28.07.2026 | 05:45
Cloud-Rally, Drohnen-Boom und ein historischer Crash – Evotec, SAP, Volatus Aerospace
Das vorläufige Einstellen der US-amerikanischen Angriffsflüge gegen den Iran entspannt die Börsen und bietet Anlegern derzeit wieder extreme Kontraste. In diesem Bericht analysieren wir drei faszinierende Technologie-Akteure in entscheidenden Marktphasen. Ein etablierter Software-Riese überzeugt mit starken Cloud-Zahlen und vertreibt die KI-Sorgen der letzten Monate. Ein innovatives Drohnenunternehmen profitiert enorm vom margenstarken Wachstumsmarkt für autonome Flugsysteme. Gleichzeitig kämpft ein Dienstleister aus der Forschung nach einer harten Gewinnwarnung an einem Zehnjahrestief um das Vertrauen der verbleibenden Anleger. Entdecken Sie in unserem Marktbericht, wo lukrative Einstiegschancen warten und wo das Risiko eines fallenden Messers droht.
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7 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE0005664809 , DE0007164600 , CA92865M1023
Evotec-Aktie crasht auf Zehnjahrestief: Rebound-Chance oder fallendes Messer?
Die Evotec-Aktie (WKN: 566480 | ISIN: DE0005664809 | Ticker: EVT) befindet sich nach einer erneuten Gewinnwarnung im freien Fall. Aktuell notiert das Papier bei rund 3,47 EUR und kommt damit nur noch auf einen Börsenwert von etwa 614 Mio. EUR. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 37 % verloren, auf 52-Wochen-Basis beträgt das Minus über 52 %. Der bereits seit Jahren bestehende Abwärtstrend hat sich damit weiter verschärft. Auslöser des jüngsten Kurssturzes war eine am Abend des 13. Juli veröffentlichte Prognosesenkung. Am darauffolgenden Handelstag brach die Aktie ein und erreichte bei rund 3,18 EUR den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren. Zwischen dem 13. und 15. Juli summierten sich die Kursverluste zeitweise auf fast 30 %.
Evotec erwartet für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von rund 300,1 Mio. EUR und ein bereinigtes operatives Ergebnis von minus 42,7 Mio. EUR. Besonders schwer wiegt jedoch die drastische Korrektur der Jahresprognose. Statt 700 bis 780 Mio. EUR Umsatz rechnet das Unternehmen 2026 nur noch mit 570 bis 610 Mio. EUR. Beim bereinigten operativen Ergebnis werden nun Verluste zwischen 70 und 105 Mio. EUR erwartet. Zuvor hatte Evotec noch ein Ergebnis zwischen 0 und plus 40 Mio. EUR in Aussicht gestellt.
Das eigentliche Problem ist der Vertrauensverlust. Rund 40 % der Umsatzlücke sind auf verschobene Meilensteinzahlungen aus bestehenden Partnerschaften zurückzuführen, die nun erst 2027 verbucht werden sollen. Weitere 45 % betreffen neue strategische Partnerschaften, die später als geplant abgeschlossen werden. Die fehlenden Partnerschafts- und Meilensteinumsätze sind besonders schmerzhaft, da sie normalerweise deutlich höhere Margen besitzen als das klassische Dienstleistungsgeschäft.
Ganz ohne positive Signale ist die Entwicklung allerdings nicht. Im Basisgeschäft des Bereichs Discovery & Preclinical Development stiegen die Auftragseingänge beziehungsweise Net Sales im ersten Halbjahr um rund 28 %. Zudem verfügte Evotec Ende Juni über eine Liquidität von rund 465,6 Mio. EUR. Das Sparprogramm „Horizon“ soll bis Ende 2027 jährliche Einsparungen von etwa 75 Mio. EUR ermöglichen. Dafür werden Standorte geschlossen und weltweit bis zu 800 Stellen abgebaut. Bereits im ersten Quartal entstanden allerdings Restrukturierungskosten von rund 75 Mio. EUR.
Zusätzliche Fantasie liefert die laufende strategische Überprüfung des Konzerns. Evotec untersucht dabei unter anderem das Beteiligungsportfolio, die Kapitalstruktur und mögliche langfristige Eigentümermodelle. Konkrete Hinweise auf eine Übernahme gibt es bislang jedoch nicht.
