28.04.2026 | 05:45
Wolframpreis im Rekordlauf – dieser Produzent profitiert! Almonty Industries
Die Börsen befinden sich seit Wochen in einem turbulenten, wenngleich auch widersprüchlichen Marktumfeld. Der Nasdaq 100 markierte zuletzt mit über 27.300 Punkten ein neues Allzeithoch. Gleichzeitig bestehen enorme geopolitische Unsicherheiten, die Staatsverschuldung explodiert und die internationalen Spannungen in der Zoll- und Handelspolitik sind nach wie vor ungelöst. In dieser Zeit kennt der Rohstoffpreis von Wolfram nur eine Richtung: aufwärts. Der gängige Referenzpreis für das Metall notierte letzten Freitag bei 3.320 USD je metrischer Tonne (mtu) auf einem historischen Höchststand, wobei 1 mtu gleichzusetzen ist mit 10 kg. Welches Produktionsunternehmen am meisten profitiert, lesen Sie hier:
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
CA0203987072
Wolfram wird jetzt strukturell anders bewertet
Über Jahrzehnte war Wolfram ein unterschätzter Rohstoff. China hatte dies jedoch frühzeitig erkannt und durch Subventionen und massive Förderungen über Jahrzehnte ein Monopol in der globalen Produktion und Verarbeitung von Wolfram aufgebaut. Mittlerweile kontrollieren Unternehmen des Landes über 80 % der globalen Produktion, während westliche Wettbewerber durch das Preisdumping der 1990er- und 2000er-Jahre schlicht nicht mithalten konnten. Doch seit Anfang 2025 hat sich dieses Bild fundamental gewandelt. Der damals neue US-Präsident Donald Trump ließ den Handelskrieg mit China eskalieren und Peking reagierte mit der Verschärfung der Exportbeschränkungen. Schrittweise wurden Förder- und Exportquoten gesenkt. Der Referenzpreis für Wolfram verteuerte sich seitdem signifikant und verzehnfachte sich zuletzt in der Spitze auf 3.320 USD je mtu. Für aufmerksame Investoren stellt sich damit nicht die Frage, ob Wolfram nachgefragt wird – sondern wer das Hartmetall überhaupt noch an westliche Unternehmen und Staaten liefern kann.
Die Nachfragebasis nach Wolfram ist breit und wächst seit Jahren beständig. So übernimmt Wolfram in der Halbleiterfertigung unterhalb der 10-Nanometer-Ebene die vertikalen Verbindungen in dreidimensional gestapelten Chips, da Kupfer bei diesen Strukturgrößen versagt. In der KI-Infrastruktur-Anwendung lösen Kupfer-Wolfram-Legierungen das thermische Ausdehnungsproblem zwischen Kühlplatten und Siliziumchips bei Rechenlasten von über 1.000 Watt pro GPU. In der Kernfusion wird Wolfram in den Plasma-Divertoren des internationalen Versuchsreaktors ITER als Material der Wahl verwendet, da kein anderes Element Temperaturen von über 100 Millionen Grad standhält. Hinzu kommt der Verteidigungssektor, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Ob für panzerbrechende Munition, Marschflugkörper oder hochmoderne Waffensysteme - ohne das schwerste und härteste Metall der Erde, wäre an diese Rüstungsgüter nicht zu denken. Damit ist Wolfram zum aktuellen Zeitpunkt in den oben genannten Anwendungen nicht substituierbar.
