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22.09.2021 | 05:45

Evergrande Krise - Substanz schlägt Wachstum – RWE, Deutsche Rohstoff AG, Gazprom

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Bildquelle: pixabay.com

Nachdem die Börsenindizes von Allzeithoch zu Allzeithoch gerannt sind, schwächte sich in den letzten Wochen die Relative Stärke der Aktienmärkte erheblich ab. Divergenzen in den Indikatoren signalisierten Marktzurückhaltung und mit der nun vieldiskutierten Evergrande-Krise in China wurde ein Auslöser gefunden, der die aktuellen Marktrücksetzer rechtfertigen könnte. Dennoch ist Evergrande kein Lehman Brother die Zweite, sondern ein mit verwertbarer Substanz aufgebautes und verwertbares Unternehmen. Ja, die Eigenkapitalgeber werden zu Recht Geld verlieren. Die Kreditgeber werden durch Immobilienverkäufe zwar nicht kurzfristig, aber nach der Abwicklung bedient werden können. Daher schlägt im Ernstfall Substanz einen Wachstumstitel.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Stefan Bode
ISIN: RWE AG INH O.N. | DE0007037129 , DT.ROHSTOFF AG NA O.N. | DE000A0XYG76 , GAZPROM ADR SP./2 RL 5L 5 | US3682872078


 

Kohle machen mit Erdöl – Deutsche Rohstoff AG

Die Deutsche Rohstoff AG (WKN: A0XYG7 ISIN: DE000A0XYG76 Ticker: DR0) profitiert als Rohstoffunternehmen und Substanzwert von der starken Nachfrage nach Rohstoffen. Während des Preissturzes von Erdöl in 2020 kam die Aktie des Unternehmens deutlich unter die Räder und erst bei 6,10 EUR fand die Aktie ihren Boden. Doch viele Anleger haben nicht gesehen, dass nur ein Teil des Portfolios mit Erdöl in Verbidnung steht. Mittlerweile sind die Kursturbulenzen ausgestanden und die Aktie notiert mit 17,90 EUR über 185% höher. Doch es läuft weiter rund bei der Deutsche Rohstoff AG, das Unternehmen nutzt den starken Cashflow und investiert im zweiten Quartal 15,6 Mio. USD in die Entwicklung und Bebohrungen des Bright Rock Areals. Insgesamt werden damit in diesem Jahr 32 Bohrungen durchgeführt worden sein und im ersten Quartal 2022 sollten dann voraussichtlich 1.500 Barrel Erdäquivalente pro Tag (BOEPD) produziert werden.

Damit vervierfacht sich die aktuelle Produktion und die Bohrlöcher würden sich bei einem Erdölpreis von 55 USD innerhalb der ersten zwei Jahre amortisieren. Begeistern dürfte Anleger von Deutsche Rohstoff AG die jüngst angehobenen Prognosen für 2022. Durch zusätzliche Bohrungen steigen die Umsätze ab 2022 und da die Erdöl- und Erdgaspreise im bisherigen Prognosezeitraum deutlich gestiegen sind, erwartet das Unternehmen nun Umsätze zwischen 98 Mio. EUR und 106 Mio. EUR. Das EBITDA soll zwischen 70 Mio. EUR und 76 Mio. EUR betragen. Vergleicht man das mit den ursprünglichen Planzahlen von 47 Mio. EUR und 52 Mio. EUR EBITDA, dann ist das ein Sprung von fast 50%! Bei einer Marktkapitalisierung von derzeit 89,7 Mio. EUR ist die Aktie bei einem Kurs von 17,90 EUR als sehr günstig zu betrachten.

Kohle machen mit Erdgas - Gazprom

Einen Wachstumskonzern zum Preis eines Substanztitels zu bekommen, kann mit dem russischen Unternehmen Gazprom (ISIN: US3682872078, WKN: 903276, Ticker: GAZ) erreicht werden. Das Unternehmen hat in den letzten zehn jahren massiv in Infrastrukturprojekte und damit in Wachstum investiert und kommt nun in die ertragreiche Erntephase. Ein weiteres Großprojekt mit Nord Stream 2 ist fertiggestellt und nun können endlich Rückflüsse für das Unternehmen generiert werden. Der weltgrößte Erdgaskonzern profitiert zusätzlich durch steigende Erdgaspreise, die mit 5 USD/MBtu (Million British termal unit) nun bereits wieder ein neues Elf-Jahres-Hoch ausgebildet haben. Doch kaum ist mit der Fertigstellung etwas Ruhe eingekehrt, wird nun Gazprom von EU-Abgeordneten eine mögliche Marktmanipulation vorgeworfen.