Charttechnisch bleibt die Lage äußerst schwierig. Die Zone um 3,20 EUR dient als wichtige Unterstützung. Eine erste Erholung oberhalb der 3,80 EUR könnte die Aktie in Richtung 4,00 bis 4,50 EUR führen. Um die große Kurslücke zu schließen, müsste sie jedoch bis 4,94 EUR steigen – ein Plus von rund 42 %. Die 200-Tage-Linie verläuft sogar bei ungefähr 5,30 EUR und damit rund 55 % über dem aktuellen Kurs. Am 13. August veröffentlicht Evotec den vollständigen Halbjahresbericht. Entscheidend werden der Cashflow, neue Partnerschaften, die tatsächlichen Einsparungen und die Glaubwürdigkeit der neuen Prognose sein. Bis dahin bleibt die Aktie eine sehr spekulative Rebound-Wette.
Volatus Aerospace: Dual-Use-Produktion im Fokus
Anhaltende geopolitische Spannungen und ein Wandel in der Verteidigungsarchitektur treiben die Prognosen für den globalen Drohnenmarkt. Bis zum Jahr 2034 soll dieser Markt auf ein signifikantes Volumen von über 160 Mrd. USD ansteigen. Vor diesem makroökonomischen Hintergrund positioniert sich der kanadische Systemintegrator Volatus Aerospace (WKN: A2JEQU | ISIN: CA92865M1023 | Ticker: ABB) mit einer stringenten Dual-Use-Strategie. Diese ist sowohl für die zivilen Anforderungen kritischer Infrastruktur nutzbar, aber können auch nahtlos für die Bedürfnisse staatlicher Sicherheitsapparate verwendet werden.
Die Unternehmenspräsentation fortschrittlicher Autonomie- und Intelligenzlösungen auf der Farnborough International Airshow unterstreicht das Bestreben, westliche Lieferketten effektiv von asiatischen Technologieabhängigkeiten zu lösen. Indem Volatus Aerospace das nächste Kapitel der autonomen Luftfahrt in Kanada vorantreibt, etabliert sich das Unternehmen als verlässlicher Partner für nationale Beschaffungsprogramme des Sicherheitsapparates und der Industrie.
Auf operativer Ebene forciert das Management konsequent strategische Entwicklungsallianzen. Dies belegte die kürzlich verkündete Kooperation mit dem VOLT-AGE Research Program der Concordia-Universität zur Optimierung der Energieeffizienz für unbemannte Flugsysteme eindrucksvoll. Derartige technologische Vorstöße ergänzen die bestehenden lokalen Produktionskapazitäten am Standort Mirabel, verbessern die Vernetzung im Sicherheitssektor und schaffen eine robuste, heimische Wertschöpfungskette. Darüber hinaus demonstrierte der NATO-zertifizierte Dienstleister auf der MASS 2026 (Maritime & Arctic Security & Safety Conference) seine umfassenden Mehrfach-Anwendungs-Fähigkeiten, welche Einsatzszenarien synchron über Luft, Boden, See und digitalen Führungsstrukturen hinweg vernetzen. Dieser reibungslose, standardisierte Datenaustausch zwischen verschiedenen Einheiten bildet bei staatlichen Auftragsvergaben oft das entscheidende Alleinstellungsmerkmal gegenüber klassischen Hardware-Produzenten.
Die nachhaltige finanzielle Skalierbarkeit des Geschäftsmodells stützt sich u. a. auf margenstarke Softwarekomponenten. Dies wurde bereits im ersten Quartal 2026 mit einer erzielten Marge von 35 % durch die leistungsstarke unternehmenseigene SaaS-Plattform SKYDRA eindrucksvoll untermauert. Ein essenzieller Wachstumstreiber sind dabei hochkomplexe BVLOS-Operationen (Beyond Visual Line Of Sight) außerhalb der direkten Pilotensichtweite. Diese werden durch das selbstentwickelte CANARY-System datentechnisch vollumfänglich geplant und auch regulatorisch abgewickelt.
Die kontinuierlich wachsenden Verteidigungsbudgets innerhalb der westlichen NATO-Allianz begünstigen den Verteidigungssektor im Allgemeinen, aber im Speziellen genau jene Anbieter wie Volatus Aerospace, die Hardware, hochspezialisierte Software und operatives Training aus einer Hand liefern. Für den Kapitalmarkt sind Investitionen in technologisch innovative Unternehmen gerade bei automatisierten Flugeinsätzen besonders interessant, versprechen sie doch stabiles, langfristiges Wachstum und wiederkehrende Cashflows.