Wolfram von drei Kontinenten
Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1) hat sich in den letzten Jahren in der Wolframproduktion als westlicher Gegenpol zur chinesischen Marktdominanz positioniert. Das Unternehmen betreibt Wolframminen in Südkorea & Portugal und wird demnächst auch in den USA eine Wolframmine zur Produktion bringen. Damit ist der Wolframproduzent ausnahmslos in politisch stabilen Ländern mit verlässlichen Rechtsrahmen aktiv. Um die starke Nachfrage nach Wolfram aus den USA aber auch die Bewertung der Aktie zu erhöhen, hat die Geschäftsführung den Firmensitz zuletzt strategisch von Toronto, Kanada nach Dillon, Montana in die USA verlegt. Dazu berief CEO Lewis Black erfahrene ehemalige US-Militärs in den Vorstand und deckt damit das Netzwerk des Unternehmens bis in das Pentagon hinein ab. Diese Entscheidungen waren vorwiegend strategischer Natur, denn ab 2027 untersagt der REEShore Act den US-Verteidigungsbehörden gesetzlich den Bezug von Wolfram aus China. Dadurch steigt Almonty Industries zu den wenigen Lieferanten auf, die den Bedarf der USA überhaupt so kurzfristig abdecken können.
Der Unternehmenslenker Lewis Black folgte in den letzten Jahren einem klaren Prinzip. Almonty Industries erwirbt ausschließlich wolframhaltige Liegenschaften mit bestehender Infrastruktur. Dadurch entfallen in der Regel Explorations- und Genehmigungsrisiken, wie sie Bergbauprojekte typischerweise in der frühen Unternehmensphase tragen müssen, fast vollständig. Durch die Erfahrung im Auf- und Ausbau von Wolframminen liegt beim Kauf einer neuen Liegenschaft der Fokus auf der operativen Effizienz und dem gezielten Ausbau vorhandener Kapazitäten. So auch beim letzten Zukauf des Unternehmens, des Gentung-Browns-Lake-Wolfram-Projekts in Montana im vierten Quartal 2025. Hier soll noch bis Ende 2026 das erste Wolframerz gefördert werden.
Sangdong: Der Produktionstreiber
Das strategische Kernstück des Unternehmens ist aber die Sangdong-Mine in Südkorea. Mit einem durchschnittlichen Erzgehalt von rund 0,51 % Wolframtrioxid (WO₃) – dem Dreifachen des weltweiten Branchendurchschnitts – gehört diese Mine zu den bedeutendsten Wolframvorkommen außerhalb Chinas. Die erste Ausbaustufe der Mine wurde Ende 2025 abgeschlossen und das erste produzierte Wolframkonzentrat für den Markt ist bereits ausgeliefert worden. Die zweite Expansionsstufe der Mine wird nun als nächstes geplant und umgesetzt und ist für 2027 angedacht. Nach Fertigstellung der zweiten Ausbaustufe würde die Sangdong-Mine als Einzelprojekt für rund 40 % der gesamten globalen Wolframproduktion außerhalb Chinas stehen, was einer Marktstellung gleichkommt, die in der westlichen Bergbaubranche ihresgleichen sucht.
Wie stark die Dominanz Chinas in dem Wolframsektor war und ist, zeigen zuletzt japanische Chip-Hersteller, die Produktionskürzungen einleiten wollen, weil ihnen die chinesische Rohware ausgeht. Bisher greifen sie noch auf Lagerbestände zurück, doch diese schrumpfen bei den namhaften Halbleiterkonzernen in Südkorea und Japan bereits merklich. Für Ersatz wird nun u. a. das Wolframerz aus Sangdong sorgen können, zumal es geografisch wie auch logistisch ideal für den asiatischen Markt liegt. Bisher ungenutzt, aber zunehmend interessanter wird auch das hochgradige Molybdän-Vorkommen der Sangdong-Mine. Dieses könnte zukünftig als zweiter Rohstoff abgebaut werden und einen weiteren Einkommensstrom für Almonty Industries bedeuten.
Portugal und USA: Cashflow und strategische Erweiterung
Eine der ältesten Wolframminen Europas ist die Panasqueira-Mine in Portugal, welche seit 136 Jahren ununterbrochen in Betrieb ist. Sie liefert dem Unternehmen einen stabilen operativen Cashflow und konnte so die Expansionsinvestitionen der letzten Jahre teilweise absichern und mitfinanzieren. Derzeit werden Modernisierungsmaßnahmen in der Mine durchgeführt, um damit tiefere, höhergradige Erzzonen zu erschließen und die Produktionskosten je Tonne nachhaltig zu senken.
