14.04.2026 | 05:45
Almonty Industries: Wolfram - Zwischen Rüstungsboom und Chip-Krise
Die Welt ist mit dem Krieg im Iran weiter aus dem Gleichgewicht geraten und die geopolitische Landkarte verschiebt sich immer schneller und stärker. Diese Machtverschiebungen machen sich auch bei den Rohstoffpreisen bemerkbar und lassen Industriemetalle wie Wolfram in den Mittelpunkt ganzer Wertschöpfungsketten geraten. Aufgrund seiner extremen Dichte, seiner Härte und seines außergewöhnlich hohen Schmelzpunktes ist es für panzerbrechende Munition, Raketenteile und hochpräzise Waffensysteme unersetzlich. Gleichzeitig ist es ein unverzichtbares Prozessmaterial in der modernen Chipfertigung von z.B. 200-lagigen 3D-NAND-Speicherchips (200+ Layer Chips), die vorwiegend in Rechenzentren und KI-Anwendungen eingesetzt werden.
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
CA0203987072
Wolfram – ein Metall, ohne das die moderne Welt stillsteht
Die Welt ist mit dem Krieg im Iran weiter aus dem Gleichgewicht geraten und die geopolitische Landkarte verschiebt sich immer schneller und stärker. Diese Machtverschiebungen machen sich auch bei den Rohstoffpreisen bemerkbar und lassen Industriemetalle wie Wolfram in den Mittelpunkt ganzer Wertschöpfungsketten geraten. Aufgrund seiner extremen Dichte, seiner Härte und seines außergewöhnlich hohen Schmelzpunktes ist es für panzerbrechende Munition, Raketenteile und hochpräzise Waffensysteme unersetzlich. Gleichzeitig ist es ein unverzichtbares Prozessmaterial in der modernen Chipfertigung von z.B. 200-lagigen 3D-NAND-Speicherchips (200+ Layer Chips), die vorwiegend in Rechenzentren und KI-Anwendungen eingesetzt werden.
Die Preisdynamik der letzten 24 Monate des Wolframpreises hat die Einkäufer in der Industrie zum Schwitzen gebracht, denn der Preis hat sich verzehnfacht. Notierte die Metrische-Tonne-Einheit (mtu) von 10 kg Anfang 2025 noch bei ca. 300 USD, wurden zuletzt Preise von über 3.000 USD am Spotmarkt in Rotterdam aufgerufen. Die strukturelle Ursache liegt in einer jahrelang gewachsenen Abhängigkeit von China, Russland und Nordkorea. Alle drei Staaten zusammen kontrollieren rund 95 % des weltweiten Wolframangebots, wovon der Hauptteil von China produziert wird. Im Zuge des Zollkrieges der USA gegen China setzte Peking diese Dominanz längst als geopolitisches Druckmittel ein und verhängte strikte Exportbeschränkungen. Die kaum vorhandenen Lager des Westens sind nahezu geleert und die Produktionssicherheit für die Rüstungsindustrie bis hin zum Halbleitersektor steht auf tönernen Füßen.
Doppelter Nachfrageschock: Rüstungswelle trifft Chip-Versorgungskrise
Zwei der dynamischsten Industrien der letzten Jahre geraten durch dieselbe Engpasssituation gleichzeitig unter Druck. Der Iran-Krieg und die damit verbundenen intensiven Angriffsoperationen der USA und Israels haben Munitionsvorräte und Waffensysteme massiv dezimiert. Die zusätzlich laufenden Wiederaufrüstungsprogramme in den NATO-Ländern wie auch im Nahen Osten erzeugen eine strukturell weiter steigende Wolfram-Nachfrage, die voraussichtlich Jahre anhalten wird. Branchenanalysten sind sich zudem fast einig, dass Nachfrager aus dem Rüstungsbereich aufgrund ihrer hohen Auftragsbestände jeden Preis zahlen werden müssen, um die bestehenden Aufträge abarbeiten zu können.
