19.03.2026 | 05:45
Allzeithochs vers. Crashs - Almonty Industries, Beiersdorf, Rheinmetall
Wie in der Natur mit den vier Jahreszeiten ist auch die Börse zyklisch. Manche Unternehmen kommen gerade erst in den Sommer und steigen von Allzeithoch zu Allzeithoch, während andere den Herbst mit anhaltenden, teils crashartigen Kursrücksetzern durchschreiten und wiederum andere sich sinnbildlich im Winter befinden und gerade den Boden für neues Wachstum im kommenden Frühling bilden. Entsprechend jeder Phase lohnt die Börse immer und es liegt im Auge des Investors, wie dieser die Unternehmenslage einschätzt und in welcher Jahreszeit sich die Aktie befindet. Drei aktuelle und interessante Beispiele zeigen, wo Allzeithochs sind und wo gerade der Crash läuft:
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE0007030009 , DE0005200000 , CA0203981034
Almonty Industries feiert Fertigstellung
Vom Frühling in den Sommer durchgestartet ist in den letzten Jahren die Aktie des Wolframproduzenten Almonty Industries (WKN: A1JSSD | ISIN: CA0203981034 | Ticker ALI). Das Unternehmen hat die letzten Jahre mit viel Aufwand und hohen Investitionskosten genutzt und die einst größte Wolframmine in Südkorea - die Sangdong-Mine - gekauft und wieder zur Produktionsreife geführt. Die Fertigstellung des umfangreichen Minenaufbaus, welcher u. a. auch von der KfW IBEX durch einen mehrstufigen Investitionskredit i. H. v. 75,1 Mio. USD unterstützt worden ist, wurde bereits Ende 2025 erreicht. Seit Mitte Dezember 2025 wurde die Mine in der planmäßigen Phase 1 hochgefahren und die volle Produktionskapazität wurde nun im März 2026 erreicht.
In der Phase 1 werden in der Sangdong-Mine 640.000 t Wolframerz im Jahr verarbeitet und daraus können ungefähr 2.300 t Wolframkonzentrat p. a. gewonnen werden. Diesen Meilenstein feierte das Unternehmen unter Führung von Unternehmenslenker Lewis Black in dieser Woche zusammen mit über 200 politischen Führern aus allen Ebenen des südkoreanischen Staatsapparates. Dabei profitiert Almonty Industries enorm von den massiv gestiegenen Wolframpreisen, die sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verachtfacht haben. In der letzten Woche wurden in Rotterdam bereits durchschnittlich 2.250 USD je metrischer Tonnen Einheit (MTU) bezahlt. Dabei entspricht eine MTU 10 kg bzw. 1/100tel Tonne.
Damit ist der zu erwartende Cashflow für Almonty Industries signifikant höher, als dies ursprünglich kalkuliert worden ist. Entsprechend zügig will CEO Lewis Black die Sangdong-Mine in die Ausbaustufe Phase 2 überführen und wenn möglich dies bis Ende 2027 bereits abgeschlossen haben. Der CEO äußerte sich diesbezüglich wie folgt: „Mit Blick auf die Zukunft werden die Erweiterung der Phase 2 sowie der Ausbau unserer Wolframoxid-Anlage und der angrenzenden Molybdänlagerstätte in Sangdong das Fundament für das bilden, was wir als die „koreanische Dreifaltigkeit“ bezeichnen – eine vollständig integrierte Wertschöpfungskette für strategische Mineralien, die Südkorea als globalen Knotenpunkt für die Produktion, Veredelung und Aufbereitung von Wolfram positioniert. Dies wird die Anforderungen der US-Verteidigungsbeschaffung, die nach 2027 die Beschaffung von Wolfram aus anderen Ländern als China vorschreiben, direkt unterstützen und die Versorgungssicherheit für die USA und ihre Verbündeten erheblich verbessern.“
Beiersdorf: Gute Cremes, starke Zahlen – aber die Aktie im Crashmodus
Eine Aktie in der Phase des Herbstes oder ggf. gar des Winters dürfte folgende sein: Eigentlich läuft es bei Beiersdorf (WKN: 520000 | ISIN: DE0005200000 | Ticker-Symbol: BEI) operativ gut, doch trotzdem sieht die Aktie aktuell ziemlich angeschlagen aus. Der letzte Kurs lag bei 73,82 EUR – ein Niveau, welches zuletzt vor zehn Jahren gesehen worden ist. Allein in den letzten 16 Handelstagen ist die Aktie um über 33 % gefallen. Selbst im Corona-Crash lag das Tief der Aktie bei über 77 EUR. Wenn man das Allzeithoch aus Mai 2024 bei 147,80 EUR danebenlegt, wird eines schnell klar: Da fehlen bereits über die Hälfte des alten Kursniveaus. Oder anders gesagt: Der Kurs müsste sich mehr verdoppeln, um wieder das einstige Allzeithoch zu erreichen.
Der Absturz wirkt erst einmal überraschend, denn Beiersdorf gehört mit über 16 Milliarden EUR Marktkapitalisierung weiterhin zu den Schwergewichten unter den deutschen Konsumgüterkonzernen. Auch mit Blick auf die Kennzahlen gibt es eigentlich wenig Grund zur Panik. Mit mehr als 12,7 Milliarden Euro in den Aktiva und 3,5 Milliarden in den Passiva ist die Bilanz sehr solide, denn auch die Verschuldung ist überschaubar. Auch die Profitabilität ist mit 57 % Bruttomarge und knapp 10 % Nettorendite mehr als ordentlich. Dazu kommt nun noch das angekündigte Aktienrückkaufprogramm von bis zu 750 Mio. EUR für die nächsten zwei Jahre. Allein das ist normalerweise ein Signal, das Investoren eher positiv aufnehmen. Warum also dieser deutliche Kursrückgang?