In den USA wird währenddessen das Gentung-Projekt in Montana zur Produktionsreife weiterentwickelt. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant und würde Almonty Industries als ersten heimischen Wolframproduzenten der Vereinigten Staaten seit über einem Jahrzehnt etablieren. Da das gesetzliche Importverbot für chinesisches Wolfram ab 2027 greift, besitzt das Wolfram aus der Gentung-Mine eine große Bedeutung für staatlich finanzierte Beschaffungsprogramme des Pentagons und der US-Rüstungsindustrie.
Langfristige Abnahmeverträge und Umsatzprognose
Durch die letzte Kapitalmaßnahme über die Nasdaq konnte Almonty Industries im Dezember 2026 brutto über 129 Mio. USD einsammeln. Die Bilanz weist damit ausreichend Liquidität aus, um den weiteren Produktionshochlauf ohne kurzfristigen Refinanzierungsdruck bewältigen zu können. Bilanzielle Verluste, die das Unternehmen in die Abschlussbilanz des vergangenen Geschäftsjahres 2025 packte, sind dabei überwiegend nicht zahlungswirksam geworden und resultieren aus der Neubewertung von Wandelanleihen. Diese Neubewertung war bilanziell erforderlich, weil der signifikante Kursanstieg der Aktie dies erforderte.
Durch die 15-jährigen Abnahmeverträge mit US-Verteidigungsbehörden inklusive garantierter Mindestpreise ohne Preisobergrenze ist die Einnahmesituation von Almonty Industries über eineinhalb Jahrzehnte abgesichert und für die Ertragsbewertung des Unternehmens entscheidend. Dem Unternehmen, wie auch den Investoren, bringt dies im zyklischen Rohstoffgeschäft die nötige Planungssicherheit. Durch den hohen Wolframpreis, aber auch durch das Hochfahren der Wolframproduktion in Sangdong wie auch Gentung in 2027, erwarten Analysten Konzernerlöse von bis zu 3,65 Mrd. USD in 2027.
Charttechnik: Neues Allzeithoch und Widerstandszone
Charttechnisch konnte die Aktie von Almonty Industries in den letzten beiden Wochen ein neues Allzeithoch bei 22,70 USD erreichen. In den letzten Tagen kämpfte die Aktie um die nachhaltige Überwindung der Widerstandszone von 22,45 USD und notiert derzeit bei 21,50 USD. Sollte diese Zone überwunden werden, liegen die nächsten Widerstände bei 28,30 USD und 34,20 USD, während die nächste Unterstützungszone bei ca. 16,50 USD liegt.

Anleger, die mögliche Kursrücksetzer zur schrittweisen Positionsaufnahme nutzen, dürften bei nochmaligem Anlaufen der Unterstützungszone besser fahren, als blind in den Markt und die fortgeschrittene Aufwärtsbewegung hineinzukaufen. Bedacht werden sollte auch der Aktienverkauf der Deutschen Rohstoff AG. Diese veräußerte Anfang April 2026 rund 9 Mio. Aktien bzw. ca. 38 % ihres Bestandes an Almonty-Aktien und realisierte einen Gewinn von rund 100 Mio. EUR. Der Anteil am Wolframproduzenten sank daher auf ca. 4,9 %. Den Ertrag will die Deutsche Rohstoff AG in den Ausbau der US-Öl- und Gasproduktion und damit in das Kerngeschäft investieren.
Fazit
Almonty Industries profitiert von mehreren langfristigen Nachfragetreibern. Das ist zum einen die KI-Revolution, die Miniaturisierung von Halbleitern, die zunehmende Aufrüstung westlicher Staaten sowie die anhaltenden Ambitionen der Kernfusionsforschung, die allesamt einen wachsenden Wolframverbrauch aufweisen. Als größter Wolframproduzent außerhalb Chinas mit langfristigen Abnahmeverträgen ist das Unternehmen sehr solide als Rohstoffproduzent in einem Spezialsektor aufgestellt.