24.07.2026 | 05:45
Chancen & Risiken bei den Q.2-Kennzahlen – Almonty Industries, BioNTech, Danaher, Pfizer, Sartorius
Die globalen Aktienmärkte bleiben dynamisch, und die fundamentalen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Quartalen rasant verändert. Im heutigen Bericht analysieren wir drei faszinierende Unternehmen vor entscheidenden Wendepunkten. Wir beleuchten ehemalige Pharma-Highflyer der Pandemie, die sich nun durch neue Zölle navigieren und mehr auf Krebstherapien fokussieren müssen. Zudem betrachten wir einen geopolitisch unverzichtbaren Rohstoffproduzenten, der von der Sicherung kritischer westlicher Lieferketten massiv profitiert. Abschließend analysieren wir den Bioprocessing-Sektor, wo anstehende Quartalszahlen nach jüngsten Marktturbulenzen die Richtung vorgeben werden. Erfahren Sie jetzt, wo sich lukrative Chancen, aber auch Risiken verbergen können.
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA0203987072 , US09075V1026 , US2358511028 , DE0007165631 , US7170811035
BioNTech und Pfizer: Zwei gefallene Corona-Stars vor dem nächsten Wendepunkt?
Die früheren Pandemiegewinner stehen derzeit wieder im Fokus. Am 4. August legen Pfizer (WKN: 852009 | ISIN: US7170811035 | Ticker: PFE) und BioNTech (WKN: A2PSR2 | ISIN: US09075V1026 | Ticker: BNTX) ihre Quartalszahlen vor. Obwohl beide weiterhin am Corona-Impfstoff Comirnaty verdienen, könnten ihre Ausgangslagen kaum unterschiedlicher sein.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgte in den letzten Monaten die Politik. Die USA haben für bestimmte importierte patentgeschützte Medikamente Zölle von bis zu 100 % beschlossen. Unternehmen können jedoch Ausnahmen erhalten, wenn sie Preisvereinbarungen mit der US-Regierung treffen und stärker in den USA produzieren. Pfizer hat eine solche Vereinbarung abgeschlossen und ist deshalb besser aufgestellt als BioNTech. Gleichzeitig überprüft der Konzern bestimmte Investitionen wegen geplanter Einsparungen bei Medikamenten in Deutschland. Das ist kein Widerspruch: In den USA erhält Pfizer Schutz vor Zöllen, macht dafür aber Zugeständnisse bei den Medikamentenpreisen.
Das eigentliche Geschäft von Pfizer entwickelte sich außerdem stabil. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um insgesamt 5 % auf 14,45 Mrd. USD. Das Geschäft ohne Comirnaty und das Corona-Medikament Paxlovid wuchs nach Unternehmensangaben dabei um 7 %. Der weltweite Comirnaty-Umsatz fiel im Gegensatz um 59 % auf 232 Mio. USD. Für 2026 erwartet Pfizer einen Gesamtumsatz von 59,5 bis 62,5 Mrd. USD und einen bereinigten Gewinn von 2,80 bis 3,00 USD je Aktie.
Bei einem Aktienkurs von rund 25 USD zahlen Anleger damit das 8,6-Fache des erwarteten Jahresgewinns. Die Dividendenrendite liegt bei etwa 6,9 % im Moment. Auch die Bilanz ist besser, als der reine Schuldenstand des Unternehmens vermuten lässt: Nach dem letzten veröffentlichten Stand Ende März verfügte Pfizer über Vermögenswerte von 207,6 Mrd. USD. Nach Abzug aller Verbindlichkeiten verblieben 90,4 Mrd. USD Eigenkapital. Die Pfizer-Aktie liegt sowohl seit Jahresbeginn als auch auf 52-Wochen-Sicht nahezu unverändert. Ihre Spanne reichte zuletzt von rund 23,20 bis 28,50 USD. Vom früheren Rekordhoch bei etwa 61 USD ist sie aber noch weit entfernt.
