21.08.2026 | 05:45
Drei Aktien, drei Themen: Rally, Absturz und Comeback-Chance - Lahontan Gold, Moderna, Pfisterer
Rekordgewinne und trotzdem zweistellige Kursverluste: An der Börse zählt nicht nur das Ergebnis, sondern nur der Blick nach vorn in die Zukunft. Genau hier entstehen die spannendsten Chancen. Ein zyklischer Infrastrukturwert mit abkühlender Dynamik, ein Biotech-Titel nach einem medizinischen Paukenschlag und ein Rohstoff-Player, der vom Goldpreis und Projektfortschritt lebt. Wer verstehen will, ob hinter den Bewegungen Übertreibung oder neue Fakten stecken, findet in den Zahlen und Ausblicken die entscheidenden Signale.
Lesezeit: ca.
6 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
CA50732M1014 , US60770K1079 , DE000PFSE212
Rekordzahlen – trotzdem 12 % Kurssturz: Was ist bei dieser Stromnetz-Aktie los?
Die Aktie von PFISTERER (WKN: PFSE21 | ISIN: DE000PFSE212 | Ticker: PFSE) schloss im gestrigen Xetrahandel den Tag bei 70,00 EUR ab und der Börsenwert liegt bei rund 1,25 Mrd. EUR. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von ungefähr 8,25 % und seit dem Allzeithoch im Mai sogar 38 % im Kontor. Auf 52-Wochen-Basis bleibt die Aktie jedoch etwa 20 % im Plus. Gegenüber der Erstnotierung bei rund 30 EUR im Mai 2025 beträgt der Gewinn weiterhin ungefähr 135 %.
PFISTERER hat seinen Hauptsitz in Winterbach bei Stuttgart und entwickelt Verbindungs- und Isolationslösungen für Stromnetze. Dazu gehören Kabelgarnituren, Steckverbinder, Transformatoranschlüsse, Isolatoren und Bauteile für Freileitungen. Die Produkte werden von der Stromerzeugung über die Übertragung bis zur Verteilung eingesetzt – an Land, unter der Erde und bei Offshore-Projekten. Besondere Wachstumschancen sieht das Unternehmen bei Hochspannungs-Gleichstromnetzen, kurz HVDC. PFISTERER ist in 15 Ländern mit Standorten vertreten und beliefert Kunden in mehr als 90 Ländern. Die Pfisterer-Familie kontrolliert weiterhin die Mehrheit, wobei Karl-Heinz Pfisterer 46 % und Anna Dorothee Stängel rund 10 % hält. Geführt wird das Unternehmen von Johannes Linden und Dr. Konstantin Kurfiss.
Die Halbjahreszahlen fielen auf den ersten Blick sehr stark aus. Der Umsatz stieg um 20,2 % auf 256,7 Mio. EUR. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 32,7 % auf 52,4 Mio. EUR, während die Marge von 18,5 auf 20,4 % zulegte. Der Nettogewinn sprang sogar um 75,9 % auf 38,3 Mio. EUR beziehungsweise 2,09 EUR je Aktie. Der operative Cashflow verbesserte sich von 0,5 auf 18,8 Mio. EUR und war damit klar positiv. Gleichzeitig flossen 19,8 Mio. EUR in Investitionen, wodurch der freie Cashflow ungefähr ausgeglichen war. Die Bilanz bleibt solide und PFISTERER verfügte Ende Juni über 56,9 Mio. EUR an Zahlungsmitteln bei einer Eigenkapitalquote von 55,3 %. Allerdings wurde aus der Nettoliquidität von 19,2 Mio. EUR zum Jahresende 2025 inzwischen eine geringe Nettoverschuldung von 4,2 Mio. EUR. Grund sind unter anderem höhere Investitionen, die Dividendenzahlung und ein Anstieg des Working Capitals von 99,9 auf 121,7 Mio. EUR.
Der Kurssturz dürfte vor allem enttäuschten Erwartungen geschuldet sein. Der Auftragseingang sank im ersten Halbjahr um 9,4 % auf 263 Mio. EUR und im zweiten Quartal um 9,7 %. Positiv: Der Auftragsbestand stieg dennoch um 8,9 % auf 340,3 Mio. EUR. Zudem verlangsamte sich das Umsatzwachstum im zweiten Quartal auf 14,4 %, während die Bruttomarge von 42,3 auf 40,4 % zurückging. Trotz der starken Ergebnisse hob das Management seine langfristige Prognose nicht an. Ein Teil des Gewinnanstiegs entstand außerdem durch eine niedrigere Steuerquote und eine Versicherungszahlung.
