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03.08.2026 | 05:45

Chancen & Risiken bei den Q2-Kennzahlen – Adobe, Almonty Industries, Apple, Microsoft

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Bildquelle: Pixabay

Zwischen Cloud, Kreativsoftware und kritischen Rohstoffen rücken gleich mehrere börsennotierte Schwergewichte in den Fokus der Anleger. Nach teils kräftigen Kursbewegungen entscheidet sich nun, ob operative Stärke und strategische Weichenstellungen die Bewertungen stabilisieren können. Im Zentrum stehen wiederkehrende Erlösmodelle, Investitionszyklen und die Frage, wer die KI-Welle profitabel monetarisiert, ohne Margen und Cashflows zu stark zu verwässern. Gleichzeitig verschärfen Zinsniveau, Währungsbewegungen und geopolitische Risiken den Blick auf Lieferketten und die noch vorherrschende Preissetzungsmacht. Sollten die Anleger bereits auf die Trendwende setzen?

Lesezeit: ca. 7 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: US00724F1012 , CA0203987072 , US0378331005 , US5949181045


 

Adobe-Aktie tief gefallen: Kann die KI-Strategie die Wende bringen?

Die Adobe-Aktie (WKN: 871981 | ISIN: US00724F1012 | Ticker: ADBE) gehört 2026 bislang zu den schwächeren großen Technologiewerten. Am Freitag ging sie bei rund 250,40 USD aus dem Börsenhandel. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus damit etwa 27 %, auf 52-Wochen-Sicht sind es rund 29 % und der Börsenwert liegt noch bei knapp 100 Mrd. USD. Damit steht Adobe ungefähr auf Platz 240 der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Adobe ist vor allem für Programme wie Photoshop, Illustrator, Premiere Pro und Acrobat bekannt, ebenso wie für Angebote für Werbung, Kundendaten und digitale Inhalte. Die Software wird meist im Abonnement verkauft, wodurch viele Einnahmen regelmäßig wiederkehren.

Das Geschäftsjahr endet am 30. November und deshalb enden die vier Quartale jeweils Ende Februar, Mai, August und November. Das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 endete somit bereits am 31. Mai. Das operative Geschäft entwickelte sich im abgelaufenen Quartal solide. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 13 % auf den Rekordwert von 6,62 Mrd. USD. Rund 97 % davon stammten aus Abonnements. Der operative Gewinn erhöhte sich um 6 % auf 2,24 Mrd. USD und unter dem Strich verdiente Adobe 1,71 Mrd. USD und so auch etwas mehr als ein Jahr zuvor. Der Gewinn je Aktie ohne Sondereffekte legte sogar um 18 % auf 5,96 USD zu.

Entscheidend ist nun aber, wie Adobe mit künstlicher Intelligenz zukünftig umgeht. Neue Programme erstellen Bilder, Videos und Designs in wenigen Sekunden. Das eröffnet einen neuen Markt, könnte klassische Programme und teure Abonnements wie von Adobe langfristig aber weniger wichtig machen. Daher baut das Unternehmen KI direkt in seine bekannten Anwendungen ein. Im Fokus steht Firefly, mit dem sich Bilder, Videos und andere Inhalte erstellen oder bearbeiten lassen. Adobe zufolge bringen die neuen KI-Angebote auf ein Jahr gerechnet inzwischen mehr als 500 Mio. USD ein – dreimal so viel wie im Vorjahr. Firefly allein näherte sich der Marke von 300 Mio. USD. Gleichzeitig stieg die Zahl der monatlichen Nutzer der kostenlosen Kreativangebote um mehr als 70 % auf über 90 Millionen.

Die kostenlosen Angebote sind allerdings auch ein Grund für die Zurückhaltung der Anleger. Adobe will zunächst viele Nutzer gewinnen und sie später in zahlende Kunden verwandeln. Dadurch könnten die Einnahmen aus neuen Bezahlabonnements kurzfristig langsamer wachsen. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb durch Canva, Figma sowie KI-Angebote von OpenAI und Google zu. Auch der anstehende CEO-Wechsel und der Abgang des Finanzchefs sorgen für Unsicherheit.

Adobe selbst bleibt zuversichtlich und erhöhte die Jahresprognose auf 26,50 bis 26,60 Mrd. USD Umsatz. Der erwartete Gewinn je Aktie ohne Sondereffekte soll bei 24,35 bis 24,45 USD liegen. Beim aktuellen Aktienkurs entspricht das ungefähr dem Zehnfachen dieses erwarteten Gewinns. Die nächsten Quartalszahlen werden derzeit für den 10. September erwartet. Charttechnisch ist die langfristige Trendwende noch nicht geschafft. Die Aktie konnte zwar die 20-, 50- und 100-Tage-Linie zurückerobern, scheiterte zuletzt aber im Bereich von 260 USD. Oberhalb davon wartet bei ungefähr 276 bis 277 USD die wichtige 200-Tage-Linie. Erst wenn auch diese nachhaltig überwunden wird, würde sich das Chartbild deutlich aufhellen.

