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23.06.2026 | 05:45

Systemrelevanz in unsicheren Zeiten - Almonty Industries, Commerzbank, SAP, UniCredit

  • Almonty Industries
  • Commerzbank
  • SAP
  • UniCredit
Bildquelle: Pixabay

Der angekündigte Rücktritt von UK-Premier Keir Starmer sorgt für massive politische Unsicherheit im von wachsenden Unruhen geplagten Königreich. Dies könnte kurzfristig das britische Pfund unter Druck setzen und Volatilität im FTSE 100 auslösen, da institutionelle Investoren eine unklare fiskalpolitische Agenda einer neuen Regierung eher scheuen. Parallel verstarb Ex-Fed-Chef Alan Greenspan der die US-Zentralbank von 1987 bis 2006 leitete. Sein Tod erinnert an die historische Ära des expansiven "Greenspan-Puts". Was jetzt noch wichtig ist in den unsicheren Zeiten, lesen Sie hier:

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: CA0203987072 , DE000CBK1001 , DE0007164600 , IT0005239360


 

Almonty Industries: Wachstum mit Wolfram und Molybdän

Technologiemetalle wie Wolfram und Molybdän rücken als kritische Ressourcen für die Rüstungs- und Elektronikindustrie immer stärker in den Fokus von Industrie, Politik und Investoren. Zur Reduktion der chinesischen Lieferabhängigkeit des Westens hat sich Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1) mit der Wolframproduktion in Portugal und Südkorea als geopolitisch relevanter Rohstoffakteur längst positioniert. Diese strategische Bedeutung wird durch die jüngst bestätigten Molybdän-Vorkommen in der südkoreanischen Sangdong-Mine in der Provinz Gangwon nochmals untermauert. Das Management beschleunigt gezielt den Zeitplan für die künftige Molybdän-Förderung, wodurch das Unternehmensportfolio weiter diversifiziert und die Rohstoffbasis verbreitert wird.

Zur Finanzierung des rasanten Wachstums hat der Konzern im Juni 2026 eine deutlich überzeichnete Wandelanleihe im Volumen von 800 Mio. USD platziert. Die bis 2031 laufende vorrangige Anleihe bietet einen Kupon von 2,25 % p. a. sowie einen Wandlungspreis von 27,40 USD. Das entspricht einem Aufschlagssatz von 32,5 % zum Referenzkurs von Anfang Juni. Mit einem starken Nettoerlös von 772,7 Mio. USD wird Almonty primär teure Darlehen tilgen, die Minenerschließung weiter beschleunigen und ggf. weitere Beteiligungen sowie strategische Zukäufe am Markt prüfen und umsetzen.

Die Börse honorierte diese operationellen Fortschritte durch eine anhaltende Stärke des Aktienkurses in den vergangenen Quartalen. Besonders institutionelle Investoren nutzen kurzfristige Kursrücksetzer zunehmend als strategische Einstiegsgelegenheit. Damit bestätigen diese die fundamentale Neubewertung der auf 5,3 Mrd. USD angestiegenen Marktkapitalisierung und signalisieren weiteres Kurspotenzial. Getragen wird das Unternehmenswachstum von festen Abnahmeverträgen, hohen Marktpreisen für Industriemetalle wie Wolfram und dem Hochfahren der Produktion in der südkoreanischen Sangdong-Mine. Der dortige Minenausbau der zweiten Produktionsstufe bis Ende 2027 sowie die Ende 2026 bzw. Anfang 2027 angedachte Produktionsaufnahme der Gentung-Mine in den USA sind Basis der Produktionsausweitung in den nächsten zwei Jahren und wesentlicher Teil des Wachstumsplans des Unternehmens.

Commerzbank im Fokus: UniCredits Angebot auf dem Prüfstand

Für die Commerzbank AG (WKN: CBK100 | ISIN: DE000CBK1001 | Ticker: CBK) markiert der Ablauf der ersten Annahmefrist für das Angebot der italienischen UniCredit Bank (WKN: A2DJV6 | ISIN: IT0005239360 | Ticker-Symbol: CRIN) einen Wendepunkt im deutschen wie auch im europäischen Bankensektor. Bei einer zuletzt gemeldeten Annahmequote von 12,41 % und den bereits zuvor erworbenen Aktien und zusammen mit den Derivaten, liegt die Beteiligungsquote bereits bei 42,5 %. Damit rückt die künftige operative Kontrolle des Frankfurter Bankhauses durch das Mailänder Institut zunehmend in den Fokus. Interessant wird nun, wie die EZB den wachsenden Einfluss der Italiener bewertet und wie der Stand für die UniCredit nach der verlängerten Angebotsfrist zum 03. Juli ist. Eine Einstufung als kontrollierender Akteur durch die EZB könnte die Kapitalquoten der Italiener belasten und den regulatorischen Handlungsspielraum spürbar begrenzen, was die Italiener sicherlich zumindest zum aktuellen Zeitpunkt noch am liebsten vermeiden würden. Die tatsächliche Annahmequote gilt daher als wesentlicher Gradmesser für den Verlauf dieser grenzüberschreitenden Branchenkonsolidierung.