Die BioNTech-Aktie ist dagegen vor allem eine Wette auf neue Krebsmedikamente geworden. Im ersten Quartal erzielte das Unternehmen 118,1 Mio. EUR Umsatz und machte einen Verlust von 531,9 Mio. EUR. Das erste Quartal ist allerdings saisonal bedingt in der Regel schwach, weil die meisten Impfstoffumsätze erst im Herbst anfallen. Gleichzeitig verfügte BioNTech über 16,8 Mrd. EUR an Bargeld und Wertpapieren. Dieses Polster ermöglicht es, die teuren Studien und Forschungen über mehrere Jahre aus eigener Kraft zu finanzieren. Für 2026 erwartet BioNTech einen Umsatz von 2,0 bis 2,3 Mrd. EUR und will zwischen 2,2 und 2,5 Mrd. EUR in Forschung und die Entwicklung neuer Medikamente investieren. Die Aktie selbst notiert bei rund 92 USD und die Marktkapitalisierung beträgt etwa 23 Mrd. USD. Seit Jahresbeginn verlor der Wert 4 % und damit summieren sich die Verluste innerhalb eines Jahres auf 17 %. Vom Pandemie-Allzeithoch bei rund 460 USD ist auch dieser Titel weit entfernt.
Almonty Industries: Wolframproduktion als geopolitischer Hebel
Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1) etablierte sich in den vergangenen 24 Monaten als geopolitisch nicht mehr wegzudenkender Rohstoffakteur, da der Westen aufgrund restriktiver Exportkontrollen dringend sichere Lieferketten für kritische Metalle wie Wolfram aufbauen will. Ein wesentlicher Meilenstein bei der Umsetzung der Unternehmensstrategie ist die südkoreanische Sangdong-Wolframmine. Diese ist mit der planmäßigen Hochlaufphase nun im Juli 2026 erfolgreich in die Durchsatzverarbeitung des Wolframerzes eingetreten. Damit wandelte sich der Konzern in Südkorea operativ zum echten Produzenten. Bereits vorab lagerten dort noch 139,7 Mio. t Erz mit einem durchschnittlichen Wolframgehalt von 0,25 %. Dies entspricht einem bilanziellen Haldenwert von etwa 68 Mio. USD. Der hocheffiziente Erzabbau von Wolfram in Sangdong bildet nun das finanzielle Unternehmensfundament für die kommenden Jahrzehnte, um die gewaltigen Wolframvorkommen in signifikanten Cashflow zu überführen.
Der operative Produktionsanstieg wurde erst kürzlich durch eine massive Ausweitung des langfristigen Abnahmevertrags mit Global Tungsten & Powders untermauert. Dadurch schaffen sich beide Unternehmen langfristige Planungssicherheit, was die Investoren von Almonty begrüßen dürften. Dieser auf 21 Jahre verlängerte Kontrakt erhöht die garantierte Abnahmemenge um 40 % auf 4,41 Mio. MTU, was einer Mindestabnahme von jährlich 210.000 MTU bei Erreichen der Vollauslastung der Mine in Phase 1 entspricht. Profitabilitätssteigernd für Almonty wirkt zudem eine überarbeitete Preisformel, die den Verkaufspreis im Durchschnitt um 6,3 % anhebt und dem Unternehmen jährliche Zusatzerlöse von mindestens 30 Mio. USD sichern dürfte. Da die zweite Ausbaustufe der Mine noch nicht begonnen hat, bewahrt sich das Management weitere Abbaukapazitäten für künftige Produktionserweiterungen in einem weiterhin defizitären Markt.
Flankiert wird die fortwährende Expansionsstrategie durch eine erst im Juni 2026 platzierte Wandelanleihe über 800 Mio. USD. Nach Abzug der Platzierungskosten verblieben insgesamt 772,7 Mio. USD an Nettomitteln, die zur Umschuldung sowie für weitere Projektentwicklungen und/oder Beteiligungen an anderen Unternehmen und Wolframprojekten bereitgestellt wurden. Das aktuelle Marktumfeld liefert hierfür extremen Rückenwind, da sich die Preise z. B. für Ammoniumparawolframat (APW) aufgrund anziehender Verteidigungsnachfrage und struktureller Marktverknappungen auf ein Niveau von 3.125 USD pro MTU vervielfacht haben. In diesem strategisch getriebenen Käufermarkt sehen Analysten eine fundamentale Neubewertung der Aktie. Entsprechende Kursziele wurden zuletzt wiederholt nach oben korrigiert und liegen bereits bei 38,90 CAD (ca. 24,31 EUR).
Sartorius-Aktie nach Kursrutsch: Fällt nun die Entscheidung?
Die Sartorius-Aktie (WKN: 716563 | ISIN: DE0007165631 | Ticker: SRT3) steht vor einem richtungsweisenden Handelstag. Am Dienstag, dem 21. Juli, geriet das Papier zeitweise um mehr als 10 % unter Druck und schloss rund 8,5 % tiefer bei 217,20 EUR. Am Mittwoch und Donnerstag stabilisierte sich der Kurs wieder im Bereich von 223 EUR. Auslöser waren keine eigenen Unternehmensnachrichten, sondern die Quartalszahlen des US-Konkurrenten Danaher (WKN: 866197 | ISIN: US2358511028 | Ticker-Symbol: DAP).