SAP-Aktie springt nach Q2-Zahlen: Starkes Cloud-Geschäft vertreibt KI-Sorgen
Die SAP-Aktie (WKN: 716460 | ISIN: DE0007164600 | Ticker: SAP) reagiert mit einem kräftigen Kurssprung auf die am 23. Juli 2026 nach Börsenschluss veröffentlichten Q2-Zahlen. Am vergangenen Freitag gewann das Papier zeitweise mehr als 7 % und ging oberhalb der 140-EUR-Marke in das Wochenende. Zum Wochenstart setzt sich der Kursanstieg weiter fort und die Aktie nimmt nun strammen Kurs auf die 150 EUR. Mit einem Börsenwert von ungefähr 164 Mrd. EUR ist SAP – je nach Kurszeitpunkt knapp vor Allianz – das zweitwertvollste börsennotierte deutsche Unternehmen hinter Siemens.
SAP gehört zugleich zu den ersten Schwergewichten aus den zehn wertvollsten deutschen Börsenkonzernen, die ihre Quartalszahlen vorgelegt haben. Die Deutsche Bank folgt am 29. Juli. Danach berichten Siemens Energy, Infineon und DHL am 5. August, Siemens, Deutsche Telekom und Rheinmetall am 6. August sowie Allianz am 7. August. SAP liefert damit einen frühen Stimmungstest für die deutsche Berichtssaison.
Operativ präsentierte der Softwarekonzern ein solides Quartal. Der Gesamtumsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 9 % auf 9,88 Mrd. EUR, währungsbereinigt betrug das Wachstum 11 %. Wichtigster Wachstumstreiber blieb der Cloud-Umsatz, denn dieser legte um 22 % auf 6,28 Mrd. EUR zu. Die Cloud-ERP-Suite wuchs um 25 % auf 5,53 Mrd. EUR. Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand erhöhte sich um 27 % auf 22,93 Mrd. EUR beziehungsweise um 26 % bei konstanten Wechselkursen. Damit zerstreute SAP vorerst die Sorge, dass künstliche Intelligenz das klassische Software-Abonnementgeschäft schnell unter Druck setzen könnte. Mehr als 90 % der 50 größten Neuabschlüsse enthielten laut SAP eine KI-Komponente.
Der operative Gewinn nach IFRS stieg um 8 % auf 2,64 Mrd. EUR, während der Nettogewinn um 26 % auf 2,21 Mrd. EUR zulegte. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich um 30 % auf 1,89 EUR. Der freie Cashflow erreichte 3,00 Mrd. EUR und lag damit 27 % über dem Vorjahreswert. Allerdings sank die operative Marge von 27,2 auf 26,8 %. Die Erlöse aus klassischen Softwarelizenzen brachen zudem um 32 % ein – ein Zeichen für den fortschreitenden Wechsel zum Cloud-Modell.
Für 2026 bestätigte SAP die Prognose für den Cloud-Umsatz von 25,8 bis 26,2 Mrd. EUR und einen freien Cashflow von rund 10 Mrd. EUR. Die Prognose für den bereinigten operativen Gewinn wurde jedoch von 11,9 bis 12,3 Mrd. EUR auf 11,8 bis 12,2 Mrd. EUR reduziert. Grund sind Belastungen von mehr als 100 Mio. EUR durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs, mit denen SAP seine Daten- und KI-Plattform ausbauen will.
Charttechnisch bleibt die Lage trotz des Kurssprungs angespannt. Seit August 2025 befindet sich die Aktie in einem übergeordneten Abwärtstrend. Ein erster Widerstand wartet an der 100-Tage-Linie bei rund 147 EUR und der Marke von 150 EUR. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte den Weg in Richtung 160 bis 170 EUR öffnen. Die 200-Tage-Linie verläuft bei ungefähr 175 EUR. Oberhalb dieser Marke würde sich das langfristige Chartbild deutlich aufhellen. Scheitert die Aktie dagegen erneut bei 150 beziehungsweise 160 EUR, droht eine längere Konsolidierung oder die Fortsetzung des Abwärtstrends. Der Kurssprung ist somit vor allem eine Erleichterungsreaktion.
Fazit
Ein kommender spekulativer Turnaround-Kandidat könnte Evotec werden, sofern die Aktie in den nächsten Handelstagen erste Stabilisierungstendenzen zeigen sollte. Diese sollten aber noch abgewartet und bei einem Einstieg der Stoppkurs knapp unterhalb der letzten Tiefs gelegt werden.
Da die Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben in den NATO-Staaten stetig erhöht werden, dürften NATO-zertifizierte Anbieter wie Volatus Aerospace zu den bevorzugten Auftragnehmern bei den staatlichen Vergabeverfahren gehören.
Für eine nachhaltige Trendwende muss SAP nun beweisen, dass das Cloud-Wachstum anhält und die hohen KI-Ausgaben ab 2027 zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führen.