Parallel untermauert das Frankfurter Geldhaus seine Ertragskraft mit einem operativen Gewinn von 1,36 Mrd. EUR im ersten Quartal 2026. Eine solide Kernkapitalquote von 14,5 % stärkt die Verhandlungsposition des Managements bei einer Marktkapitalisierung von fast 43,3 Mrd. EUR. Diese fundamentale Gesundung spiegelt sich am Aktienchart durch einen Aufwärtstrend wider, da die Aktie bei Kursen von über 38 EUR sämtliche gleitenden Durchschnitte hinter sich gelassen hat. Seit Anfang 2025 verzeichnet der Titel ein beachtliches Kursplus von mehr als 140 %.

Demgegenüber agiert die UniCredit mit einer Marktkapitalisierung von 120 Mrd. EUR und einem Quartalsgewinn von 3,2 Mrd. EUR aus einer Position der Stärke heraus. Dieser Größenunterschied verdeutlicht die wirtschaftliche Logik des Zukaufs, wenngleich die Commerzbank durch ihre Restrukturierungserfolge in den letzten Quartalen wieder erheblich teurer geworden ist. Der Kapitalmarkt stellt sich nun die Frage, ob der Angebotspreis strategisch im weiteren Verlauf nachgebessert wird oder ob regulatorische Bedenken den Übernahmeprozess verlangsamen.

SAP unter Druck: Cloud-Wachstum versus Oracle-Dominanz

Der Markt für Unternehmenssoftware durchläuft einen Wandel, bei dem die Investitionen in KI-Infrastruktur die klassische Cloud-Anwendungen überschatten. Diese Dynamik belastet die SAP-Aktie (WKN: 716460 | ISIN: DE0007164600 | Ticker: SAP), die bei 170 Mrd. EUR Marktkapitalisierung seit Jahresbeginn rund 33 % eingebüßt hat. Die Quartalszahlen von Oracle untermauern dies. Einem starken Infrastrukturwachstum von 93 % stehen dort nur 10 % Plus bei den Anwendungsumsätzen gegenüber. Am Kapitalmarkt wächst daher die Sorge, dass IT-Budgets zulasten klassischer ERP-Migrationen massiv umgeschichtet werden.

Ungeachtet des Sektorumfelds präsentiert sich der Walldorfer Konzern auf fundamentaler Ebene weiterhin äußerst widerstandsfähig. Im ersten Quartal 2026 stieg der Cloud-Backlog auf 21,9 Mrd. EUR, während die Cloud-ERP-Suite währungsbereinigt um 30 % zulegte. Ein Gesamtumsatz von 9,56 Mrd. EUR und ein operatives Ergebnis von 2,87 Mrd. EUR stützen die Prognose, die zwischen 25,8 Mrd. EUR und 26,2 Mrd. EUR Cloud-Umsatz für das Gesamtjahr anpeilt. Dennoch reichen historische Wachstumsraten im aktuellen Zinsumfeld nicht aus, da Investoren zügige Belege für eine profitable KI-Monetarisierung einfordern.

Charttechnisch spiegelt das markierte 52-Wochen-Tief die bestehende Marktskepsis der institutionellen Anleger unmissverständlich wider. Im Fokus steht aktuell die kritische Unterstützungsmarke von 130 EUR, deren Bruch weiteres Abwärtspotenzial bis unter 100 EUR freisetzen würde. Für positive charttechnische Signale und eine Trendwende muss der Kurs zwingend die Widerstände bei 149,60 EUR und später 179 EUR überwinden. SAP bleibt zweifellos ein erstklassiger Technologiewert, muss jedoch die Stabilität seiner Ertragsmargen in diesem Umfeld erst neu unter Beweis stellen.

Fazit

Almonty stärkt durch die großvolumige Wandelanleihe seine Finanzierungsbasis und hat sich längst vom klassischen Junior-Miner zu einer systemrelevanten Säule der westlichen Versorgungssicherheit für Wolfram emporgearbeitet. Die profitable Commerzbank und deren Vorstand stehen durch die wachsende UniCredit-Beteiligung massiv unter Übernahmedruck, der seitens der Frankfurter weiterhin als feindliche Übernahme bewertet wird. Die Aktien von SAP spüren trotz starkem Cloud-Geschäft massiven Kursdruck, da Investoren Beweise für die KI-Monetarisierung sehen wollen.



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