Almonty Industries: Wolfram-Knappheit treibt Expansion an

Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen und restriktiver werdender Exportregimen hat sich Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1) als systemrelevanter Wolfram-Lieferant für die westliche Industrie positioniert, um kritische Lieferketten nachhaltig abzusichern. Ein entscheidender Katalysator dieser Entwicklung ist die südkoreanische Sangdong-Mine. Diese hat im Juli 2026 erfolgreich den planmäßigen Hochlauf in die direkte Durchsatzverarbeitung des Wolframerzes vollzogen. Mit dieser Inbetriebnahme absolviert der Konzern den Wandel zu einem ernstzunehmenden Wolframproduzenten in geopolitisch sicheren Jurisdiktionen. Die Basis hierfür bilden bereits gelagerte Erzreserven von 139,7 Mio. Tonnen mit einem durchschnittlichen Wolframgehalt von 0,25 %. Das entspricht einem bilanziellen Gegenwert von rund 68 Mio. USD. Dieser nun angelaufene hocheffiziente Abbauprozess der Stufe 1 legt das wirtschaftliche Fundament, um die signifikanten Vorkommen über die nächsten Jahrzehnte in kontinuierliche Cashflows zu transformieren.

Die kommerzielle Sichtbarkeit dieses Produktionsanstiegs wird durch die drastische Ausweitung des strategischen Abnahmevertrags mit Global Tungsten & Powders untermauert. Hierdurch erhalten beide Unternehmen, aber auch die institutionellen Investoren, ein Höchstmaß an langfristiger Planungssicherheit. Das nun auf 21 Jahre verlängerte Abkommen steigert die garantierte Gesamtabnahmemenge um 40 % auf 4,41 Mio. MTU. Bei voller Auslastung der ersten Minenphase entspricht das einer jährlichen Mindestlieferung von 210.000 MTU. Zusätzlich treibt eine neu verhandelte Preisformel die operative Marge von Almonty Industries an. Der durchschnittliche Verkaufspreis steigt um 6,3 % und dem Unternehmen fließen somit jährlich mindestens 30 Mio. USD an zusätzlichen Erlösen zu. Um dieses rasante Wachstum bilanziell zu stützen und weitere Expansionsschritte vorzubereiten, platzierte das Management im Juni 2026 erfolgreich eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 800 Mio. USD. Die verbleibenden Nettomittel in Höhe von 772,7 Mio. USD dienen fortan der effizienten Umschuldung sowie der Prüfung potenzieller Akquisitionen im weiterhin angebotsdefizitären Wolframsektor. Doch den signifikanten Zugewinn an Unternehmensliquidität durch die Wandelanleihe begrüßten nicht alle Investoren und es wechselten in den vergangenen beiden Monaten mehr als 100 Mio. Aktien den Besitzer.

Um die administrativen Unternehmenskosten zu senken und die Handelsliquidität an den primären Börsenplätzen zu bündeln, kündigte das Management kürzlich das strategische Delisting von der australischen Börse ASX an. Makroökonomisch profitiert das Unternehmen weiterhin von einem extrem starken Marktumfeld. Die Notierungen für Ammoniumparawolframat sind, getrieben durch einen massiven Nachfrageüberhang der Verteidigungsindustrie, auf ein Niveau von 3.125 USD pro MTU explodiert. Branchenbeobachter werten jüngste Marktkorrekturen bei Rohstoffunternehmen wie Almonty dagegen als seltene Einstiegsgelegenheit. Das liegt vor allem daran, dass die strukturelle Verknappung von Technologiemetallen unvermindert anhält! Dementsprechend sehen Analysten ein erhebliches mittelfristiges Aufwertungspotenzial für die Almonty-Aktie und rufen Kursziele von bis zu 38,90 CAD auf. Umgerechnet entspräche das einem aktuellen Gegenwert von etwa 24,31 EUR je Anteilsschein. Da die Planungen für eine zweite Ausbaustufe in Südkorea noch nicht einmal bilanziell aktiviert wurden, verfügt der Konzern weiterhin über massive stille Reserven, um die wachsende globale Nachfrage bedienen zu können. Auch das Gentung-Projekt in den USA oder die Projekte auf der Iberischen Halbinsel werden derzeit fast gar nicht vom Markt beachtet.

