03.11.2026 | 05:45
Chancen, Risiken und Neubewertungen – Almonty Industries, Basler, Knorr-Bremse
Geopolitische Verschiebungen, überraschende Prognoseanhebungen und nachlassende Auftragseingänge sorgen bei drei Aktien aktuell für signifikantes Neubewertungspotenzial. Ob technologischer Innovationsschub, das Durchbrechen kritischer Rohstoffmonopole oder der abrupte Fall auf charttechnische Jahrestiefs: Drei börsennotierte Akteure stehen derzeit an wegweisenden Wegkreuzungen. Während operative Rekordmargen zu charttechnischen Ausbrüchen ansetzen, zwingen Auftragslücken andernorts zu scharfen Kurskorrekturen. Ein genauer Blick auf Fundamentaldaten und Chartbilder offenbart, wo jetzt Chancen und Risiken liegen.
Lesezeit: ca. 6 Minuten.
Autor: Stefan Bode
ISIN: CA0203987072 , DE000KBX1006 , DE0005102008
Basler: Prognosesprung treibt Aktie zur 25-EUR-Hürde
Die Basler AG (WKN: 510200 | ISIN: DE0005102008 | Ticker: BSL) sorgt am vergangenen Donnerstag mit einem Kurssprung von über 13 % für Aufmerksamkeit. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie damit fast 61 % im Plus, auf Sicht von 52 Wochen beträgt der Kursgewinn rund 38 %. Nach der Korrektur der vergangenen Monate rückt der Bildverarbeitungsspezialist wieder in den Fokus. Auslöser sind vorläufige Neunmonatszahlen und eine erneute Anhebung der Jahresprognose.
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35 % auf 227,4 Mio. EUR. Noch kräftiger legte der Auftragseingang zu: Mit 278,6 Mio. EUR übertraf er das Vorjahresniveau um 62 %. Die Nachfrage profitierte insbesondere von Anwendungen in der Halbleiter- und Elektronikfertigung, im Umfeld von Rechenzentren sowie in der Logistikautomation. Das EBIT erreichte 51,1 Mio. EUR nach angepassten 14,6 Mio. EUR. Die entsprechende Marge kletterte von 8,7 % auf 22,5 %.
Für das Gesamtjahr erwartet Basler nun 295 bis 300 Mio. EUR Umsatz statt bisher 270 bis 290 Mio. EUR. Die erwartete EBIT-Marge steigt von 12,5 bis 14,5 % auf 17,5 bis 19,5 %. Allerdings unterstützten teilweise nicht wiederkehrende Sondereffekte das Ergebnis. Für das Schlussquartal sind zudem erfolgsabhängige Sonderzahlungen an Beschäftigte berücksichtigt. Lieferkettenrisiken bleiben bestehen. Den vollständigen Neunmonatsbericht veröffentlicht Basler am 4. November. Die neue Margenuntergrenze liegt damit drei Prozentpunkte über der bisherigen Obergrenze. Das erklärt die positive Neubewertung. Entscheidend bleibt jedoch, wie viel der gestiegenen Profitabilität dauerhaft erhalten werden kann. Der stärkere Auftragseingang liefert dafür eine bessere Ausgangsbasis, während die Sondereffekte eine unveränderte Fortschreibung der Neunmonatsmarge verbieten.
Charttechnisch hat sich das Bild mit dem Kurssprung deutlich aufgehellt. Aktuell notiert die Aktie bei rund 23,00 EUR und damit wieder oberhalb der 20-Tage-Linie bei 22,14 EUR sowie der 50-Tage-Linie bei 22,71 EUR. Auch die 200-Tage-Linie bei etwa 21,58 EUR wurde zurückerobert. Die 100-Tage-Linie verläuft mit 24,55 EUR dagegen oberhalb des Kurses und bildet eine erste Hürde. Besonders wichtig bleibt die Zone um 25 EUR. In diesem Bereich gerieten Erholungsversuche seit August wiederholt ins Stocken, auch im September fehlte die Kraft für einen nachhaltigen Ausbruch. Die jüngste Bewegung führt Basler somit direkt an einen Bereich, an dem sich die weitere Richtung entscheiden könnte.
Ein überzeugender Ausbruch über 25 EUR würde das bullische Szenario stärken und zunächst die Region um 27 bis 28 EUR wieder interessant machen. Darüber rückten die Sommerhochs zwischen etwa 30 und 32 EUR in den Blick. Dafür müsste sich der Kurs oberhalb der Ausbruchszone behaupten. Scheitert die Aktie erneut, wären zunächst die gleitenden Durchschnitte zwischen rund 21,6 und 22,7 EUR als mögliche Unterstützungen zu beachten. Darunter bleibt die jüngste Tiefzone um 20 bis 21 EUR relevant. Die Geschäftszahlen liefern Rückenwind; für die charttechnische Bestätigung einer nachhaltigeren Aufwärtsbewegung fehlt jetzt vor allem der Sprung über 25 EUR.