Alarmiert ist auch die Technologiebranche vom begrenzten Angebot an Wolfram. So haben bereits japanische Produzenten von Wolframhexafluorid (WF₆) – einem unverzichtbaren Prozessgas für die Chipfertigung – ihre südkoreanischen Abnehmer offiziell über drohende Lieferengpässe in der zweiten Jahreshälfte 2026 informiert. Da Japan für ca. 25 % des weltweiten WF₆-Angebots steht und im Bieterwettbewerb in der Wolfram-Beschaffung mit der Rüstungsindustrie steht, werden immer höhere Preise für lieferfähiges Wolfram geboten.
Laut letzten Branchenangaben reichen die Lagerbestände an Wolfram bei den Weltkonzernen wie Samsung und SK Hynix nur noch bis Ende des zweiten Quartals bzw. Anfang des dritten Quartals 2026. Sollten die Lieferengpässe an Wolfram anhalten, könnte es bereits im dritten Quartal 2026 zu Produktionsausfällen bei den ersten Halbleiterproduzenten kommen, was unmittelbar globale Auswirkungen über die Chipindustrie hinaus auch bei der Smartphone-Produktion oder der Herstellung von KI-Servern hätte.
Wolframmine-Sangdong: Globale Machtverhältnisse werden verschoben
Inmitten dieses perfekten Sturms hat Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1) den historisch bedeutendsten Meilenstein seiner Unternehmensgeschichte vollzogen. Ende Dezember 2025 wurde das Hochfahren der Wolframproduktion in der Sangdong-Mine in der südkoreanischen Provinz Gangwon verkündet und das erste geförderte Erz in der offiziellen Eröffnungszeremonie Anfang April 2026 gefeiert. Die historische Lagerstätte war bereits die größte und hochgradigste Wolfram-Mine außerhalb Chinas, wurde aber aufgrund des chinesischen Preisdumpings vor über 30 Jahren geschlossen. Der Almonty Industries CEO Lewis Black nutzte im Jahr 2015 die Chance und kaufte die Liegenschaft. Zusammen mit seinen Investoren investierten sie weit über 100 Mio. USD in die Wiederbelebung der Mine und profitieren nun enorm von der Verschiebung der globalen Machtverhältnisse.
Die Wirtschaftlichkeit der Mine wurde einst konservativ auf Basis eines Wolframpreises von lediglich 300 USD je mtu berechnet. Bei aktuellen Marktpreisen von über 3.000 USD je mtu entstehen Margen, die im globalen Rohstoffsektor ihres gleichen suchen. In der aktuell laufenden ersten Betriebsphase der Mine verarbeitet Sangdong rund 640.000 Tonnen Erz im Jahr. Aus dem nun ansteigenden Cashflow soll die zweite Ausbaustufe umgesetzt und die Kapazitäten verdoppelt werden. Dadurch könnte die Sangdong-Mine in wenigen Jahren für bis zu 40 % des weltweiten Wolfram-Bedarfs außerhalb Chinas stehen. Da die prognostizierte Minenlebensdauer mehr als 45 Jahren beträgt und durch Bohrprogramme noch weiter verlängert werden soll, darf die geopolitische Tragweite dieser Mine nicht unterschätzt werden.
Molybdän: Ein nächstes Standbein?
Interessant bei der Sangdong-Mine ist, dass sie neben Wolfram auch eines der hochgradigsten Molybdän-Vorkommen weltweit beherbergt. Der Bedarf an Molybdän wächst besonders stark in der Stahl- und Energieindustrie um rund 4 bis 6 % p. a. Benötigt wird Molybdän z. B. bei Hochtemperaturöfen bis 1.800 Grad, als Komponente in Kernreaktoren, aber auch beim Aufbau von Fusionsenergie wie dem ITER-Projekt. Auch in der Halbleiterindustrie wird es für Leiterbahnen in Bauelementen und für Dünnschichtelektroden in LCD-Displays und Solarzellen verwendet.
