09.10.2026 | 05:45
Zwischen Aufbruch und Bewährungsprobe – Almonty Industries, Aumovio, SUSS MicroTec
Ein überraschender Führungswechsel, strategisch wichtige Rohstoffe und Rekordaufträge bei fallenden Kursen: Drei börsennotierte Unternehmen zeigen, wie nah Chancen und Risiken derzeit beieinanderliegen. Während ein Autozulieferer um bessere Margen ringt, baut ein Wolframproduzent seine westlichen Lieferketten aus und ein Halbleiterausrüster erschließt neue Märkte. Welche Fortschritte rechtfertigen Zuversicht – und wo bleiben Anleger auf Geduld angewiesen? Der Bericht beleuchtet, was für die nächste Kursbewegung entscheidend werden könnte.
Lesezeit: ca.
7 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE000AUM0V10 , CA0203987072 , DE000A1K0235
Aumovio-Aktie legt zu: Finanzchefin geht – gelingt der Turnaround?
Die Aktie von Aumovio (WKN: AUM0V1 | ISIN: DE000AUM0V10 | Ticker: AMV0) zeigte zur Wochenmitte neue Stärke. Am Mittwoch, dem 7. Oktober, legte das Papier zwischenzeitlich etwa 7 % zu und schloss mit einem Plus von rund 3,5 %. Der ehemalige Continental-Automobilbereich meldete einen überraschenden Wechsel im Finanzressort. Für Anleger weckt die Kursentwicklung Hoffnung auf eine operative Erholung, während der Wechsel im Finanzressort Fragen zur Kontinuität der Unternehmensführung aufwirft.
Finanzvorständin Jutta Dönges legt ihr Mandat mit Ablauf des heutigen Tages nieder und verlässt das Unternehmen zum 31. Oktober. Die Trennung erfolgt laut Unternehmen einvernehmlich. Dönges will sich neuen beruflichen Aufgaben zuwenden. Eine dauerhafte Nachfolge wird gesucht. Bis dahin verantwortet Vorstandschef Philipp von Hirschheydt zusätzlich das Finanzressort. Spätestens zum 1. November übernimmt Aufsichtsratsmitglied Claus Bauer, zuvor Finanzchef der Schaeffler-Gruppe, interimistisch die Finanzfunktion. Für die Dauer dieser Aufgabe legt er seine Mitgliedschaft im Prüfungsausschuss nieder.
Der Personalwechsel fällt in eine Phase, in der der Zulieferer seine Eigenständigkeit wirtschaftlich untermauern muss. Seit der Abspaltung im September 2025 stehen Kostendisziplin, Portfolioanpassungen und die Verbesserung der Ertragskraft im Mittelpunkt. Das Produktangebot reicht von Sensoren und Displays über Bremssysteme bis zu Software und Fahrerassistenzlösungen. Diese Technologien eröffnen Wachstumsmöglichkeiten, schützen jedoch nicht vor geringeren Produktionsvolumina und dem Preisdruck der Automobilbranche. Entscheidend bleibt, wie schnell Aufträge in profitablen Serienumsatz übergehen.
Die Halbjahreszahlen verdeutlichen die Belastungen. Der bereinigte Umsatz sank um 8,9 % auf 8,6 Mrd. EUR. Das bereinigte EBIT fiel von 260 auf 157 Mio. EUR, die entsprechende Marge von 2,7 auf 1,8 %. Dabei beeinflusste die Einigung mit BMW über einen langjährigen Rechtsstreit das Ergebnis erheblich. Ohne deren bilanzielle Auswirkungen hätte die bereinigte EBIT-Marge im zweiten Quartal 3,5 % statt der ausgewiesenen 1,2 % betragen.
Für das Gesamtjahr gilt die im August angepasste Prognose: 17,0 bis 17,5 Mrd. EUR bereinigter Umsatz, eine bereinigte EBIT-Marge von 3,0 bis 4,0 % und ein normalisierter Free Cashflow von 500 bis 700 Mio. EUR. Die Nettoliquidität von 1,2 Mrd. EUR zum Halbjahresende bietet finanziellen Spielraum. Dennoch setzt die Zielerreichung eine deutliche Ergebnisverbesserung in der zweiten Jahreshälfte voraus.
Bernstein bestätigte am 5. Oktober die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 54,0 EUR. Analyst Harry Martin verwies auf die erneute Bestätigung der Jahresziele bei einer Unternehmensveranstaltung und erwartete Verbesserungen auf der Kostenseite im vierten Quartal. Die Quartalszahlen am 5. November werden zeigen, ob die operative Entwicklung diese Zuversicht rechtfertigt und der Konzern seinen angekündigten Erholungspfad tatsächlich einhalten kann.