Microsoft und Apple im Spannungsfeld: Kurs, Wachstumstreiber und Aussichten

Die Aktien der Tech-Giganten Microsoft (WKN: 870747 | ISIN: US5949181045 | Ticker: MSFT) und Apple (WKN: 865985 | ISIN: US0378331005 | Ticker-Symbol: APC) zeigen sich auch im Jahr 2026 von ganz unterschiedlicher Seite. Microsoft verzeichnete zuletzt deutliche Kursgewinne, getrieben vor allem durch das Wachstum im Cloud-Geschäft und robuste Finanzkennzahlen. Apple reagiert dagegen sensibel auf Lieferkettenherausforderungen und makroökonomische Unsicherheiten, obwohl die iPhone-Verkäufe und verkauften Dienstleistungen für eine hohe Profitabilität sorgen. In beiden Fällen dominiert zwar der Blick auf die Margen, die Cashflow-Qualität und die zu erwartende Kapitalrendite, doch Regularien, Zulieferketten und politischer Druck, z. B. in der EU, setzen die Unternehmen aber auch unter Druck.

Microsoft konnte im jüngsten Quartal die Erwartungen der Analysten übertreffen. Umsatz und operativer Gewinn lagen deutlich über den Vorjahreswerten und der ausgewiesene Gewinn je Aktie konnte deutliche Zuwächse zeigen. Wesentlicher Treiber blieb die Cloud-Sparte, insbesondere Azure, deren Umsatzwachstum zweistellig weiterbeschleunigte und im Gesamtjahr erstmals die 100-Mrd.-USD-Marke überschritten hat. Gleichzeitig profitierte der Konzern von Bewertungsgewinnen rund um Beteiligungen im KI-Umfeld, was den Nettogewinn positiv beeinflusste. Trotzdem blieb der freie Cashflow unter Druck, da hohe Investitionen in Rechenzentren und KI-Chips die Kapitalbindung erhöhten. Der Ausblick bleibt defensiv, aber damit realistisch. Ein moderates Umsatzplus bei Azure-Geschäft und die Cloudsparte soll währungsbereinigt weiter wachsen. Charttechnisch hat sich das Bild zuletzt aufgehellt, und die 200-Tage-Linie konnte bei 446 USD übersprungen werden. Diese Dynamik lässt Ziele von 500 USD möglich erscheinen, während der nächste nennenswerte Widerstand erst bei 578 USD liegt.

Apple bleibt der „iPhone-first“-Kern, doch die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass der Konzern mit Lieferkettenproblematiken zu kämpfen hat und erst noch mit den veränderten Markterwartungen umgehen lernen muss. Die Quartalszahlen übertrafen noch größtenteils die Erwartungen. Getragen wurde dies von kräftigen iPhone-Absätzen und robusten Umsatzbeiträgen aus Mac- und Services-Segmenten, aber der Ausblick enttäuschte teilweise die Marktteilnehmer. Analysten sehen die Preiserhöhungen bei Speicher- und Chips-Frontier etwas kritisch, da dies das künftige Nachfrageverhalten beeinflussen könnte. Die Service-Sparte liefert zwar ebenfalls Wachstum, bleibt aber im Vergleich zu den Gewinnen im Segment Hardware hinter einigen Erwartungen zurück. Auch die Neuausrichtung des Führungsteams mit dem kommenden CEO-Wechsel birgt zwar Chancen, liefert aber auch Unsicherheiten, die im Zweifel zuletzt für Gewinnmitnahmen genutzt wurden.

In der Analystenlandschaft zeigen sich unterschiedliche Ansichten und Impulse. Die Schweizer Großbank UBS belässt Apple nach den Quartalszahlen auf Neutral mit einem moderaten Kursziel von 296 USD, während Jefferies das Kursziel von 308,92 USD auf 285,56 USD senkt. JPMorgan dagegen belässt die Aktie auf „Übergewichten“, reduziert das Kursziel aber nur leicht um 5 USD auf 345 USD.

Zusammenfassung

Die letzten Quartalszahlen von Adobe zeigen, dass das Unternehmen die Disruption der KI für sich nutzen konnte und weiter Abonnenten gewinnt. Dennoch waren die Marktteilnehmer in den letzten Quartalen sehr zurückhaltend und schickten die Aktie auf Talfahrt, die aber nun beendet sein könnte.
Auch wenn die Aktie von Almonty Industries nach einem starken Bullenmarkt der letzten zweieinhalb Jahre und 5.000 % Kursanstieg nun in eine korrektive Phase übergegangen ist, könnte ein Abstauber-Limit im Bereich der Unterstützungszone von 6,80 USD (ca. 6,00 EUR) ein interessanter langfristiger Einstiegskurs sein.
Microsoft und Apple setzen unterschiedliche operative Schwerpunkte, beide sind jedoch stark von Cloud, Chips, Services und KI-Investitionen abhängig sowie von den weiter optimistischen Erwartungen der Marktteilnehmer.



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