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28.08.2026 | 05:45

Margenwunder, Mega-Trends und Tech-Zweifel - SAP, Suedzucker, Volatus Aerospace

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Bildquelle: Pixabay

Die aktuellen Börsenentwicklungen verdeutlichen, wie unterschiedlich Unternehmen auf globale Trends reagieren. Während ein etablierter Nahrungsmittelkonzern trotz Umsatzrückgängen seine Profitabilität durch strikte Kostenkontrolle massiv steigert, profitiert ein aufstrebender Systemintegrator vom boomenden Markt für Drohnentechnologie und wachsenden Sicherheitsbudgets. Ein führender Softwaregigant ringt hingegen mit den enormen Markterwartungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dieser Kommentar beleuchtet die Chancen und Risiken der drei Papiere.

Lesezeit: ca. 6 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: DE0007164600 , DE0007297004 , CA92865M1023


 

Südzucker: Konzernumsatz sinkt, aber operatives EBITDA steigt um 40 %

Im Juli veröffentlichte Südzucker bereits seine Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 (1. März bis 31. Mai 2026). In diesem Zeitraum verzeichnete der Zucker- und Spezialitätenkonzern einen Konzernumsatz von rund 2,0 Mrd. EUR, was einen leichten Rückgang gegenüber den 2,1 Mrd. EUR im Vorjahresquartal darstellt. Die Südzucker-Aktie (WKN: 729700 | ISIN: DE0007297004 | Ticker: SZU) notierte zuletzt bei rund 12,70 EUR und befindet sich in einer moderaten Aufwärtsentwicklung. Auf Monatssicht konnte die Aktie um über 11 % zulegen, und seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 38 % zu Buche.

Südzucker, als einer der führenden europäischen Anbieter von Zucker, Spezialitäten, Stärke, Frucht- und Bioethanolprodukten (CropEnergies), spürt aber weiterhin den Druck im Markt. Der leichte Umsatzrückgang im ersten Quartal war hauptsächlich auf das Segment Zucker zurückzuführen. Dort sank der Umsatz von 704 Mio. EUR auf 629 Mio. EUR – bedingt durch geringere Absatzmengen und sinkende Zuckerpreise. Auch in den Segmenten CropEnergies und Stärke gab es moderate Umsatzrückgänge. Die Umsätze in den Bereichen Spezialitäten und Frucht blieben hingegen stabil.

Trotz des sinkenden Konzernumsatzes konnte Südzucker sein operatives Konzern-EBITDA deutlich verbessern. Es stieg um gut 40 % von 96 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum auf 135 Mio. EUR. Diese erfreuliche Entwicklung zeigt sich auch auf Segmentebene. Im Bereich Zucker verbesserte sich das operative EBITDA infolge niedrigerer Produktionskosten von minus 34 Mio. EUR auf minus 21 Mio. EUR. Das Segment CropEnergies steigerte das operative EBITDA von 4 Mio. EUR auf 24 Mio. EUR, vor allem getragen von niedrigeren Nettorohstoffkosten und einer starken Preisentwicklung bei Ethanol. Auch im Stärke-Segment stieg das operative EBITDA von 15 Mio. EUR auf 20 Mio. EUR an. Lediglich im Frucht-Segment ging es minimal von 45 Mio. EUR auf 44 Mio. EUR zurück.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 (bis Ende Februar 2027) konkretisierte das Management die Jahresziele und rechnet nun mit einem Konzernumsatz zwischen 8,1 und 8,5 Mrd. EUR (zuvor wurden 8,0 bis 8,4 Mrd. EUR in Aussicht gestellt; Vorjahr: 8,35 Mrd. EUR). Das operative Konzern-EBITDA wird in einer Bandbreite zwischen 480 und 680 Mio. EUR (Vorjahr: 535 Mio. EUR) erwartet. Zugleich prognostiziert Südzucker einen deutlichen Anstieg des Returns on Capital Employed (ROCE) im Vergleich zum schwachen Vorjahreswert von 2,7 %.

Die geopolitische Lage und die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben als Unsicherheitsfaktoren bestehen. Vor allem mögliche zusätzliche Marktöffnungen bei internationalen Freihandelsabkommen oder zollfreie Agrarimporte aus der Ukraine in die EU stellen Risiken für den Zuckermarkt dar.