Charttechnisch liegt die nächste Hürde im Bereich von 38 bis 39 EUR. Ein nachhaltiger Ausbruch über die Marke von 39 EUR wäre ein positives Signal. Unterhalb von 35 EUR würde sich das Chartbild dagegen deutlich eintrüben, da diese Marke in den vergangenen Monaten mehrfach als Unterstützung gehalten hat. Eine dauerhafte Neubewertung erfordert künftig überzeugende Margen und verlässliche Cashflows.
Almonty: Wolframplattform gewinnt strategische Tiefe
Wolfram zählt zu den sicherheitsrelevanten Industriemetallen, weil es für Verteidigung, Werkzeugbau, Elektronik und Speziallegierungen benötigt wird. Die westliche Industrie ist bei Verarbeitung und Vorprodukten stark von China abhängig, während Regierungen ihre Beschaffungsregulatorik stärker an nachweisbare Herkunft und belastbare Lieferketten knüpfen. Almonty Industries (WKN: A414Q8 | ISIN: CA0203987072 | Ticker: ALI1) positioniert sich in diesem Umfeld als westlicher Anbieter mit Produktions-, Entwicklungs- und Verarbeitungsprojekten in Südkorea, Europa, Ruanda und den USA. Mit der endgültigen Betriebszertifizierung der Aufbereitungsanlage in Sangdong ist die Ausbaustufe Phase I in den kommerziellen Betrieb übergegangen. Für die Gesellschaft war dies der Übergang von einer projektgetriebenen Bewertung hin zu einem operativen Produzenten.
Sangdong bildet dabei den wirtschaftlichen Kern. Der langfristige Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders, einer Gesellschaft der Plansee-Gruppe, umfasst 4.410.000 Mengeneinheiten zu je zehn Kilogramm (MTU) Wolframkonzentrat über 21 Jahre. Nach vollständigem Hochlauf der Produktion sollen mindestens 210.000 MTU jährlich geliefert werden. Damit wären laut Unternehmen mehr als 90 % der Phase-I-Produktion vertraglich gebunden. Diese Struktur reduziert das Absatzrisiko und erleichtert die Planung von Auslastung, Erlösen und Finanzierung. Gleichzeitig bleibt Almonty dem Preisumfeld ausgesetzt: Sphene Capital bezifferte den europäischen Preis für Ammoniumparawolframat (APT) Mitte September auf durchschnittlich rund USD 2.950 je MTU, nach rund USD 3.125 im Juli.
Zusätzliche Diversifizierung liefert Los Santos in Spanien. Dort soll zunächst kein klassischer Bergbaustart erfolgen, sondern die Wiederaufbereitung bereits vorhandener Haldenrückstände. Der langfristige Abnahmevertrag mit Wolfram Bergbau und Hütten, einer Sandvik-Tochter, sieht eine Abnahmeverpflichtung (Take-or-pay) vor und beinhaltet eine Vorauszahlung von USD 3 Mio. für die Abnahmerechte, sofern bestimmte Bedingungen noch erfüllt werden. Sphene Capital rechnet mit einem Beginn der Haldenaufbereitung im ersten Quartal 2027, mit einer Laufzeit von sieben Jahren, rund USD 4 Mio. nötiger Investitionen und damit, dass in den Halden mehr als 1.720 Tonnen Wolframtrioxid enthalten sind. Die Nutzung bereits geförderten Materials senkt gegenüber einem vollständigen Minenneustart potenziell Zeit-, Kapital- und Genehmigungsrisiken, bleibt jedoch von tatsächlich erzielbaren Rückgewinnungsraten abhängig.
In Ruanda verfolgt Almonty ein ähnliches Plattformmodell: Das Unternehmen hält 75 % an einem Gemeinschaftsunternehmen, während der Staat 25 % einbringt und eine Explorationskonzession sowie eine Verarbeitungsbewilligung bereitstellt. Neben der langfristigen Exploration sollen Erze, Vorkonzentrate und Haldenmaterial lokaler Produzenten gebündelt, aufbereitet und vermarktet werden. Ruanda produzierte 2025 laut den im Bericht zitierten US-Daten schätzungsweise 1.300 Tonnen Wolfram und verfügt damit über eine relevante, aber stark fragmentierte Produktionsbasis. Sphene Capital bewertet die Aktie mit „Kaufen“ und einem Kursziel von USD 26,40 gegenüber USD 13,72 zum Stichtag 28. September 2026. Diese Einschätzung ist angesichts von Projekt-, Rohstoffpreis- und Umsetzungsrisiken derzeit als chancenorientiert einzuordnen.