Einige EU-Parlaments-Abgeordnete unterstellen Gazprom, dass es die existierende Yamal-Pipeline durch die Ukraine und Polen nicht voll auslaste, Erdgas zurückhalte und damit einen Preisanstieg bewusst provoziert habe. Außerdem wäre aus Sicht der EU-Parlaments-Abgeordneten ein offensichtlicher Zusammenhang mit der fertiggestellten Nord Stream 2 Pipeline erkennbar. Diese Behauptung soll nun nach Willen der Parlamentarier ein Untersuchungsausschuss überprüfen, zumindest ist das bei der EU-Kommission beantragt. Gazprom lehnt die Beschuldigungen ab und behauptete das Gegenteil. Durch Nord Stream 2 könne endlich mehr Erdgas zur Verfügung gestellt werden und das wiederum sollte zu einer Entspannung des Preises führen. Außerdem seien die europäischen Gasspeicher durch den kalten Winter und Frühling zu gering gefüllt und nun wollen vor dem Winter alle ihre Speicher wieder aufgefüllt wissen. Nur durch Nord-Stream 2 kann dies nun schneller befüllt werden, als vorher.

Kohle machen mit Kohle – RWE

Durch den beschlossenen Atomstrom-Ausstieg Deutschland gehen in diesem Jahr die drei Atommeiler Brokdorf, Grohnde und Grundrmmingen C und bis Ende 2022 die letzten drei Atommeiler Emsland, Isar/Ohu 2 und Nackarwestheim 2 vom deutschen Stromnetz. Damit entfallen 11% der deutschen Stromversorgung, die bisher massgeblich für die Grundlastfähigkeit des Stromnetzes verantwortlich waren. Es verbleiben dann nur noch die Kohle- und Erdgaskraftwerke, um die Grundlast bei Nacht oder Windstille und damit einhergehenden Ausfall von Wind- und Photovoltaikenergie hinreichend darstellen zu können. Von der Stromangebotseinschränkung dürfte am meisten Deutschlands größter Stromkonzern profitieren – die RWE AG (WKN: 703712 ISIN: DE0007037129 Ticker: RWE). Diese muss zwangsläufig die Grundlast der Stromproduktion über die verbleibenden Kohlekraftwerke steuern und das rechnet sich.

Bereits im ersten Halbjahr 2021 stieg das EBITA aus der Kohle- und Kernenergie von 310 Mio. EUR im Vorjahr auf 545 Mio. EUR. Das ist ein Anstieg von 76% binnen Jahresfrist und zeigt klar, wie mit Kohle richtig 'Kohle verdient' werden kann und das in Zeiten der Klimadebatte. Auch von Seiten der CO2-Zertifikate droht für die RWE kein Ungemach, denn der Konzern hat vorausschauend gehandelt, sich auf die konzerninternen Produktionsplanungen verlassen und sich bereits bis 2030 mit den entsprechenden Rechten an CO2-Zertifikaten eingedeckt. Allein dieser Schachzug der Tradingabteilung von RWE dürfte dem Unternehmen Milliarden Buchgewinne bescheren, denn der Preis für eine Tonne CO2 ist bereits von 25 EUR auf 60 EUR in diesem Jahr gestiegen. In 2022 soll der nächste Sprung bei der Bepreisung erfolgen und damit steigen auch die Buchgewinne des Konzerns mit.


Fazit

Trotz Evergrande-Krise gibt es nach wie vor viele Substanzwerte, die in den letzten Jahren durch die ganzen Highflyer-Wachstumswerte vom Radar der Investoren verschwunden sind. Durch die Liquiditätsprobleme in China dürfte bei vielen Investoren nun ein Umdenkprozess stattfinden, die Growth-Positionen reduziert und die Value-Positionen ausgebaut werden. Davon profitieren gerade die vorgestellten Unternehmen und das dürfte für langfristige orientierte Anleger als Depotbeimischung interessant sein.


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