25.09.2026 | 05:45
Wendepunkte mit Durchbruch, Produktionsstart und Milliardenauftrag – Almonty Industries, Secunet Security Networks, Viking Therapeutics
Starke Studiendaten, der Hochlauf einer strategisch bedeutenden Rohstoffproduktion und ein möglicher Milliardenauftrag sorgen an der Börse für Bewegung. Die drei Unternehmen könnten von langfristigen Megatrends wie Adipositastherapien, sicheren Lieferketten und steigenden Verteidigungsausgaben profitieren. Doch hohen Wachstumschancen stehen klinische Risiken, operative Herausforderungen und ambitionierte Bewertungen gegenüber.
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6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
US92686J1060 , CA0203987072 , DE0007276503
Viking Therapeutics vor dem Durchbruch: Greift VK2735 Novo Nordisk und Eli Lilly an?
Ein einziger Datensatz hat die Aktie von Viking Therapeutics (WKN: A12GD6 | ISIN: US92686J1060 | Ticker: 1VT) aus ihrer monatelangen Seitwärtsbewegung katapultiert. Nach neuen Ergebnissen zur Abnehmspritze VK2735 sprang der Kurs am Dienstag zeitweise um rund 32 % nach oben. Am Mittwoch erreichte die Aktie in der Spitze 42,92 USD und näherte sich bis auf wenige Cent von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 43,15 USD. Doch rechtfertigen die Studiendaten diese Neubewertung?
VK2735 aktiviert gleichzeitig die Rezeptoren GLP-1 und GIP und greift damit direkt das Wirkprinzip der Milliardenmedikamente Zepbound und Mounjaro von Eli Lilly an. In der 21-wöchigen Einleitungsphase verloren die Teilnehmer abhängig von der Dosierung durchschnittlich rund 16 bis 19 % ihres Körpergewichts. Ein Abflachen der Wirkung war noch nicht erkennbar. Eine kleine Kontrollgruppe, die die wöchentliche Behandlung fortsetzte, erreichte nach 33 Wochen sogar 21,7 % Gewichtsverlust.
Der eigentliche Kurstreiber war jedoch die anschließende Erhaltungsphase. Bei einer Injektion alle zwei Wochen blieben bis zu 97 % des zuvor erzielten Gewichtsverlusts erhalten. Bei nur einer monatlichen Dosis waren es bis zu 90 %, während die auf Placebo umgestellte Gruppe lediglich 61 % halten konnte. Gleichzeitig lagen die gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall während dieser Phase ungefähr auf Placebo-Niveau.
Genau hier könnte Vikings Wettbewerbsvorteil liegen. Weniger Injektionen würden die Behandlung für Patienten vereinfachen, die Therapietreue erhöhen und möglicherweise die langfristigen Kosten senken. Das ist in einem Markt entscheidend, dessen weltweiter Jahresumsatz innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf rund 100 Mrd. USD steigen könnte. Zusätzlich entwickelt Viking eine Tablettenform von VK2735. In einer Phase-2-Studie führte diese nach 13 Wochen zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu 12,2 %. Noch im vierten Quartal 2026 soll eine Phase-3-Studie mit der oralen Variante beginnen. Damit greift Viking die Marktführer gleich auf zwei Ebenen an.
Allerdings bleibt Viking ein klinisches Biotechnologieunternehmen ohne zugelassenes Produkt. Die beiden Phase-3-Studien VANQUISH-1 und VANQUISH-2 sind vollständig rekrutiert, entscheidende Daten dürften aber frühestens 2027 vorliegen. Bis dahin steigt der Kapitalverbrauch deutlich. Im ersten Halbjahr 2026 kletterten die Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf 265,9 Mio. USD, während sich der Nettoverlust auf 286,3 Mio. USD mehr als verdoppelte. Ende Juni standen noch liquide Mittel und kurzfristige Anlagen von 502 Mio. USD zur Verfügung.
Bei 38,00 USD kommt Viking auf einen Börsenwert von rund 4,6 Mrd. USD. Charttechnisch wurde die Widerstandszone zwischen 40 und 43,15 USD erreicht. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte die Rally fortsetzen. Fällt der Kurs dagegen unter das Tagestief bei 37,71 USD, droht eine teilweise Schließung der entstandenen Kurslücke in Richtung 34 USD. Die Daten sind stark – nun muss Viking beweisen, dass VK2735 auch in Phase 3 überzeugt.