Volatus Aerospace: Kanadas Drohnenantwort

Die weltweit gestiegenen Verteidigungsbudgets treiben den Drohnenmarkt auf ein neues Rekordniveau. Experten rechnen bis 2034 mit einem signifikanten Marktvolumen von über 160 Mrd. USD, beflügelt durch die zunehmende Notwendigkeit für den Schutz von kritischer Infrastruktur, aber auch für zivile Bereiche wie Such- und Rettungsmissionen. In diesem expansiven Marktumfeld agiert Volatus Aerospace (WKN: A2JEQU | ISIN: CA92865M1023 | Ticker: ABB). Der kanadische Systemintegrator verfolgt konsequent eine Dual-Use-Strategie: Drohnen- und Softwarelösungen, die für zivile Zwecke entwickelt wurden, erfüllen nahtlos staatliche Sicherheitsanforderungen. Diese Ausrichtung, zusammen mit strategischen Kooperationen, stärkt die Unternehmensposition bei der öffentlichen Auftragsvergabe, insbesondere auf dem kanadischen Heimatmarkt.

Jüngste Entwicklungen belegen die dynamische operative Umsetzung der Unternehmensstrategie. Ein zentraler Baustein ist die Partnerschaft mit Singular Aircraft zur Weiterentwicklung der FlyOx1-Drohne in Kanada, wodurch Volatus den Eintritt in das lukrative Segment für Schwerlastdrohnen forciert. Begleitet von einer neu eröffneten Produktionsstätte in Mirabel und dem Aufbau einer lokalen Lieferkette, soll dieses System unter anderem bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden. Die FlyOx1 verfügt über eine Nutzlastkapazität von 1.560 Litern und ein Startgewicht von rund 4.000 kg, womit neue Standards bei autonomen Fluggeräten gesetzt werden.

Gleichzeitig intensiviert Volatus die Zusammenarbeit mit Kraus Hamdani Aerospace für den Ausbau eines netzwerkbasierten Ökosystems. Im Zentrum steht die ausdauernde K1000ULE-Drohne, die mit der robusten Kommunikationsarchitektur ATNE++ ausgestattet wird. Ziel ist es, die Brandbekämpfung der regelmäßig auftretenden Waldbrände in Kanada deutlich zu verbessern. Die K1000ULE liefert durch ihre Konzeption für den Dauereinsatz auch in abgelegenen Gebieten kontinuierliche Aufklärungsdaten und sichert eine verlässliche Kommunikation mit der zuständigen Bodenstation. Das hebt sie deutlich von konventionellen Drohnen ab.

Durch diese strategischen Allianzen erweitert Volatus das Geschäftsmodell systematisch, welches von Softwarelösungen und Dienstleistungen getragen wird. Die Relevanz der eigenen Software als Umsatztreiber zeigte sich bereits durch eine starke Marge der SKYDRA-Plattform. Die jüngsten Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 untermauern diesen eingeschlagenen Wachstumskurs. Volatus verzeichnete einen Umsatz von 8,42 Mio. CAD, was einer Steigerung von 49,5 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Dabei stiegen die Auslieferungen von Ausrüstung um 38 % und die Einnahmen aus Dienstleistungen sogar um 59 % im Vergleich zum ersten Quartal. Mit liquiden Mitteln in Höhe von 59,2 Mio. CAD verfügt das Unternehmen zudem über die bisher stärkste Kapitalausstattung seiner Geschichte, um weitere Investitionen und Produktionshochläufe zu finanzieren.

Die strategische Positionierung von Volatus als vertikal integrierter Lösungsanbieter trifft auf ein geopolitisches Marktumfeld, das Investitionen in unbemannte Systeme stark fördert. Neben dem kanadischen Heimatmarkt eröffnen sich zunehmend internationale Perspektiven. Die eingeleitete Qualifizierung für das U. S. Drone Dominance Program der Phase II signalisiert das Potenzial für umfassende Aufträge durch US-Verteidigungsprogramme. Gleichzeitig unterstreichen Initiativen wie die von Großbritannien und Lettland geführte Drone Coalition mit einem Budget von 45 Mio. EUR oder das 540 Mio. EUR schwere Beschaffungsprogramm der deutschen Bundeswehr die internationale Dynamik im Drohnensektor, von dem auch Volatus Aerospace mittel- bis langfristig profitieren könnte.

SAP-Aktie fällt trotz höheren Kursziels – Wird ausgerechnet KI zum Bremsklotz?