Charttechnisch notiert die Aktie unter allen wichtigen Linien. Die 20-Tage-Linie liegt bei rund 79,60 EUR, die 50-Tage-Linie bei 81,50 EUR, die 100-Tage-Linie bei 79,60 EUR und die 200-Tage-Linie bei etwa 78,90 EUR. Die Zone zwischen 65 und 70 EUR ist nun entscheidend. Unter 65 EUR wären 60 EUR und das 52-Wochen-Tief bei rund 57,70 EUR mögliche Ziele. Erst oberhalb von 82 EUR würde sich das Chartbild wieder deutlich aufhellen.
Lahontan Gold steigert Ressourcenpotenzial im Santa-Fe-Projekt signifikant weiter
Der Goldmarkt konsolidiert nach der starken Anfangsphase des Jahres 2026, doch klare Fundamentaldaten und der vermutliche Abschluss der Bodenbildung ziehen die Investoren in dieser Woche wieder ins Gold zurück. Lahontan Gold (WKN: A3DKKY | ISIN: CA50732M1014 | Ticker: Y2F) nutzt dieses Umfeld, um den Wandel vom reinen Explorer zum Produzenten in Nevada zielstrebig voranzutreiben. Die Unternehmensmitteilungen und die letzten Analysen legen nahe, dass Lahontan mit dem goldhaltigen Haldenmaterial einen zusätzlichen Goldschatz auf seinem Santa-Fe-Projekt liegen hat. Auch die Anfang der Woche veröffentlichte aktualisierte Mineralressourcenschätzung dürfte substantielles Wertpotenzial freisetzen.
Die jüngste Veröffentlichung zur Santa-Fe-Liegenschaft markiert einen deutlichen Sprung der vorhandenen Ressource. Die angegebenen Ressourcen (Indicated) belaufen sich laut Bericht nun auf 1,195 Mio. Gold-Äquivalent-Unzen, während die abgeleiteten Ressourcen (Inferred) nun 1,190 Mio. Gold-Äquivalent-Unzen umfassen. Dies ist ein Anstieg gegenüber der Mineralressourcenschätzung aus 2024 um 22 % und stärkt die wirtschaftliche Basis des Projekts nochmals. Gleichzeitig erhöht es auch das Ungleichgewicht zwischen dem Explorationspotenzial nebst Haldenbestand und den aktuellen konservativen Bewertungskennzahlen an der Börse. Noch wartet der Markt auf konkrete Produktionspläne, aber die Zahlen zeigen eine klare Tendenz. Santa-Fe besitzt neben der beachtlichen Projektgröße auch ein qualitativ hochwertiges Goldvorkommen mit Explorationspotenzial, das in der nächsten Phase der kommenden Wirtschaftlichkeitsstudie stärker in den Fokus rücken dürfte.
Der operative Plan von Lahontan setzt auf eine Finanzierungsstruktur, die bis Ende 2026 festgezurrt werden soll. Um die Verwässerung der Aktionäre so gering wie möglich zu halten, ist das Ziel, eine Finanzierung von rund 80 % Fremdkapital und 20 % Eigenmitteln aufzubauen. Die hohe Projektrendite nach Produktionsbeginn soll zeitnah zur Tilgung genutzt werden, um damit die Eigenkapitalrendite der Aktionäre zu steigern. Vor dem Hintergrund eines voraussichtlichen Kostenrahmens für die Reaktivierung des Santa-Fe-Standorts von rund 135 Mio. USD ist dieser Finanzierungsmix sinnvoll, da er eine beschleunigte Kreditrückzahlung ermöglicht und Verwässerungseffekte gering hält. Abzuwarten gilt, inwieweit sich die aktualisierte Ressourcenschätzung in der kommenden Wirtschaftsberechnung in konkrete Produktionskostensenkungen und Margenvorteile übersetzen lässt. Die letzten Bohr- und Testergebnisse im Haldenmaterial haben jedenfalls bestätigt, dass sich die Halden kosteneffizient durch das Haufenlaugungsverfahren verarbeiten ließen.
