25.08.2026 | 05:45
Zwischen Milliarden-Deals und Geopolitik - Almonty Industries, Deutz, Catl, Schaeffler
Die globalen Finanzmärkte stehen im Zeichen eines massiven strukturellen Wandels. Ob die volatile Transformation zur E-Mobilität, die geopolitische Sicherung systemkritischer Rohstoffe oder der epochale Einstieg eines Traditionskonzerns in den boomenden Verteidigungssektor – Anpassungsfähigkeit ist Trumpf. Wir beleuchten drei spannende Börsenkandidaten, die aktuell durch milliardenschwere Übernahmen, strategische Allianzen und massive Aktienrückkäufe im dreistelligen Millionen-USD-Bereich auffallen. Welche dieser Aktien bietet jetzt ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis?
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA0203987072 , DE0006305006 , US2109191062 , DE000SHA0100
402 Mio. EUR Verlust im E-Auto-Geschäft – jetzt greift Schaeffler mit CATL an
Die Aktie der Schaeffler AG (WKN: SHA010 | ISIN: DE000SHA0100 | Ticker: SHA0) notierte am Montag bei 7,76 EUR und legte um 1,6 % im Vergleich zum Freitagsschlusskurs zu. Der Börsenwert liegt bei rund 7,22 Mrd. EUR. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ca. 7,6 % abgegeben, auf Jahressicht konnte sie jedoch um knapp 50 % zulegen. Vom 52-Wochen-Hoch bei knapp 12,00 EUR im Januar 2026 ist der Kurs rund 55 % entfernt. Mit Hauptsitz in Herzogenaurach beschäftigt der Automobilzulieferer weltweit knapp 109.000 Mitarbeiter. Der Konzern produziert Lager, Fahrwerkskomponenten, Antriebssysteme und Ersatzteile für die Automobilindustrie sowie zahlreiche Industriebranchen. Durch den Zusammenschluss mit Vitesco wurde besonders das Geschäft mit elektrischen Antrieben, Steuergeräten und Leistungselektronik ausgebaut.
Nun vertieft Schaeffler seine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Batterie-Weltmarktführer CATL (WKN: A41CM9 | ISIN: US2109191062 | Ticker-Symbol: C7A1). Beide Unternehmen unterzeichneten eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung von Batteriemanagementsystemen und „X-in-1“-Integrated-PowerBox-Lösungen. Die Kooperation baut auf einem bereits gewonnenen Kundenprojekt auf und richtet sich zunächst besonders an europäische Autohersteller. Batteriemanagementsysteme überwachen unter anderem Ladezustand, Temperatur und Sicherheit der Batteriezellen. Bei der Integrated PowerBox werden Hochvoltelektronik und elektromechanische Systeme in einer Einheit gebündelt. CATL bringt seine Batterietechnik ein, während Schaeffler Kompetenzen bei Hard- und Software, Systemintegration, Sicherheit, Tests und europäischer Serienproduktion beisteuert. Dadurch könnten Entwicklungszeiten verkürzt, Kosten reduziert und neue Kunden gewonnen werden. Allerdings handelt es sich bisher nur um eine Absichtserklärung und nicht um einen neuen Großauftrag.
Der Zeitpunkt ist entscheidend, denn Schaefflers E-Mobility-Sparte wächst, schreibt aber weiterhin hohe Verluste. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz währungsbereinigt um 7,7 % auf 2,58 Mrd. EUR. Das bereinigte EBIT lag dennoch bei minus 402 Mio. EUR. Im Vorjahr waren es minus 463 Mio. EUR. Die Marge verbesserte sich damit von minus 19,3 auf minus 15,6 %. Auf Konzernebene entwickelte sich Schaeffler deutlich besser. Der Halbjahresumsatz erreichte 11,67 Mrd. EUR und lag währungsbereinigt 0,4 % über dem Vorjahreswert. Das bereinigte EBIT stieg um 14 % auf 549 Mio. EUR, die Marge von 4,1 auf 4,7 %. Der Nettogewinn erhöhte sich von 43 auf 93 Mio. EUR.
Belastend bleibt der freie Cashflow, der vor M&A-Zahlungen bei minus 300 Mio. EUR lag. Gleichzeitig stieg die Nettofinanzverschuldung seit Jahresende von 4,92 auf 5,55 Mrd. EUR. Für 2026 erwartet das Management einen Umsatz von 22,5 bis 24,5 Mrd. EUR, eine bereinigte EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 % und einen positiven freien Cashflow von 100 bis 300 Mio. EUR.
Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen. Der Kurs liegt unter allen gleitenden Durchschnittslinien. Zwischen 7,00 und 7,20 EUR befindet sich eine wichtige Unterstützung. Fällt diese Zone, könnte die Marke von 6,50 EUR in den Fokus rücken. Auf der Oberseite warten Widerstände zwischen 7,80 und 8,00 EUR. Erst oberhalb dieser Bereiche würde sich das Chartbild nachhaltig aufhellen.
Almonty: Wolfram-Riese forciert Wachstum und Aktienrückkauf
Anhaltende geopolitische Spannungen unterstreichen die Wichtigkeit westlich orientierter Rohstoffproduzenten wie Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1). Mit dem erfolgreichen Hochfahren der Produktion in der südkoreanischen Sangdong-Mine hat das Unternehmen einen entscheidenden Wendepunkt erreicht, um die westliche Abhängigkeit von chinesischen Wolfram-Exporten nachhaltig und mengenmäßig deutlich zu reduzieren. Die planmäßige Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe wandelt nun die gewaltigen Erzreserven in margenstarke Cashflows um. Begünstigt wird diese operative Entwicklung durch ein anhaltendes strukturelles Angebotsdefizit bei Technologiemetallen wie Wolfram. Infolgedessen notierte der Marktpreis für das Zwischenprodukt Ammoniumparawolframat zuletzt bei durchschnittlich 3.075 USD pro MTU.
Die finanziellen Auswirkungen dieses strategischen Wendepunktes des Unternehmens demonstrieren die jüngsten Quartalszahlen für das Jahr 2026 eindrucksvoll. So verzeichnete der Konzern einen massiven Umsatzsprung von 498 % auf 43,0 Mio. CAD. Gleichzeitig drehte das Nettoergebnis auf einen beachtlichen Gewinn von 181,8 Mio. CAD. Unterstützt wurde dies von einem operativen Minenergebnis in Höhe von 26,1 Mio. CAD. Mit der zunehmenden Sichtbarkeit des Unternehmens konnte jüngst der Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders auf eine Laufzeit von 21 Jahren verlängert werden. Neben einer Volumenausweitung um 40 % sichert die angepasste Preisformel Almonty Industries künftig zusätzliche Erlöse von geschätzt 30 Mio. USD pro Jahr.
Zur bilanziellen Absicherung der globalen Wachstumsstrategie emittierte das Management im Juni 2026 erfolgreich eine überzeichnete Wandelanleihe über 800 Mio. USD. Diese beachtliche Kapitalmaßnahme erhöhte die liquiden Mittel auf ca. 1,2 Mrd. USD und erlaubte unter anderem die Tilgung eines bestehenden KfW-Darlehens. Mit dieser finanziellen Schlagkraft treibt Almonty nun parallel die Entwicklung der US-amerikanischen Gentung-Mine sowie der iberischen Projekte voran. Die exzellente Liquiditätsausstattung ermöglichte im August 2026 zudem die Initiierung eines massiven Aktienrückkaufprogramms von bis zu 300 Mio. USD. Dieser Schritt kam überraschend, aber der Aktienkurs war zuvor in der Spitze vom April 2026 Allzeithoch bis Ende Juli um über 50 % zurückgekommen. Durch diese Ankündigung folgten umgehend deutliche Kursgewinne auf zuletzt wieder 18,88 USD je Anteilsschein. Kursunterstützend dürfte zudem die Aufnahme in die Russell-Indizes 1000 und 3000 wirken.
Trotz dieser signifikanten fundamentalen Fortschritte spiegelt der aktuelle Aktienkurs von rund 18,88 USD die innere Wertschöpfung und die Bedeutung für den westlichen Verteidigungssektor noch nicht angemessen wider. Der Kapitalmarkt preist die anstehende zweite Ausbaustufe in Südkorea sowie die weiteren Minenprojekte gegenwärtig nur unzureichend ein. Folgerichtig bekräftigt das aktuelle Research-Update der GBC AG, unmissverständlich die Kaufempfehlungen für den Rohstofftitel. Das Kursziel wurde von 20,89 USD auf zuletzt 30,00 USD angehoben und attestiert dem Papier noch ein beträchtliches Aufwärtspotenzial. Für analytisch vorgehende Investoren bietet das gegenwärtige Bewertungsniveau nach den deutlichen Marktschwankungen der vergangenen Monate ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis (CRV).