Bei der Aktie von SAP (WKN: 716460 | ISIN: DE0007164600 | Ticker: SAP) prallen zwei Geschichten aufeinander. Operativ wächst Europas bedeutendster Softwarekonzern kräftig, doch an der Börse zweifeln Anleger zunehmend daran, ob SAP seine starke Stellung schnell genug in ein lukratives KI-Geschäft übersetzen kann. Am Mittwoch verlor der Titel kurzfristig 2,93 % und fiel auf 176,82 EUR und war damit einer der schwächsten DAX-Werte. Am Donnerstag war dieser Abverkauf bereits wieder obsolet und die Aktie bereitet sich auf einen Lückenschluss der Kurslücke vom 29.01.2026 vor, der bei 196,14 EUR vollzogen wäre.

Auslöser war eine ungewöhnliche Studie der UBS. Die Bank stufte SAP von „Kaufen“ auf „Neutral“ herab, erhöhte ihr Kursziel jedoch deutlich von 164 auf 201 EUR. Die Botschaft: UBS hält das Kerngeschäft für robust und sieht zum aktuellen Kurs rund 12 % Potenzial. Für eine Kaufempfehlung fehlen den Analysten Impulse. Kritisiert wird vor allem die schleppende Auslieferung sogenannter KI-Agenten. Nach Zählung der UBS bietet SAP erst 17 sofort einsetzbare Agenten an; weniger als 20 weitere befänden sich im Hochlauf.

Dabei lesen sich die am 23. Juli veröffentlichten Q2-Zahlen keineswegs schwach. Der Umsatz stieg um 9 % auf 9,88 Mrd. EUR, der Cloud-Umsatz sogar um 22 % auf 6,28 Mrd. EUR. Wichtig ist der aktuelle Cloud-Auftragsbestand: Er wuchs währungsbereinigt um 26 % auf 22,93 Mrd. EUR und zeigt, welche Erlöse in den kommenden zwölf Monaten vertraglich abgesichert sind. Der Nettogewinn legte um 26 % auf 2,21 Mrd. EUR zu. Auch der operative Cashflow sprang um 22 % auf 3,15 Mrd. EUR, der freie Cashflow um 27 % auf 3,00 Mrd. EUR.

Im ersten Quartal hatte SAP 9,56 Mrd. EUR umgesetzt und 1,95 Mrd. EUR verdient. Wegen einer Zahlung von 408 Mio. EUR im Teradata-Rechtsstreit sank der freie Cashflow um 9 % auf 3,25 Mrd. EUR. Im ersten Halbjahr stehen nun 19,43 Mrd. EUR Umsatz, 4,16 Mrd. EUR Nettogewinn und 6,25 Mrd. EUR freier Cashflow. Die Bruttomarge blieb mit 73,1 % nahezu stabil, während die operative Marge auf 27,7 % stieg.

2025 erzielte SAP 36,8 Mrd. EUR Umsatz, davon 21,02 Mrd. EUR in der Cloud, sowie 8,24 Mrd. EUR freien Cashflow. Für 2026 peilt das Management 25,8 bis 26,2 Mrd. EUR Cloud-Umsatz und rund 10 Mrd. EUR freien Cashflow an. Die Prognose für den bereinigten operativen Gewinn wurde wegen der Übernahmen von Dremio und Prior Labs auf 11,8 bis 12,2 Mrd. EUR gesenkt.

Der Konflikt bleibt damit klar: SAP besitzt Kundendaten und Geschäftsprozesse, die für zuverlässige Unternehmens-KI wertvoll sind. Kommen die Agenten jedoch zu langsam, könnten Kunden eigene Lösungen bauen und die erhofften Zusatzerlöse ausbleiben. UBS erwartet zudem, dass sich das währungsbereinigte Wachstum des Cloud-Auftragsbestands bis Jahresende auf etwa 24 % abschwächt.

Zusammenfassung

Südzucker verzeichnete zwar leicht rückläufige Umsätze, konnte aber das operative EBITDA durch gesunkene Kosten um 40 % deutlich steigern. Der Drohnenintegrator Volatus Aerospace verzeichnet dank strategischer Partnerschaften und einer Dual-Use-Strategie ein deutliches Umsatzwachstum. Trotz starken Wachstums im Cloud-Geschäft setzen Analystenzweifel an der langsamen Umsetzung der KI-Strategie den Aktienkurs von SAP unter Druck.



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