02.06.2026 | 05:30
Almonty Industries mit Ritterschlag
Wolfram besitzt einzigartige physikalische Eigenschaften, die es für moderne Rüstungsgüter und Hightech-Anwendungen unersetzlich machen. Seit Jahren dominiert die Volksrepublik China den Weltmarkt mit einem Anteil von fast vier Fünfteln des Angebots. Diese massive Abhängigkeit birgt enorme Gefahren für westliche Industrienationen, weshalb politische Entscheidungsträger dringend nach alternativen Bezugsquellen suchen. Infolgedessen hat sich das hitzebeständige Schwermetall den Status eines geopolitischen Rohstoffs erlangt, dessen Versorgungssicherheit nun oberste Priorität hat.
Lesezeit: ca.
3 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
CA0203987072
Betrachtung der jüngsten Kursentwicklung
Zwar verzeichneten die Papiere von Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker: ALI1) kürzlich spürbare Kursverluste, doch dieser Rückgang sollte im Kontext des drastischen Kursanstieges der letzten zwei Jahre gesehen werden. Ein kurzfristiges Minus von gut 30 % innerhalb von nur drei Wochen wirkt auf den ersten Blick enorm. Zieht man jedoch die längerfristige Entwicklung heran, relativiert sich diese Schwächephase sofort: Seit Januar 2026 steht noch immer ein satter Kursgewinn von fast 127 % zu Buche. Betrachtet man die letzten zwölf Monate, beläuft sich der Wertzuwachs sogar auf über 600 %. Die jüngste Kurskorrektur stellt weniger ein fundamental begründetes Warnsignal dar, sondern ist eine normale Gewinnmitnahme nach einer Phase extremen Kursanstieges.
Blick in die Bilanz
Auf den ersten Blick scheint zwischen dem aktuellen Börsenwert von 7,7 Milliarden CAD und dem ausgewiesenen Eigenkapital von knapp 357 Millionen CAD eine gewaltige Lücke zu bestehen. Die Bilanz zum ersten Quartal 2026 weist Gesamtvermögenswerte in Höhe von nur 606 Millionen CAD aus. Unter dem Strich stand zuletzt ein Nettofehlbetrag von 5,3 Millionen CAD in den Büchern, der jedoch primär auf nicht-liquiditätswirksame Bewertungsverluste bei Derivaten und Optionsscheinen zurückzuführen ist. Nach den gängigen Kennzahlen würde die Aktie daher wohl überteuert erscheinen.
Almonty ist jedoch inzwischen längst als systemrelevanter Akteur für westliche Versorgungsstrukturen aufgestiegen. Mit der Sangdong-Mine in Südkorea kontrolliert das Management das quantitativ und qualitativ bedeutendste Wolfram-Vorkommen außerhalb des chinesischen Kontrollbereichs. Flankiert wird dieses Kernasset durch die ebenfalls produzierende Panasqueira-Mine in Portugal. Auch die vielversprechenden Erschließungsprojekte in Spanien und den USA dürften in den kommenden Quartalen zu noch mehr Neuigkeiten des Unternehmens führen.
Q. 1 2026: Signifikanter operativer Turnaround
Die jüngsten Geschäftszahlen aus dem ersten Quartal 2026 untermauern den operativen Fortschritt des Unternehmens. Verglichen mit den ersten drei Monaten des Vorjahres verdreifachten sich die Erlöse von 7,9 Millionen CAD auf 25,4 Millionen CAD. Noch deutlicher ist der Anstieg beim reinen Minengewinn, welcher von bescheidenen 750.000 CAD auf beachtliche 13 Millionen CAD emporschoss.
Auch auf der Cashflow-Ebene zeigt sich eine drastische Trendwende. Nach Mittelabflüssen von 4,4 Millionen CAD im Vorjahreszeitraum generierte der Konzern im Auftaktquartal 2026 einen operativen Cashflow von 9,7 Millionen CAD. Wenn man bedenkt, dass in den Gesamtjahren 2024 und 2025 noch negative Werte von 7,5 Millionen respektive 19,1 Millionen CAD verbucht wurden, markiert das abgelaufene Quartal einen echten Meilenstein. Die Liquiditätssituation präsentiert sich mit Barreserven von 259,9 Millionen CAD per Ende März äußerst robust, zumal die kurzfristigen Verbindlichkeiten lediglich bei 117,1 Millionen CAD liegen und somit problemlos bedient werden können.
Ritterschlag am Kapitalmarkt
Ein weiterer Kurstreiber für die Zukunft dürfte die anstehende Neugewichtung der amerikanischen Aktienindizes sein. Aufgrund der rasant gestiegenen Marktkapitalisierung – ausschlaggebend war der Stichtag am 30. April 2026 – steigt Almonty am 29. Juni 2026 offiziell in den breit gefassten Russell 3000 Index auf. Wenn die Aktie von Almonty das vorherrschende Momentum beibehalten kann, bedeutet dies gleichzeitig auch die kommende Qualifikation für die Indexaufnahmen in den Russell 1000.
Da an diese Benchmark-Indizes weltweit Anlagegelder in Höhe von 12,2 Billionen US-Dollar gekoppelt sind, zwingt diese Aufnahme passive Indexfonds zu obligatorischen Aktienkäufen. Das Management sieht in diesem Schritt einen entscheidenden Hebel, um institutionelle Investoren anzuziehen und die bestehende Aktionärsstruktur massiv zu verbreitern. Gleichzeitig stützt dieser Aufstieg die strategische Neuausrichtung des Konzerns, welcher u. a. auch seinen Hauptsitz von Kanada in die USA verlegt hatte.
Fazit
Die gegenwärtige Premium-Bewertung der Almonty-Aktie basiert auf hohen Wolframpreisen, die entsprechend zu signifikanten Gewinnmargen bei dem jetzt US-amerikanischen Wolframunternehmen führen. Die südkoreanische Sangdong-Mine ist der elementare Baustein, um die stetig wachsende Nachfrage für Rüstung und Industrie aus Westeuropa und Nordamerika abzusichern. Die bevorstehende Aufnahme in den Russell 3000 wird wahrscheinlich die Nachfrage nach den Aktien weiter steigern und das aktuelle Bewertungsniveau mindestens sichern, wenn es nicht sogar in Richtung neuer Allzeithochs treiben wird.