Milliarden-Showdown: Deutz wird zum Rüstungskonzern!
Die Aktie der Deutz AG (WKN: 630500 | ISIN: DE0006305006 | Ticker: DEZ) schloss den Wochenanfang am Montag bei 10,30 EUR ab. Der Börsenwert liegt bei rund 1,59 Mrd. EUR und seit Jahresbeginn konnte ein Kursgewinn von 16,42 % erzielt werden. Vom Jahreshoch bei 12,50 EUR hat sich das Papier allerdings wieder deutlich entfernt. Mit Hauptsitz in Köln gehört der Konzern zu den ältesten Motorenherstellern der Welt. Deutz produziert Antriebssysteme für Bau- und Landmaschinen, Materialtransportfahrzeuge sowie stationäre Anlagen. Hinzu kommen Dienstleistungen, Ersatzteile, Notstromsysteme und elektrische Antriebe. Seit Anfang 2026 gliedert sich Deutz in die Bereiche Engines, Service, Energy, NewTech sowie Defense & Other. Besonders das Energie- und Verteidigungsgeschäft soll den Konzern unabhängiger vom zyklischen Motorengeschäft machen.
Am gestrigen Tag stand eine der wichtigsten Entscheidungen der mehr als 160-jährigen Unternehmensgeschichte an. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung sollten die Aktionäre über die Kapitalerhöhung für die Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft, kurz FFG, abstimmen und 99,7 % sprachen sich für die Übernahme aus. Der Kaufpreis beträgt rund 1,6 Mrd. EUR und liegt damit sogar leicht über dem aktuellen Börsenwert von Deutz. FFG wartet, modernisiert und produziert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge für NATO-Kunden. Das Unternehmen erzielte 2025 rund 760 Mio. EUR Umsatz und kommt nach Angaben von Deutz auf eine EBITDA-Marge von mehr als 20 %. Der Auftragsbestand liegt bei ungefähr 1,9 Mrd. EUR. Mit der Übernahme wird Deutz auf einen Schlag deutlich größer, profitabler und stärker im europäischen Verteidigungsmarkt vertreten sein.
Der Preis für diesen Umbau ist jedoch hoch. Rund 1 Mrd. EUR sollen über neue Schulden finanziert werden. Weitere rund 600 Mio. EUR werden mit neu auszugebenden Deutz-Aktien bezahlt. Die bisherigen FFG-Eigentümer könnten dadurch bis zu 29,9 % an Deutz halten. Für bestehende Aktionäre bedeutet das eine deutliche Verwässerung. Gleichzeitig steigt das finanzielle Risiko, nachdem die Nettoverschuldung bereits zum Halbjahr von 269,4 Mio. auf 520,5 Mio. EUR geklettert war. Operativ befindet sich Deutz auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr stieg der Auftragseingang um 28,7 % auf 1,33 Mrd. EUR. Der Umsatz erhöhte sich um 10,7 % auf 1,12 Mrd. EUR. Das bereinigte EBIT legte sogar um 43,1 % auf 79,7 Mio. EUR zu, während die Marge von 5,5 auf 7,1 % stieg. Der freie Cashflow verschlechterte sich allerdings von positiven 14,4 Mio. auf minus 29,7 Mio. EUR.
Vertrauen zeigt Vorstandschef Sebastian Schulte, der Anfang August Deutz-Aktien für fast 1 Mio. EUR kaufte. Charttechnisch notiert der Kurs knapp über den eng zusammenliegenden Durchschnittslinien im Bereich von 9,60 bis 9,80 EUR. Ein Ausbruch über 10,50 bis 11,00 EUR könnte den Weg zurück zum Jahreshoch öffnen. Unter 9,60 EUR würde sich das Chartbild dagegen wieder deutlich eintrüben.
Zusammenfassung
Schaeffler reagiert auf anhaltende Verluste im E-Mobilitätsgeschäft mit einer zukunftsweisenden Technologieallianz mit dem Batterie-Weltmarktführer CATL.
Der systemkritische Wolframproduzent Almonty generiert nun margenstarke Cashflows und flankiert sein dynamisches Wachstum mit einem massiven Aktienrückkauf.
Deutz wagt mit der 1,6 Mrd. EUR schweren Übernahme der FFG den margenstarken, jedoch zugleich kapitalintensiven Einstieg in den europäischen Rüstungsmarkt.