Almonty rückt mit Sangdong in eine neue Phase
Wolfram gehört zu den strategisch sensibelsten Industriemetallen. Das liegt vor allem daran, dass die westlichen Lieferketten bei kritischen Vorprodukten stark von China abhängen. Genau in diesem Umfeld ist Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker: ALI1) in den letzten zwei Jahren zum globalen Player aufgestiegen. Mit der endgültigen Betriebszertifizierung für die Prozessanlage im südkoreanischen Sangdong-Projekt ist die Phase-I-Produktion nun offiziell im kommerziellen Betrieb. Das ist mehr als nur ein operativer Meilenstein, denn ab Januar 2027 verschärfen die USA ihre Beschaffungsregeln für Verteidigungsgüter und verlangen eine Rückverfolgbarkeit bis zur Mine. Für nicht-chinesische Anbieter von Wolframkonzentrat steigt damit die strategische Relevanz deutlich an.
Sangdong ist für Almonty vor allem deshalb wichtig, weil die Phase-I-Produktion bereits in ein vertraglich weitgehend abgesichertes Absatzmodell übergegangen ist. Das Offtake-Abkommen mit der zur Plansee Group gehörenden Global Tungsten & Powders läuft über 21 Jahre und umfasst insgesamt 4.410.000 MTU Wolframkonzentrat. Nach dem vollständigen Hochlauf sollen mindestens 210.000 MTU pro Jahr geliefert werden. Nach Unternehmensangaben deckt der Vertrag damit mehr als 90 % der Phase-I-Produktion ab. In einem Markt, der zugleich von hohen Wolframpreisen und geopolitisch motivierter Vorratssicherung geprägt ist, ist das Vermarktungsrisiko auf die verbleibenden 10 % Produktion reduziert.
Hinzu kommt, dass Almonty seine operative Basis auch außerhalb Südkoreas weiter ausbaut und sich diversifiziert. In Spanien wurde für die Wiederinbetriebnahme von Los Santos über die Aufbereitung bestehender Abraumhalden ein langfristiger Take-or-Pay-Vertrag mit Wolfram Bergbau und Hütten (WBH), einer Sandvik-Tochter, geschlossen. Almonty erhält dafür eine Einmalzahlung von 3 Mio. USD und liefert mindestens 1.720 Tonnen an Wolframtrioxid-(WO₃)-haltigem Erz. Parallel hat das Unternehmen seine Fühler auch nach Ruanda ausgestreckt. Dort ist die Sammlung und Aufbereitung von wolframhaltigem Erz und Vorkonzentraten aus dem Kleinbergbau geplant, die auf eine 75/25-Struktur mit dem ruandischen Staat gestützt ist. Strategisch entwickelt sich Almonty damit von der Primärproduktion über die Verarbeitung von Sekundärmaterial hin zu einem Wolfram-Plattformunternehmen.
Am Kapitalmarkt beginnt sich diese strategische Weichenstellung langsam in den Analystenschätzungen schon niederzuschlagen. Jefferies stuft die Aktie mit „Buy“ und 26,25 USD Kursziel ein, D.A. Davidson liegt mit „Buy“ und 33,00 USD gut 25 % darüber. Beide Einschätzungen spiegeln die Erwartung wider, dass der Markt weder das Potenzial weiterer Ausbauschritte noch den Wert der zusätzlichen Projekte in Europa und Afrika vollständig einpreist. Charttechnisch hat sich der Titel zuletzt oberhalb der Unterstützungszone von 12,70 USD stabilisiert, auch wenn der Widerstand bei 16,60 USD nicht nachhaltig durchbrochen werden konnte. Unter dem Strich wandelt sich Almonty damit von einer Projektstory zu einem zunehmend diversifizierten westlichen Wolframproduzenten mit klarer geopolitischer Hebelwirkung.
Secunet-Aktie explodiert: Zündet der 1,7-Mrd.-EUR-Bundeswehr-Deal die nächste Rally?