Doch derzeit liegt der Fokus von Almonty Industries auf Wolfram, weil hier das größte Potenzial liegt, während Molybdän aber im späteren Zyklus eine interessante Beimischung werden kann, die derzeit vom Markt noch nicht bewertet wird. Da Infrastruktur und Logistik für die spätere Produktion durch die Wolframförderung bereits bestehen, wären die zusätzlichen Produktionskosten von Molybdän vergleichsweise gering und ein möglicher Gewinnmultiplikator.
Neben Sangdong betreibt Almonty Industries eine aktive Mine in Portugal, die sich derzeit noch in der Erweiterungsphase befindet. Ebenfalls wurde ein Wolframprojekt in den USA übernommen, das noch bis zum Jahresende 2026 die Produktion aufnehmen soll. Da ab 2027 chinesische Rohstoffe in der US-Verteidigungspolitik per Gesetz verbannt worden sind, würde die kommende US-Produktion von Almonty Industries eine prädestinierte Lieferquelle für das Pentagon bzw. für die US-Rüstungskonzerne sein.
Analysten-Konsens: Gewinnexplosion und Kursziele über aktuellem Marktniveau
Durch die Kursexplosion des Wolframpreises sind in den letzten Monaten auch immer mehr Analysten auf Almonty Industries aufmerksam geworden. Das Bild ist dabei relativ klar und optimistisch, wenngleich die Kursziele unterschiedlich ausfallen. So erwartet GBC-Research für 2026 ein EBITDA von 260 Mio. CAD, für 2027 von 640 Mio. CAD und ab 2028 den Sprung auf 950 Mio. CAD. Grundlage dafür ist aus aktueller Sicht ein konservativer Modellpreis der einen Wolframpreis von „nur“ 1.500 USD je mtu berücksichtigt. Das entspricht in ungefähr der Hälfte des aktuellen Niveaus. Daraus ergibt sich ein GBC-Kursziel von 28,60 CAD.
Die Bank of America sieht im Moment ein Ziel von rund 27,60 CAD als gerechtfertigt an, während Cantor Fitzgerald noch optimistischer ist. Diese rechnen mit einem EBITDA von 287 Mio. CAD für 2026 und rund 792 Mio. CAD für 2027 und daher gibt deren Analyst ein Kursziel von 36,00 CAD je Anteilsschein aus. Da die Aktie zuletzt bei 24,75 CAD notiert, verbliebe nach Cantor Fitzgerald ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von bis zu 45 %.
Entscheidend für den Bewertungshebel ist aber der Wolframpreis. Bleibt dieser dauerhaft bei 3.000 USD je mtu oder darüber, dann würden die Analysten ihre Modellannahmen sicherlich deutlich nach oben anpassen, was einen zusätzlichen Gewinnspielraum für die Aktie von Almonty Industries bedeuten würde.

Konsolidierung als Startrampe – hat die Neubewertung erst begonnen?
Derzeit durchläuft die Almonty-Aktie nach der starken Kursrallye auf 30,58 CAD eine Konsolidierungsphase und hat ein kurzfristiges Tief Ende März 2026 bei 18,45 CAD markiert. Seitdem hat sich der Kurs bereits wieder auf 24,75 CAD erholt. Diese Phasen der Konsolidierung nach starken Kursanstiegen sind im Rohstoffsektor noch kein Warnsignal, sondern häufig die Ausgangsbasis für einen bevorstehenden nächsten Aufwärtstrend, solange die Fundamentaldaten sich nicht verändert haben. Positiv wirkt sich auch die zunehmende Zahl an institutionellen Anteilseignern aus, die zuletzt um mehr als 50 % angestiegen ist. Bekannte Institutionen wie VanEck, aber auch in Deutschland etwas unbekanntere Investoren wie Encompass Capital Advisors oder Next Century Growth Investors halten mittlerweile Positionen am Unternehmen.