Um Missverständnisse zu vermeiden, es existieren zwei Aktiengattungen bei Sartorius: die stimmberechtigte Stammaktie mit dem Ticker SRT und die Vorzugsaktie SRT3 ohne reguläres Stimmrecht. Beide entwickeln sich sehr ähnlich, die Vorzugsaktie besitzt jedoch einen höheren Streubesitz und wird wesentlich stärker gehandelt. Das Unternehmen ist in den deutschen Indizes MDAX und TecDAX vertreten und wenn im Folgenden von der Sartorius-Aktie die Rede ist, ist deshalb die Vorzugsaktie SRT3 gemeint.
Nun zum Aufreger für den Abverkauf. Danaher steigerte den Q2-Umsatz um 5,5 % auf 6,27 Mrd. USD, während der bereinigte Gewinn je Aktie um 8 % auf 1,94 USD zulegte. Für Unruhe sorgten jedoch vorsichtige Signale aus dem wichtigen Bioprocessing-Geschäft. Projektverschiebungen bei Kunden belasteten den Unternehmensumsatz, obwohl die Auftragseingänge im mittleren Zehnerprozentbereich wuchsen. Für das dritte Quartal erwartet Danaher lediglich ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 3 % und die Prognosespanne für das Gesamtjahr wurde auf 3 bis 4 % eingegrenzt. Daraufhin verlor die Danaher-Aktie rund 11 %.
Da Bioprocessing bei Sartorius den größten Geschäftsbereich darstellt, übertrugen Anleger die Sorgen auf den Göttinger Konzern. Danaher wird derzeit mit rund 126 Mrd. USD bewertet. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn 22 % und auf 52-Wochen-Sicht 6 % im Minus. Die Sartorius-Aktie hat 2026 bislang rund 9 % verloren, notiert auf 52-Wochen-Basis aber etwa 16 % höher. Der Börsenwert des Unternehmens liegt bei ungefähr 15,2 Mrd. EUR.
Die Halbjahreszahlen zeigen aber, dass die negative Reaktion etwas übertrieben war. Im zweiten Quartal steigerte Sartorius den Umsatz währungsbereinigt um 3,1 % auf 911,8 Mio. EUR. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 24,3 % auf 164 Mio. EUR. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin ein Umsatzwachstum von 5 bis 9 % sowie eine EBITDA-Marge von leicht über 30 %.
Charttechnisch bewegt sich SRT3 seit April 2025 in einer breiten Zone zwischen rund 200 und 250 EUR. Kurzfristig bilden die 200 EUR die wichtigste Unterstützung und 240 bis 250 EUR die entscheidende Widerstandszone. Erst oberhalb von 250 EUR würde sich das Bild aufhellen; ein Ausbruch über das 52-Wochen-Hoch bei knapp 267 EUR wäre ein starkes bullishes Signal, auf das Anleger achten sollten. Unter 200 EUR könnte dagegen erneut der Bereich um 176 EUR in den Fokus rücken. Das Rekordhoch von rund 630 EUR aus dem Jahr 2021 bleibt aber vorerst in weiter Ferne.
Zusammenfassung
Am 4. August wird sich zeigen, ob Pfizer seinen Ausblick halten kann und BioNTech Fortschritte bei seinen Krebsprogrammen erzielt hat. Pfizer bleibt für konservativere Investoren als Dividendenaktie die bessere Wahl. BioNTech bietet dafür mehr wissenschaftliche Chancen, trägt aber auch das entsprechend deutlich höhere Entwicklungsrisiko.
Mit der anlaufenden Produktion, verlässlichen Abnahmepartnern und einer liquiden Kapitaldecke präsentiert sich Almonty Industries als skalierbare Investition auf die globale Wolframknappheit, bei der Analysten ein weiteres Anstiegspotenzial von über 90 % sehen.
Um die alten Allzeithochs wieder zu erreichen, müsste die Sartorius-Aktie von aktuell 220 EUR aus um fast 188 % steigen. Daher sollten Anleger die aktuellen Q2-Kennzahlen genauer unter die Lupe nehmen, denn diese könnten Hinweise geben, ob durch Auftragstrends, Margen und Ausblick die nächste größere Bewegung auf neue Hochs oder aber Tiefs andeuten könnte.