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17.09.2026 | 05:45

Ein nervöser Markt + sechs Börsenstorys - Apple, Circle, Coinbase, Qorvo, Skyworks Solutions, Volatus Aerospace

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Bildquelle: Pixabay

Zwischen politischem Gegenwind, milliardenschweren Zukunftsmärkten und neuer Übernahmephantasie zeigt sich, wie schnell sich Investmentthesen an der Börse innerhalb weniger Tage verschieben können. Mal entscheidet die Regulierung über Kursverluste, mal öffnet ein Staatsauftrag neue Wachstumspfade, mal treibt eine Fusion die Bewertung nach oben. Wer verstehen will, welche Signale hinter den jüngsten Ausschlägen der sechs Aktien stecken, findet hier die Chancen und Risiken, die derzeit bei diesen Werten vorliegen.

Lesezeit: ca. 7 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: US1725731079 , US19260Q1076 , CA92865M1023 , US83088M1027 , US74736K1016 , US0378331005


 

Circle- und Coinbase-Aktie stürzen ab: US-Senat schockt Bitcoin-Anleger

Der Kryptomarkt erlebt den nächsten schweren Rückschlag. Die Aktie der Circle Internet Group (WKN: A417ZL | ISIN: US1725731079 | Ticker: CRCL) brach am Dienstag zeitweise um mehr als 11 % ein und notierte zuletzt bei 86,30 USD. Der Börsenwert sank auf 21,91 Mrd. USD. Seit Jahresbeginn liegt der Titel zwar noch 3,39 % im Plus, innerhalb eines Jahres beträgt der Verlust jedoch 35,62 %. Auch die Coinbase-Aktie geriet massiv unter Druck.

Coinbase (WKN: A2QP7J | ISIN: US19260Q1076 | Ticker: COIN) verlor rund 10 % und fiel auf 172,11 USD. Damit summiert sich das Minus seit Jahresbeginn auf 27,24 % und auf Jahressicht sogar auf 47,37 %. Die Marktkapitalisierung beträgt nur noch 45,41 Mrd. USD. Gleichzeitig rutschte Bitcoin um etwa 4 % unter die Marke von 76.000 USD. Zeitweise kostete die wichtigste Kryptowährung nur knapp 75.000 USD.

Auslöser des Ausverkaufs war eine Abstimmung im US-Senat. Der sogenannte Clarity Act sollte erstmals einen umfassenden rechtlichen Rahmen für den 2,3 Bio. USD schweren Kryptomarkt schaffen. Das Gesetz sollte unter anderem klarer regeln, wann die Börsenaufsicht SEC und wann die Rohstoffaufsicht CFTC zuständig ist. Davon hätten große Kryptounternehmen wie Coinbase und Circle profitieren können. Doch der Gesetzentwurf erhielt nur 49 Stimmen. Für den Übergang zur eigentlichen Beratung wären mindestens 60 Stimmen notwendig gewesen. Vor allem demokratische Senatoren verlangten strengere Regeln gegen mögliche Interessenkonflikte rund um die Kryptogeschäfte von US-Präsident Donald Trump und seiner Familie. Nach dem gescheiterten Votum ist eine Verabschiedung vor den anstehenden Zwischenwahlen deutlich unwahrscheinlicher geworden.

Für Circle ist die Entwicklung besonders kritisch. Das Unternehmen gibt den an den USD gekoppelten Stablecoin USDC heraus und ist stark auf verlässliche Regeln für digitale Zahlungsmittel angewiesen. Coinbase wiederum verdient vor allem am Kryptohandel, der Verwahrung und weiteren Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte. Bleibt die Regulierung unklar, könnten institutionelle Investoren größere Engagements erneut verschieben. Zusätzlicher Verkaufsdruck kam von Cathie Wood´s ARK Invest, der bereits vor der Abstimmung Kryptowerte im Umfang von mehr als 60 Mio. USD verkauft hatte.

Auch die Charts senden Warnsignale. Coinbase liegt unter dem GD20 bei 178,25 USD und dem GD200 bei 190,55 USD. Der GD50 bei 165,63 USD bildet nun eine wichtige Unterstützung. Circle notiert unter dem GD20 von 90,29 USD und nur knapp über GD100 und GD200 bei etwa 85 USD. Bricht diese Zone, könnte der GD50 bei 75,41 USD in den Fokus rücken.

Bitcoin bleibt oberhalb des GD50 bei etwa 71.660 USD und des GD200 bei 70.241 USD. Kurzfristig muss der Bitcoin jedoch zuerst den GD20 bei 78.308 USD und anschließend die psychologisch bedeutsame Marke von 80.000 USD zurückerobern. Solange das nicht gelingt, bleiben Circle, Coinbase und der gesamte Kryptosektor anfällig für weitere Verluste.