Die Aktie von Secunet Security Networks (WKN: 727650 | ISIN: DE0007276503 | Ticker: YSN) ist am Mittwoch regelrecht durchgestartet. Zeitweise gewann der deutsche Cybersecurity-Spezialist mehr als 15 % und erreichte bei 254,50 EUR ein neues 52-Wochen-Hoch. Auslöser ist ein möglicher Milliardenauftrag der Bundeswehr, der die Dimension des Unternehmens grundlegend verändern könnte. Doch ist nach dem Kurssprung bereits zu viel Zukunft eingepreist?
Nach einem Reuters vorliegenden Dokument soll der Haushaltsausschuss des Bundestages einem Rahmenvertrag über bis zu 1,7 Mrd. EUR zustimmen. Secunet soll die Verschlüsselung der Kommunikations- und Datennetze der Bundeswehr modernisieren. Geplant ist unter anderem der Ausbau der Secure Inter-Network Architecture, kurz SINA. Hinzu kommen Planung, Wartung, Schulungen und Reparaturen. Der Vertrag soll über vier Jahre laufen und auf einer bestehenden Zusammenarbeit aufbauen.
Ein erster Abruf im Umfang von etwas mehr als 100 Mio. EUR könnte bereits 2027 anlaufen. Wie gewaltig das Gesamtpaket wäre, zeigt der Größenvergleich: Für 2026 erwartet Secunet lediglich einen Konzernumsatz zwischen 460 und 500 Mio. EUR. Das mögliche Auftragsvolumen entspräche damit mehr als dem Dreifachen eines Jahresumsatzes und überträfe sogar die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 1,60 Mrd. EUR.
Operativ trifft der mögliche Bundeswehr-Deal auf ein Unternehmen, das bereits deutlich an Dynamik gewonnen hat. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Auftragseingang um 78,7 % auf 287,4 Mio. EUR. Der Auftragsbestand erhöhte sich um 29,4 % auf 360,8 Mio. EUR. Gleichzeitig legte der Umsatz um 19,2 % auf 204,7 Mio. EUR zu, während das EBIT um 20,4 % auf 8,7 Mio. EUR kletterte. Besonders stark entwickelte sich der Bereich Defence & Space. Der öffentliche Sektor steuerte mit 192,7 Mio. EUR rund 94 % des Halbjahresumsatzes bei. Diese Konzentration ist Stärke und Risiko zugleich: Hohe Sicherheitsanforderungen schaffen erhebliche Eintrittsbarrieren, Verzögerungen bei politischen Entscheidungen oder Haushaltsfreigaben treffen Secunet jedoch unmittelbar.
Die Chancen sind dennoch nicht mit garantierten Umsätzen gleichzusetzen. Bei den 1,7 Mrd. EUR handelt es sich um das maximale Volumen eines Rahmenvertrags. Entscheidend wird sein, welche Beträge die Bundeswehr tatsächlich abruft, wie schnell Secunet liefern kann und welche Margen nach dem notwendigen Personal- und Kapazitätsausbau übrig bleiben.
Nach der Rally wird die Bewertung anspruchsvoll. Bei 248,5 EUR kommt Secunet auf ein KGV von rund 47. Charttechnisch hat die Aktie die frühere Widerstandszone zwischen 235 und 245 EUR überwunden und notiert deutlich über den wichtigen gleitenden Durchschnitten. Ein nachhaltiger Ausbruch über 255 EUR könnte den Weg in Richtung 280 EUR öffnen. Fällt der Kurs dagegen unter 220 EUR zurück, wäre ein Rücklauf in die Zone zwischen 200 und 210 EUR möglich. Der Milliardenauftrag könnte Secunet in eine neue Größenordnung heben – doch erst die tatsächlichen Abrufe werden zeigen, ob die Aktie zum nächsten großen Gewinner der Bundeswehr-Aufrüstung wird.
Zusammenfassung
Viking Therapeutics überzeugt mit starken Daten für VK2735, muss den Erfolg seiner Adipositastherapie aber noch in Phase 3 bestätigen.
Almonty Industries wird mit dem Produktionsstart in Sangdong zu einem strategisch wichtigen, westlichen Wolframanbieter.
Secunet könnte durch einen Bundeswehr-Rahmenvertrag über bis zu 1,7 Mrd. EUR in eine neue Größenordnung wachsen, doch die tatsächlichen Abrufe bleiben entscheidend.