22.07.2026 | 05:45
Gold, Türöffner für Übernahme und keine Trendwende in Sicht - Commerzbank, Lahontan Gold, Renk, UniCredit
Die Welt der Börse ist beständig im Fluss und diese Dynamik bietet Investoren stetig neue Chancen, fordert aber gleichzeitig eine gute Kenntnis zu einzelnen Sektoren und Unternehmen. Unser aktueller Bericht beleuchtet drei hochspannende Werte aus verschiedenen Sektoren, die durch Übernahmephantasien, strategische Neuausrichtungen und starke Fundamentaldaten bestechen. Ob geopolitische Impulse bei Edelmetallen, politische Interventionen im Bankensektor oder die Diskrepanz zwischen schwacher Charttechnik und operativer Stärke in der Rüstungsindustrie – die heutigen Einblicke liefern Ihnen eine gute Grundlage für Ihre kommenden Anlageentscheidungen.
Lesezeit: ca.
7 Minuten.
Autor:
Stefan Bode
ISIN:
DE000CBK1001 , IT0005239360 , CA50732M1014 , DE000RENK730 , US47233W1099
Commerzbank-Aktie: Öffnet die Bundesregierung UniCredit jetzt die Tür?
Im Übernahmekampf um die Commerzbank (WKN: CBK100 | ISIN: DE000CBK1001 | Ticker: CBK) deutet sich eine neue Entwicklung an. Die Bundesregierung hatte den Vorstoß der italienischen UniCredit (WKN: A2DJV6 | ISIN: IT0005239360 | Ticker-Symbol: CRIN) bislang entschieden abgelehnt. Nun scheint Berlin jedoch eine pragmatischere Haltung einzunehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte zuletzt, dass die Regierung eine Übernahme nicht verhindern wolle. Damit könnte eine der wichtigsten politischen Hürden für UniCredit an Bedeutung verlieren. Von einer Zustimmung der Bundesregierung oder einem Verkauf des Bundesanteils kann allerdings noch keine Rede sein. Deutschland hält weiterhin rund 12 % an der Commerzbank und hatte das Übernahmeangebot wegen des aus seiner Sicht zu niedrigen Preises sowie des Vorgehens von UniCredit zurückgewiesen. Medienberichten zufolge bereitet die Bundesregierung nun mögliche Forderungen für spätere Gespräche vor.
Dazu könnten der Erhalt einer eigenständigen Börsennotierung in Frankfurt, die Fortführung des internationalen Filialgeschäfts und ein höherer Preis für die Commerzbank-Aktien gehören. Innerhalb der Bundesregierung soll es bislang allerdings noch keine einheitliche Position geben. Konkrete Verhandlungen zwischen Berlin und UniCredit wurden ebenfalls nicht bestätigt. Die italienische Großbank hat sich bereits eine starke Position gesichert. Bis zum Ende der zusätzlichen Annahmefrist am 3. Juli wurden 17,60 % der Commerzbank-Aktien angedient. Zusammen mit dem direkt gehaltenen Anteil von 26,77 % und Finanzinstrumenten über weitere 3,22 % kommt UniCredit rechnerisch auf 47,59 % des Grundkapitals. Da eigene Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind, entspricht dies 49,65 % der Stimmrechte. Die Übertragung der angedienten Aktien steht jedoch weiterhin unter dem Vorbehalt der notwendigen regulatorischen Genehmigungen.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wertet die geringe Zustimmung unabhängiger Investoren als Bestätigung für den eigenständigen Kurs. Nach Angaben der Bank wurden weniger als 2 % der Aktien von institutionellen Investoren und Privatanlegern angedient. Der Großteil stamme von Banken und Parteien, die als Gegenparteien bei UniCredit-Derivaten auftreten. Das Management hält deshalb an seiner Strategie „Momentum 2030“ fest, zeigt sich aber grundsätzlich offen für einen konstruktiven Dialog. Für Anleger bleibt die Lage komplex. Das ursprüngliche Angebot bestand aus 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie und hatte somit keinen festen Gegenwert in EUR. Da die Annahmefrist inzwischen abgelaufen ist, können ohnehin nicht angediente Aktien künftig nicht mehr zu diesen Konditionen getauscht werden. Der aktuelle Commerzbank-Kurs erlaubt daher keine direkte Aussage darüber, welchen Wert Investoren dem früheren Angebot beimessen.
Am Dienstag, dem 21. Juli 2026, notierte die Commerzbank-Aktie knapp unterhalb der 37 EUR. Seit Jahresbeginn liegt sie damit 1,4 % im Plus, während auf 52-Wochen-Sicht ein Anstieg von rund 29 % zu Buche steht. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 41,6 Mrd. EUR. Die veränderte Haltung der Bundesregierung hält die Übernahmefantasie am Leben, hat bislang aber keine deutliche Neubewertung ausgelöst. Entscheidend bleibt, ob UniCredit einen höheren Preis anbietet und Berlin belastbare Zusagen macht. Neue fundamentale Impulse dürften am 6. August mit den Zahlen zum zweiten Quartal kommen.