Volatus Aerospace: Durchschlagender Meilenstein erreicht

Volatus Aerospace (WKN: A2JEQU | ISIN: CA92865M1023 | Ticker: ABB) gewinnt im kanadischen Verteidigungsmarkt spürbar an Profil. Das Unternehmen wurde zunächst als qualifizierter Anbieter in den Defence Drone Initiative Marketplace der kanadischen Regierung aufgenommen und kurz darauf in allen fünf relevanten Drohnensegmenten zugelassen. Diese sind die unbemannten und autonomen Systeme UxS/c-UxS, das Segment für Kommunikation und Daten, Entwicklung und Integration, Prüfung und Training sowie Innovation und Experimente. Diese Vollqualifikation ist für das noch junge Unternehmen ein strategischer Quantensprung, weil sie die technologische Bandbreite des Portfolios mit staatlicher Prüfung bestätigt. In einem Umfeld wachsender Verteidigungsausgaben und einer global bis 2034 auf rund 160 Mrd. USD geschätzten Drohnennachfrage verbessert das die Position des Konzerns im westlichen NATO-Bündnissystem deutlich.

Die operative Relevanz dieser Einstufung zeigt sich bereits im ersten Abruf. Am 10.09.2026 erhielt Volatus einen auf fünf Jahre angelegten Vertrag zur Lieferung von zunächst 100 taktischen ISR-Drohnen an die kanadische Armee. Die ersten Systeme sollen bereits ab Q4 2026 ausgeliefert werden. Hinzu kommt eine Option auf bis zu 4.900 zusätzliche Einheiten, womit der Rahmen auf maximal 5.000 Systeme steigt; der gesamte Beschaffungsrahmen ist auf 25 Mio. CAD gedeckelt. Wichtig für Investoren ist jedoch die saubere Einordnung: Die Zusatzmenge ist keine feste Bestellung und damit keine gesicherte Umsatzgröße. Dennoch markiert der Auftrag einen belastbaren Referenzpunkt, weil aus einer politischen Initiative nun ein konkretes Beschaffungsprogramm mit industrieller Umsetzung wird.

Fundamental hat sich die vorteilhafte Ausgangslage damit weiter verbessert. Im 2. Quartal 2026 legte der Umsatz auf 8,42 Mio. CAD zu, was einem Plus von 49,5 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Das Segment Ausrüstung wuchs um 38 % und der Bereich Dienstleistungen um 59 %. Mit liquiden Mitteln von zuletzt 59,2 Mio. CAD verfügt Volatus über den finanziellen Spielraum, die Produktion, Integration und Marktbearbeitung parallel weiter auszubauen. Das passt perfekt zur Dual-Use-Strategie des Unternehmens, das zivile Anwendungen mit staatlichen Sicherheits- und Verteidigungsaufträgen verbindet. Im Vergleich zu vielen reinen Drohnenentwicklern ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil. Plattformen wie SKYDRA, die Produktionsbasis im kanadischen Mirabel und das Operations Control Centre in Vaughan erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit, neue Aufträge zu generieren, da alles aus einer Hand geliefert werden kann.

An der Börse spiegelt sich diese Perspektive inzwischen teilweise wider, aber nicht vollständig. Bei 725.838.256 ausstehenden Aktien und einem Schlusskurs von 0,63 CAD am 16.09.2026 liegt die Marktkapitalisierung bei rund 457 Mio. CAD, was für ein Unternehmen mit noch überschaubarem Umsatzniveau ambitioniert wirkt. Charttechnisch hat sich das Bild gegenüber dem früheren Niveau von 0,50 CAD verbessert: Der Kurs notiert über dem GD50 von 0,52 CAD und konnte zuletzt auch den GD200 bei 0,62 CAD überspringen. Die Unterstützungszone zwischen 0,42 und 0,46 CAD bleibt relevant, falls nach dem jüngsten Nachrichtenfluss Gewinnmitnahmen einsetzen sollten. Auf der Oberseite würde ein Überspringen der 0,70 CAD den Weg Richtung neues Jahreshoch freimachen, wobei der nächste größere Widerstand erst bei ca. 0,97 bis 1,00 CAD zu finden wäre.