Almonty Industries durchbricht chinesisches Wolfram-Monopol
Die sich verschärfenden geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA sowie die drohende Ausweitung von gegenseitigen Exportrestriktionen zwingen westliche Industrie- und Rüstungskonzerne zu einer grundlegenden Neuausrichtung ihrer Rohstoffbeschaffung. Peking beherrscht nach wie vor mit über 80 % die globale Gewinnung und Raffination des industriekritischen Schwermetalls Wolfram. Umso stärker gewannen und gewinnen alternative Wolframproduzenten rasant an Bedeutung. In den letzten zwei Jahren profitierte davon unter anderem Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker-Symbol: ALI1). Das Unternehmen schaffte in dieser anspruchsvollen Zeit den operativen Übergang vom Explorationsunternehmen zum Rohstoffproduzenten von Wolfram.
Durch die erteilte Betriebserlaubnis für die hochmoderne Aufbereitungsanlage im südkoreanischen Sangdong verfügt der Konzern über ein strategisches Gegengewicht zu den chinesischen Staatskonzernen. Die Vorzeigemine in Südkorea stärkt dabei die Versorgungssicherheit der OECD-Partner. Ökonomisches Fundament des Unternehmenswachstums ist ein langfristig bindender Abnahmevertrag mit der Plansee-Tochtergesellschaft Global Tungsten & Powders über ein Gesamtvolumen von 4,41 Mio. metrischen Mengeneinheiten (Metric Ton Units, MTU). Das Abkommen sichert über eine Laufzeit von 21 Jahren den Absatz von mindestens 210.000 Mengeneinheiten pro Jahr und garantiert damit die Abnahme von über 90 % der geplanten Minenkapazität. Der vertraglich fixierte Absatz schirmt das Unternehmen effektiv gegen Auslastungsrisiken ab. Gleichzeitig bleiben die Margen an die Preisentwicklung von Ammoniumparawolframat gekoppelt. Zuletzt verharrte der europäische Referenzpreis nach einer zwischenzeitlichen Spitze von 3.125 USD je MTU im Sommer auf einem hohen Niveau von rund 2.950 USD. Die Kombination aus garantierten Mindestpreisen und verlässlichem Mittelzufluss verschafft Almonty Industries die nötige Planungssicherheit.
Neben dem Kernprojekt in Südkorea bereitet Almonty am spanischen Standort Los Santos historische Abraumhalden von Wolframerz auf. Eine mehrjährige Liefervereinbarung mit der Sandvik-Tochter Wolfram Bergbau und Hütten AG garantiert die Verwertung von mindestens 1.720 Tonnen Wolframtrioxid bei einem überschaubaren Investitionsaufwand (Capex) von etwa 4 Mio. USD. Davon werden de facto durch eine Vorabzahlung von 3 Mio. USD der Investitionsaufwand zu 74 % übernommen und im Gegenzug die exklusiven Vermarktungsrechte an die Sandvik-Tochter übertragen. Branchenkenner rechnen mit dem Beginn dieser margenstarken Haldenverwertung für das erste Quartal 2027. In Afrika rundet ein Gemeinschaftsunternehmen in Ruanda mit 75-prozentiger Almonty-Beteiligung und 25 % Staatsbeteiligung das Portfolio ab. Jährlich sollen so bis zu 1.300 Tonnen Erz von lokalen Erzeugern gebündelt aufgekauft und im Anschluss zertifiziert und exportiert werden. Allein durch diese über drei Kontinente vertikal integrierte Wertschöpfung verringerte die Geschäftsführung unter Lewis Black die länderspezifischen Betriebsrisiken und sicherte sich bereits im letzten Jahr den Zugriff auf das Gentung Browns Lake Project in den USA und damit die Expansion auf den vierten Kontinent.
Die in den letzten beiden Jahren vollzogene fundamentale Transformation stößt am Kapitalmarkt auf breite Zustimmung renommierter Analysehäuser. Im Nachgang des jüngsten Investorentags bestätigte die US-Investmentbank Oppenheimer ihre Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 19 USD, während Sphene Capital seine Empfehlung zum „Kauf“ mit einem Ziel von 26,40 USD bekräftigte. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau der Bodenbildung von 8,85 USD attestieren die Analysten dem Rohstofftitel ein signifikantes Aufwärtspotenzial von 200 % bis zu 300 %. Für ein langfristig ausgerichtetes Depot bietet Almonty Industries aktuell einen der seltenen direkten Zugänge zu einem der wenigen westlichen Wolframproduzenten.