Lahontan Gold: Nevada – Der Pfad zur Goldproduktion
Der Goldmarkt ist nach der Kursverdopplung von Ende 2024 bis Anfang 2026 auf knapp 5.600 USD je Unze in eine Korrekturphase übergetreten. Seit knapp zwei Monaten stabilisiert sich der Kurs in einem Bodenbildungsversuch zwischen 3.940 USD und 4.300 USD. Damit notiert das güldene Edelmetall auf einem Niveau von November 2025 und von einem Crash kann keine Rede sein. Trotz Kursrücksetzer von in der Spitze bis zu 30 % zeigt die Charttechnik nur eine überfällige Korrektur nach einem starken Anstieg an. Auch die geopolitischen Rahmenbedingungen mit der Kriegseskalation im Nahen Osten und der massiven Überschuldung vieler Staaten mit immer höheren Budgets für Rüstung sprechen eine klare Sprache, dass die Flucht ins Gold oder, wie es einige Kritiker als „das Relikt barbarischer Zeiten“ bezeichnet haben, weiter anhalten wird. Das zeigen auch die Zentralbankdaten, wo China nach wie vor der größte Käufer von Gold ist und seine Bestände an US-Staatsanleihen beständig reduziert.
In diesem Umfeld hat sich Lahontan Gold (WKN: A3DKKY | ISIN: CA50732M1014 | Ticker-Symbol: Y2F) als potenzieller Goldproduzent in Nevada positioniert. Das Santa-Fe-Projekt ist das Kernelement der Wachstumsstrategie des Explorationsunternehmens. Dieser will in den nächsten 18 Monaten den Sprung vom Explorer zum Goldproduzenten vollziehen und die ehemalige Gold- und Silbermine wieder zur Produktion führen. Durch die bereits bestehende Infrastruktur sowie die historischen Förderdaten ist das Risikoprofil gegenüber reinen Greenfield-Projekten deutlich geringer, da der finanzielle Aufwand niedriger ausfällt und alte Genehmigungen „nur“ erneuert werden müssen. Gleichwohl bleibt die Finanzierung des Vorhabens ein zentrales Thema. Die aktuell vorgesehenen CAPEX-Schätzungen in Höhe von ca. 135 Mio. USD sollen primär über Fremdkapital getragen werden. Die neue Mineralressourcenschätzung (MRE) und die überarbeitete vorläufige wirtschaftliche Bewertung (PEA) sind für September 2026 vorgesehen und die im Anschluss einhergehende Investitionsentscheidung sind die markanten Wendepunkte für das Unternehmen und potenzielle Investoren in diesem Jahr. Da Nevada eine der attraktivsten Bergbauregionen der USA ist, erfährt das Santa-Fe-Projekt bisher aufsichtsrechtliche Unterstützung seitens der zuständigen Behörden.
Die Ressourcenbasis des Santa-Fe-Projektes ist längst Bestandteil der Unternehmensbewertung, wenngleich noch genügend Luft nach oben besteht. Die bisher angezeigte Ressource wird mit ca. 1,539 Mio. Unzen Goldäquivalent und die daraus abgeleitete Ressource mit noch einmal 411.000 Unzen angegeben. Damit nähert sich das Projekt der Zwei-Millionen-Unzen-Marke an, ein Indikator, der in der Branche oft M&A-Interesse größerer Minengesellschaften weckt. Durch die mehr als 87 neuen Bohrlöcher, die Lahontan bereits 2026 niedergebracht hat, könnte diese Marke sogar erstmalig übersprungen werden. Die jüngsten Bohrergebnisse – etwa im Calvada-Abschnitt mit signifikanten Goldabschnitten – stützen zumindest das Potenzial einer weiteren Ressourcenerweiterung. Das sollte sich ebenfalls positiv auf die Projektfinanzierung auswirken, welche CEO Kimberly Ann zum Jahresende 2026 anstrebt.
Hier will die Geschäftsführerin von Lahontan eine Strukturierung der Baukosten mit ca. 80 % Fremdkapital und 20 % Eigenmitteln bewerkstelligen. Bei einem aktuellen Kursniveau von ca. 0,34 CAD pro Aktie wäre die Verwässerung zwar spürbar, aber sie würde überschaubar bleiben. Durch die hohe Projektrentabilität würde zudem das Fremdkapital zügig getilgt und so der Mehrwert für alle Aktionäre erhöht werden. Sollten aber weitere positive Bohrergebnisse und die kommenden neuen MRE & PEA die Unternehmensbewertung weiter befeuern, würden die Verwässerungseffekte entsprechend immer geringer ausfallen. In diesem Licht bietet Lahontan eine interessante Investitionsthese: Vom risikoreichen Explorationstitel zum Produzenten in einer der politisch stabilsten Bergbauregionen Nordamerikas innerhalb von 18 Monaten.