Der Knackpunkt liegt weniger im Hier und Jetzt, sondern eher im Blick nach vorne. Das Wachstum im Jahr 2025 blieb hinter den Erwartungen zurück, und auch die Prognosen für 2026 klingen aus Sicht der Investoren als zu vorsichtig. Vor allem die Kernmarke Nivea wächst nicht mehr so stark wie früher. Gleichzeitig steigen die Kosten – insbesondere bei Rohstoffen – und drücken immer stärker auf die Margen. Und als wäre das nicht genug, kommen noch geopolitische Unsicherheiten und eine generell zurückhaltendere Konsumstimmung dazu. Auch die aktuellen Kriege machen Anleger zunehmend skeptischer und sie bewerten ihre Bestandspositionen neu. Dennoch stellt sich die Frage, ob der crashartige Abverkauf der letzten vier Wochen nicht übertrieben war, denn das Unternehmen ist im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen fundamental stabil aufgestellt.
Rheinmetall: Wenn günstige Abwehr plötzlich entscheidend wird
Rheinmetall (WKN: 703000 | ISIN: DE0007030009 | Ticker-Symbol: RHM) gehört mittlerweile mit etwa 76 Milliarden Euro Marktkapitalisierung zu den TOP 10 börsennotierten Unternehmen Deutschlands. In den letzten Wochen stand ein Produkt des Unternehmens wieder im Fokus: der Skyranger. Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat erklärt, dass genau solche Systeme im aktuellen Umfeld immer wichtiger werden, vor allem wenn es um die Abwehr von Drohnen geht. Der Grund ist einfach: Der Skyranger ist ein sehr effizientes System, um Drohnenangriffe abzuwehren und damit viel kostengünstiger als herkömmliche Flugabwehrsysteme.
Laut Papperger kostet ein Schuss der Skyranger im Schnitt nur rund 1.000 US-Dollar. Wenn eine angreifende Drohne im Durchschnitt etwa 20.000 - 30.000 USD kostet oder die besseren Modelle auch schnell 50.000 USD, dann ist das Verhältnis ziemlich klar. Wenn solche Drohnen mit durchschnittlich 3 bis 5 Schüssen vom Himmel geholt werden können, dann kostet die Abwehr entsprechend 3.000 - 5.000 USD. Bisherige Luftverteidigungssysteme z. B. der USA und von Israel kosten bei Patriot-Raketen zwischen 3 – 5 Mio. USD! Solche Systeme haben natürlich ihre Berechtigung, besonders gegen große und gefährliche Bedrohungen. Im Ukrainekrieg, wie auch im Iran-Krieg zeigen aber die relativ günstigen Drohnen die kostenseitigen und produktionstechnischen Schwachstellen klar auf. Und genau an diesem Punkt setzt Rheinmetall mit dem Skyranger Abfangsystem an.
Papperger nannte verschiedene Systeme, die bei Rheinmetall in diesem Bereich eine Rolle spielen. Darunter war auch die Oerlikon 35 mm Zwillingskanone, die Millennium Gun und die 30 mm Oerlikon-Revolverkanone. Besonders entscheidend ist jedoch die sogenannte Airburst-Munition. Diese explodiert nicht einfach nur beim Aufprall, sondern verteilt eine Art Wolke aus Wolfram-Elementen. Dadurch muss nicht mehr jeder Schuss millimetergenau treffen und das ist gerade bei kleinen, schnellen Drohnen ein großer Vorteil. Laut CEO Papperger hat diese Art der Drohnenabwehr vor allem in letzter Zeit im Nahen Osten viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er sprach auch davon, dass es in diesem Zusammenhang viele neue Aufträge gegeben hat. Sollte sich das bestätigen und fortsetzen, dann könnte das ein nächster Wachstumstreiber für den Rüstungskonzern Rheinmetall werden.
Auch die Geschäftszahlen sehen weiter stark aus. Rheinmetall kam 2025 auf einen Umsatz von 9,93 Milliarden EUR. Im Jahr davor waren es noch 7,71 Milliarden EUR. Das entspricht einem Wachstum von gut 28 %. Auch die Bilanz ist solide und den 16,77 Milliarden EUR an Aktiva stehen 11,15 Milliarden EUR an Passiva gegenüber. Interessant ist aber, dass die Aktie auf die jüngsten Entwicklungen rund um den Iran-Konflikt nicht mit einem Kurssprung reagiert hat. Im Gegenteil, zwischenzeitlich tendierte die Aktie in den letzten vier Wochen sogar etwas schwächer. Übergeordnet pendelt die Aktie in den letzten zehn Monaten aber deutlich zwischen etwa 1.400 EUR und 2.000 EUR. Bei einem aktuellen Preis von 1.640 Euro pro Stück ist die Aktie momentan eher am unteren Ende der Schwankungsbreite.
Fazit
Nicht erst seit dem Iran-Krieg profitieren die Rohstoffproduzenten im Allgemeinen, aber die geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten lassen nicht nur die Preise für Rohstoffe deutlich anziehen. Davon profitieren Unternehmen wie Almonty Industries direkt, während die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall erst mittelfristig von steigender Nachfrage für die Drohnenabwehr profitieren dürfte. Beiersdorf dagegen machen die verteuerten Einkaufspreise bei den Rohstoffen zu schaffen und das preist der Markt derzeit mit Abverkäufen der Aktie ein.