SUSS MicroTec-Aktie fällt 9 % – trotz Rekordaufträgen
Die Aktie von SUSS MicroTec (WKN: A1K023 | ISIN: DE000A1K0235 | Ticker: SMHN) steht erneut unter Druck. Am Mittwoch, dem 7. Oktober, verlor das Papier auf Xetra 9,3 % und schloss bei 65,5 EUR. Der Halbleiterausrüster verfügt zwar über einen Rekordauftragsbestand. Aber dennoch rückt die Frage von Anlegern in den Mittelpunkt, wann aus der starken Nachfrage auch höhere Umsätze und Gewinne werden.
Der Rückgang fällt in einen ohnehin schwachen Handelstag für europäische Technologieaktien. Laut dpa-AFX prägten Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Branchenrally das Marktgeschehen. CMC-Marktexperte Andreas Lipkow verwies zudem auf hohe Erwartungen an die bevorstehenden Quartalszahlen von Samsung und SK Hynix. Das belastete die Stimmung im Sektor, erklärt aber nicht automatisch das gesamte Ausmaß des SUSS-Kursverlusts.
Operativ ist die Auftragslage weiterhin stark. Im ersten Halbjahr erreichte der Auftragseingang 410,0 Mio. EUR. Zum 30. Juni lag der Auftragsbestand bei 473,7 Mio. EUR. Darin enthalten sind rund 220 Mio. EUR für Auslieferungen, die erst 2027 vorgesehen sind. Diese Bestellungen verbessern die Planbarkeit, stellen aber keine Umsatzprognose für das kommende Jahr dar. Entscheidend bleibt, ob die Anlagen termingerecht ausgeliefert werden und die erwarteten Margen erzielen. Längere Vorlaufzeiten der Kunden können dabei den Abstand zwischen Auftragseingang und Umsatzrealisierung vergrößern.
Beim Umsatz zeigt sich diese Stärke bislang nur begrenzt. Die Halbjahreserlöse sanken auf 202,8 Mio. EUR nach einem angepassten Vorjahreswert von 266,6 Mio. EUR. Die EBIT-Marge betrug 7,0 %, verbesserte sich im zweiten Quartal allerdings auf 9,0 %. Der freie Mittelzufluss (Free Cashflow) erreichte positive 16,4 Mio. EUR. Im August bestätigte der Vorstand den Jahresausblick mit 425 bis 485 Mio. EUR Umsatz und einer EBIT-Marge von 8 bis 10 %.
Zusätzliche Wachstumsperspektiven eröffnet der am 1. Oktober angekündigte Einstieg in die Waferreinigung. Mit GreenTec Solutions und der ersten Plattform GT200 erweitert SUSS sein Angebot für die Halbleiterfertigung. Das Unternehmen beziffert den adressierbaren Markt auf rund 5,4 Mrd. EUR. Diese Größe beschreibt das Marktpotenzial, nicht bereits gewonnene Aufträge. Eine Plattform für die Großserienproduktion mit 300-mm-Wafern ist für 2027 geplant. Für die Bewertung zählen deshalb künftig Kundenqualifizierungen, konkrete Bestellungen und die Wirtschaftlichkeit des neuen Geschäfts.
Charttechnisch bleibt die Aktie angeschlagen. Im Tageschart liegt sie unter allen gleitenden Durchschnitten. Die 200-Tage-Linie, die bei etwa 69,27 EUR verläuft, wurde am Mittwoch nach unten durchbrochen. Auch die kurzfristigen SMA-Linien liegen über dem aktuellen Aktienkurs. Zwischen 60 und 65 EUR könnte sich eine wichtige Unterstützungszone bilden. Sollte jedoch auch die psychologisch wichtige Marke von 60 EUR unterschritten werden, würde sich das Chartbild weiter eintrüben. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über die Marke von 70 EUR würde das Chartbild wieder aufhellen. Anschließend könnten die Hochs im Bereich von 75 EUR ins Visier rücken.
Am 5. November folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Sie müssen zeigen, ob steigende Auslieferungen und eine bessere Profitabilität die starke Auftragslage zunehmend in Erträge übersetzen. Erst dann erhält die Hoffnung auf eine nachhaltige Kurserholung eine belastbarere Grundlage.
Zusammenfassung
Aumovio gewinnt trotz des Abschieds der Finanzchefin an der Börse hinzu, muss die Hoffnung auf einen Turnaround jedoch durch bessere Margen und verlässliche Cashflows untermauern.
Almonty Industries stärkt mit Sangdong und langfristigen Abnahmeverträgen seine Position als westlicher Wolframlieferant, bleibt aber Rohstoffpreis- und Umsetzungsrisiken ausgesetzt.
SUSS MicroTec verliert trotz Rekordaufträgen deutlich an Börsenwert und muss zeigen, dass steigende Auslieferungen und neue Geschäftsfelder zu höheren Umsätzen und Gewinnen führen.