Moderna explodiert um 160 %: Historischer Durchbruch mit Krebsimpfstoff
Die Aktie von Moderna (WKN: A2N9D9 | ISIN: US60770K1079 | Ticker: MRNA) stieg am Mittwoch zeitweise um rund 185 % auf 176,66 USD. Dadurch erhöhte sich der Börsenwert innerhalb weniger Stunden um etwa 40 Mrd. USD auf rund 70 Mrd. USD. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie inzwischen mehr als 400 % im Plus, auf 52-Wochen-Basis beträgt der Gewinn rund 480 %. Dennoch notiert Moderna auf Fünfjahressicht weiterhin ungefähr 60 % im Minus. Bis zum Rekordhoch von 497,49 USD aus dem Jahr 2021 fehlen vom aktuellen Niveau noch etwa 200 %.
Auslöser war ein bedeutender Erfolg mit der personalisierten mRNA-Krebstherapie Intismeran. In einer Phase-3-Studie mit 1.137 Patienten senkte die Kombination aus Intismeran und Mercks Krebsmedikament Keytruda das Risiko, dass ein vollständig entfernter Hochrisiko-Hautkrebs zurückkehrt oder sich im Körper ausbreitet, statistisch und klinisch relevant. Es ist die erste erfolgreiche Phase-3-Studie einer personalisierten mRNA-Krebstherapie. Intismeran wird anhand der Mutationen des jeweiligen Tumors individuell hergestellt und kann bis zu 34 sogenannte Neoantigene enthalten.
Konkrete Prozentwerte aus Phase 3 wurden noch nicht veröffentlicht. In der vorherigen Phase-2-Studie reduzierte die Kombination das Risiko eines Rückfalls oder Todes nach fünf Jahren jedoch um 49 % und das Risiko von Fernmetastasen oder Tod um 59 % gegenüber Keytruda allein. Die Unternehmen wollen die vollständigen Daten auf einem medizinischen Kongress vorstellen und anschließend die Zulassung beantragen. Merck und Moderna teilen sich Entwicklungskosten und mögliche Gewinne zu gleichen Teilen. Analysten halten langfristig allein bei Melanomen einen Jahresumsatz von bis zu 3 Mrd. USD für möglich. Merck stieg infolge der Nachricht um rund 13 %, BioNTech als mRNA-Konkurrent um etwa 20 %.
Fundamental bleibt Moderna trotz des Durchbruchs ein verlustreiches Biotechnologieunternehmen. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Umsatz lediglich 145 Mio. USD, nach 142 Mio. USD im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust verbesserte sich leicht von 825 auf 782 Mio. USD beziehungsweise minus 1,97 USD je Aktie. Für Forschung und Entwicklung gab Moderna 651 Mio. USD aus. Ende Juni standen noch 6,9 Mrd. USD an liquiden Mitteln und Anlagen zur Verfügung. Im ersten Halbjahr lag der operative Mittelabfluss bei rund 1,2 Mrd. USD. Für Ende 2026 erwartet das Management noch 4,7 bis 5,2 Mrd. USD. Positiv ist zudem die jüngste FDA-Zulassung des Grippeimpfstoffs mFLUSIVA.
Charttechnisch hat der Kurssprung alle bekannten Widerstände durchbrochen. Die 20- und 50-Tage-Linien verlaufen nach der heutigen Bewegung ungefähr bei 63 USD, die 100-Tage-Linie bei 57 USD und die 200-Tage-Linie bei rund 47 USD. Damit ist die Aktie extrem weit von ihren Durchschnittslinien entfernt. Erste Unterstützungen liegen bei 114 bis 115 USD sowie am früheren Jahreshoch um 85 USD. Oberhalb von 164 USD wären 200 USD und später 250 USD die nächsten psychologischen Marken. Der wissenschaftliche Durchbruch verändert die Perspektive – die fehlenden Phase-3-Details, der hohe Geldverbrauch und die Bewertung bleiben jedoch erhebliche Risiken.
Zusammenfassung
PFISTERER liefert starke Halbjahreszahlen, doch ein schwächerer Auftragseingang und die unveränderte Jahresprognose drücken die Aktie trotz solider Bilanz deutlich gen Süden.
Lahontan Gold erhöht die Santa-Fe-Ressource um 22 % und plant die Finanzierung bis Ende 2026, während der Markt anscheinend noch auf belastbare Produktionsdetails wartet.
Die Moderna-Aktie sprang nach dem Phase-3-Erfolg bei mRNA-Krebstherapie stark an, bleibt aber wegen hoher Verluste und Cashburn trotz Zulassungsperspektive riskant.