20.05.2026 | 05:45
Bullrun, Erholung und Korrektur - Heidelberg Materials, North Arrow Minerals, Sartorius
Der DAX ist gestern stabil in den Tag gestartet und die Anleger verfolgen die Entwicklung des Iran-Kriegs mit Argusaugen. Positiv wirkt sich der Verzicht der US-Administration unter Präsident Trump auf weitere Eskalationsschritte gegen den Iran aus. Das stützt die Stimmung der letzten sechs Wochen und könnte für weiter ansteigende Euphorie an den Börsen sorgen. Gleichzeitig ändert sich der Fokus langsam weg vom Iran-Krieg hin zu der konjunkturellen Schwäche in Deutschland und der EU sowie den anziehenden Inflationskennzahlen. Welche Unternehmen von der aktuellen Stimmung profitieren und welche kritischer zu betrachten sind, lesen Sie hier:
Lesezeit: ca.
4 Minuten.
Autor:
Alfred Laugeberger
ISIN:
DE0006047004 , CA6572805092 , DE0007165631
Heidelberg Materials: Der Chart kippt
Die Aktie von Heidelberg Materials (WKN: 604700 | ISIN: DE0006047004 | Ticker: HEI) ist seit letzter Woche Mittwoch deutlich unter Druck geraten. Innerhalb einer Woche verlor die Aktie knapp 11 % und liegt nun wieder unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Charttechnisch sieht das nicht mehr nach einer normalen kleinen Korrektur aus, sondern nach einem klaren Bruch des seit 2022 laufenden Aufwärtstrends. Seit Jahresanfang liegt die Aktie rund 25 % im Minus. Besonders auffällig ist, dass sich der Kurs von Mitte März bis Mitte April noch einmal erholen konnte, danach aber wieder nach unten drehte.
Fundamental war das erste Quartal 2026 solide, aber eben nicht stark. Der Konzernumsatz fiel von 4,715 Mrd. EUR im Vorjahresquartal auf 4,536 Mrd. EUR. Das entspricht einem Rückgang von 3,8 %. Heidelberg Materials nennt vor allem wetterbedingt geringere Absatzmengen in Europa, schwierige Bedingungen im Nordosten der USA sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten als Belastungsfaktoren.
Noch wichtiger ist aber die Profitabilität bei der operativen EBITDA-Marge. Diese fiel im ersten Quartal von 11,8 % auf 10,7 %. Das operative EBITDA sank um 13 % von 557 Mio. EUR auf 484 Mio. EUR und das operative Ergebnis fiel sogar um 30,4 % von 235 Mio. EUR auf 163 Mio. EUR. Für das Gesamtjahr 2025 sah das Bild noch deutlich besser aus. Heidelberg Materials erzielte einen Jahresumsatz von rund 21,5 Mrd. EUR, eine EBITDA-Marge von 21,8 % und einen freien Cashflow von 2,1 Mrd. EUR.
Das Unternehmen bleibt für 2026 trotzdem zuversichtlich und bestätigt die Prognose. Erwartet wird weiterhin ein Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs zwischen 3,40 und 3,75 Mrd. EUR. Außerdem soll die Dividende auf 3,60 EUR je Aktie erhöht und die dritte Tranche des Aktienrückkaufs mit bis zu 450 Mio. EUR gestartet werden.
North Arrow Minerals - Goldprojekt in Botswana rückt ins Rampenlicht
Das kanadische Goldexplorationsunternehmen North Arrow Minerals (WKN: A40G3U | ISIN: CA6572805092 | Ticker-Symbol: NHAWF) hat sich in den letzten Quartalen strategisch neu ausgerichtet, denn die Preise am Markt für Diamanten haben sich in den letzten vier Jahren fast halbiert und notieren auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre. Der Boom bei synthetischen Diamanten machte einen Wechsel in der Unternehmenspolitik erforderlich. Mit dem Kraaipan-Goldprojekt in Botswana positioniert sich North Arrow Minerals in einem der spannendsten Explorationsgürtel des südlichen Afrikas neu.
Der Kraaipan-Grünstein-Gürtel ist unter geologischen Gesichtspunkten hochinteressant durch seine Gesteinsstrukturen mit nachgewiesenem Goldpotenzial. Das Unternehmen hat zuletzt bereits mehrfach für Aufsehen in der Fachwelt gesorgt, denn die bereits vorhandenen Goldmineralisierungen am Kraaipan-Goldprojekt konnten durch die letzten Bohrungen deutlich über die bekannten Zonen hinaus ausgeweitet werden. Dadurch hat dieses Projekt mehr Substanz als bisher angenommen. Um die weitere Exploration zu gewährleisten, konnte das Management zuletzt erfolgreich über 4 Millionen CAD einwerben, um die Explorationsbohrungen fortzusetzen.