RENK-Aktie: Trendwende bleibt aus – fällt jetzt das 52-Wochen-Tief?
Die RENK-Aktie (WKN: RENK73 | ISIN: DE000RENK730 | Ticker: R3NK) bleibt trotz guter operativer Nachrichten technisch schwer angeschlagen. Bei rund 44,60 EUR notiert das Papier unter den gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50, 100 und 200 Tage. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf etwa 18 %, auf Zwölfmonatssicht sogar auf rund 37 %. Die Marktkapitalisierung ist damit auf 4,39 Mrd. EUR gefallen. Der Abwärtstrend begann bereits im Herbst 2025 und beschleunigte sich im November deutlich. Seitdem folgten auf kurze Erholungen immer wieder neue Verkaufswellen. Auch die Gegenbewegung Anfang Juli wurde rasch abverkauft. Die Aktie nähert sich erneut ihrem 52-Wochen-Tief. Von einer bestätigten Trendwende kann daher noch keine Rede sein. Dafür müsste der Kurs zunächst ein höheres Tief verteidigen und zumindest die 50-Tage-Linie nachhaltig zurückerobern.
Fundamental fällt das Bild deutlich freundlicher aus. RENK steigerte den Umsatz 2025 um 19,8 % auf 1,37 Mrd. EUR. Das bereinigte EBIT legte auf 230,4 Mio. EUR zu, während der Auftragsbestand zum Jahresende 6,68 Mrd. EUR erreichte. Im ersten Quartal 2026 erhöhte sich der Auftragseingang um 6,1 % auf 582,3 Mio. EUR. Der Umsatz wuchs um 4 % auf 283,6 Mio. EUR, das bereinigte EBIT um 10,4 % auf 42,4 Mio. EUR. Die Marge verbesserte sich von 14,1 auf 15 %. Allerdings gibt es auch Schwachstellen. Im Bereich Marine & Industry sank der Quartalsumsatz wegen kundenseitiger Verzögerungen und eines Lieferantenengpasses um 10,8 %. Zudem besteht der Auftragsbestand von 6,9 Mrd. EUR nur zu 2,58 Mrd. EUR aus festen Bestellungen. 3,46 Mrd. EUR entfallen auf den weniger verbindlichen „Soft Order Backlog“. Der freie Cashflow fiel 2025 trotz des Gewinnwachstums von 87,4 auf 66,9 Mio. EUR, da mehr Kapital im Working Capital gebunden war.
Strategisch stärkt RENK sein Marinegeschäft durch die geplante Übernahme von David Brown Defence. Das britische Unternehmen bringt eine Auftragspipeline von mehr als 700 Mio. GBP bis 2030 sowie Zugang zu wichtigen Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien mit. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, wodurch die finanziellen Auswirkungen vorerst schwer einzuschätzen sind. Für 2026 erwartet RENK weiterhin mehr als 1,5 Mrd. EUR Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 255 bis 285 Mio. EUR. Mit einem erwarteten KGV von rund 32 ist die Aktie jedoch noch kein klassisches Schnäppchen. Für 2027 fällt das KGV auf etwa 23 – vorausgesetzt, die erwartete Gewinnsteigerung wird tatsächlich erreicht. Der nächste wichtige Impuls folgt mit den Halbjahreszahlen am 6. August.
Fazit
UniCredit baut ihren Anteil an der Commerzbank sukzessive aus und auch die deutsche Bundesregierung sendet zunehmend verhandlungsbereite Signale. Interessant dürfte auch die Rolle des neuen drittgrößten Investors werden, denn der US-Finanzkonzern Jefferies Financial Group (WKN: A2JMVU | ISIN: US47233W1099 | Ticker-Symbol: LN3) hat zuletzt die 10 %-Schwelle bei der Commerzbank laut Stimmrechtsmitteilung von letzter Woche übersprungen.
Lahontan bietet Investoren eine interessante Investitionsgelegenheit im Goldsektor, da das Unternehmen binnen 18 Monaten den Sprung vom Explorer zum Produzenten schaffen will. Entsprechend bietet dieser Fahrplan klares Neubewertungspotenzial in einem überschaubaren Zeitraum.
Fundamental erscheint die Aktie von RENK nach dem Kurssturz interessanter, technisch bleibt sie jedoch noch ein fallendes Messer. Ein Einstieg ist daher eher spekulativ. Überzeugender wäre ein nachhaltiger Ausbruch über die 50-Tage-Linie.