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15.07.2021 | 05:45

KGV von 1 - Jetzt zuschlagen? Gazprom, Royal Dutch Shell, Saturn Oil + Gas

  • Royal Dutch Shell
  • GAZPROM
  • Saturn Oil & Gas
Bildquelle: pixabay.com

Die Rohstoffmärkte laufen sich nicht nur aufgrund der Nachfrage, sondern auch wegen der hohen Geldschwemme warm. Statt die Wirtschaft durch eine Zinserhöhung etwas abzukühlen, wird durch milliardenschwere Konjunkturpakete zusätzlich noch Kapital in den Markt gebracht, der schon jetzt kaum mehr die Nachfrage bedienen kann. Der Erdgaspreis kletterte etwa innerhalb eines Jahres um 161% und ein Ende der Rally ist nicht in Sicht. Die Indikation für die Rohölsorte Brent stieg sogar vom Tief im April 2020 um 375% und notiert derzeit bei über 76 USD das Barrel. Das lässt die Gewinnmarge der Ölkonzerne deutlich ansteigen, doch sichtbar ist dies in den Aktienkursen noch nicht.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Dr. Tim Faustmann
ISIN: ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , GAZPROM ADR SP./2 RL 5L 5 | US3682872078 , SATURN OIL+GAS O.N. | CA80412L1076 , GB00B03MM408


 

KGV von 1 - Wo gibt es denn sowas? Saturn Oil & Gas

Vor gut zwei Monaten überraschte das kanadische Erdölunternehmen Saturn Oil & Gas (WKN: A2DJV8 ISIN: CA80412L1076 Ticker: SMK) die Erdölbranche. Mit einem geschickt eingefädelten Deal konnte das Unternehmen um CEO John Jeffrey seine Produktion verzehnfachen (10x!) und das riesige Oxbow Erdölfeld im Süd-Osten von Saskatchewan erwerben. Mit der Akquisition zu einem unschlagbar günstigen Kaufpreis von 93 Mio. CAD, gelang dem Management eine Steigerung der Erdölproduktion auf über 7.000 Barrel am Tag. Dieser Glücksgriff für Saturn Oil & Gas schießt aber nicht nur die Produktionsdaten in die Höhe. Bei 160 Mio. CAD Umsatz wird das Unternehmen nach Angaben ca. 60 Mio. CAD Gewinn pro Jahr erzielen. Bei den aktuell ausstehenden Aktien und bei einem Kurs von 0,12 CAD bzw. 0,08 EUR je Aktie bedeutet dies, dass das Unternehmen aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 1 bewertet wird. Warum ist dann der Kurs so niedrig?

Die Kapitalerhöhung, die zur Kaufpreisfinanzierung des Oxbow Erdölfeldes nötig war, wurde zu 0,12 CAD je Aktie durchgeführt. Nachdem der Aktienkurs kurzzeitig bis auf 0,21 CAD bzw. 0,145 EUR hochgeschossen ist, nutzten kurzfristig orientierte Investoren die Gelegenheit sofort Kasse zu machen. Anscheinend reichten diesen Investoren die ebenfalls bei der Kapitalerhöhung ausgegebene Aktienoption zu 0,16 CAD je Aktie, die sie in den nächsten 24 Monaten ausüben zu können. Aus kurzfristiger Sicht macht es sicherlich Sinn, um ggf. weitere Eigenkapitalerhöhungen mit Optionen bei anderen Unternehmen umsetzen zu können. Gleichzeitig bietet sich aber für Langfristinvestoren die gute Gelegenheit, die Aktie von Saturn Oil & Gas günstig einzusammeln. Vergleicht man Saturn Oil & Gas mit anderen Unternehmen des Sektors, so kann festgestellt werden, dass Gazprom einen KGV von derzeit 10 und BP sogar ein KGV von 30 ausweist. Es macht also Sinn, sich mit den Daten von Saturn Oil & Gas auseinanderzusetzen. Die Chance könnte sich als sehr lukrativ erweisen.