Knorr-Bremse: Aktie bricht ein – hält jetzt die 87-EUR-Marke?
Die Aktie der Knorr-Bremse AG (WKN: KBX100 | ISIN: DE000KBX1006 | Ticker: KBX) geriet in der vergangenen Woche nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen deutlich unter Druck. Gegenüber dem Vortag verlor sie mehr als 6 % und fiel im Tief auf 87,30 EUR zurück. Damit markiert sie ein neues Jahrestief, ehe erste Kaufinteressenten zugriffen und die Aktie gestern mit 90,65 EUR aus dem Montagshandel schickten. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus rund 4,3 %, während auf Sicht von 52 Wochen noch ein Kursgewinn von etwa 12,4 % bleibt. Auf Fünfjahressicht bewegt sich das Papier dagegen ungefähr auf seinem damaligen Niveau.
Der Münchner Konzern entwickelt Bremssysteme und weitere technische Lösungen für Schienenfahrzeuge und Nutzfahrzeuge. Die am Mittwochabend, dem 28. Oktober, veröffentlichten Zahlen zeigen eine operative Verbesserung. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 9 % auf 2,05 Mrd. EUR. Das operative EBIT erhöhte sich um 19,1 % auf 299 Mio. EUR, die entsprechende Marge verbesserte sich von 13,3 % auf 14,6 %. Der freie Cashflow erreichte 238 Mio. EUR nach 159 Mio. EUR im Vorjahresquartal.
Enttäuschend fiel jedoch der Auftragseingang im Bahngeschäft aus. Mit rund 1,05 Mrd. EUR lag dieser 10,9 % unter dem Vorjahreswert und deutlich unter den Analystenerwartungen von etwa 1,18 Mrd. EUR. Kundenaufträge über rund 80 Mio. EUR verschoben sich zeitlich. Außerdem verfolgte Knorr-Bremse ein europäisches Projekt aus Rentabilitätsgründen nicht mit Nachdruck weiter. Für das Schlussquartal erwartet der Konzern eine teilweise Erholung der Bahnaufträge. Die Jahresprognose bleibt jedoch bestehen. Umsatz und freier Cashflow sollen jeweils am oberen Ende der bisherigen Bandbreiten von 8,1 bis 8,3 Mrd. EUR beziehungsweise 750 bis 850 Mio. EUR liegen. Die operative EBIT-Marge wird weiterhin zwischen 14 und 14,5 % erwartet. Die Kursreaktion legt nahe, dass Anleger die schwächeren Bahnaufträge stärker gewichten als die gestiegene Profitabilität. Gerade bei einem Industrieunternehmen ist der Auftragseingang ein entscheidender Hinweis auf die künftige Auslastung. Eine Verbesserung im Schlussquartal müsste diese Sorgen nun entschärfen.
Charttechnisch hat sich die Lage deutlich verschlechtert. Die Aktie hatte sich über Monate in einer breiten Handelsspanne bewegt, deren unterer Bereich zwischen etwa 95 und 98 EUR mehrfach Halt geboten hatte. Mit dem jüngsten Rückgang wurde diese Unterstützungszone klar unterschritten. Auch sämtliche wichtigen Durchschnittslinien liegen inzwischen oberhalb des aktuellen Kurses. Die 20-Tage-Linie verläuft bei 98,12 EUR, die 50-Tage-Linie bei 101,80 EUR. Die 100-Tage-Linie liegt bei 102,40 EUR und die 200-Tage-Linie bei 102,30 EUR. Insbesondere um 102 EUR entsteht damit ein gebündelter Widerstandsbereich.
Zusammenfassung
Die Basler AG profitiert von einer deutlichen Prognoseanhebung sowie starken Neunmonatszahlen. Charttechnisch steht die Aktie unmittelbar vor der richtungsweisenden Hürde von 25 EUR.
Almonty Industries bricht als westlicher Rohstoffproduzent das chinesische Wolfram-Monopol auf und sichert sich durch langfristige Lieferverträge erhebliches Aufwärtspotenzial.
Die Aktie der Knorr-Bremse AG geriet nach schwachen Bahnaufträgen spürbar unter Druck, markierte ein neues Jahrestief und kämpft nun um die Stabilisierung an der Marke von 87 Euro.