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23.02.2022 | 05:45

Energiewende durch Ukrainekonflikt gefährdet? – First Hydrogen, Plug Power, RWE Aktie

  • First Hydrogen
  • Plug Power
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Bildquelle: pixabay.com

Die Europäische Union und auch die Regierung von Deutschland wollen die Energiewende bis 2030 soweit wie möglich vorangetrieben haben. Ob diese unter ökonomischen Gesichtspunkten so schnell umgesetzt werden kann, rückt dabei leider oftmals in den Hintergrund. Gerade durch den eskalierenden Ukrainekonflikt, droht ein wesentlicher Ankerpunkt der übergangstechnologischen Nutzung mit russischem Erdgas aus Nord Stream II wegzufallen. Dieses ist aber zwingend notwendig, da die Verabschiedung von Kohle- und Atomstrom längst beschlossen worden ist. Dennoch wird der Energieträger Wasserstoff einen wesentlichen Beitrag zur Klimaneutralität spielen. Der dabei erforderliche wirtschaftliche Umbau ist bereits im vollen Gange. Unternehmen, die sich auf diesem neuen Markt der Energiewende erfolgreich durchsetzen können, haben gigantisches Wachstumspotential.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , RWE AG INH O.N. | DE0007037129


 

Kurssturz aufgekauft - FIRST HYDROGEN

Nach dem Kurssturz der Aktienmärkte zum Wochenbeginn durch den Ukrainekonflikt, konnten sich die Börsen wieder erholen. Auch die Aktie von First Hydrogen (WKN: A3C40W ISIN: CA32057N1042 Ticker: FIT) fiel in diesem Umfeld vom 18.02.22 bis zum 22.02.22 von 1,69 EUR auf 1,25 EUR und damit um 23% ab, konnte aber im Laufe des 22.02.22 die Verluste wieder größtenteils auffangen und notiert wieder bei 1,61 EUR. Das Aufkaufen ist auch nicht verwunderlich, weil sich das Wasserstoffunternehmen First Hydrogen auf den milliardenschweren Markt der Lieferwagen und Transporter fokussiert.

Durch die Zusammenarbeit mit den Wasserstoffunternehmen Ballard Power und AVL Powertrain U.K. ist First Hydrogen auch kein Unbekannter im Markt und das erste Modell des Unternehmens fährt bereits in der Erprobung. Die Serienproduktion in den AVL-Werken in Großbritannien befindet sich in der Vorbereitung und dafür werden bereits wasserstoffbetriebene Fahrzeuge für Test- und Demonstrationszwecke gebaut, um mögliche Fehlerquellen im Vorfeld zu erkennen und zu beheben.

Die Serienproduktion mit 10.000 bis 20.000 Einheiten soll nach Aussagen von CEO Balraj Mann bis 2025/26 erreicht werden. Das würde zu einem Umsatz von 500 Mio. bis 1 Mrd. USD im Jahr führen. Bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung von ca. 86 Mio. EUR ist noch genügend Wachstumspotential für das Unternehmen gegeben.

Plug Power verwässert Aktionäre stark

Die Aktiengesellschaft Plug Power (WKN: A1JA81 ISIN: US72919P2020 Ticker: PLUN) gehört mit einer Marktkapitalisierung von 11,25 Mrd. EUR ganz klar zu den Schwergewichten der Wasserstoffbranche. Auf den nachfolgenden Plätzen folgen mit 2,53 Mrd. EUR Ballard Power, mit 1,7 Mrd. EUR ITM Power und mit 1,63 Mrd. EUR Marktkapitalisierung FuelCell Energy auf Platz 4. Doch unter dieser Vierer-Gruppe ist Plug Power mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 25,5 derzeit noch am „günstigsten“ bewertet. Ob das Unternehmen aber so schnell wachsen kann, wie der Markt das derzeit noch annimmt, wird die große Frage sein.

Trotz gutem Geschäftsjahr 2021, welches der Wasserstoffspezialist besser als erwartet abschließen konnte und das Anheben der Umsatzprognose für 2022, reagierte Kurs sehr volatil, notiert aber immer noch auf dem selben Kursniveau wie vor einem Monat mit 21,50 EUR je Aktie. Mit 3,5 Mrd. USD an Cash durch die Kapitalerhöhung ist das Unternehmen aber gut aufgestellt und finanziert. Wer jedoch seit IPO von 1999 dem Unternehmen die Treue hielt, der hat kumuliert einen Kursverlust von 87% erzielt. Dies liegt hauptsächlich an den mangelnden Umsätzen und den hohen Ausgaben des Unternehmens. Nur durch häufige Kapitalerhöhungen und damit Verwässerung der Altaktionäre konnte der Geschäftsbetrieb überhaupt aufrechterhalten werden. Von einst 4,22 Mio. Aktien 1999 ist dieses Volumina bereits auf über 576 Mio. Aktien explodiert. Sharholder Value sieht ganz klar anders aus und ein Kursrückgang in die Einstelligkeit ist derzeit sogar noch wahrscheinlich, ehe eine Trendwende einsetzen könnte.

RWE hebt Prognose an

Der Energiekonzern RWE (WKN: 703712 ISIN: DE0007037129 Ticker: RWE) erhöht aufgrund hoher Energiepreis die Jahresprognose deutlich. Das Rekordergebnis des Versorgers kam für viele Marktteilnehmer nicht unerwartet, zogen die Strompreise doch schon seit Sommer letzten Jahres signifikant an. Bisher rechnete die Konzernführung mit einer EIBITDA-Spanne von 3,3 bis 3,6 Mrd. EUR pro Jahr. Nun rechnet das Unternehmen mit einem Zielbereich von 3,6 bis 4,0 Mrd. EUR p.a. weil Strom, Gas und andere Energieträger zu Rekordpreisen gehandelt werden.

Allein der Erdgaspreis ging, aufgrund zu niedriger Füllstände der deutschen Versorger und der Weiterleitung von Erdgas zur Unterstützung der Ukraine, steil und vervierfachte sich. Mit 37,45 EUR je Inhaberaktie notiert sie so hoch wie zuletzt von knapp elf Jahren. Auch der Umbau zu einem der größten Ökostromanbieter ist im vollen Gang. Bis 2030 will der Konzern seinen Anteil an grünen Strom von 25 Gigawatt (GW) auf 50 GW verdoppeln. Allein um in Nordrhein-Westfalen die Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, investiert der Konzern vier Mrd. EUR. Damit soll grüner Wasserstoff mit einem Leistungsumfang von 700 Megawatt (MW), zwei Gigawatt wasserstofffähigen Gaskraftwerken und einem Gigawatt erneuerbaren Energien entstehen.


Fazit

Der Ukrainekonflikt stellt die deutsche Energiewende vor eine schier unlösbare Aufgabe. Ohne günstiges russisches Erdgas und unermesslichen Umfang, ist der Umstieg von Atom- und Kohlestrom hin zu Erneuerbaren Energien nicht im gesetzten Zeitrahmen möglich. Im Gegenteil, wenn Nord Stream 2 nicht ans Netz geht, wird ein gravierender Mangel an Strom und Wärme zu Blackouts im deutschen und europäischen Stromnetz und zu kalten Wohnungen und Häusern im Winter führen. Die ausfallenden Mengen Erdgas sind zudem nicht durch tiefgekühltes Fracking-Gas aus den USA oder Katar lieferbar und schon gar nicht zu solch günstigen Konditionen, wie sie mit Gazprom bisher ausgehandelt worden sind. Daher wird noch mehr Geld seitens der Politik in den Wasserstoffsektor investiert werden müssen, um den Ausbau zu beschleunigen.


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