Skyworks-Aktie explodiert: Apple-Zulieferer planen neuen 22-Milliarden-Chipkonzern

Ein bislang wenig bekannter Apple-Zulieferer sorgt an der Wall Street für Aufsehen: Die Aktie von Skyworks Solutions (WKN: 857760 | ISIN: US83088M1027 | Ticker: SWKS) sprang am Dienstag zeitweise um fast 13 % und notierte zuletzt bei 88,45 USD. Seit Jahresbeginn steht damit ein Gewinn von 37,34 % zu Buche, innerhalb eines Jahres legte der Titel um 21,38 % zu. Der Börsenwert beträgt inzwischen 13,31 Mrd. USD. Auslöser der neuen Kursphantasie ist die geplante Fusion mit dem Chipkonzern Qorvo.

Skyworks produziert Funkchips, Verstärker und Filter, die unter anderem in iPhones, Tablets, WLAN-Geräten und Autos verbaut werden. Apple (WKN: 865985 | ISIN: US0378331005 | Ticker-Symbol: APC) ist dabei der mit Abstand wichtigste Kunde: Im Geschäftsjahr 2025 entfielen 67 % des Skyworks-Umsatzes auf den iPhone-Konzern. Das macht die Aktie indirekt zu einer Apple-Wette – mit entsprechend großen Chancen, aber auch erheblichen Risiken.

Durch die Fusion mit Qorvo (WKN: A12CY9 | ISIN: US74736K1016 | Ticker: QRVO) soll ein deutlich größerer US-Chipkonzern entstehen. Wichtig: Die häufig genannten 22 Mrd. USD sind nicht der Kaufpreis für Qorvo, sondern der geschätzte Unternehmenswert des kombinierten Konzerns. Qorvo-Aktionäre sollen für jede Aktie 32,50 USD in bar und zusätzlich 0,96 Skyworks-Aktien erhalten. Nach Abschluss würden die bisherigen Skyworks-Aktionäre rund 63 % und die Qorvo-Aktionäre etwa 37 % des neuen Unternehmens besitzen.

Auch die Qorvo-Aktie hat kräftig zugelegt. Bei einem Kurs von 115,66 USD beträgt das Plus seit Jahresbeginn 34,07 % und auf Jahressicht 33,85 %. Die Marktkapitalisierung liegt bei 10,20 Mrd. USD. Gemeinsam kämen Skyworks und Qorvo auf rund 7,7 Mrd. USD Jahresumsatz sowie ein bereinigtes EBITDA von 2,1 Mrd. USD. Neben dem Mobilfunkgeschäft sollen Rechenzentren, vernetzte Geräte, Autos sowie die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie für mehr Wachstum sorgen. Der Zusammenschluss bündelt rund 8.000 Ingenieure und mehr als 12.000 Patente.

Zusätzlichen Rückenwind brachte Skyworks-Chef Phil Brace. Er zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass der Zusammenschluss bereits Ende September oder Anfang Oktober abgeschlossen werden könnte. Ursprünglich war der Vollzug erst für Anfang 2027 erwartet worden. Außerdem stellt Skyworks innerhalb von 24 bis 36 Monaten jährliche Kosteneinsparungen von mindestens 500 Mio. USD in Aussicht.

Auch charttechnisch hat sich das Bild deutlich aufgehellt. Die Skyworks-Aktie liegt klar über dem GD20 bei 72,34 USD und dem GD200 bei 64,47 USD. Qorvo notiert ebenfalls über dem GD20 von 100,91 USD und dem GD200 von 88,69 USD. Der steile Anstieg erhöht allerdings die Gefahr kurzfristiger Gewinnmitnahmen.

Das größte Risiko bleibt Apple. Der Konzern entwickelt zunehmend eigene Mobilfunkchips und könnte weniger Komponenten bei externen Anbietern bestellen. Hinzu kommen noch ausstehende Genehmigungen und mögliche Probleme bei der Integration. Gelingt die Fusion jedoch wie geplant, könnte aus zwei stark vom Smartphone-Geschäft abhängigen Zulieferern ein breiter aufgestellter Chipkonzern entstehen. Dann wäre die aktuelle Rally möglicherweise erst der Anfang.

Zusammenfassung

Circle Internet Group leidet zusammen mit der Coinbase-Aktie unter dem Rückschlag im US-Senat, denn ohne klaren Regulierungsrahmen bleibt der Kryptosektor für große Investoren kurzfristig noch zu spekulativ.
Volatus Aerospace gewinnt mit der DDI-Zulassung und dem ersten Auftrag der kanadischen Armee an strategischem Gewicht und kann den Bewertungsaufschlag operativ durch einen weiter anziehenden Auftragsbestand nach und nach abbauen.
Skyworks Solutions profitiert von der geplanten Fusion mit Qorvo, doch trotz Synergiepotenzial bleibt die hohe Abhängigkeit von Apple ein zentrales Risiko, das nicht aus den Augen verloren werden darf.



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