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26.09.2022 | 05:45

Beschleunigte Zweiteilung der Weltwirtschaft – Almonty Industries, Lanxess, Porsche Automobil Holding, Volkswagen AG Vz. Aktie

  • Almonty Industries
  • Lanxess
  • Volkswagen
Bildquelle: pixabay.com

Die Zweiteilung der Weltwirtschaft vollzieht sich mit den Sanktionsmaßnahmen des Westens gegenüber Russland und Weißrussland in immer schnelleren Schritten. Mit dem Ausschluss Russlands aus dem für die Globalisierung wichtigen SWIFT-System, wurde die politische Axt an die Wurzel des weltweiten Vertrauens der Nationen untereinander angesetzt und zugeschlagen. Immer mehr wirtschaftliche starke Staaten wie China, Indien oder auch Brasilien machen daher die Sanktionsmaßnahmen gegen Russland nicht mit, sondern wickeln immer mehr Handelsgeschäfte in ihren regionalen Währungen statt wie bisher in USD ab. Durch die Sanktionsmaßnahmen von Westeuropa habe sich diese Länder nicht nur von günstiger Energie, sondern auch von einer seit Jahrzehnten funktionierenden Rohstoffversorgung abgekoppelt. Das hat Auswirkungen auf die verbleibenden Produzenten aber auch auf die Rohstoffverbraucher.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034 , LANXESS AG | DE0005470405 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039


 

Wolframversorgung durch Almonty Industries

Ein oft zu wenig beachtetes Metall ist Wolfram. Dieses ist nicht nur ein guter Wärme- und Stromleiter, sondern vor allem ein Basismaterial für die Härtung von Stahl. Doch bisher ist die Welt stark abhängig von der Versorgung mit diesem wichtigen Metall aus dem Reich der Mitte. Mit den zunehmenden Spannungen um die Ein-China-Politik von China mit der 'abtrünnigen' Provinz Taiwan, könnte bei einem immer wahrscheinlicher werdenden Konflikt, die Rohstoffversorgung des Westens mit Wolfram ins Stocken oder gar von China sanktioniert werden. Das würde nicht nur die Rüstungsindustrie bei der Panzerung von Kriegsgeräten enorm treffen, sondern auch die Metallindustrie, die gehärteten Wolframstahl zum Bohren und Fräsen von anderen Metallen benötigt.

Um diesen absehbaren Rohstoffengpass zu beheben, expandiert das Wolframunternehmen Almonty Industries (WKN: A1JSSD ISIN: CA0203981034 Symbol: ALI). Dieses gehört in Europa bereits mit den beiden Wolframminen in Spanien und Portugal zu den wichtigsten Lieferanten außerhalb von China. Mit dem Ausbau der Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea wird das Unternehmen in wenigen Jahren zum größten Produzenten von Wolfram außerhalb von China aufsteigen. In den letzten vier Wochen wurde bereits die zweite Finanzierungstranche über 4,1 Mio. USD von der in Frankfurt ansässigen KfW-IBEX Bank ausgezahlt. Insgesamt stellt die Bank je nach erreichtem Meilenstein insgesamt 75,1 Mio. USD zur Verfügung, von der nun bereits 16,92 Mio. USD ausgezahlt worden sind. Gerade der Rücksetzer der Aktie im allgemeinen Abverkauf des Gesamtmarktes hat die Börsenbewertung auf gerade einmal 100 Mio. EUR gedrückt. Für langfristig orientierte Anleger dürften nun langsam interessante Kaufkurse auf dem Kurszettel erscheinen. Wer CEO Lewis Black direkt befragen will, für den bietet sich dessen Präsentation beim IIF International Investment Forum am 27.09.2022 an. Über diesen Link ist die Teilnahme kostenfrei: ii-forum.com/speaker/lewis-black-ceo-almonty-industries-inc.