Das 2026er-Explorationsprogramm am Kraaipan-Golprojekt ist bereits gestartet und soll die bekannte Mineralisierung weiter eingrenzen und mögliche neue Goldzonen identifizieren. In den kommenden Monaten dürften die Bohrergebnisse sukzessive veröffentlicht werden und so die Aktie mit Neuigkeiten befeuern. Das politische Umfeld in Botswana ist stabil und die laufenden Kosten des Bohrprogramms sind gesichert. Daher bietet North Arrow Minerals einen Hebel auf den Goldpreis mit allen Chancen und Risiken, die eine Investition in ein Explorerunternehmen mit sich bringt.

Sartorius-Aktie springt an: Erholung in Seitwärtsphase?
Die Sartorius AG (WKN: 716563 | ISIN: DE0007165631 | Ticker: SRT3) konnte in den letzten Handelstagen wieder deutlich zulegen und stieg seit dem Montagstief um rund 7 % auf 219,50 EUR an. Damit hellt sich das kurzfristige Chartbild wieder etwas auf. Seit Jahresanfang ist die Aktie allerdings weiterhin rund 11 % im Minus. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell ungefähr 13,6 Mrd. EUR. In den vergangenen zwei Jahren, beginnend im Juli 2024, bewegt sich die Aktie in einer großen Seitwärtsphase zwischen 166 und 267 EUR und hat es bisher nicht geschafft, nachhaltig auszubrechen.
Der Zulieferer für die Pharma- und Biotechindustrie versorgt diese mit Technologien, Laborgeräten, Verbrauchsmaterialien und Lösungen für die Herstellung von Biotech-Medikamenten, Impfstoffen sowie Zell- und Gentherapien. Der wichtigste Bereich des in Göttingen ansässigen Unternehmens sind die Bioprozesslösungen, die investorenseitig auch wieder deutlich mehr Beachtung finden als in den vergangenen turbulenten Jahren. Operativ lief es im abgelaufenen Jahr wieder besser und der Umsatz stieg von 3,38 Mrd. EUR in 2024 auf 3,54 Mrd. EUR in 2025 an. Das EBITDA verbesserte sich von 945 Mio. EUR auf 1,05 Mrd. EUR und die EBITDA-Marge legte von 28,0 % auf 29,7 % zu. Der Nettogewinn stieg deutlich von 280 Mio. EUR auf 331 Mio. EUR und zeigt, dass Sartorius nach den schwächeren Jahren wieder profitabler geworden ist und wächst.
Den größten Anteil am Wachstum hat der Bereich Bioprozesslösungen, in welchem der Umsatz um 6,5 % auf 2,87 Mrd. EUR anstieg. Das EBITDA in diesem Segment stieg sogar um 15,2 % auf 907 Mio. EUR und die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 31,7 %. Damit konnte der Umsatzrückgang von 2,5 % auf 673 Mio. EUR im Bereich Laborprodukte & Dienstleistungen mehr als wettgemacht werden. Im ersten Quartal 2026 erzielte Sartorius einen Umsatz von 899 Mio. EUR. Wechselkursbereinigt entspräche dies einem Wachstum von 7,5 %, aber wegen negativer Währungseffekte fiel der Anstieg mit 1,8 % deutlich geringer aus. Das EBITDA lag bei 267 Mio. EUR, die Marge blieb mit 29,7 % stabil. Daher bestätigte das Management die Jahresprognose und erwartet ein wechselkursbereinigtes Umsatzwachstum von 5 % bis 9 % und eine bereinigte EBITDA-Marge von leicht über 30 %.
Fazit
Heidelberg Materials ist fundamental kein schwaches Unternehmen, aber der Umsatz ist rückläufig, die operative Marge wird schwächer und die Aktie preist dies mit fallenden Kursen ein. Aktionäre sollten hier ihre Positionen eng absichern. Die Aktie von North Arrow Minerals bietet als Goldexplorer einen Hebel auf den Goldpreis. Wenn nach dem starken Anstieg des Goldpreises bis Januar 2026 die seitdem laufende Korrektur beendet wird, dürften besonders die Exploreraktien wieder überproportional profitieren. Fundamental stabilisiert sich derzeit die Sartorius-Aktie und bleibt deshalb faszinierend, aber der große Ausbruch aus der Seitwärtsrange muss erst noch kommen.