Gazprom – Nord Stream 2 bald komplettiert

Der mehrheitlich im russischen Staatsbesitz befindliche Konzern Gazprom (ISIN: US3682872078, WKN: 903276, Ticker: GAZ) ist als Erdöl- und Erdgaskonzern ein starker Profiteur von steigenden Erdöl- und Erdgaspreisen. Als weltweiter Konzern kontrolliert Gazprom u.a. auch das größte Erdgasvorkommen der Welt. Um sich den riesigen und zahlungskräftigen Absatzmarkt in Westeuropa zu sichern, einigte man sich mit Deutschland auf den Bau von Nord Stream 2. Nachdem bereits der erste Strang des Bauprojektes fertiggestellt worden ist, sollen Ende August auch die Arbeiten am zweiten Strang abgeschlossen werden.

Dass dieses Projekt den USA mehr als nur ein Dorn im Auge ist, haben die Präsidenten Trump und Biden unmissverständlich klar gemacht. Bei einem Treffen zwischen Biden und Merkel könnte es diese Woche neben dem Ukraine-Konflikt selbstverständlich auch darum gehen. In Sachen Gazprom steht fest: Mit Fertigstellung von Nord Stream 2 werden die gewaltigen Investitionen bei dem Konzern entfallen. Eine künftig Gewinnausschüttung kann von 25% wieder auf 50% angehoben werden. Wem also die aktuellen 3,48% p.a. Dividende noch nicht ausreichen, kann sich in 1-2 Jahren auf eine Verdopplung einstellen.

Royal Dutch Shell – Aus Erdöl mach Erneuerbare Energien

Das in den Niederlanden heimische Erdölunternehmen Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M ISIN: GB00B03MLX29 Ticker: R6C) muss nach dem Shell-Urteil seinen Transformationsprozess weiter beschleunigen. Das Den Haager Gericht verurteilte das Unternehmen bis 2030 seine CO2-Emissionen um 45% zum Vergleichsjahr 2019 zu senken. Die strategische Neuausrichtung bedeutet führt weg vom Erdölkonzern, hin zum 'Erneuerbare Energien Konzern'. Dazu wird massiv in nachhaltige Energiensektoren investiert, aber auch auf ein CO2-Abscheidesystem (CCS) gesetzt, um den bisherigen Cashflow aus dem Erdölsegment zumindest aktuell noch optimal nutzen zu können.

Bei einem Shell-Unternehmen in Kanada, einer Raffinerie mit Chemiepark, soll nun eine CCS-Anlage installiert werden. Pro Jahr sollen gemäß einer Prognose hier knapp 40 Mio. Tonnen CO2“ abgeschieden werden. Über die gesamte Lebenszeit der Anlage von etwa acht Jahren sollen somit 300 Mio. Tonnen CO2 aufgefangen werden. Ob Shell das CO2 später in chemischen Prozessen verbraucht oder aber unterirdisch einlagert, ist aktuell noch nicht bekannt. Auch im Wasserstoffsegment ist Royal Dutch Shell stark vertreten und baut im Rotterdamer Industriehafen Maasvlakte II die wohl weltgrößte Produktionsanlage für grünen Wasserstoff. Bis 2023 soll diese fertiggestellt werden und mit einer Kapazität von 200 Megawatt dann 50.000 bis 60.000 kg Wasserstoff pro Tag herstellen.


Der Energiesektor ist durch steigende Energiepreise wieder interessant geworden und die Gewinnmargen steigen enorm an. Ein Unternehmen wie Saturn Oil & Gas in der aktuellen Neubewertungsphase in Langfristdepot zu kaufen, macht aus fundamentaler Sicht Sinn. Gazprom ist nach dem starken Lauf potentiell korrekturanfällig und das stetige Kreisen der US-Regierung um den Gazkonzern macht es ebenfalls nicht besser. Aber aufgrund der stark steigenden Gewinne bei Gazprom, lohnt auch hier aus langfristiger Sicht noch das gezielte Zukaufen. Kritischer ist es dagegen bei Royal Dutch Shell, welche nichts weiter als eine komplette Transformation und Abkehr vom Erdölbusiness plant. Da sind zukünftige Konflikte vorprogrammiert.


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