Lanxess im Abwärtssog

Mit dem Lieferstopp von Erdgaslieferungen über Nord Stream 1 und dem bisher kategorischen Ausschluss der Öffnung der fertigen Nord Stream 2 Röhre durch die Bundesregierung, sind eine planbare Energiesicherheit und damit niedrige Energiepreise nicht mehr gegeben. Wie der Vorstandsvorsitzende des Spezialchemie-Konzerns Lanxess (WKN: 547040 ISIN: DE0005470405 Ticker Symbol: LXS) in einem Interview bei The Pioneer kürzlich sagte, ist die deutsche Industrie zu den aktuellen Energiepreisen nicht mehr wettbewerbsfähig. Sollte es kein politisches Signal zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen geben, dann würde eine schnelle Deindustrialisierung erfolgen. Diese würde innerhalb von 2-3 Jahren abgeschlossen sein und zur massenweisen Schließung und/oder Verlagerung von Unternehmen führen.

Sollte zum Beispiel Lanxess als Basisproduzent vieler Ausgangsstoffe seine Produktion einstellen, dann würden sämtliche nachgelagerten Industrien in der Wertschöpfungskette betroffen sein. Die aktuellen guten Zahlen aus Q2 2022 sollten daher nicht überbewertet werden, denn das EBITDA lag durch Sondereinflüsse und Nachholeffekte mit 14,5% bzw. 253 Mio. EUR oberhalb des Vorjahresquartals. Doch die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten können nicht mehr wie bisher auf die Käufer abgewälzt werden, denn mittlerweile gehen die Auftragseingänge zurück und der internationale Wettbewerb hat wieder Produktionskapazitäten frei und kann daher Lanxess Aufträge wegnehmen. Dem Aktienkurs tut dieses Marktumfeld jedenfalls nicht gut. Die Aktie hat sich seit Jahresanfang fast halbiert und notiert nur noch bei 30,92 EUR. Damit rückt sie immer näher an das Tief vom Coronaschock, das bei 25,68 EUR gelegen hatte.

Volkswagen vor Kurshalbierung oder Kursrallye?

Angeschlagen ist auch die charttechnische Situation bei den Aktien des Wolfsburger Volkswagen Konzerns (WKN: 766403 ISIN: DE0007664039 Ticker-Symbol: VOW3). Die Aktie verlor seit Mitte letzten Jahres knapp 45% und notiert nur noch bei ca. 140 EUR je Vorzugsaktie. Sollte die Aktie wie 2015 in einem freien Fall übergehen, dann wäre ein Absturz auf unter 80 EUR auf die Unterstützungszone von 76,10 EUR möglich. Das würde vom aktuellen Bewertungsniveau einer nochmaligen Kurshalbierung entsprechen. Fundamental wäre dies begründbar mit der rezessiven Phase der Weltwirtschaft und auch dem Schwächeln des Hauptabsatzmarktes von Volkswagen China. Da hilft auch nicht die bessere Versorgung mit Halbleitern, um die Produktion wieder hochfahren zu können, wenn der Absatz in der momentanen Weltlage zurück geht.

Positiv dürfte sich aber der bevorstehende Börsengang der Sportwagentochter Porsche AG am 29. September auswirken. Mit einem Preis von 76,50 EUR bis 82,50 EUR pro Aktie sollen die Papiere den Investoren angeboten werden und damit wäre die Porsche AG mit 70 bis 75 Mrd. EUR bewertet. Das wäre ungefähr der 10-fache Jahresgewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen. Als Käufer der Aktie werden Katar, der norwegische Staatsfonds, die staatlichen Investmentgesellschaft ADQ aus Abu Dhabi wie auch die US-Fondsgesellschaft T Rowe Price genannt. Da Volkswagen als Mutterkonzern derzeit nur mit 85 Mrd. EUR bewertet und durch den Börsengang von Porsche bis zu 19 Mrd. EUR zufließen wird, wäre aber auch ein Ausbruch der Aktie gen Norden möglich. Das sieht zumindest der Analyst George Galliers von Goldman Sachs so und gibt ein Kursziel von 197 EUR aus, zumal der Konzern mit Bently, Bugatti oder auch Lamborghini noch weitere Markennamen sein Eigen nennt.


Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind Aktien aus Deutschland nach wie vor als negativ einzustufen, solange die Energieversorgung und niedrige Energiepreise nicht sichergestellt werden können. Sollte aber eine politische Entscheidung zur Öffnung von Nord Stream 2 kommen, würden gerade die deutschen Aktien zu einer Rallye ansetzen. Besser sieht daher die Lage bei Rohstofflieferanten aus, die Rohstoffe wie Wolfram nicht an einzelne Unternehmen, sondern global verkaufen können.


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