111 | Ticker: BAS) erhält durch überraschend starke Quartalszahlen neue Impulse. Der Chemiekonzern übertraf im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen und erhöhte seine Jahresprognose. Noch ist jedoch offen, ob daraus auch an der Börse eine nachhaltige Trendwende entsteht. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 16 % auf 17,2 Mrd. EUR und lag damit über den erwarteten 16,5 Mrd. EUR. Besonders positiv fällt die Zusammensetzung auf: Höhere Preise steuerten 11 % bei, während die Absatzmengen um 7 % zunahmen. Währungs- und Portfolioeffekte belasteten jeweils mit 1 %.
Damit hat sich das operative Bild gegenüber dem ersten Quartal deutlich aufgehellt. Damals war der Umsatz noch um 3 % auf 16,0 Mrd. EUR zurückgegangen. Steigende Mengen konnten den Preis- und Währungsdruck nicht ausgleichen. Im zweiten Quartal profitierte BASF nun gleichzeitig von höheren Preisen und einem stärkeren Absatz. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte voraussichtlich 2,4 Mrd. EUR. Analysten hatten lediglich 2,1 Mrd. EUR erwartet, nach 1,6 Mrd. EUR im Vorjahresquartal. Mit Ausnahme von Surface Technologies verbesserten sich die Ergebnisse in allen Segmenten. Besonders Materials, Industrial Solutions und Agricultural Solutions übertrafen die Erwartungen.
Der Nettogewinn sprang zwar von 79 Mio. EUR auf 4,1 Mrd. EUR, ist jedoch nur bedingt aussagekräftig. Darin enthalten ist ein Veräußerungsgewinn von 3,9 Mrd. EUR vor Steuern aus der Coatings-Transaktion mit Carlyle. Interessant ist dennoch der Mittelzufluss: BASF erhielt rund 5,8 Mrd. EUR vor Steuern und bleibt mit 40 % an dem nun Surventis genannten Geschäft beteiligt. Das vergrößert den finanziellen Spielraum und könnte insbesondere den geplanten Schuldenabbau unterstützen.
Zusätzlich kommt BASF bei den Kostensenkungen voran. Bis Ende März war bereits eine jährliche Einsparungsrate von rund 1,9 Mrd. EUR erreicht. Bis Ende 2026 sollen es etwa 2,3 Mrd. EUR werden. Das kann die Ergebnisse stützen, selbst wenn sich die Chemiekonjunktur nicht deutlich erholt. Das Management erhöhte die Prognose für das EBITDA vor Sondereinflüssen von bisher 6,2 bis 7,0 Mrd. EUR auf 6,9 bis 7,7 Mrd. EUR. Schwach bleibt dagegen der freie Cashflow, der im zweiten Quartal bei minus 0,2 Mrd. EUR lag. Höhere Rohstoffpreise banden zudem zusätzliches Kapital.
An der Börse ist die Lage weiterhin offen. BASF kommt derzeit auf einen Marktwert von rund 42,8 Mrd. EUR. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie etwa 7 % und auf 52-Wochen-Sicht rund 10 % im Plus. Aktuell notiert sie bei ungefähr 47,90 EUR und damit knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von rund 47,5 EUR, aber unter der 50- und 100-Tage-Linie. Ein Ausbruch über 50,00 EUR würde das Chartbild aufhellen. Danach rückt jedoch die massive Widerstandszone um 55 EUR in den Fokus. Dort scheiterte die Aktie bereits im März 2024, März 2025 und April 2026. Unterhalb von 46 EUR würde sich die technische Lage dagegen deutlich eintrüben.
Fazit
Der anhaltende KI-Boom hat ASML in eine neue Börsenliga katapultiert. Nach starken Quartalszahlen erscheint nun sogar der Sprung über eine Billion USD Börsenwert möglich. Doch die hohe Bewertung lässt kaum Raum für Enttäuschungen.
Die Aktie von Desert Gold konnte sich im Zuge der Goldpreiskorrektur gut halten aber der kommende Cashflow aus der Goldproduktion ist nicht einmal im Ansatz im aktuellen Kurs eingepreist. Sobald das Unternehmen die Produktion aufnimmt und der Goldpreis konstant bleibt oder wieder in den Rallyemodus übergeht, dürfte die Aktie entsprechend der Analysteneinschätzung eine Neubewertung erfahren.
Die fundamentalen Fortschritte sind bei der BASF deutlich erkennbar – für ein klares bullishes Signal fehlt bislang aber noch der charttechnische Durchbruch.